{"id":138,"date":"2018-02-18T11:31:50","date_gmt":"2018-02-18T10:31:50","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=138"},"modified":"2018-02-18T15:55:23","modified_gmt":"2018-02-18T14:55:23","slug":"drachensagen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=138","title":{"rendered":"Drachensagen"},"content":{"rendered":"<h1>Drachensagen<\/h1>\n<h2>Der Drache in der Lausitz<\/h2>\n<p>Das Volk denkt sich denselben als einen feurigen Luftdrachen (Plon), der als eine funkenspr\u00fchende Feuerschlange am Himmel dahinf\u00e4hrt, und zwar mit einer Schnelligkeit, da\u00df ihm die Augen nicht folgen k\u00f6nnen, und demjenigen, bei dem er sich niederl\u00e4\u00dft, Gl\u00fcck und Segen bringt. Er wendet seinen G\u00fcnstlingen unter den Sterblichen den Reichthum auf die Weise zu, da\u00df er ihnen durch die Feueresse, durch welche er seinen Ein- und Ausgang nimmt, entweder baares Geld oder Getreide oder auch Milch herzuschleppt. Es giebt sonach dreierlei Drachen, Gelddrachen, Getreidedrachen und Milchdrachen. Als Ersterer bewacht er auch die in der Erde verborgenen Sch\u00e4tze, deren Dasein manchmal in Funken ausspr\u00fchendes Feuer kund thut, was man gew\u00f6hnlich durch den Ausdruck bezeichnet: &#8222;es spielt Geld.&#8220; Wem ein Drachen zu Diensten steht, der wird unfehlbar und wunderschnell ein reicher Mann. F\u00fcr seine Gaben will jedoch der Reichthumbringer auch gut gepflegt sein. Er hat als ein Feuergeist sein verborgenes Quartier in der sogenannten H\u00f6lle hinter dem Ofen bei seinen Auserw\u00e4hlten und verlangt, da\u00df man ihm gutes Essen auf die Ofenplatte hinsetze, als Milchhirse, Fleisch etc., was er, wenn Alles im Hause schl\u00e4ft, verzehrt. Sonst ist er ein h\u00e4\u00dfliches, greuliches Wesen, das mehrere Gestalten annehmen kann.<\/p>\n<p>aus Schmaler &#8222;Volkslieder der Wenden in der Ober- und Niederlausitz&#8220; 1843<\/p>\n<h2>Der Lindwurm bei Syrau<\/h2>\n<p>Vor vielen hundert Jahren hauste ein scheu\u00dfliches Ungeheuer im Walde bei Syrau, das hatte einen Leib wie eine Schlange, mit starken Schildern bepanzert, und wenn es mit seinen Drachenfl\u00fcgeln den Leib schlug, machte es ein Get\u00f6se wie zehn Mahlg\u00e4nge. Den ganzen Tag lag es im Walde und wen es sah, den zermalmte es mit seinen f\u00fcrchterlichen Z\u00e4hnen und briet ihn an dem H\u00f6llenfeuer, das aus seinem Rachen fuhr. Weder Mensch noch Thier war vor ihm sicher. Da aber die Bauern es nicht zu bezwingen vermochten, schlossen sie einen g\u00fctlichen Vergleich mit ihm ab: er solle alle Wanderer, welche diese Stra\u00dfe z\u00f6gen, auffressen, die Syrauer aber ungeschoren lassen. Das ward ruchbar im ganzen Land und Niemand betrat mehr die gef\u00fcrchtete Stra\u00dfe. Hunger aber thut weh, dem Thiere wie dem Menschen, und so wagte sich das Ungeheuer wieder an die sich \u00e4ngstigenden Syrauer. Allt\u00e4glich hofften diese unter Flehen und Beten auf die Ankunft des tapferen Ritters St.Georg, der den Lindwurm t\u00f6dten sollte, allein es zeigte sich keine Spur von dem Heiligen, so viel sie auch Messen lesen lie\u00dfen. So mu\u00dften sie sich denn einstweilen drein ergeben und jeden Tag dem f\u00fcrchterlichen Ungeheuer einen Menschen vorwerfen. Der kranke G\u00fcrge opferte sich freiwillig dem Tode. Da aber dieses weiter Keiner nach ihm thun wollte, so mu\u00dften die Bauern durchs Loos bestimmen, wer der n\u00e4chste Ungl\u00fcckliche sein solle. Schon waren Einige diesem grausamen Schicksale verfallen, als auch die sch\u00f6ne Elsbeth, die Tochter des gr\u00f6\u00dften Bauern, das entsetzliche Loos treffen sollte; schon am n\u00e4chsten Morgen vor Sonnenaufgang sollte sie dem Drachen vorgeworfen werden. Als man ihr das ansagte, ward sie todtenbleich, denn sie hatte den schmucken Hans in ihr Herz eingeschlossen und wurde von diesem aufs Z\u00e4rtlichste wieder geliebt. Hans sagte kein Wort, ging fort, nahm eine Heugabel, schliff und pfiff bis tief in die Nacht hinein. Und als nach dem dritten Hahnenschrei das M\u00e4gdlein herausgef\u00fchrt ward und Alles weinte, denn die Elsbeth war so gut, da kam ihnen ein Mann entgegen, der eine lange Gestalt hinter sich herzog, die Heugabel auf der Schulter tragend. Ein Freudenschrei durchbebte bei diesem Anblick die k\u00fchle Morgenluft, da man den Hans erkannte, der den Drachen im Schlafe erw\u00fcrgt hatte. Elsbeth war die gl\u00fccklichste Braut unter der Sonne, und die Syrauer baueten zum Ged\u00e4chtni\u00df dieser That eine Kapelle &#8222;unserer lieben Frauen&#8220;.<\/p>\n<p>m\u00fcndlich \u00fcberliefert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drachensagen Der Drache in der Lausitz Das Volk denkt sich denselben als einen feurigen Luftdrachen (Plon), der als eine funkenspr\u00fchende Feuerschlange am Himmel dahinf\u00e4hrt, und zwar mit einer Schnelligkeit, da\u00df ihm die Augen nicht folgen k\u00f6nnen, und demjenigen, bei dem er sich niederl\u00e4\u00dft, Gl\u00fcck und Segen bringt. 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