{"id":264,"date":"2018-02-27T18:34:37","date_gmt":"2018-02-27T17:34:37","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=264"},"modified":"2018-02-27T18:34:37","modified_gmt":"2018-02-27T17:34:37","slug":"saechsisches-brauchtum","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=264","title":{"rendered":"S\u00e4chsisches Brauchtum"},"content":{"rendered":"<h1>S\u00e4chsisches Brauchtum<\/h1>\n<h2>Ein Begr\u00e4bnis in der L\u00fcneburger Heide<\/h2>\n<p>Der Hansbur hatte in seinem letzten Willen bestimmt, da\u00df er ganz nach der alten Art begraben werden sollte, denn damals war schon die Mode aufgekommen, da\u00df schwarz getrauert wurde.<br \/>\nUm ihn aber sollte wei\u00df getrauert werden, auch wollte er keinen hohen Sarg haben und keine Kr\u00e4nze, und auf seinem Grabe sollte ein Pfahl und kein Kreuz zu stehen kommen.<br \/>\nEr wurde in das Notlaken eingen\u00e4ht, das Meta (seine Frau) aus selbstgesponnenen Flachse gewebt und gen\u00e4ht hatte; Detta (Detta &amp; Sophie sind seine T\u00f6chter) setzte schwarze Atlasschleifen an den Sterbekittel und zog ihm die wei\u00dfe Sonntagszipfelm\u00fctze \u00fcber.<br \/>\nDer Sarg stand auf zwei St\u00fchlen auf der Deele (Diele) und war mit dem Leichenlaken zugedeckt, und davor lag der Sargdeckel, auf dem zwei alte h\u00f6lzerne Leuchter brannten, deren F\u00fc\u00dfe vier springende Pferde waren. Rechts von der gro\u00dfen T\u00fcre hingen die beiden Seelenlaken von der Wand herunter, damit, wenn der Tote noch einmal zur\u00fcckk\u00e4me, er doch einen Platz f\u00fcr sich f\u00e4nde.<br \/>\nHermen sorgte daf\u00fcr, da\u00df im Altenteilerhause die Fenster der Schlafd\u00f6nze (Wohn- oder Schlafstube)nicht offen standen und da\u00df das Bettstroh, auf dem der Altvater gestorben war, bis auf eine Hand voll verbrannt wurde und da\u00df der Backenstuhl, in dem der Alte neben dem Ofen gesessen hatte, umgesto\u00dfen wurde.<br \/>\nDurtjen warf die Waschschale, aus der der Tote gewaschen war, entzwei und grub sie ein und legte Kamm und Waschlappen in den Sarg, denn Meta, die von Detta in das Wohnhaus gebracht war, war so hinf\u00e4llig, da\u00df sie an nichts denken konnte; sie sa\u00df neben dem Ofen in der D\u00f6nze und sang leise aus dem Gebetbuch,, aber keine Sterbelieder, sondern Lobges\u00e4nge.<br \/>\nDer Tag der Beerdigung kam. Das Leichlaken wurde heruntergenommen. Mit freundlichem Gesichte lag der Bauer in dem eichenen, mit Rehmenru\u00df (Rehmen ist der Rauchfang \u00fcber dem Herd) schwarz gemachten Sarge, Bibel und Gesangbuch unter dem Kinn.<br \/>\nEiner nach dem andern von der Freundschaft ging \u00fcber die Deele, nickte dem Toten zu und ging nach der D\u00f6nze, wo das Fr\u00fchst\u00fcck stand. Sie sprachen alle leise, die M\u00e4nner, und die Frauen fl\u00fcsterten. Es war ihnen, als w\u00e4re dieses ein ganz besonderes Begr\u00e4bnis.<br \/>\nDer Gro\u00dfknecht kam und sagte: &#8222;Es ist wohl an der Zeit&#8220;. Da gingen sie alle aus der D\u00f6nze; einer nach dem andern trat an den Sarg und gab dem Toten die Hand.<br \/>\nDetta und Sophie, von Kopf bis zu den F\u00fc\u00dfen in dem wei\u00dfen Klagelaken, weinten los, denn der Tischler stellte die Leuchter bei Seite und schlo\u00df den Sarg.<br \/>\nEr wurde aus der gro\u00dfen T\u00fcr getragen und auf das Wagenstroh geschoben. Durtjen reichte das Leichenlaken her, und Detta und Sophie, die hinter dem Sarge sa\u00dfen, zogen es dar\u00fcber, da\u00df es rechts und links lang herunterhing.<br \/>\nDie Gro\u00dfmagd go\u00df hinter dem Wagen eine Schale Wasser aus und lief dann in die D\u00f6nze, um die Kastenuhr abzustellen und den Spiegel zuzuh\u00e4ngen.<br \/>\nDer Gro\u00dfknecht stellte sich an den Kopf des Sattelpferdes, und die Pferde zogen an und schnaubten, als sie \u00fcber das brennende Sterbestroh mu\u00dften, da\u00df der zweite Knecht ihnen vor die F\u00fc\u00dfe warf.<br \/>\nDie Frauen aus der n\u00e4chsten Freundschaft, alle in wei\u00dfen Trauerlaken, gingen hinter dem Sarge her, neben und hinter ihnen folgten die M\u00e4nner, alle in Kirchenrock und hohem Hute.<br \/>\nEs war ein prachtvoller Tag, als sie Johannes Gotthard Georgius Hehlmann, den letzten Hansbur, den Notweg fuhren.