{"id":172,"date":"2018-02-18T12:44:25","date_gmt":"2018-02-18T11:44:25","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=172"},"modified":"2020-10-30T15:09:23","modified_gmt":"2020-10-30T14:09:23","slug":"der-lebenszyklus-und-seine-feste","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=172","title":{"rendered":"Der Lebenszyklus und seine Feste"},"content":{"rendered":"<h1>Zeiten des \u00dcberganges und ihre Rituale<\/h1>\n<p>Unser ganzes Leben ist bestimmt durch bestimmte Regelm\u00e4\u00dfigkeiten, sei es die Einteilung von Tag und Nacht oder unsere Jahreskreisfeste. So wie wir einen Tag in zwei Abschnitte teilen oder ein Jahr in vier, k\u00f6nnen wir auch unser Leben in bestimmte Abschnitte teilen. Dieser Lebenszyklus wiederholt sich mit jedem Leben wieder, nur ist es auf den ersten Blick nicht so \u00fcberschaubar wie ein Tag oder Jahr. Einige Ereignisse werden in unserer Gesellschaft gro\u00df gefeiert; nur sind sich die meisten Menschen nicht mehr bewusst warum sie das tun. Sie begehen die Feste nicht bewusst, feiern sie f\u00fcr andere und nicht f\u00fcr sich und ihre eigene Sippe.<br \/>\nWarum sind Rituale wichtig? \u00dcbergangsriten geben dem Leben einen bestimmten Rhythmus und dem einzelnen Mensch einen Platz in seiner Gemeinschaft. Durch Rituale wird Neues begr\u00fc\u00dft und Altes losgelassen, Lebensabschnitte eingeleitet oder verabschiedet.<br \/>\nMit dem Feiern von Lebenskreisfesten k\u00f6nnen wir unserern inneren und \u00e4u\u00dferlichen Ver\u00e4nderungen ein Gesicht geben, wir k\u00f6nnen durch Rituale zeigen wo wir stehen, k\u00f6nnen bewu\u00dft einen neuen Weg beginnen oder einen alten hinter uns lassen. Manche Abschnitte begehen wir ganz f\u00fcr uns allein und einige mit der ganzen Gemeinschaft. Egal wie wir sie feiern und begehen, wichtig ist, was man f\u00fcr sich pers\u00f6nlich will. Ich habe gemerkt, da\u00df gerade Kinder es als sehr angenehm und bereichernd finden, wenn man ihnen die M\u00f6glichkeit gibt, sich durch die einzelnen Rituale besser zurecht zu finden. Sie k\u00f6nnen auf Ver\u00e4nderungen besser reagieren und alte Gewohnheiten gut hinter sich lassen. Der Schulanfang oder die Reife sind im Kindesalter zwei sehr wichtige Zeiten in der sich das Kind jedesmal massiv neu orientieren mu\u00df. Wir Erwachsenen k\u00f6nnen ihnen dabei helfen. Und wenn sie als Kinder lernen solche Umbr\u00fcche mit der Gemeinschaft, der Familie gemeinsam zu meistern, werden sie als Erwachsene leichter mit diesen Ver\u00e4nderungen umgehen.<br \/>\nLebenskreisfeste sind keine religi\u00f6sen Feste, sie binden nicht an einen bestimmten Gott oder G\u00f6tter, sie binden dich h\u00f6chstens an das Leben. Sie stellen einen Zusammenhang her zwischen dem Werden, Sein, Vergehen und der Wiederkehr.<br \/>\nNun zu den einzelnen Lebenszyklen. Eingebettet in Geburt und Tod haben wir etwa vier Zyklen mit jeweils zwei gro\u00dfen Abschnitten die wir durchlaufen.<\/p>\n<ul>\n<li>Geburt<\/li>\n<li>Namensgebung und Schulanfang<\/li>\n<li>Erwachsenwerden und Hochzeit<\/li>\n<li>Elternschaft und Selbsfindung\/ R\u00fcckbesinnung<\/li>\n<li>Wechseljahre und Alter<\/li>\n<li>Tod<\/li>\n<li>Scheidung\/Trennung<\/li>\n<\/ul>\n<p>In unserem Leben gibt es in etwa aller sieben bis zehn Jahre eine Wendung. Jeder Mensch ist anders und bei jeden l\u00e4uft es auch nicht immer so abrupt ab, sondern zieht sich \u00fcber zwei\/drei Jahre hin. Mein eigener Rhythmus liegt bei etwa acht\/ neun Jahren. Das war mir nicht von Anfang an bewu\u00dft, ich habe es erst durch mein eigenes Kind erkannt. Auch ich hatte Feste wie Schulanfang und Jugendweihe, die nur gefeiert wurden, weil es alle machen. Daraus nehmen konnte ich mir aber nichts. Sogar meine Taufe (christlich) wurde nur durchgezogen, weil es meinen Opa sonst das Herz gebrochen h\u00e4tte. Mein Auszug aus dem Elternhaus ging auch ganz leise und sachlich vor sich. Erst mit der Geburt meines Sohnes habe ich einen neuen Lebensabschnitt bewu\u00dft begangen.<br \/>\nIch werde in meine Gliederung noch die Zeit der Trennung und Scheidung mit einbeziehen. Da ich sie aber keiner bestimmten Zeit zuordnen kann und sie auch mal gar nicht mit im Leben vorkommt, werde ich sie zum Schlu\u00df behandeln.<br \/>\nIch m\u00f6chte mit diesem Text und einigen Erfahrungsberichten die Lebensabschnitte mit ihren Ritualen und Festen wieder mehr in unser Bewu\u00dftsein bringen und versuchen, zu erl\u00e4utern, warum sie so wichtig f\u00fcr uns und unsere Kinder sind. Ich m\u00f6chte erkl\u00e4ren wie es damals gewesen sein k\u00f6nnte, wie es heute ist und wie wir es in unser heutiges Leben einbinden k\u00f6nnten.