{"id":160,"date":"2018-02-18T12:17:20","date_gmt":"2018-02-18T11:17:20","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=160"},"modified":"2018-02-18T15:50:30","modified_gmt":"2018-02-18T14:50:30","slug":"unterirdische-verteidigungsanlagen-in-westsachsen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=160","title":{"rendered":"Unterirdische Verteidigungsanlagen in Westsachsen"},"content":{"rendered":"<h1>Unterirdische Verteidigungsanlagen in Westsachsen<\/h1>\n<p>Das geheimnisvolle Dunkel unterirdischer G\u00e4nge und H\u00f6hlen hat auf die Menschheit aller Zeiten, besonders aber auf die Jugend seinen Zauber ausge\u00fcbt. In den Pausen zwischen den Schulstunden besprachen wir leidenschaftlich die M\u00f6glichkeiten, den sagenhaften unterirdischen Gang vom Bergkloster in Chemnitz zum Kloster in der alten Stadt aufzufinden. Wir malten uns aus, welche Sch\u00e4tze und Altert\u00fcmer wir dabei finden m\u00fc\u00dften, welchen tiefen Geheimnissen wir auf die Spur kommen und wie ber\u00fchmt wir werden w\u00fcrden. Die eine Gruppe war daf\u00fcr, von einem Haus in der Klosterstra\u00dfe aus vorzudringen. Dort sollte sich in einem Keller der Eingang befinden. Anderen erschien der Gang vom Bergkloster aus besser zu begehen. Ein ganz Gerissener konnte sogar eine Skizze vorzeigen. Es ginge vom Bergkloster aus viele Stufen hinunter und unter dem Schlo\u00dfteich weg. Das war zweifellos geflunkert. Aber was er sonst noch erz\u00e4hlte \u00fcber seitliche Nischen der G\u00e4nge und \u00fcber ihre Anlage in irref\u00fchrenden Schleifen, traf auf Ganganlagen dieser Art zu, obwohl er damals zuverl\u00e4ssige Kenntnisse dar\u00fcber garnicht haben konnte.<br \/>\nIn den Ferien galt uns als bedeutendste Unternehmung der Besuch des unterirdischen Ganges, der von der Burg Gnandstein aus in unbekannte Ferne f\u00fchrt. Der Sage nach sollte er die Burg mit der Ruine Kohren verbinden. Die Dorfjugend wusste schaurige Geschichten von t\u00fcckischen Fallen in Form von Abgr\u00fcnden zu erz\u00e4hlen, obwohl gerade sie bei unserer Expedition am Eingang stehen blieb. Jedenfalls war es f\u00fcr uns eine selbstverst\u00e4ndliche Sache, da\u00df in jedem der Abgr\u00fcnde dutzendweis die verrosteten R\u00fcstungen darin umgekommener Ritter liegen mu\u00dften.<br \/>\nIn sp\u00e4teren Jahren betrachtete man solche Anlagen durchweg nicht mehr so romantisch, auch wenn sie ihre Anziehungskraft nicht eingeb\u00fc\u00dft hatten. Man wei\u00df, welche unendliche M\u00fche unter primitiven technischen Verh\u00e4ltnissen der Bau solcher, oft kilometerlanger G\u00e4nge erforderte. Man wei\u00df, da\u00df nur die dringendste Not den Menschen zu solcher, im Grunde genommen doch nutzloser, Arbeit veranlassen konnte. Man fragte sich, welche Zeiten es gewesen sein m\u00fcssen, die so unsicher waren, da\u00df man derartige, die Arbeit von Generationen erfordernde Gangsysteme anlegte.<br \/>\nGerade dar\u00fcber wissen wir nichts. Hier tappen wir vollkommen im Dunkeln. Obwohl solche G\u00e4nge in betr\u00e4chtlicher L\u00e4nge erforscht wurden, ist von darin angebrachten Inschriften und Jahreszahlen nichts berichtet worden. Die Annahme, da\u00df das Greizer Gangsystem entstand, als im Jahre 1294 Graf Philipp Greiz verheerte, ist ohne weiteres nicht zu halten. Den Einwohnern einer verheerten Stadt fehlen die Mittel und der Mut, solche \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume sich erstreckende Arbeiten in Angriff zu nehmen. Wenn nicht alte Urkunden oder noch unerforschte Teile der G\u00e4nge zuverl\u00e4ssigere Anhaltspunkte geben, werden wir \u00fcber Alter und Erbauer der G\u00e4nge im Unklaren bleiben. Auff\u00e4llig ist vorallem, da\u00df die unterirdischen Gangsysteme wie ein Festungsg\u00fcrtel an Sachsens Westgrenze gelagert sind. Auch daf\u00fcr fehlt vorl\u00e4ufig eine stichhaltige Erkl\u00e4rung.