<\/p>\n<p>Hermann L\u00f6ns aus &#8222;Der letzte Hansbur&#8220;<\/p>\n<h2>\nDas Eierfest auf dem Protschenberge am ersten Osterfeiertage<\/h2>\n<p>Allj\u00e4hrlich eilt am ersten Osterfeiertage in den Mittags- und ersten Nachmittagsstunden, wenn das Wetter es nur einigerma\u00dfen erlaubt, Alt und Jung aus Bautzens Mauern nach dem Protschenberge zum Eierschieben. Die Wege nach der luftigen H\u00f6he, durch parkartige Anlagen und gr\u00fcnende Saatfelder f\u00fchrend, verm\u00f6gen kaum in der Stunde zwischen 1 und 2 Uhr die frohen Schaaren zu fassen. Der Protschenberg, eine von m\u00e4chtigen Granitfelsen gebildete Anh\u00f6he am linken Spreeufer, westlich von Bautzens altem Schlosse, der Ortenburg, das Flu\u00dfthal einschlie\u00dfend, tr\u00e4gt auf seinem Scheitel einen Gottesacker, der als Begr\u00e4bni\u00dfort von der zumeist wendischen Bev\u00f6lkerung des uralten, an der einstigen vom fernen Osten nach Gallien durch Mitteldeutschland f\u00fchrenden V\u00f6lkerstra\u00dfe gelegenen Ortes Seidau ben\u00fctzt wird. Ein stark geneigter, von Gras nur sp\u00e4rlich bewachsener, nach dem rauschenden Gew\u00e4sser der durch die Industrie dem Menschen sehr dienstbar gewordenen Spree blickender Abhang f\u00fcllt sich rasch mit Seidauer Knaben und M\u00e4dchen verschiedenen Alters, und aus dem Munde dieser in rascher Bewegung auf- und absteigender Kinderschaaren t\u00f6nt fortw\u00e4hrend, bald in vereinzelten Stimmen, bald in vollen Ch\u00f6ren der langgedehnte, vom wendischen Dialecte stark gef\u00e4rbte Ruf: &#8222;Eier!&#8220; Die von Eltern, Geschwistern, Anverwandten und wohl auch Dienstboten begleiteten Kinder der Bewohnerschaft Bautzens und Schaaren von J\u00fcnglingen und Jungfrauen schauen, in dichten Reihen die Stirn des Protschenberges einnehmend, heiteren Blickes hinab auf die rufende Menge. Es gilt nun, hart gesottene, mit Farben bunt bemalte Eier, oder auch Obst, Backwerk aller Art und nach Befinden auch Kupferm\u00fcnzen, m\u00f6glichst weit hinab in die schreienden Schaaren zu werfen. Je nachdem bald aus der Mitte, oder aus einem der beiden Fl\u00fcgel der St\u00e4dter die Gaben geworfen werden, je nachdem bewegen sich die Schaaren der auffangenden Kinder nach dieser oder jener Richtung. Personen, die im Werfen ge\u00fcbt sind, verm\u00f6gen Eier bis in den Flu\u00df zu werfen. Ist dies geschehen, so waten abgeh\u00e4rtete Buben baarfu\u00df in das kalte Wasser und ringen unter dem Beifallsrufe der Menge um das farbige Osterei. Gegen drei Uhr lichten sich die Reihen und in den sp\u00e4ten Nachmittagsstunden verlassen die letzten Kinder mit ihren errungenen Sch\u00e4tzen den Festplatz. Ueber die Bedeutung und Veranlassung dieses seltsamen Festes herrschen verschiedene Meinungen, aber eine sichere Kunde dar\u00fcber giebt es nicht. Im Allgemeinen h\u00e4lt man dieses Fest f\u00fcr eine Erinnerungsfeier an jene Zeit, in welcher es dem Christenthume gelang, die heidnischen G\u00f6tzen von der H\u00f6he des Felsens in die Fluthen des Spreeflusses zu werfen.* Da\u00df der Protschenberg fr\u00fcher ein heiliger, sogar befestigter Ort der heidnischen Bev\u00f6lkerung der Gegend gewesen ist, haben verschiedene Nachgrabungen und die dabei gemachten Funde mit ziemlicher Gewi\u00dfheit ergeben, allein von einem Eierfeste zum Andenken an den Sieg des Kreuzes \u00fcber die G\u00f6tzen ist keine \u00e4ltere Kunde vorhanden. Man bringt dieses Fest auch mit der Reformation in Verbindung und meint, da\u00df die Protestanten am ersten Osterfeiertage jedes Jahres auf den Protschen gezogen seien, um ihren Groll dar\u00fcber zu vergessen, da\u00df sie an diesem Tage ihr Gotteshaus den wendisch-katholischen Christen Bautzens und der Umgegend in der Mittagsstunde zur Benutzung zu \u00fcberlassen gezwungen seien. Bis zum Jahre 1848 fand allerdings nach alten, nun aufgehobenen Vertr\u00e4gen in dem protestantischen Theile der Petrikirche ein wendisch-katholischer Gottesdienst w\u00e4hrend der Mittagsstunden statt, soda\u00df der Festgottesdienst der Protestanten erst um drei Uhr seinen Anfang nehmen konnte. Wenn in diesem letzteren Umstande die Veranlassung zum Eierfeste liegen sollte, so k\u00f6nnte die Entstehung desselben bis in den Anfang des sechzehnten Jahrhunderts zur\u00fcckreichen denn im Jahre 1525 wurde bereits der erste protestantische Prediger an der Petrikirche angestellt.<br \/>\nJedenfalls ist das Eierfest auf dem Protschenberge als ein erster allgemeiner Ausflug sogleich nach dem Beginn des Fr\u00fchlings nicht ohne Poesie, mag auch seine Entstehung und Veranlassung in tiefes Dunkel geh\u00fcllt sein. Mit welcher Z\u00e4higkeit man \u00fcbrigens an diesem Eierfeste auf dem Protschenberge h\u00e4lt, beweist der Umstand, da\u00df wiederholt Versuche angestellt worden sind, den Schauplatz des Festes nach dem zum Spiele f\u00fcr die Kinder weit mehr geeigneten Schie\u00dfplatze zu verlegen, aber stets vergeblich.<br \/>\n* Dies ist irrig und es ist im Gegentheil ein aus dem Heidenthum entlehnter Gebrauch, der die Sage vom Weltenei versinnlichen soll.