{"id":191,"date":"2018-02-18T13:17:52","date_gmt":"2018-02-18T12:17:52","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=191"},"modified":"2023-10-31T10:51:46","modified_gmt":"2023-10-31T09:51:46","slug":"ahnengedenken-in-chemnitz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=191","title":{"rendered":"Ahnengedenken in Chemnitz"},"content":{"rendered":"<h1>Ahnengedenken in Chemnitz<\/h1>\n<p>Da am 31. Oktober netter Weise bei uns in Sachsen Feiertag ist, trafen wir uns alle gegen 15 Uhr bei Aniko zu Hause. Ich war schon gegen 14 Uhr gekommen, um ihr bei der Vorbereitung der Zierk\u00fcrbisse zu helfen, die eine recht harte Schale hatten. Eigentlich wollten wir mit den Kindern gemeinsam daraus Windlichter basteln, aber das w\u00e4re ein unm\u00f6gliches Vorhaben geworden. Zum Gl\u00fcck hatte ich das schon am Vorabend erkannt, als ich mit drei dieser K\u00fcrbisse k\u00e4mpfte, die ich f\u00fcr meinen K\u00fcrbis-Eierlik\u00f6r-Kuchen brauchte.<br \/>\nNach und nach trudelten alle anderen ein, bis wir gegen 16 Uhr 9 Erwachsene und 9 Kinder (alle zwischen 1 &#8212; 9 Jahre) waren. In der Zwischenzeit hatten wir 4 Windlichter unter Zuhilfenahme einer S\u00e4ge gebastelt und noch einige K\u00fcrbisse mehr ausgeh\u00f6hlt f\u00fcr die abendliche K\u00fcrbissuppe. Da aber Tina ihren ber\u00fchmten Schoko-Brownie-Kuchen mitbrachte und ich ja auch einen Kuchen mit hatte, entschieden wir uns erst mal f\u00fcr Kaffeetrinken. Das verhindert auch, dass die Kinder w\u00e4hrend des Rituals unbedingt das Opferbrot essen wollen. Auch konnten wir w\u00e4hrend des Kuchenessens den Ablauf des Rituals besprechen und das komplizierte Schachtelsatzgedicht von Aniko durchlesen und uns anschlie\u00dfend darum streiten, wer welche Strophe \u00fcbernimmt. Als es langsam dunkelte sammelten wir Kinder und Laternen ein und es konnte rausgehen. Im Hof angekommen, war pl\u00f6tzlich Martin verschwunden, der wegen seiner Allergie wohl erst mal das Weite und frische Luft gesucht hatte. Nachdem er nach l\u00e4ngerem Warten &amp; Suchen nicht auftauchte, gingen wir schon mal los in der Hoffnung, dass er uns schon finden w\u00fcrde. Allerdings hatte sich Aniko einen neuen Platz im Wald gesucht, der angeblich schneller zu erreichen w\u00e4re. So gingen wir plaudernd &amp; singend im Dunklen durch den Wald und waren wieder froh, dass alle Kinder eine Laterne hatten, sonst w\u00e4ren sie wohl im Wald verschwunden. Faszinierend, dass die Kinder \u00fcberhaupt keine Angst im dunklen Wald haben. Am Platz angelangt, steckten wir die Laternen im Kreis in den Boden und bauten in der Mitte um eine gro\u00dfe Kerze unser kleines G\u00f6tteropfer auf. Jeder hatte etwas mitgebracht: ein kleines Brot, \u00c4pfel, Eier, Honig, Blumen, Getreide&#8230; und darum stellten wir unsere vier gebastelten K\u00fcrbis-Windlichter. Wir kl\u00e4rten noch einmal kurz die Reihenfolge, als Tina auffiel, dass wir zuerst die G\u00f6tter &amp; Ahnen einladen sollten. Damit hatte sie sich freiwillig gemeldet und durfte das gleich \u00fcbernehmen. Wir stellten uns also alle Hand in Hand in den Laternenkreis, immer abwechselnd Kind &amp; Erwachsener. Tina begann mit der Einladung der G\u00f6tter &amp; Ahnen. Mit Hilfe einer Taschenlampe konnten wir dann alle nach einander Anikos herbstliches Schachtelsatzgedicht vortragen. Es ging darin um die fallenden Bl\u00e4tter, die freiwillig und sanft aus ihrem Dasein scheiden und um die Hoffnung, dass es uns Menschen sp\u00e4ter so auch beschieden sein m\u00f6ge.