<br \/>\nIn den folgenden Abschnitten beleuchte ich den Idealweg, der unser Leben nehmen kann. Ich gehe davon aus, wie alles verlaufen k\u00f6nnte. Die wenigsten heiraten mit zwanzig, haben danach Kinder und sind sie mit vierzig wieder los. Und wer ist im Alter bei seiner Familie und nicht in irgendeinem Heim? Viele verschiedene Situationen mag es im Leben geben, die unsere Entscheidungen erfordern und dieser Text k\u00f6nnte als kleiner Wegweiser oder Ideenanreiz dienen.<\/p>\n<h2>Geburt<\/h2>\n<p>Die Geburt des Kindes ist in den meisten F\u00e4llen ein besonderes und wunderbares Erlebnis. Das Kind hat sich zum Leben entschieden, zu einem Leben in der Familie, das es sich ausgesucht hat. Manche m\u00f6gen einen leichten, die anderen einen schweren Start ins jetzige Leben haben, aber sie haben sich entschieden. Zusammen mit der Mama haben sie diesen ersten Weg gemeistert.<br \/>\nHatten sich unsere Vorfahren f\u00fcr das Kind entschieden, was meistens schon in der Schwangerschaft geschah, wurde das Kind automatisch in die Familie aufgenommen, indem die Mutter das Kind stillte oder der Vater es in den Arm hielt und es als sein Eigenes annahm. Heute ist es im Grunde genommen nicht viel anders &#8211; das Kind wird automatisch auf die gleiche Art und Weise angenommen.<br \/>\nAuf meiner Suche nach geeigneten Ritualen f\u00fcr die einzelnen Lebensabschnitte ist mir allerdings immer wieder etwas \u00fcber den Weg gelaufen, dem ich mit sehr gemischten Gef\u00fchlen gegen\u00fcber stehe, aber seine Notwendigkeit in gegebener Situation einsehen w\u00fcrde: Kinder aussetzen. In Zeiten der Not oder bei behinderten Kindern war es \u00fcblich, die Kinder auszusetzen und ihrem Schicksal zu \u00fcberlassen. Das war nur m\u00f6glich, wenn das Kind noch keine Nahrung bekommen hat und von der Mutter sofort versto\u00dfen wurde. War aber keine Not vorhanden oder dem Kind wurde schon etwas zu essen gegeben oder gar schon ein Name, war dies Mord und wurde von der Gemeinschaft nicht geduldet. Auch Abtreibungen gab es zu jeder Zeit, die entsprechenden Kr\u00e4uter kannte jede Frau und wird sie wohl verwendet haben, wenn es notwendig war.<br \/>\nBeim Schreiben dieses Textes haben wir diskutiert in wie weit diese Sitte heute noch \u00fcblich ist und mu\u00dften leider feststellen, das sich daran nicht viel ge\u00e4ndert hat. Trotz unserer so aufgekl\u00e4rten Zeit setzen immer noch einige M\u00fctter ihre Kinder aus (z.B.Babyklappe in Krankenh\u00e4usern, die noch humanste L\u00f6sung), lassen sie verhungern oder qu\u00e4len sie zu Tode. Doch warum? &#8211; Haben wir heute nicht so viel verschiedene andere Wege, die wir w\u00e4hlen k\u00f6nnen?<br \/>\nJedes Kind ist ein Segen und sollte wohlwollend in der Familie aufgenommen werden.<br \/>\nDie Geburt ist an sich schon das Ritual. Mutter und Kind gehen zusammen den Weg in ein neuen Lebensabschnitt. Jedes Elternpaar hat sich vorher informiert und entschieden, wie und wo und mit wem sie das Kind ins jetzige Leben holen wollen.<br \/>\nDa bei der Geburt die Schicksalsg\u00f6ttinen anwesend sind, w\u00e4re es sch\u00f6n sie willkommen zu hei\u00dfen und ihnen ein Geschenk zu bringen, denn sie bestimmen unser aller Schicksal. Und denkt immer daran wie es dem armen Dornr\u00f6schen erging, nur weil bei einer Fee gespart wurde. Eine andere sch\u00f6ne Geste ist es, der Hebamme einen Dank entgegen zu bringen, denn sie sind wei\u00dfe Frauen, die dem Kind ma\u00dfgeblich auf dem ersten Weg Hilfe bieten.<\/p>\n<h2>Namensgebung<\/h2>\n<p>Der Tag der Namensgebung ist der Tag, an dem der Name des Kindes verk\u00fcndet wird, es unter den Schutz der G\u00f6tter gestellt wird und in der Gemeinschaft aufgenommen wird.<br \/>\nDer Name des Kindes sollte mit Sorgfalt gew\u00e4hlt werden, denn er begleitet das Kind nach M\u00f6glichkeit sein ganzes Leben lang. Es ist nicht bekannt, wann Menschen damit begonnen haben Namen zu verwenden. Sicher ist nur, da\u00df diese Praxis schon sehr, sehr alt ist. Einen Namen kann man aus verschieden Gr\u00fcnden w\u00e4hlen, zum Einen weil man einen bestimmten Vorfahren im Kind wiedererkennt, bestimmte Eigenschaften hervorheben m\u00f6chte oder es unter den Schutz einer Gottheit stellen m\u00f6chte. Viele Namen geben Informationen \u00fcber unsere Wurzeln oder Herkunft weiter und wurden meistens vererbt. In einigen Kulturen werden Vornamen so vergeben, dass daran die Geburtsreihenfolge von Geschwistern sichtbar wird.