<\/p>\n<p>aus &#8222;Dresdner Presse&#8220; 1874<\/p>\n<h2>Das Burgding zu Engerda<\/h2>\n<p>Zu Engerda (ode Engern) in der Ephorie Kahla besteht bis auf den heutigen Tag noch das sogenannte Burgding und wird j\u00e4hrlich nach Pfingsten mitten im Dorfe bei der alten Gemeindelinde unter freiem Himmel gehalten. Der Schulze, die Sch\u00f6ppen, die Gemeinde- und Kirchenvorsteher, der K\u00e4mmerer und der Gemeindemann bilden das Personal dieses Gerichts, zu dessen Anfang mit der kleinen Glocke auf den Kirchthurme gel\u00e4utet wird, und vor welchem alle Nachbarn bei Strafe erscheinen m\u00fcssen. Von diesem Gerichte werden kleine Feld- und Holzdiebst\u00e4hle, eigenm\u00e4chtiges Verr\u00fccken der Marksteine, unbefugtes H\u00fcten etc. \u00fcberhaupt alle Uebertretungen der Dorfordnung, die im Dorfe zur Anzeige gekommen sind, ger\u00fcgt und nach Befinden bestraft. Wenn dasselbe gehalten worden ist, versammelt sich die Gemeinde unter der Linde zum &#8222;Biertrunk&#8220;, woran nicht blos die M\u00e4nner, sondern auch die Weiber und Kinder und eingeladene ausw\u00e4rtigen Freunde Theil nehmen und wobei gew\u00f6hnlich im Freien getanzt wird, welches jedoch in der Art geschiehet, da\u00df der Amtsschulze \u00f6ffentlich ausruft, Frieden zu halten; er verbeut Wehr und Waffen, und k\u00fcndigt demjenigen, so b\u00f6se H\u00e4ndel anf\u00fchrt an, das Fa\u00df wieder zu f\u00fcllen, nicht mit Wasser, sondern mit Bier, der Amtsstrafe nichts benommen.<\/p>\n<p>aus &#8222;Altenburger Kirchengalerie&#8220;<\/p>\n<h2>Von den merkw\u00fcrdigen Ceremonien derer Altenburgischer Bauern, wie sie es n\u00e4mlich bey Hochzeiten, Heimf\u00fchrung der Braut, Kindtauffen, Gesindemiethen, Beerdigungen, Kleidung und Tracht etc. im J. 1703 zu halten pflegten.<\/h2>\n<p>Die Altenburgischen Bauern sind ohne Zweifel noch ziemlich unvermischte Abk\u00f6mmlinge der alten das Osterland bewohnenden Sorbenwenden, sonderbarer Weise aber werden sie noch heute von ihren stammverwandten Br\u00fcdern in der Oberlausitz, den dortigen Wenden, geha\u00dft, warum, wei\u00df man nicht. Wie diese h\u00e4ngen sie noch heute an ihren alten Gewohnheiten, Sitten und Tracht und es wird deshalb nicht uninteressant sein, dieselben so hier zu schildern, wie sie z.B. der Rector des Altenburger Gymnasiums, Frdr. Frise im J. 1703 (Lpzg. kl. 8\u00b0.) in seiner in Fragen und Antworten eingerichteten Abhandlung unter obigem Titel beschrieben hat.<br \/>\nBetrachten wir nun zuerst das Capitel der Verheirathung und den damit in Verbindung stehenden Kirchgang, Hochzeit und Kindtaufe, so war damals folgende Sitte. Die Braut nebst ihrem Beistand, welches gew\u00f6hnlich der Ortsgeistliche war, sitzt im Hochzeitsshause und erwartet den Br\u00e4utigam. Derselbe erscheint nun mit seinem Freiwerber und Beistande vor der Stubenth\u00fcre, klopft an und l\u00e4\u00dft sich durch den Brautdiener anmelden, der ihm die Verg\u00fcnstigung zur\u00fcckbringt. Er tritt hierauf mit obigen zwei Personen in die Stube und l\u00e4\u00dft sich durch diese bei dem Prediger die Braut zum Kirchgange ausbitten. Der Geistliche h\u00e4lt nun eine Gegenrede und l\u00e4\u00dft die Braut nebst einer christlichen Vermahnung folgen (Aehnlich ward sonst in Istrien verfahren, und auch in Ru\u00dfland). Die Verlobten ziehen nach der Trauung um den Altar herum und der Brautdiener oder der Bruder der Braut, der sie zum Altar gef\u00fchrt hat, w\u00fcnscht ihnen Gl\u00fcck. Wenn die Verlobten in die Kirche gehen, so pflegt die Brautmutter oder diejenige Frau, welche ihre Stelle vertritt, etliche St\u00fcck Kuchen, der Brautdiener aber etwas Geld unter die zusammengelaufenen Zuschauer zu werfen. Wenn der Br\u00e4utigam aus der Kirche geht, so wird er von etlichem zusammengelaufenem Volke aufgehalten, denen wirft er etwas Geld in die Rappuse. Zu Haue angekommen setzt sich der Br\u00e4utigam nebst der Braut zu Tische und Letztere hat die ganze erste Mahlzeit \u00fcber einen langen Mantel um, der mit vielen Falten geziert ist. Des Br\u00e4utigams Mutter schneidet dem Br\u00e4utigam ein St\u00fcckchen Brod ab, desgleichen thut auch die Mutter der Braut. Von den Anwesenden nimmt nun ein Jeder etwas Weniges der Spei\u00dfe, und so es ein Braten ist, so legt er denselben ganz, wenn er etwas ff\u00fcr sich abgeschnitten auf seines Nachbars Teller. Man setzt auch zuweilen der Braut und dem Br\u00e4utigam zwei brennende Lichter vor und giebt wohl Acht darauf, welches von ihnen am Meisten abnimmt. Wenn endlich alle Spei\u00dfen abgetragen sind, so wird zuweilen eine Sch\u00fcssel mit Wasser, darin N\u00fcsse liegen, aufgesetzt, in diese legen die G\u00e4ste nach Belieben etwas Geld.<br \/>\nAbends beim Hochzeitstanze mu\u00df der Br\u00e4utigam mit der Brautmutter zuerst und nach diesem der Brautdiener mit der Braut in ihrem Mantel tanzen, bis sie solchen fallen l\u00e4\u00dft. Solches wird &#8222;den Mantel abtanzen&#8220; genannt. Im Allgemeinen ist zu bemerken, da\u00df die Mannspersonen mit starken Spr\u00fcngen, Schreien und mit in die H\u00f6he gehobenen H\u00e4nden, die Weibspersonen aber mit ganz engem Schritte und ganz sittsam hinter einander tanzen. Nach Beschlu\u00df des Tanzes begiebt sich der Br\u00e4utigam zuerst zu Bett, hernach f\u00fchrt der Brautdiener nebst etlichen Verwandten die Braut in die Schlafkammer. Nachdem er nun die Braut zu Bett gef\u00fchrt, zieht er ihr in der Kammmer den Stiefel oder Schuh aus, pflegt ihr auch die Z\u00f6pfe auszuflechten und wirft sie endlich noch angekleidet in das Brautbett. Die Brautmutter aber oder diejenige Person, welche ihre Stelle vertritt, legt nun einen d\u00fcnnen Kuchen auf das Bett, welchen die Umstehenden mit den H\u00e4nden zerschlagen und dabei sagen: &#8222;soviel St\u00fcckchen soviel P\u00fcppchen!