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/1-1-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-161\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/1-1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"241\" height=\"250\" \/><\/a>Man hat sich lange Zeit um die G\u00e4nge \u00fcberhaupt nicht gek\u00fcmmert. Die wenigsten der Einwohner wu\u00dften etwas davon. Bei Werdau z.B. benutzten M\u00fcller seit 200 Jahren den Eingang eines solchen Ganges als Bergkeller, ohne nachzuforschen, wie tief er in den Berg hineingeht. In anderen Orten, wie in Gera, wurden die vorderen Teile der G\u00e4nge als Bierkeller benutzt. Gedanken dar\u00fcber, welcher Zeit sie ihre Entstehung verdanken und wie weit sie sich wohl ausdehnen m\u00f6gen, machte man sich nicht.<br \/>\nIm Sommer 1903 jedoch stiegen zugleich in Lichtenstein und Werdau vom Forscherdrang getriebene M\u00e4nner mit den n\u00f6tigen Werkzeugen in die Tiefe, um den Gang zu erkunden, der der Sage nach beide St\u00e4dte miteinander verbindet. Vom Hofe des Lichtensteiner Schlosses aus ging es \u00fcber drei Treppen in einen Gang, der sich bald teilte. Er ist, wie fast alle die Ganganlagen Westsachsens, in hartem rotliegenden Gestein gebrochen. Seine in Lehm liegenden Teile sind mit gro\u00dfen altert\u00fcmmlichen Backsteinen in gotischer Form ausgemauert. Beide Zweige weisen in gewissen Abst\u00e4nden seitliche Nischen auf. Sicher dienten sie dazu, sich vor etwa eingedrungenen Verfolgern zu verbergen und sie zu \u00fcberfallen. Die stark ausgetretenen Stufen einer langen Treppe lassen auf h\u00e4ufiges Begehen schlie\u00dfen. Der eine Gang endet in einem Schacht von 1,40 m Durchmesser. Obwohl er 15 m hoch ist, erreicht er nicht die Erdoberfl\u00e4che. Seine oberen zwei Drittel bestehen aus aufeinandergesetzten Feldsteinen. Ein gro\u00dfer Teil der G\u00e4nge ist vermauert oder versch\u00fcttet. Die Werdauer Forscher drangen in einem drei bis vier Meter hohen Stollen, der einer seit 1702 davorstehenden M\u00fchle als Keller dient, bis in einen gr\u00f6\u00dferen, glatt ausgehauenen Raum vor. Da dessen W\u00e4nde v\u00f6llig mit Tropfstein \u00fcberzogen sind, mu\u00df er schon manches Jahrhundert bestehen.<br \/>\nVon einem anderen Gang, der von Sch\u00f6nfels bei Werdau aus beginnt, hei\u00dft es, da\u00df durch ihn der Ritter von Sch\u00f6nfels mit dem in Altenburg geraubten Prinzen Ernst ins Gebirge fl\u00fcchtete. Den Greizer G\u00e4ngen ging man 1908 auf den Grund. In zwei, drei Stockwerken untereinander fand man, vom Markt ausgehend, ein fast die ganze Stadt unterminierendes System von G\u00e4ngen mit Nischen und R\u00e4umen, deren gr\u00f6\u00dfte gut ein vier dutzend Fl\u00fcchtlinge aufnehmen konnten. Die G\u00e4nge waren zum Teil \u00fcberschwemmt, soda\u00df auf das Vorhandensein eines unterirdischen Brunnens geschlossen werden kann.<br \/>\nAm Pfingstsonnabend 1910 wurde man in Glauchau etwas derb an die unterirdische Stadt erinnert. Ohne erkennbare Ursache brach ein St\u00fcck der Markstra\u00dfe an ihrer Einm\u00fcndung in den Markt in die Tiefe. Gas-, Wasserleitung und Kanalisation wurden besch\u00e4digt, ein dreist\u00f6ckiges Haus mu\u00dfte sofort ger\u00e4umt werden. Aber erst im Sommer 1926 wurden die Anlagen durch Diplomingenieur Apel im Auftrag der Stadt n\u00e4her erforscht. Auch hier hat es sich um Verteidigungsanlagen gehandelt. In der Altstadt wurden von etwa 10 000 m vorhandener G\u00e4nge 6000 m erforscht. Von einem angeblich unter dem Marktplatz vorhandenen Versammlungsraum konnte nichts gefunden werden, da die dahin f\u00fchrenden G\u00e4nge vermauert oder mit Asche versch\u00fcttet sind. Sie liegen 4 bis 15 m unter der Erdoberfl\u00e4che. Meist sind sie im Rotliegenden ausgehauen, sofern sie aber Lehm durchdringen, ausgemauert. Ob Verbindungen mit den G\u00e4ngen anderer Stadtteile bestanden haben, kann nicht mehr festgestellt werden. Auch \u00fcber den Zusammenhang der G\u00e4nge der sogenannten R\u00e4uberh\u00f6hle am Schafteich und im R\u00fcmpfwald mit denen der Stadt herrscht Unklarheit.