<br \/>\nDieser Tag hat viele verschiedene Namen, die einen nennen es Wasserweihe, Kindweihe oder Namenstag. Auch die Taufe ist im Grunde genommen nichts anderes und ein von den Christen \u00fcbernommenes Ritual. Die Kindweihe fand im Normalfall kurz nach der Geburt statt. Es war eine feierliche Aufnahme des Kindes in die Familie, Sippe und Gemeinschaft, bei dem die ganzen Verwandten und Freunde eingeladen wurden.<br \/>\nWaren alle Familienmitglieder versammelt, hat der Vater sein Kind in die Arme genommen oder auf seinen Scho\u00df gesetzt und hat allen verk\u00fcndet, da\u00df dies sein Kind ist und den Namen des Kindes genannt. Dann hat er das Kind an die Mutter weitergereicht, die ihre W\u00fcnsche f\u00fcr das Kind ge\u00e4u\u00dfert hat. Danach waren die Verwandten und Freunde an der Reihe und haben nacheinander das Kind begutachtet und ihre W\u00fcnsche ausgedr\u00fcckt.<br \/>\nDies ist die einfachste M\u00f6glichkeit seinem Kind die Anerkennung, seinen Namen und die guten W\u00fcnsche mit auf den Weg zu geben. Es gibt noch viele andere Varianten sein Kind zu weihen, ich z.B. habe meinen Sohn einen Baum zur Seite gestellt und andere weihen ihre Kinder mit Wasser.<\/p>\n<h2>Schulanfang<\/h2>\n<p>Diesem neuen Lebensabschnitt wird meist (leider) keine gro\u00dfe Bedeutung zugeschrieben. Historisch gesehen war es f\u00fcr die Kinder auch nicht unbedingt der Beginn einer besseren Zeit. Mit etwa sieben Jahren mu\u00dften sie anfangen zu arbeiten, im Haushalt Pflichten \u00fcbernehmen oder das Elternhaus ganz verlassen. In den Tag hineinleben und den ganzen Tag spielen war einmal. Daher kommt wohl auch der Spruch: &#8222;Jetzt beginnt der Ernst des Lebens.&#8220;<br \/>\nHeute ist es nicht g\u00e4nzlich anders, mit dem Schulbeginn \u00e4ndert sich das Leben der Kinder massiv. Ein Schultag ist f\u00fcr sie wie ein Arbeitstag. Allerdings beginnt der Ernst des Lebens heute sp\u00e4ter, die Kinder haben ihre Kindheit noch ein wenig l\u00e4nger, sie m\u00fcssen mit sieben noch nicht hart arbeiten.<br \/>\nAber warum mit sieben? Die ersten Jahre sind Kinder auf ihre Eltern fixiert, sie sind ihre Vorbilder schlechthin. Wenn es einem Kleinkind schlecht geht, geht es zuerst zu seinen Eltern. Will es etwas wissen oder braucht es etwas, geht es wieder zu den Eltern. Das \u00e4ndert sich ca. ab dem f\u00fcnften Lebensjahr. Sie gehen mehr nach au\u00dfen und suchen sich auch mal woanders Rat. Sie werden selbstst\u00e4ndiger und k\u00f6nnen immer mehr Dinge von allein. Mit sieben sind sie soweit, einen Weg zu gehen, der sich nicht nach den Eltern richtet, sie gehen in die Schule und gehen dort ihren Weg.<br \/>\nEine Sitte aus der vergangenen Zeit finde ich f\u00fcr die heutige Zeit (nat\u00fcrlich in Abstrichen)\u00fcbernehmbar. Wenn es der Familie m\u00f6glich war, haben sie ihre Kinder zu diesem Zeitpunkt in eine andere Familie gegeben und im Austausch deren Kinder ins Haus genommen. So wurden aber auch Erfahrungen und Gebr\u00e4uche ausgetauscht und die Familien enger verkn\u00fcpft. Diese Lehrzeit war mit Beginn der Pubert\u00e4t beendet und die Kinder gingen ins Elternhaus zur\u00fcck, heirateten oder begannen eine neue Lehrzeit. Dies gilt haupts\u00e4chlich f\u00fcr Jungen, die M\u00e4dchen blieben oft im Elternhaus und verlie\u00dfen es erst mit ihrer Hochzeit.<br \/>\nHeute m\u00f6chte nat\u00fcrlich keiner sein Kind ganz aus der Familie geben und daf\u00fcr ein fremdes Kind aufnehmen. Doch was wir machen k\u00f6nnen, ist die Lehrzeit bei einem Mentor, Paten oder wie immer man es nennen m\u00f6chte. Viele sehen die Schule als die Lehrzeit, doch bin ich der Meinung, sie kann unseren Kindern nicht alles lehren, was sie f\u00fcr ihr Leben brauchen. Und das die eigenen Eltern sich als Lehrer nicht so gut eignen, wissen wir alle. Manche Eltern suchen den Ausgleich in Pfadfindergruppen, Vereinen und \u00c4hnlichem. Doch man kann auch einen Freund der Familie bitten diese Lehrzeit zu \u00fcbernehmen.<br \/>\nDas Schulanfangsfest ist ein Fest, das schon so normal geworden ist, da\u00df es kaum einer als \u00dcbergangsfest feiert. Leider werden die Kind nur mit S\u00fc\u00dfigkeiten und riesengro\u00dfen Geschenke, die nichts mit ihrem neuen Lebensabschnitt zu tun haben, \u00fcberh\u00e4uft. Wenn wir uns an der Vergangenheit orientieren wollen, so k\u00f6nnen wir den Kindern ein Fest mit Verwandten und Freunden bieten, da\u00df sie wunderbar auf ihren neuen Weg vorbereitet. Dem Kind kann z.B. ein Pate zur Seite gestellt werden, der es begleitet bis zur n\u00e4chsten Reife. Dem Kind k\u00f6nnen Gaben gebracht werden, die ihm zeigen, nun bin ich gro\u00df und kann neue Aufgaben \u00fcbernehmen. (z.B. ein Kindertaschenmesser oder eine Uhr). Die W\u00fcnsche vom Namensfest k\u00f6nnen erneuert und wiederholt werden. Das Schulkind kann auch Dinge abgeben, das es an seine Kleinkindzeit erinnert und nun nicht mehr braucht.