&#8220; Der Br\u00e4utigam mu\u00df nun den dabei Anwesenden Wein oder Branntwein einschenken und der Brautdiener versteckt der Braut den ausgezogenen Stiefel oder Schuh, welchen sie den andern Tag ausl\u00f6sen mu\u00df. Indessen machen die Spielleute nebst etlichen G\u00e4sten vor der Kammerth\u00fcre Musik, und wenn sie hineinkommen k\u00f6nnen, tanzen sie um das Brautbett.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tage mu\u00df die Braut unter dem Kranze eine gestrickte Haube tragen und der Br\u00e4utigam ein neues Hemd, wie auch den Verwandten Schnupft\u00fccher, Hauben, Aermel und dergleichen verehren, welches Schw\u00e4ger-St\u00fccken genannt wird.<br \/>\nAm dritten Hochzeitstage setzt sich der Br\u00e4utigam mit der Braut und etlichen nahen Anverwandten an den Tisch, um die Hochzeitsgeschenke in Empfang zu nehmen. Die Braut hat wieder den langen Mantel um, darin sie sich ganz wickelt und mit einem Schnupftuch, indem sie weint, sich die Augen zuh\u00e4lt. Hierauf legt sie ein gr\u00fcnes Rautenkr\u00e4nzlein, da\u00df aber kaum so gro\u00df als ein Thaler ist, auf ein sch\u00f6nes Schnupftuch vor sich auf den Tisch. Die n\u00e4chsten Freunde bringen ihre Geschenke zuerst und es m\u00fcssen Braut und Br\u00e4utigam wie auch die Anverwandten, so dabei sitzen, die Hand zuerst bieten, alsdann das Geschenk mit dem Wunsch \u00fcbergeben und einem Jeden wieder die Hand bieten. Wenn von Etlichen Bettpf\u00fcle und Kissen verehrt worden sind, so legen die dabei stehenden jungen Bursche ihnen solche, wobei sie den Freunden die H\u00e4nde bieten, auf den R\u00fccken und klopfen wacker mit beiden H\u00e4nden darauf. Der eine Brautdiener giebt nun dem Hochzeitsgaste, wenn er sein Geschenk \u00fcberreicht hat, ein gro\u00dfes Glas Bier, etwa mit folgender Formel: &#8222;Ehr hut Braut un Br\u00e4utgen ene Verihrege gethon, drum last auch weder emahl schenke.&#8220; Nach dem Trunke giebt er ihm auch etwas weniges Kuchen. Die Spielleute pflegen dabei etwas erhaben zu stehen und etliche gute Lieder w\u00e4hrend des Schenkens zu geigen. Dann mu\u00df der Brautdiener mit der Braut, so den Mantel umhat, ein oder zweimal herumtanzen, wobei die Braut den Mantel fallen lassen mu\u00df.<br \/>\nHierauf machen sich die n\u00e4chsten Verwandten nebst etlichen jungen Gesellen und Jungfrauen bei einem Schmau\u00dfe noch etliche Stunden im Hochzeitshause lustig und dann schickt man sich zur Heimfahrt an. Die Braut begibt sich nach beendigter Mahlzeit auf den Boden, allwo sie von ihren Eltern Abschied zu nehmen pflegt. Der Br\u00e4utigam aber mu\u00df selbst die Braut wieder vom Boden herabholen, und sich bei den Eltern f\u00fcr die Erziehung der Braut bedanken, und hierbei werden die Gl\u00fcckw\u00fcnsche wiederholt. Dann f\u00fchrt der Br\u00e4utigam die Braut zu dem Wagen, auf welchem sie ganz vorn nach den Pferden zu stehen mu\u00df und einen Schleier wie auch den Hut des Br\u00e4utigams auf dem Haupte haben, was andeuten soll, da\u00df der Mann des Weibes Haupt und sie ihm unterthan sein soll. Dann mu\u00df sie ein Glas Bier austrinken und das Glas an die Wand werfen. Der Br\u00e4utigam macht nun den Fuhrmann und f\u00e4hrt entweder im Hofe der Brautwohnung oder auf einem bequemen Platze dreimal in einem Zirkel herum, indem die Spielleute auf dem Wagen stehen und geigen. Die die Braut begleitenden jungen Burschen pflegen bisweilen auf geputzten Pferden zu reiten und zu schie\u00dfen, oder wenn sie zu Fu\u00df gehen, so schreien sie auf dem Wege aus vollem Halse. Au\u00dferdem f\u00e4hrt ein Wagen mit, auf welchem der Hausrath, den die Braut mitbringt, nebst einem angelegten Rocken steht. Kommt die Braut nun in das Haus des Br\u00e4utigams, so mu\u00df sie auf dessen Gehei\u00df in das Ofenloch gucken, dann werden allerhand Gl\u00fcckw\u00fcnsche dargebracht und noch ein Schmau\u00df abgehalten.<br \/>\nWenn die Braut niedergekommen ist und das Kind zur Taufe getragen wird, pflegt zuweilen eine erfahrene Frau oder Anverwandte mit der W\u00f6chnerin, ehe das Kind wiedergebracht wird, in allen Kammern herumzugehen. In Bezug auf das Knechte- und M\u00e4gdemiethen ist zu bemerken, da\u00df diese in den Zw\u00f6lfn\u00e4chten auf dem Markte stehen, die Hausv\u00e4ter und Hausm\u00fctter aber unter ihnen herumgehen, um die einzelnen Personen desto besser in Augenschein zu nehmen. Die Hausm\u00fctter werfen den M\u00e4gden das Miethgeld vor die F\u00fc\u00dfe und geben Achtung, ob sie solches geschwind oder langsam aufheben, wo sie daraus die Hurtigkeit oder Faulheit der Dienstboten erkennen wollen. Wenn nun die M\u00e4gde anziehen, so setzen sie sich in die Stube ihres Herren so, da\u00df sie das Gesicht nicht gegen die Th\u00fcre kehren, weil sie meinen, der Dienst werde nicht lange w\u00e4hren, wenn sie gleich das erste Mal die Augen nach der Th\u00fcre wenden. Dann richtet ihnen die Hausmutter noch eine gute Mahlzeit zu, welches die Wandersuppe genannt wird.