<br \/>\nDazu warfen die Kinder immer eine Handvoll Bl\u00e4tter in den Kreis, die wir auf dem Hinweg gesammelt hatten. Danach erkl\u00e4rte ich die Rune Eiwaz, die wir anschlie\u00dfend intonierten. Was ich immer wieder faszinierend finde, ist die Tatsache, dass die Kinder dabei nie unbehaglich rumn\u00f6rgeln, sondern manchmal sogar mitsummen &#8212; wie auch diesmal wieder. Dann hockten wir uns alle enger in den Kreis und begannen von unsren verstorbenen Lieben zu erz\u00e4hlen &#8212; vom Opa, der Mutter, dem Vater, einem Onkel, Freunden und auch von einem Hund. Einige hatten Fotos mit, die herumgezeigt wurden. Pl\u00f6tzlich knackte es gewaltig im Geb\u00fcsch und als wir alle erschrocken herumfuhren, polterte pl\u00f6tzlich Martin aus dem Unterholz. Er hatte uns nat\u00fcrlich an der falschen Stelle im Wald gesucht und nach einigem Herumirren im dunklen Wald dann endlich unsere Laternen durch die B\u00e4ume scheinen sehen. So konnte er unsre Runde gleich mit seiner Geschichte beschlie\u00dfen. Dann sangen wir einen passenden Kanon von karan:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wenn die Tage k\u00fcrzer werden,<br \/>\ndann beginnt die stille Zeit,<br \/>\nalles Neue, alles Neue,<br \/>\nmacht im Dunkel sich bereit.<\/p>\n<p>Die Lieder von karan sind herrlich f\u00fcr solche Feste geeignet, weil selbst Leute, die die Lieder nicht kennen, nach dem ersten H\u00f6ren bereits mitsingen k\u00f6nnen. G\u00fcnther verlas dann noch ein sch\u00f6nes November-Gedicht, das nicht so kompliziert ausformuliert war. Tina verabschiedete die Ahnen &amp; G\u00f6tter und bat sie noch, bis zum n\u00e4chsten Mal \u00fcber uns zu wachen. Alle Kinder nahmen nun wieder ihre Laternen, Aniko packte ihre gro\u00dfe Ritualkerze wieder ein und kontrollierte mit der Taschenlampe, dass wir au\u00dfer unsere Opfergaben auch nichts im Dunkel zur\u00fccklie\u00dfen. Im Entenmarsch ging es wieder zur\u00fcck zu Aniko. Unterwegs machten die ersten Kerzen in den Laternen schlapp, wor\u00fcber einige Kinder ganz bitterlich weinten.<br \/>\nZu Hause angekommen, bildeten sich sofort die \u00fcblichen Gruppen: die Kinder tobten lauthals durch den Flur, die M\u00e4nner sa\u00dfen ins Gespr\u00e4ch vertieft in der Wohnstube und die Frauen standen in der K\u00fcche und bereiteten die abendliche K\u00fcrbissuppe vor und deckten den Tisch. Inzwischen war es schon 8 Uhr abends und Tina begann zu dr\u00e4ngeln, da sie fr\u00fch wieder raus und noch eine Stunde nach Hause fahren mu\u00dfte. Zum Gl\u00fcck hatte die K\u00fcrbissuppe ein Einsehen und wir konnten mit dem Abendessen beginnen. Wie schon beim Kaffeetrinken sprachen die Kinder an ihrem Tisch genauso wie wir Gro\u00dfen an unsrem Tisch einen Tischspruch und es konnte mit dem Essen begonnen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Erde, die uns dies gebracht,<br \/>\nSonne die es reif gemacht.<br \/>\nLiebe Sonne, liebe Erde,<br \/>\neuer nie vergessen werde!<\/p>\n<p>Wir waren sehr froh, dass Claudia darauf bestanden hat zwei T\u00f6pfe voll K\u00fcrbissuppe zu machen &#8212; selbst die Kinder fragten nach Nachschlag und wir h\u00e4tten sicher auch noch einen dritten Topf leer bekommen. Da es aber leider nichts mehr gab, gingen die Kinder wieder zum Spielen \u00fcber, Tina &amp; klein Gerda fuhren nach Hause und wir fragten uns was wir denn jetzt noch machen k\u00f6nnten. Und da fielen uns die beiden Metflaschen in der K\u00fcche ein. W\u00e4hrend Claudia und ich den Abwasch bew\u00e4ltigten, erhitzte sich der Met langsam im