<br \/>\nEs ist das erste Lebenszyklus-Ritual, was ein Kind bewu\u00dft feiert und sollte schon deshalb begangen werden.<\/p>\n<h2>Erwachsenwerden<\/h2>\n<p>Aus den kleinen Kindern sind nun junge Erwachsene geworden und die bef\u00fcrchtete Pubert\u00e4t setzt ein. Bei jedem Jugendlichen findet dies zu einem anderen Zeitpunkt statt und bei den M\u00e4dchen oft eher, als bei den Jungen. Bei den M\u00e4dchen feiert man die Reife mit der ersten Blutung, bei Jungs mit dem ersten Bartwuchs oder dem Beginn des Stimmbruches. Der Jugendliche wurde durch die Initiation in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen, was zum einen durch die L\u00f6sung von den Eltern gekennzeichnet ist und zum anderen duch die \u00dcbernahme von mehr Verantwortung. Das hei\u00dft sie haben zwar mehr Freiheiten, aber auch die B\u00fcrde sich um ihr Leben zu k\u00fcmmern. Schulabschlu\u00df, Berufswahl, Eigenst\u00e4ndigkeit &#8211; all dies liegt nicht mehr in all zu weiter Ferne.<br \/>\nSchauen wir wieder zuerst in die Vergangenheit. Mit dem Erreichen der Geschlechtsreife gab es wieder einen massiven Umbruch im Leben der jungen Erwachsene. Die einen wurden verheiratet, die anderen gingen in den Sold und andere gingen auf Wanderschaft. Sie verlie\u00dfen das Elternhaus und standen unter der Obhut Anderer, m\u00f6gen es die Schwiegereltern sein oder ein neuer Herr. Blieben sie in ihrer Familie, \u00fcbernahmen sie neue Aufgaben, gingen bei ihren V\u00e4tern in Lehre oder suchten einen eigenen Verdienst, um die Familie zu unterst\u00fctzen.<br \/>\nHeute wird den Jugendlichen nicht so viel Verantwortung \u00fcbertragen, was mitunter zur typischen pubert\u00e4ren Orientierungslosigkeit f\u00fchren kann. Ich meine damit, da\u00df sie anfangen groben Unfug anzustellen, weil sie nach neuen Aufgaben suchen und nicht finden k\u00f6nnen. \u00dcbertragen wir unseren Kindern also die entsprechende Verantwortung und eigene Aufgaben und binden sie mit ins Familienleben ein. Doch vor allen sollte wir sie wie Erwachsene behandeln.<br \/>\nEs gibt wie immer verschiedene M\u00f6glichkeiten, das \u00dcbergangsfest zu feiern. Die eine ist es den jungen Erwachsenen zusammen mit der ganzen Familie in den Kreis der Erwachsenen aufzunehem, \u00e4hnlich der heutigen Jugendweihe oder dem damaligen Muntfest. Eine andere Variante ist es, den Jungen und M\u00e4dchen ein geschlechtsspezifisches Ritual auszurichten. Die Initiation getrennt vom anderen Geschlecht hat den Vorteil, das sich der jungen Mann bzw. das junge M\u00e4dchen wohler f\u00fchlen. Bei den Ritualen war es meist \u00fcblich zu pr\u00fcfen in wie weit das Kind bereit und reif war f\u00fcr die Erwachsenenwelt. Es wurde einen oder mehrere Tage und N\u00e4chte in die &#8222;Wildnis&#8220; geschickt, um allein zurecht zu kommen. Dabei konnte es die gelernten Dinge aus den Kindertagen in die Realit\u00e4t um setzen. Bei seiner Heimkehr wurde es von der ganzen Familie willkommen gehei\u00dfen.<br \/>\nBei diesen Ritual ging es um das Hineinwachsen in das eigene Leben, die eigene Verantwortung und den eigenen Lebensentwurf zu finden. Aber nicht nur die Eigenst\u00e4ndigkeit der Jugendlichen wurde gepr\u00fcft, sondern auch das Loslassen der Eltern und Paten. Sie mu\u00dften die Kontrolle abgeben und ihren Kindern das Recht einzugestehen selber verantwortlich zu sein.<\/p>\n<h2>Erwachsensein\/Hochzeit<\/h2>\n<p>Mit dem Eintritt der Vollj\u00e4hrigkeit gehen wir wieder in einen neuen Lebensabschnitt \u00fcber, das um das zwanzigste Lebensjahr begangen wird. Es ist die Zeit in der die jungen Erwachsenen das Elternhaus verlassen, sei es durch eine Heirat oder einfachen Auszug.<br \/>\nBei unseren Vorfahren war es die Hochzeit die diesen Lebensabschnitt besiegelt. Es ist zu erw\u00e4hnen, das die M\u00e4dchen oft eher heirateten, als die Jungen. Die Heirat war ein wichtiges Ereignis in einer Gemeinschaft, bei der zwei Familien verbunden wurden. So kam es vor(nicht immer), das Ehen von den Eltern gew\u00e4hlt wurden um die Verbindung zwischen zwei Sippen zu kn\u00fcpfen oder zu festigen. Eine arrangierte Ehe mu\u00dfte aber nicht eingegangen werden, wenn einer nicht einverstanden war.