<br \/>\nWenn bei ihnen ein Mensch verschieden ist, so machen sie die Fenster auf. Die Leiche wird in dem Hofe unter freiem Himmel hingesetzt und die Leidtragenden stehen dahinter. Ist nun der Todte aus dem Hause hinausgetragen worden, so mu\u00df der, welcher im Hause bleibt, mit einem Besen das Haus kehren und solchen zur Th\u00fcre hinauswerfen. Die aber, welche am Grabe stehen, werfen einen Erdklos hinein, wenn der Todte eingesenkt wird.<br \/>\nIn Bezug auf die Kleidung ist aber zu bemerken, erstlich was die M\u00e4nner anlangt, da\u00df sie von alten Zeiten her sehr breite und mit einem sehr hohen, spitzigen Thurm gezierte H\u00fcte getragen haben, sp\u00e4ter bedieneten sie sich der niedrigen B\u00fcrgerh\u00fcte. Unter den H\u00fcten trugen sie stets eine von Leder oder Tuch gemachte und mit Barchend oder Pelz gef\u00fctterte M\u00fctze, welche sie nicht vor ihres Gleichen, sondern nur vor h\u00f6hern Personen und zwar mit der linken Hand, den Hut aber mit der Rechten abnahmen. Um den Hals tragen sie einen schwarzen Flor. An den Arbeits- oder Wochentagen tragen sie einen Rock aus wei\u00dfem Tuch mit spitzigen Aermeln und mit Hefteln unter dem linken Arme, wo ein sogenannter Brustlatz zugeheftet ist, und die bis an die Kniee gehen. So gehen die Knechte bei der Arbeit. Sonst tragen sie insgemein einen langen von braunem, grauem oder schwarzem Tuche gemachten Rock, welcher auf der Brust zugeheftet ist und fast bis an die Waden reicht. Bei Fest- und Ehrentagen pflegen sie einen Rock von gutem rothen Tuche mit vielen Falten zu tragen, so etwas vertieft, bei den H\u00e4nden aber spitzige Aermel hat, unter den Aermeln aber zugeheftet ist und nur bis auf die Kniee langt und eine rothe Jacke genannt wird. Zuweilen haben sie \u00fcber der sogenannten rothen Jacke ein schwarzes ledernes Wamms mit vielen Falten und gro\u00dfen Taschen ebenso lang als die letztgedachte rothe Jacke. Die Hochzeitbitter und Brautdiener pflegen noch \u00fcber dem schwarzen Wammse einen wei\u00dfen sogenannten Schmutzkittel als Vorrath anzuziehen. Die Beinkleider oder Hosen sind ziemlich weit und unter dem Knie zugebunden aus schwarzen Leder. Sonst tragen M\u00e4nner und Frauen gew\u00f6hnlich Stiefeln oder auch lederne Str\u00fcmpfe und sehr gro\u00dfe Schuhe, was man f\u00fcr ein Zeichen einer streitbaren Nation h\u00e4lt. Die Jungfrauen umwickeln die geflochtenen Haarz\u00f6pfe mit rothen, gr\u00fcnen oder schwarzen Tuch- oder auch Sammtstreifen, so zwei Finger breit sind und Schrote genannt werden. In dem Nacken hinunter h\u00e4ngen zwei schwarze lange seidene B\u00e4nder. Ueber diesen ungewickelten Z\u00f6pfen tragen sie eine runde lederne M\u00fctze mit Fischotter um und um geziert. An Fest- und Ehrentagen haben sowohl die Jungfrauen als Br\u00e4ute ein sogenanntes Hormt auf dem Kopfe, ein rund geformtes silbernes und vergoldetes Blech, zwei H\u00e4nde hoch, inwendig mit rothem Sammt belegt und auswendig mit vergoldeten Flittern, so gr\u00f6\u00dfer als ein Groschen wie Bl\u00e4tter formirt und um und um alsos geziert, da\u00df sie im Gehen sich bewegen und klingeln. Wenn die Frauen zum Abendmahl oder zur Beichte gehen, so haben sie den Kopf und das Kinn mit einem sehr blau gest\u00e4rkten Schleier umwickelt. Bei Ehrentagen tragen sie eine von Seide oder Wolle gewirkte Haube, so wie ein Netz in den Nacken herab auf die Achsel h\u00e4ngt. Sonst pflegen die Weiber sowohl als die Jungfrauen insgemein den ganzen Kopf bis an die Augen mit einer wei\u00dfen Leinwand also zu verh\u00fcllen, da\u00df ein St\u00fcck \u00fcber den R\u00fccken hinab h\u00e4ngt und man von dem Gesichte nur wenig sehen kann. Wenn aber die Jungfrauen in ihrem gr\u00f6\u00dften Schmuck gehen, so haben sie ein Kr\u00e4gelchen von gest\u00e4rkter wei\u00dfer Leinwand um, welches mit Draht in die Runde gebogen und als ein halber Mond um den Nacken steif bis an die Achseln steht, aber nicht auf ihnen aufliegt. In fr\u00fcherer Zeit trugen sie gro\u00dfe weite Aermel von Schleier- oder wei\u00dfer Leinwand, soda\u00df ein ganzes Siebmaa\u00df Korn in einen ging. Heut zu Tag (d.h. 1703) sind sie etwas kleiner und m\u00fcssen sehr blau gest\u00e4rkt werden, weil sie dies f\u00fcr eine Zierde halten, an solchen h\u00e4ngt auf dem R\u00fccken ein viereckiger Latz von wei\u00dfer Leinwand mit schwarzer Seide durchn\u00e4ht. Bei Ehrentagen tragen die Frauenzimmer rothe Jacken mit Falten, eben wie die Mannspersonen, insgemein aber ein schwarzes Tuch-Wamms oder ein sogenanntes ledernes Mieder. Vor der Brust pflegen sie gew\u00f6hnlich einen Latz von Sammt