<a href=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/2-1-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-162\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/2-1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"200\" \/><\/a><br \/>\nDeutlich l\u00e4\u00dft sich aber erkennen, da\u00df fast jedes Haus seine eigene Ganganlage besa\u00df, die oft mit den benachbarten G\u00e4ngen verbunden war und fast stets einen Fluchtausgang zum Muldenabhang besa\u00df. Der Ausgang sorgte zugleich f\u00fcr Entw\u00e4sserung, soda\u00df die Glauchauer G\u00e4nge durchweg trocken sind. Vom Hauskeller aus f\u00fchrt in der Regel eine steile Treppe hinunter zu den G\u00e4ngen, die hier wie in anderen Orten in mehreren Stockwerken angeordnet sind.<br \/>\nBesonders interessant sind die miteinander verbunden Anlagen der H\u00e4user Br\u00fcderstra\u00dfe 17 und 18 mit ihren vielen, besonders langen Treppen und den labyrinth\u00e4hnlichen Schleifen, in denen sich nur der Kundige zurechtfinden konnte. Seitennischen, Kriechg\u00e4nge, Wasserbecken und andere Hindernisse erschwerten die Verfolgung.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-1-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-163\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"236\" height=\"250\" \/><\/a>Besonders sch\u00f6n sind die Glauchauer Schlo\u00dfg\u00e4nge in der Form gotischer Spitzb\u00f6gen. Der eine Zweig dieser Ganganlage m\u00fcndet unvermittelt im Brunnen. Wohin der andere f\u00fchrte, kann nicht festgestellt werden, da er versch\u00fcttet ist.<br \/>\nAu\u00dfer den genannten Orten wei\u00df man noch von manchen anderen in Westsachsen, da\u00df ihr Boden unterw\u00fchlt ist. Unter der Kirche in Meerane, unter dem Schlosse in Waldenburg befinden sich G\u00e4nge. In Penig wei\u00df man von G\u00e4ngen zwei Stockwerke tief. Die Rochsburg bietet dem Heimatforscher noch manche Aufgabe. In Plauen soll ein Gang vom Stadtinnern nach der Dobenauer Kapelle f\u00fchren. Eine kurze Strecke vom Keller der Sparkasse bis in die Gegend der Lutherkirche konnte begangen werden. Ger\u00f6ll machte ein weiteres Vordringen unm\u00f6glich. <a href=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/4-1-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-164\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/4-1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"132\" height=\"150\" \/><\/a>Wenig ist auch von den Geraer Ganganlagen bekannt. Nachgewiesen wurden G\u00e4nge in der Stra\u00dfe Stadtgraben, M\u00fchlengasse, Schlo\u00dfstra\u00dfe, auf dem Niklasberg und in der Gegend des alten Schlosses. Anzunehmen ist der Zusammenhang dieser und noch unbekannter oder versch\u00fctteter G\u00e4nge zu einem System von G\u00e4ngen als Wehrbau und geheimer Fluchtweg in Notzeiten. Sorgf\u00e4ltige Forschungen, die hier Licht schaffen w\u00fcrden, wurden nicht unternommen. Zahlreich sind auch verb\u00fcrgte Nachrichten \u00fcber G\u00e4nge in der n\u00e4heren Umgebung Geras, so z.B. aus Langenberg, Mildenfurth, Cronschwitz.<br \/>\nWir kennen die Baumeister all dieser Anlagen nicht. Aber wir m\u00fcssen Achtung vor ihnen haben, wenn wir daran denken, wieviel Schwei\u00df es kostet, mit einfachen Werkzeugen auch nur einen Meter in Fels vorzudringen.<\/p>\n<p>aus &#8222;Gl\u00fcckauf! &#8211; Zeitschrift des Erzgebirgsvereins&#8220; M\u00e4rz 1933<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterirdische Verteidigungsanlagen in Westsachsen Das geheimnisvolle Dunkel unterirdischer G\u00e4nge und H\u00f6hlen hat auf die Menschheit aller Zeiten, besonders aber auf die Jugend seinen Zauber ausge\u00fcbt. In den Pausen zwischen den Schulstunden besprachen wir leidenschaftlich die M\u00f6glichkeiten, den sagenhaften unterirdischen Gang vom Bergkloster in Chemnitz zum Kloster in der alten Stadt aufzufinden. 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