<br \/>\nDer gro\u00dfe Unterschied zur christlichen Verm\u00e4hlung ist die Gleichberechtigung zwischen den Ehepartnern. Sie wurden miteinander verm\u00e4hlt, sie gingen eine Verbindung ein: den Bund der Ehe. Diesen Bund konnte die Frau oder der Mann gleicherma\u00dfen aufheben, wenn einer der Partner die Regeln einer Ehe verletzte oder seine Plichten nicht einhalten konnte oder wollten. Die Ehe hatte haupts\u00e4chlich zur Aufgabe den Fortbestand der Familien zu sichern und die beiden Familien gegen Feinde zu sch\u00fctzen. Doch bei all der n\u00fcchternen Betrachtung wurde die Ehe schon immer als heilig gesehen, weil zwei Schicksale verbunden wurden.<br \/>\nHeute sieht das ganze schon ein wenig anders aus. Ehen werden mei\u00dft aus Liebe geschlossen und weniger aus Vernunftsgr\u00fcnden. Das Zusammmenwachsen der zwei Familien gestaltet sich als schwierig und das Zeugen von Nachwuchs steht nicht mehr an erster Stelle. Doch sehe ich bei einigen Freunden, das sich das langsam wieder \u00e4ndert.<br \/>\nDer eher gr\u00f6\u00dfere Unterschied zur Vergangenheit ist, das immer sp\u00e4ter oder gar nicht geheiratet wird. Junge Erwachsene wohnen l\u00e4nger im Elternhaus und lassen sich unterhalten, sie stehen noch nicht auf eigenen F\u00fcssen, egal ob finanziell oder mental. Als Eltern k\u00f6nnen wir mit einem kleinen Fest oder Ritual unserer Kinder aus der elterlichen Obhut entlassen und ihnen zeigen, das sie von nun an auf ihren eigenen F\u00fcssen zu stehen haben. Das mu\u00df nicht hei\u00dfen, das sie ausziehen m\u00fcssen, das soll nur hei\u00dfen, das man ihnen zeigen kann das sie keine Kinder mehr sind, die von den Eltern abh\u00e4ngig sind. Die Eltern k\u00f6nnen dieses Ritual auch f\u00fcr sich nutzen, wenn sie Schwierigkeiten haben ihre Kinder loszulassen.<br \/>\nDie jungen Erwachsenen sind und waren zu diesen Zeitpunkt in ihrem Leben alt genug eigene Verantwortung f\u00fcr sich zu \u00fcbernehmen, sind alt genug ohne Eltern klar zu kommen. Ich m\u00f6chte aber ganz ausdr\u00fccklich darauf hinweisen, das die Familie nicht auseinander gehen soll, sondern das dies die Zeit ist, die Familie zu vergr\u00f6\u00dfern.<br \/>\nKommen wir noch mal zum Heiraten. Damals wie heute wurde nicht einfach geheiratet, Brautschau, Werbung und Verlobung gingen dem Ereignis vorraus. Bei der Brautschau wurde in der Vergangenheit die Familie mehr mit einbezogen, was ganz klar ist, wenn die Eltern den Partner w\u00e4hlen und wenn man die enge Beziehung innerhalb der Familien beachtet. Heute sucht man sich den Partner selber, allein oder man wird gefunden. Die Werbung um den zuk\u00fcnftigen Partner hat sich kaum ver\u00e4ndert. Noch immer ist es \u00fcblich das der Mann zu seiner erw\u00e4hlten Braut geht und einen Antrag macht und es ist auch noch \u00fcblich, das der Vater der Braut um das Einverst\u00e4ndnis gefragt wird (Zumindest w\u00fcrde ihn das sehr schmeicheln). Heute ist die Werbezeit wohl ein wenig l\u00e4nger, wenn man die ganze Zeit des Kennenlernens, Verliebtsein und erste Krisen \u00fcberstanden hat. Eine positive Antwort hatte die Verlobung zur Folge. Die Verlobung wurde im Beisein von Zeugen gesiegelt, was mei\u00dft die Eltern der Verlobten waren. Es wurden Geschenke ausgetauscht und \u00fcber die Mitgift verhandelt. Das Tauschen von Ringen ist ein alter Brauch und bis in unsere heutige Zeit erhalten geblieben. Damals wurden aber mei\u00dft Geschenke an die Eltern gemacht, um im Austausch die Tochter zu erhalten, da die M\u00e4dchen ja in den Haushalt ihres Mannes gingen. Die Hochzeit sollte innerhalb eines Jahres und einen Tag stattfinden.<br \/>\n\u00dcber die Hochzeit selber werde ich nicht ausf\u00fchrlich schreiben, denn ich haben von so viel verschiedenen Feiern und Ritualen geh\u00f6rt und gelesen, das ich sie hier nicht alle wiedergeben m\u00f6chte. Sie haben im Kern aber alle gemeinsam, da\u00df das Brautpaar einen Treueeid spricht, die G\u00f6tter um Beistand und Segen gebeten werde und b\u00f6se Geister ferngehalten werden. Danach feiern beide Familien bis zum Umfallen. Daran hat sich von damals zu heute nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<h2>Elternschaft<\/h2>\n<p>Mit dem Gr\u00fcnden einer neuen Familie stand das Zeugen von Nachwuchs und deren Aufziehen und Erziehen im Mittelpunkt der jungen Erwachsenen. Sie mu\u00dften sich nun um andere k\u00fcmmern, andere besch\u00fctzen und nat. auch ern\u00e4hren. Darin wird die Hauptaufgabe f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre bestehen. Um auch hier einen Zusammenhang zwischen damals und heute zu finden, m\u00f6chte ich sagen, das sich nicht viel ver\u00e4ndert hat. Die mei\u00dften Menschen haben mit ungef\u00e4hr f\u00fcnfundzwanzig Kinder und einen Partner, damals und heute. Allerdings war die Anzahl der Kinder eine andere, die Aufgabe war die gleiche. In der Elternzeit machen wir alle bisherigen Zyklen noch einmal mit unserern Kindern durch und sie endet erst mit deren Auszug.