oder seidenem Zeuge zu haben. Um die Lenden tragen sie einen schwarzen ledernen G\u00fcrtel, so fast eine Spanne breit nebst einer wei\u00dfen oben schmal einfalteten Sch\u00fcrze. Ihr gr\u00f6\u00dfter Putz aber besteht aus einem Pelz, so viele Falten hat und in einem gefalteten Kittel. An Ehrentagen tragen die Jungfrauen knappe Stiefel, die Frauen aber schwarze Tuchstr\u00fcmpfe und Schuhe. Was die Sprache anlangt, so sprechen sie nicht mehr wendisch, sondern deutsch, aber einen ganz besonderen Dialect. Sie ver\u00e4ndern erstlich bisweilen ganze Buchstaben z.B. in dem Worte &#8222;Maria&#8220; machen sie aus dem Vocal i ein j, und aus dem Vocale a ein e und sprechen &#8222;Marje&#8220;. Zweitens verst\u00fcmmeln sie die Worte und versetzen die Buchstaben, z.B. den Namen Elisabeth pflegen sie nicht in &#8222;Lise&#8220; zu verderben, sondern auch den Vocal i vor das l zu setzen und sagen &#8222;Ile&#8220;. Bisweilen versetzen sie nicht blo\u00df Buchstaben, sondern werfen sowohl vorn al hinten solche weg, z.B. in dem Worte &#8222;Dorothea&#8220; pflegen sie erstlich die Buchstaben D und o im Anfange und nachgehends das a am Ende wegzuwerfen, so hei\u00dft es denn &#8222;Orthe&#8220;. Als Beispiel ihres Dialects, von dem auch Firmenich, V\u00f6lkerstimmen Bd.II.S.246 fgg. einige Beispiele in Versen und Prosa gegeben hat, theilt nun Hr. Frise ein im J. 1687 zum Beschlu\u00df des Gregoriusfestes, wo man des Kaisers Leopold Sieg \u00fcber die T\u00fcrken bei Wien feierte, aufgef\u00fchrtes Lustspiel mit, welches wir hier mittheilen, weil es ein ganz sonderbares Deutsch enth\u00e4lt und selbst Hrn. Firmenich unbekannt blieb.<br \/>\nDer kurze Inhalt des besagten Lustspiels ist nun folgender. Ein alter Bauer findet an seinem kleinen Sohne eine Neigung zum Studiren, er fa\u00dft also den Vorsatz, nach Altenburg zu gehen und ihm bei der Schule daselbst eine Stelle zu verschaffen. Es sieht aber die Sache anfangs etwas schwer aus, indem der Sohn wegen der Anstalt bei dem Gregoriusfeste nicht gleich recipirt werden kann. Zu dem finden sich viele Freunde, welche dem Vater zu diesem Vorhaben entweder ab- oder zurathen. Endlich bleiben Vater und Sohn bei dem gefa\u00dften Beschlusse und es wird ein Valetschmau\u00df auf gutes Gl\u00fcck des Sohnes den Verwandten und Bedienten bei lustiger Musik gegeben.<\/p>\n<h3>Personen des St\u00fcckes.<\/h3>\n<p>1. Puhle, der Vater.<br \/>\n2. Mieke, die Mutter.<br \/>\n3. Barthel, Nachbar im Dorfe.<br \/>\n4. Casper, Nachbar im Dorfe.<br \/>\n5. Pieter, der kleine Sohn.<br \/>\n6. Brusig, Gro\u00dfknecht.<br \/>\n7. Mareige, des Pieters kleine Schwester.<br \/>\n8. Kratsch, der andere Knecht.<br \/>\n9. Kriethe, Magd.<br \/>\n10. Orthe, Magd.<br \/>\n11. Ilse, Magd.<\/p>\n<h3>Erster Auftritt.<\/h3>\n<p>Barthel. Wu hars Lands Kevatter Puhle, wie kiets, wie i\u00dfg aure Sache Kerothen, Dreber Er Keschwitzt hut wie eh Broten?<br \/>\nPuhle. Krusen Dank, Kevatter Pule, ser aure Frage, ich bin racht luschtg un uhne Ploge. Itz kleich kumm ich aus der Stod, die Almerg ehren Namen hot.<br \/>\nBarthel. Was hut ihr denne Durtinne Kethan, mey wald ehr michs wisse lahn?<br \/>\nPuhle. Ich fehrte men Suhn Pieter Kenant, der auch als Pathen wuhl bekannt zum Vurnahmen Kelarner durt, ha sallt ehn froge huhn Wort, un ehn runmahne nach Geb\u00fchr, salt h\u00fcre, was haa kelernt bey mir.<br \/>\nBarthel. Mey spart auer Kelt, k\u00e4ft mie Fald, namt Pietern das Buch aus der Hand, schickten derver ufs Laand, un nich in die Schule nei, ha kan auch schin beyn Pfaren seyn.<br \/>\nCasper. Ey was, Pieter nich hengern pflug, denn ha i\u00df mey trau racht kluk, unser Schulmester s\u00e4te nu, ehr salt Pieter immer in de Schule thu.<br \/>\nPieter. Was, ich sall nicht staudire, davun la\u00df ich mich nich f\u00fchre, ich lase schin Lotein behenge un mach ach vel Argumenge. Ich staudire in das Almerschen Schule, ehr makt wulle aber nich, Voter Puhle.<br \/>\nPuhle. Nu, nu Pieter, ich marck dich schun, du warst eh racht kelarger Suhn. Du larnst alle K\u00fcnste parfact, wen dich mund der Racter racht zuhackt.<br \/>\nBarthel. Weils su i\u00df, de lu\u00df ichs kesey, mentwagen thut Pietern immer in de Schule nei. Katen de Wuche eh Hau\u00df-Backen Brud, nu wenn ha dinne sey kut thut, da kucht en Zeiten en Tup vull Hir\u00dfe, un spendirten Racter Zeit eh kericht Pir\u00dfe: Dafir larnt ha Pietern wichtge Varse mache, das is beyn Kelarten enne prei\u00dfliche Sache.<\/p>\n<h3>Anderer Auftritt.<\/h3>\n<p>Puhle. Dan wack sin ich und Pieter umsist kelafen, weil mer ken Schul-Herrn deheme antrafen. Es wor e Spel, es wor e Larm, es wor ene Kait, es wor e Schwarm.<br \/>\nBrusig. Wiech hiere dehat Nackber Puhle sen Sohn in de Schule kef\u00fchrt, we\u00df ha wuhl, was naues passirt?<br \/>\nKretsch. Ha s\u00e4te, es w\u00e4re e Kesumme und Kebrumme man konne nich vern Ractor kumme.