Topf auf dem Herd. Sumbelrunde! Hatten wir noch nie gemacht, also probieren wir das doch einfach mal aus. Da ich die Idee hatte, musste ich beginnen. Ja, was sagt man denn da? Wir hatten 2 Flaschen Met, um uns dar\u00fcber Gedanken zu machen. Wir tranken auf die G\u00f6tter, die Ahnen &#8212; verstorbene wie lebende &#8212; Freunde, die Kinder, Gesundheit &amp; Gl\u00fcck. Wenn uns nichts Sinnvolles einfiel, wurden Trinkspr\u00fcche, Reime oder Witze vorgetragen. Wir waren der Meinung, dass es ein wundervolles Herbst-Anti-Depressionsfest geworden war und dass wir das mit dem Sumbeln in Zukunft immer machen sollten. Nachdem der Met alle war, sangen wir noch ein sch\u00f6nes Lied, was ich sehr mag, aber schon lange nicht mehr gesungen hab. Zum Gl\u00fcck kannten es Martin &amp; Claudia und ihr Liederbuch und die Gitarre hatten sie ja auch mit:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gelbe Bl\u00e4tter<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gelbe Bl\u00e4tter fallen im Wind,<br \/>\nwirbeln auf und fliehen dann geschwind<br \/>\nauf grauer Stra\u00dfe immerzu,<br \/>\nfinden erst im Winterschnee<br \/>\nihre Ruh.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">N\u00e4chstes Fr\u00fchjahr denkt niemand zur\u00fcck<br \/>\nAn den Herbst und an das Gl\u00fcck,<br \/>\ndas ihr mit eurer Farbenpracht<br \/>\nein Jahr lang zu jeder Stund<br \/>\nhabt gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Neues Leben bl\u00fcht bald an dem Ort,<br \/>\nwo ihr lang schon habt gebaut,<br \/>\nzu geben wart ihr st\u00e4ndig bereit,<br \/>\nhoftet, dass dies Leben w\u00e4hrt<br \/>\nin Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nur das Rad der Zeit bleibt niemals stehn,<br \/>\nMenschen kommen und Freunde gehen<br \/>\nAuf grauer Stra\u00dfe immerzu,<br \/>\nhabt in meinem Herzen l\u00e4ngst<br \/>\neure Ruh.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wenn im Herbst die gelben Bl\u00e4tter fliehn,<br \/>\nihren Weg auf grauer Stra\u00dfe ziehn,<br \/>\ndenk ich mit Trauer immer daran,<br \/>\ndass ohne Herbst auch kein Fr\u00fchjahrstag<br \/>\nkommen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Fr\u00f6schel<\/p>\n<p>Sp\u00e4t war es geworden, kurz vor Mitternacht! Einige Kinder m\u00fcssten am n\u00e4chsten Tag in die Schule! Wahrscheinlich werden sie morgen spontan Husten haben&#8230; \u00e4hm. Kommt manchmal vor.<br \/>\nAber es war wieder ein wundersch\u00f6nes Fest und wir freuen uns schon auf&#8217;s N\u00e4chste im trauten Kreis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ahnengedenken in Chemnitz Da am 31. Oktober netter Weise bei uns in Sachsen Feiertag ist, trafen wir uns alle gegen 15 Uhr bei Aniko zu Hause. Ich war schon gegen 14 Uhr gekommen, um ihr bei der Vorbereitung der Zierk\u00fcrbisse zu helfen, die eine recht harte Schale hatten. Eigentlich wollten wir mit den Kindern gemeinsam &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=191\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAhnengedenken in Chemnitz\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":179,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-191","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/191","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=191"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/191\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23609,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/191\/revisions\/23609"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}