<br \/>\nEs ist eine Zeit in der wir haupts\u00e4chlich f\u00fcr andere da zu sein haben, es ist schwierig sein &#8222;Ich&#8220; zu bewahren und es ist nun die Frage warum diese Zeit mit einem Ritual begehen? In den damaligen Zeiten wird dazu keine Zeit und kein Bed\u00fcrfnis gewesen sein. Es ist auch zu bedenken, das die Lebenserwartung nicht sehr hoch war. Ich habe verschiedene Angaben gefunden die von 33 bis 47 Jahre reichen. Somit hatten sie auch nicht die Probleme wie wir heute, wie z.B. die Wechseljahre. So wohl auch der Spruch: &#8222;Mit drei\u00dfig bist du alt&#8220;.<br \/>\nHeute ist man mit um den Drei\u00dfigsten Geburtstag auf dem H\u00f6hepunkt in seinem Leben, viele fangen nochmal neu an. Die einen lernen einen neuen Beruf, fangen ein Studium an, die anderen entscheiden sich f\u00fcr eine \u00c4nderung in der Familie, je nach dem ob dem Beruf oder der Familie bisher der Vorrang gegeben wurde. Doch egal welche Umst\u00e4nde sich \u00e4ndern, auf jeden Fall bemerkt man eine Ver\u00e4nderung in seinem Inneren; man befindet sich im Umbruch. Es ist ein Lebensabschnitt den die M\u00e4nner und Frauen unterschiedlich erleben. Wo die Frauen glauben sie sind zu alt f\u00fcr Kinder, denken die M\u00e4nner sie sind zu jung. Die biologischen Uhren schlagen wohl anders. Wo ich pers\u00f6nlich doch denke, beide haben das beste Alter. Gut, manches geht nicht mehr so wie mit zwanzig, aber wenn man Gl\u00fcck hat, hat man noch das halbe Leben vor sich. Warum also nicht mit einem Ritual sich diesen Lebensabschnitt bewu\u00dft zu machen. Aber wie?<br \/>\nDen drei\u00dfigsten bewu\u00dft zu feiern ist eine Art, eine neue Lebensorientierung die andere M\u00f6glichkeit. Es aber auch m\u00f6glich, nachzuholen was man vorher noch nicht gemacht hat, aber immer mal machen wollte. Das k\u00f6nnen ganz unterschiedliche W\u00fcnsche sein. Zum Beispiel k\u00f6nnte man ein Reiferitual nachholen und f\u00fcr ein paar Tage im Wald oder in den Bergen bleiben.<\/p>\n<h2>Selbstfindung und Selbstverwirklichung<\/h2>\n<p>F\u00fcr diese Phase im Leben kann ich genau wie f\u00fcr den vergangenen Lebensabschnitt keine Verbindung zur Vergangenheit schaffen. Trotzdem m\u00f6chte ich versuchen einen Weg zu finden, wie man f\u00fcr sich pers\u00f6nlich diese Zeit charakterisieren kann.<br \/>\nWann dieser Lebensabschnitt f\u00fcr einen pers\u00f6nlich eintritt mu\u00df jeder f\u00fcr sich herausfinden. Wenn ich von dem Zyklus ausgehe den ich hier im Idealfall schildere, dann ist man im Augenblick um die vierzig.<br \/>\nMit Selbstfindung meine ich, seiner selbst mehr bewu\u00dft bzw. vielleicht auch wieder bewu\u00dft zu werden.<br \/>\nNach der intensiven Elternzeit, mit neuer Familie und kleinen Kindern kommt nun die Zeit der Gewohnheit. Im Familien- und Berufleben geht alles seinen geregelten Gang. Die Kinder sind in einem Alter, in dem sie nicht mehr unserer st\u00e4ndige Anleitung und Begleitung brauchen. Man verf\u00fcgt \u00fcber die Erfahrung, die Emotionen und die Objektivit\u00e4t, die es uns erm\u00f6glichen, vern\u00fcnftige Entscheidungen zu treffen. Ein Rat und unsere Meinungen haben gro\u00dfe Auswirkungen auf den Entscheidungsproze\u00df in der Gemeinschaft und Familie.<br \/>\nEs ist wichtig sich seinen Platz bewu\u00dft zu sein, wir d\u00fcrfen vor lauter Familie und Arbeit nicht im Hintergrund verschwinden. Die schwierige Frage ist nun wieder, welches Ritual kann ich f\u00fcr diese Zeit machen? Vielleicht ist die Zeit f\u00fcr die Selbsverwirklichung gekommen, die Realisierung unserer eigenen Talente. Ich m\u00f6chte an dieser Stelle mal kein einstimmendes Ritual f\u00fcr diesen Lebensabschnitt vorschlagen. Um eigene Ideen und Talente umsetzen zu k\u00f6nnen, kann man zum Beispiel einen Kurs anfangen oder ein neues Hobby beginnen. Vielleicht hat man eine fr\u00fchere Besch\u00e4ftigung oder gar ein Ziel aus den Augen verloren. Mit unserer jetzigen Lebenserfahrung kann man dieses ja wieder aufgreifen und verwirklichen. Wir sollten uns hinsetzen und in Ruhe \u00fcberlegen was wir uns mit zwanzig vom Leben vorgestellt haben und dies mit unserer jetzigen Situation vergleichen. Was habe ich erreicht und was nicht und was kann ich noch erreichen. Wenn man dieses Ziel noch immer erreichen m\u00f6chten, dann sollte man jetzt damit anfangen.