<br \/>\nBrusig. Was is das ver enne Sache, die der Ractor zu Almerg mu\u00df mache?<br \/>\nKretsch. Es sin silche luftge Schwencke, die ich nich kan kedenke.<br \/>\nBrusig. Mey, Pieter, erziehl mers racht, du bist sist e wackrer Knacht, vern Kare warste zwar e Kengscher Narre, heuer aber haste meh als e Kesparre.<br \/>\nPieter. Ich kan es zwar nich racht kefasse, wenn ichs soll sah spele us der Kasse, su walt ech das Denck wuhl behale, es salt mehr ke Buchstebe fahle. Se saten, se walten van Tercken spela, wie sie ehn gehut uf der Schleif-Mehle, sie walen ah kut prei\u00dfe un ihra, da\u00df he Kl\u00fcck hut wulla beschire unsern huhen Putenthaten, da der Tercken-Krek kerathen.<br \/>\nBrusig. Nu verstieh ichs kantze Speel, ich wills har seh auf en N\u00e4el. Mer solln ah mit lustig sey uns \u00fcber der Vickturga freih.<\/p>\n<h3>Dritter Auftritt.<\/h3>\n<p>Puhle. Nu wuhl an, ihr Knachte un M\u00e4de, tantzt un sprinkt mit lustger Frede, la\u00df men Suhn Pieter ah heute zu Ihren e friliges Hartze un Lustigket sp\u00fcren. Frisch, Spelman, nu machmern Rumpuff, ich sprenge mit Mieken racht wedelg izt druff.<br \/>\nMieke. Heute mach ich kene Butter, all mei Vieh das hat schun Futter. Ey wird es schiene stieh, wenn ich war zutantze kie.<br \/>\nBarthel. Ihr Spelleute, fedelt mit Macht, immer da kracht, zu fedelt die S\u00e4ten alle uns Bauern zu Kefalle. Kriete. la\u00df dich nich su zarre, was will du dich lang sparre, h\u00fcppe fey wie anre M\u00e4de, heut hun mer unsre Frede.<br \/>\nKriete. An mer solls trauju nich fahle, ich will mich an auch stats hale saht ich ha Zwar hard H\u00e4nge, dach de Stefeln sin kelenge.<br \/>\nCasper. Ih Spelleute, schmert den krusen Fedel-Bugen un dernach sey frisch gezuchen, rumppelt uf den S\u00e4ten hin, weil ich iz racht munter bin.<br \/>\nIlse. Kasper, mei vaxir mich nich, du sprengst mir zu wunnerlich, lo\u00df mich leber ledig stiehe, da\u00df ich nich zu tanze kiehe.<br \/>\nBrusig. Kratsch, wilte mit so kum, un sie dich nich lange um. Ja du denkst, wer ene h\u00e4tte, ich nahm mine Kriete mette. Durt stieht ene, zerrse furt, wenn sie kleich en bi\u00dfgen murrt.<br \/>\nKriete. Ich kan nich kar schien ketantzeDu siehst wie ene Pummerantze un bist sist ah fey behenge, deine Bene keschwenge.<br \/>\nKretsch. Brusig, ich kumm kerannt, un ha Orten bey der Hand. Unser sin eh feiner Klump unter welchen kener stump.<br \/>\nOrthe. Ich ha zwar enne spitzge Nase dach ich bin ke albrer Haase, un ha saht en schienen Latz, Kretsch, du bist un bleibst mei Schatz.<br \/>\nMareige. Pieter, heute hastu Ihre, was wilstu dich lange ziere? La\u00df dir mund en Vurrehn keige, hengen nach mag ich nich schleiche.<br \/>\nChrorus: Nu mer fangen an zu sprengen un das Ju! Ju! Heh! zu singen. Mer keben unsern knadgen Harrn Steuer, Schu\u00df un Zinsen Karn, wenn mer mund noch Frede hun un im Lande bleibe kun.<\/p>\n<p>Anmerkung: Es giebt ein sp\u00e4teres, vollst\u00e4ndigeres Werk von C.Fr. Kronbiegel, Ueber die Sitten, Kleidertrachten und Gebr\u00e4uche der Altenburgischen Bauern<br \/>\n(Altenb. 1806 II.A.in 8.M.15 col. Kpfrn. und 2 Bl. Musik), auf welches ich verweise.<\/p>\n<h2>\nDas zerbrochene Glas<\/h2>\n<p>In einem Dorfe bei Sch\u00f6neck war Hochzeit, Jung und Alt war auf den Beinen, Alle festlich geschm\u00fcckt mit Blumen, Kr\u00e4nzen und B\u00e4ndern und die Dorfmusikanten spielten ihre lustigsten T\u00e4nze und Lieder. Die Kinde versperrten mit B\u00e4ndern den Weg, soda\u00df der Br\u00e4utigam jeden Fu\u00df Weges sich mit einer kleinen Spende erkaufen mu\u00dfte. Nach der Trauung ging der Zug aus der Kirche zu Sch\u00f6neck in das Nachbardorf und hielt vor dem Hause des Br\u00e4utigams. Die Mutter kam heraus und \u00fcberreichte ihrem Sohne, ohne die Braut, wie es Sitte war, zu begr\u00fc\u00dfen, ein gef\u00fclltes Glas. Der Br\u00e4utigam trank und \u00fcberreichte es dann seiner Braut. Diese leerte es vollends und warf es dann r\u00fccklings \u00fcber sich auf das Pflaster des Hofes. Alle standen dabei gespannt im Kreise. Das Glas fiel, aber zerbrach nicht. Ein Freund der Braut zertrat es nun mit dem Fu\u00dfe. Nun erst bewillkommnete die Mutter ihre Schwiegertochter, aber etwas kalt, denn f\u00fcr sie, sowie fr alle ihre G\u00e4ste, war das nicht zerbrochene Glas eine \u00fcble Vorbedeutung. So war es auch, denn nach wenigen Jahren war die junge Frau schon todt, mit der Wirthschaft gings auch nicht, das Haus ward verkauft und der Mann ist fortgegangen, Niemand wu\u00dfte wohin. Bei den Lausitzer Wenden werden w\u00e4hrend des Hochzeitsmahles die Gl\u00e4ser auf den Boden geworfen und m\u00fcssen zerbrechen. Bei den Juden mu\u00df das unter der Trauung von dem Brautpaare geleerte Glas Wein zertreten werden. Ebenso ist es ein schlimmes Anzeichen, wenn das Glas, welches bei dem Heben eines Hauses von dem Polier nach seiner Rede herabgeworfen wird, nicht zerbricht.