<\/p>\n<h2>Wechseljahre<\/h2>\n<p>Wir sind im letzten Drittel in diesen Leben angekommen.<br \/>\nDie Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine nat\u00fcrliche Phase im Leben. Meistens greifen in dieser Zeit k\u00f6rperliche, psychische und soziale Ver\u00e4nderungen ineinander. Die Kinder verlassen das Haus, die eigenen Eltern werden hilfsbed\u00fcrftig, der Partner befindet sich auf dem H\u00f6hepunkt seiner Laufbahn oder er wird arbeitslos, geht in Rente und muss mitversorgt werden. F\u00fcr Frauen treten die Wechseljahre eher ins Leben als f\u00fcr die M\u00e4nner und sie sp\u00fcren die Ver\u00e4nderungen oft auch st\u00e4rker und ganz anders.<br \/>\nWir gehen als reife Menschen in diese Phase des Lebens, die man irgendwie mit der Pup\u00e4rt\u00e4t vergleichen kann. Der Hormonhaushalt wird wie damals durcheinander gebracht, nur das man diesmal in die andere Richtung geht. Mit vierzehn begr\u00fc\u00dft wir die Zeit Kinder zeugen und bekommen zu k\u00f6nnen und die wachsenden Kr\u00e4fte in uns. In den Wechseljahren verabschieden wir uns davon.<br \/>\nViele Leser werden nun sagen, das M\u00e4nner keine Wechseljahre haben. Es ist richtig, das die hormonelle Ver\u00e4nderung bei den Frauen viel st\u00e4rker erlebt wird, sie verlieren die M\u00f6glichkeit Kinder zu empfangen. M\u00e4nner hingegen k\u00f6nnen bis ins hohe Alter Kinder zeugen und doch sinkt der Hormonspiegel enorm und die Ver\u00e4nderungen sind \u00e4hnlich wie bei Frauen. Dieser neue Lebensabschnitt ist aber nicht nur von sinkenden Hormonen gepr\u00e4gt, sondern auch von pers\u00f6nlichen Erfahrungen und Ver\u00e4nderungen.<br \/>\nJetzt ist es an der Zeit, die bisherigen Lebenserfahrungen anzuwenden. Was m\u00f6chte man, was verschafft ein Wohlgef\u00fchl? Wir sollten jetzt mehr an sich selbst denken und sich etwas Gutes tun. Von entscheidender Bedeutung ist die eigene Einstellung. Die Losl\u00f6sung der Kinder vom Elternhaus ist kein Verlust sondern die Chance endlich das zu tun, wof\u00fcr man bisher keine Zeit hatte.<br \/>\nDa ich diese Zeit mit der Pup\u00e4rt\u00e4t verglichen habe, kann man diese Zeit mit einen Ritual einleiten, das dem der Reiferituale \u00e4hnlich sind. So wie man damals das Geschenk der Fruchtbarkeit und der Jungendlichkeit angenommen hat, so kann man nun dieses Geschenk zur\u00fcckgeben und das der Weisheit annehmen.<br \/>\nIn der Vergangenheit hatten die Menschen die ein hohes Alter erreicht haben, auch ein hohes Ansehen in der Gemeinschaft. Die jungen hatten vor ihren Erfahrungen und Wissen enormen Respekt.<br \/>\nGeht also nochmal raus in die Natur und kommt als weise Frauen und M\u00e4nner in die Gemeinschaft eurer Familie zur\u00fcck.<\/p>\n<h2>Alter<\/h2>\n<p>Bis zu dieser Phase lief unser Leben in einem Tempo ab, das wir weitestgehend selber bestimmen konnten. Nun kommen wir in ein Alter, in dem wir nicht mehr so schnell vorw\u00e4rts kommen, wie wir es vielleicht gern h\u00e4tten. Wir k\u00f6nnen auf unser Leben zur\u00fcckschauen, ohne uns Gedanken machen zu m\u00fcssen was noch kommt. Wir sollten uns zur\u00fccklehnen, die Beine hochlegen und alles in Ruhe betrachten.<br \/>\nIm Alter finde ich den Zusammenhalt der Familie und Gemeinschaft mit am Wichtigsten. Vielleicht ist man schon allein, weil der Partner nicht mehr lebt. Hier ist die Familie wichtig, denn auch im Alter kann man seinen Teil beitragen. Das Alter ist der Lebensabschnitt mit der hohen Wei\u00dfheit und des Verstehens (zumindest bei den mei\u00dften). Wir k\u00f6nnen unseren Kindern und Enkeln wertvolle Ratgeber und Lehrer sein. In der Vergangenheit hatte man den \u00e4lteren Menschen einen enormen Respekt gezollt und wir sollten uns das heute wieder ins Ged\u00e4chtnis rufen.<br \/>\nNur zu oft fordert die \u00e4ltere Generation dieses Verhalten von den J\u00fcngeren einfach ein. Es war allerdings so, das die \u00e4lteren Familienmitglieder durch ihr Verhalten, ihr Wissen und ihren Erfahrungen diese Ehrung von den J\u00fcngeren verdienten.<br \/>\nWenn die Wechseljahre vorbei sind und sich unser K\u00f6rper auf das Leben in der Zeit danach eingestellt hat, dann k\u00f6nnen wir unser letztes Lebensritual mit unserer Familie feiern, ein Ritual zu Ehren des hohen Alters.<\/p>\n<h2>Tod<\/h2>\n<p>Egal wie lange wir dieses Leben leben durften, der Tod ist unausweichlich und f\u00fcr unser jetziges Leben die letzte Station. Es ist wie die Geburt ein Lebensabschnittsfest, das wir nicht selber feiern und auch nicht von uns ausgerichtet werden kann. (Obwohl ich in der Verwandschaft jemand hatte, der seine eigene Beerdigung vollst\u00e4ndig organisierte, als er erfuhr, das er sterben mu\u00dfte.) Der Tod ist nicht das Ende, sondern die Zeit der Ruhe und des Friedens, der Anfang von einem neuen Leben.<br \/>\nIm Alltag spielt der Tod keine Rolle, wir leben ohne dass wir daran denken auch einmal zu sterben. Der Tod ist jedoch jeden Augenblick pr\u00e4sent.<br \/>\nIn alten Zeiten wurden die Toten begraben oder verbrannt. Ihm wurden Gaben ins Grab gelegt, von denen man \u00fcberzeugt war, das sie der Verstorbene auf den Weg in die andere Welt gebrauchen k\u00f6nnte. Der K\u00f6rper wurde der Erde, der Natur zur\u00fcck gegeben, die Gaben sind f\u00fcr die Seele. Die Beerdigung diente zum Verabschieden und zum Ehren des Verstorbenen und zum Loslassen der Hinterbliebenen. Wurde der Tod festgestellt, waren eine Reihe verschiedener Abl\u00e4ufe \u00fcblich. So wurden die Fenster ge\u00f6ffnet, damit die Seele aus dem Raum entweichen kann, oder alles Wasser aus T\u00f6pfen und Kannen entfernt, damit sich die Seele nicht darin verfangen kann. Augen und Mund werden geschlossen, damit der Tote in Ruhe seinen Weg gehen kann. Die Totenwache wurde gehalten, damit kein fremder Geist vom K\u00f6rper Besitz ergreifen kann und im Totengesang wurde der Verstorbene gelobt und geehrt. Die Aufbahrung, die meist drei Tage dauerte, diente dazu, das sich jeder verabschieden und dem Toten seine Aufwartung machen konnte. Danach wurde der Tote in seine besten Kleider gewandet und verbrannt bzw. begraben. Nach der Beerdigung fand das Totenmahl statt, bei der ein Stuhl zu Ehren des Verstorbenen frei bleiben mu\u00dfte. Man sagt, das diese letzte Reise bis zu einem Jahr dauern kann, deshalb ging die Trauerzeit \u00fcber ein Jahr und einen Tag.<br \/>\nHeute ist es schwierig dem Verstorbenen solch eine Bestattung zu erm\u00f6glichen. Noch zu Lebzeiten ist es wichtig sich mit m\u00f6glichen Alternativen auseinanderzusetzen und dies auch der Familie zu erz\u00e4hlen oder es in einem Testament nieder zu schreiben. \u00dcbrig geblieben aus vergangenen Zeiten ist das Mahl nach der Beerdigung. Eine dreit\u00e4gige Aufbahrung ist aber heute nicht mehr m\u00f6glich, es wird einem nur eine kurze Zeit des Abschieds gew\u00e4hrt. Eine gute Alternative zu Friedh\u00f6fen sind die Friedw\u00e4lder, die wieder mehr an Bedeutung gewinnen.<\/p>\n<h2>Scheidung\/Trennung<\/h2>\n<p>Wenn zwei Menschen nicht mehr zusammen leben k\u00f6nnen und wollen, aus welchen Grund auch immer, dann ist eine Trennung unausweichlich und manchmal auch das Beste. Auch in vergangenen Zeiten war es m\u00f6glich eine Ehe zu trennen und zwar sowohl vom Mann, als auch von der Frau aus. Bei unseren Vorfahren war der Ehebruch der meiste Scheidungsgrund. Dem Fremdgehen der Frau wurde allerdings mehr Gewicht gegeben, da ihr Verhalten gr\u00f6\u00dfere Auswirkungen auf den Bestand der Sippe haben konnte, wenn sie z.B. das Kind eines Fremden ins Haus brachte. Eine Ehe konnte im Beisein von zwei Zeugen und dem Dorf\u00e4ltesten getrennt werden, wenn ein Grund vorlag.<br \/>\nWurde einem Ehepartner Untreue nachgewiesen, so hatte man(n) das Recht, seinem Partner die Haare abzuschneiden oder ihn nackt durch`s Dorf zu jagen.<br \/>\nAuch heute ist es so, das eine Ehe im Beisein von Zeugen getrennt werden kann, wenn gute Gr\u00fcnde vorgelegt werden. Ob nun ganz offiziell, mit Brief und Siegel vom Staat, oder innerhalb der eigenen Sippe. Manche heiraten &#8222;nur&#8220; heidnisch und nicht standesamtlich. Ich bin der Meinung, da\u00df auch diese Eheleute nicht einfach auseinander gehen sollten, wenn es nicht mehr funktioniert. Sie sollten diese Ehe ebenfalls vor der Sippe\/Familie trennen.<br \/>\nEine Scheidung ist eine Art von Trennungsritual in dem beide Abschied voneinander nehmen und die offenen Fragen beantworten k\u00f6nnen. Vielleicht findet man dadurch aber auch wieder zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Aniko<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeiten des \u00dcberganges und ihre Rituale Unser ganzes Leben ist bestimmt durch bestimmte Regelm\u00e4\u00dfigkeiten, sei es die Einteilung von Tag und Nacht oder unsere Jahreskreisfeste. So wie wir einen Tag in zwei Abschnitte teilen oder ein Jahr in vier, k\u00f6nnen wir auch unser Leben in bestimmte Abschnitte teilen. 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