<\/p>\n<p>aus Nork &#8222;Sitten der Deutschen&#8220;<br \/>\nD\u00f6hler &#8222;Illustriertes Familienjournal&#8220;<\/p>\n<h2>Der unheilvolle Andreasabend<\/h2>\n<p>In den siebenziger Jahren des vorigen Jahrhunderts trug sich in Schreiersgr\u00fcn bei Treuen Folgendes zu. Sechs erwachsene M\u00e4dchen wollten am Andreasabend die W\u00e4schestange sch\u00fctteln und mu\u00dften, um zu derselben zu gelangen, \u00fcber eine Hecke steigen. Im Voigtlande sch\u00fctteln die M\u00e4dchen am Andreasabend einen Erbzaun, d.h. einen Zaun, der sich an einem geerbten Grundst\u00fccke befindet, und sprechen dazu: &#8222;Erbzaun ich r\u00fcttle Dich, Feines Liebchen, ich bitte Dich, Du wolltest mir lassen ein H\u00fcndlein bein (bellen) Wo mein Herzallerliebster wird sein.&#8220; Dann horcht man auf Hundegebell, und in jene Gegend, woher dasselbe erschallt, dahin heirathet man.Als sie sch\u00fcttelten, h\u00f6rten sie auf einmal von einem geheimnisvollen Wesen die Worte: &#8222;Ein Scheffel D\u00e4rmer!&#8220; Sogleich rissen die sechs M\u00e4dchen aus und machten sich wieder \u00fcber denselben Zaun aus dem Garten heraus. Aber das letzte M\u00e4dchen verfing sich in dem Ge\u00e4st, st\u00fcrzte nieder und verwundete sich dergestalt, da\u00df ihr das Ged\u00e4rm aus dem Leibe heraushing.<\/p>\n<p>aus K\u00f6hler &#8222;Aberglauben und Sagen im Voigtlande&#8220;<\/p>\n<h2>Gottesl\u00e4sterer bestraft<\/h2>\n<p>Im Jahre 1607 den 24. December in der Christnacht sitzen etliche Bauernburschen in einem Dorfe zwei Meilen von Bautzen (zu Milckel genannt Minakaw, oder Wessel) beisammen, saufen und spielen das Gl\u00fcck auf das kommende Jahr, wie es bei den Wenden damals Gebrauch war. Als nun der eine die Schanze verspielte, hat er dar\u00fcber gr\u00e4ulich gel\u00e4stert und geflucht, schrecklich geschworen und ich vermessen. In solcher Gottesl\u00e4sterung bleibt er hinter dem Tische sitzen, die Augen offen, als sehe er noch, h\u00e4lt auch die Kartenbl\u00e4tter in den H\u00e4nden und verstummt. Die Andern vermeinten, er z\u00fcrne, weil er nicht reden und zum Spiel nicht zuwerfen wolle, ermahnen und rufen ihm zu, er solle doch zugeben, r\u00fctteln und sto\u00dfen ihn, da f\u00e4llt er um und ist todt, ist also ein solcher Gottesl\u00e4sterer j\u00e4hlings durch Gottes Strafe und ernstes Gericht dahingefahren und also todt nach Hause getragen worden.<\/p>\n<p>aus &#8222;Annalen der Stadt Bautzen&#8220; 1607<\/p>\n<h2>Was das Rennen nach dem Semper der Budissiner Frauen im 15.Jahrhundert zu bedeuten gehabt?<\/h2>\n<p>Mehrere Chronisten der Oberlausitz berichten, es sei ehedem der Gebrauch in der Stadt Bautzen gewesen, da\u00df Donnerstags vor Fastnacht die vornehmsten Frauen, sowohl junge als alte, zusammenliefen, allerhand schandbare Lieder sangen, den B\u00fcrgern in die H\u00e4user liefen und f\u00fcr ihre unehrbare Possen, Reden und Geberden Bratw\u00fcrste, Fleisch, Brod und andere Victualien verlangten. Diese sch\u00e4ndliche Gewohnheit, das sogenannte Rennen nach dem Semper, soll nun als ein unsauberes Ueberbleibsel der alten Bacchanalien, das die alten Wenden beibehalten, der Bischof zu Mei\u00dfen, Joh. Hoffmann, im Jahre 1444 (nach andern 1442 oder 1447) abgeschafft, doch dagegen ein festum Mariae virginis, inventionis pueri, da sie den Knaben Jesus im Tempel fanden, zu feiern angeordnet haben. Damit ist aber noch nicht gekl\u00e4rt, was das Semperrennen eigentlich bedeute, und so hat man verschiedene Erkl\u00e4rungen gegeben. Eine alte handschriftliche Chronik erz\u00e4hlt nun, es habe nach dem K\u00f6nig Sompax (derselbe wird auch Zember, Cimber, Gambrivius genannt und w\u00e4re also mit dem Bierk\u00f6nig Gambrinus identisch), der 44 Jahre im Regiment gesessen, in Germanien und in deutschen Landen sein Sohn K\u00f6nig Schwab 46 Jahre lang geherrscht, denselben h\u00e4tten seine Nachk\u00f6mmlinge, die Schwaben, auch zum Gott gemacht, ihm in der Gegend, da jetzt G\u00f6rlitz und das Lausitzer Land ist, einen wilden und erschrecklichen Wald geweiht, w\u00e4ren auch alle zu gew\u00f6hnlicher Zeit zusammengekommen, h\u00e4tten ihn offenbar mit Menschenblut verehrt und in seinem, n\u00e4mlich des Sompars Namen, einen Menschen wie einen Ochsen abgestochen und abgethan, es habe auch Niemand in den Wald gehen d\u00fcrfen, es w\u00e4ren ihm enn die H\u00e4nde auf den R\u00fccken gebunden gewesen, damit anzuzeigen die Gewalt Gottes und da\u00df er einig w\u00e4re und die Einigkeit liebe; wenn nun Einer ohne alles Gef\u00e4hr gefallen sei, habe er nicht wieder aufstehen d\u00fcrfen, sondern sich herausw\u00e4lzen m\u00fcssen. Andere glauben, das Wort komme davon her, da\u00df die Frauen zu Ehren des heil. Symphorianus, der angeblich der Unfruchtbarkeit habe abhelfen sollen, diesen Unfug getrieben. Allein am Wahrscheinlichsten ist es, da\u00df diese Sitte der Budissiner Frauen von der Stadt N\u00fcrnberg entlehnt ward, wo bekanntlich im 14. und 15. Jahrhundert die Fastnachtslustbarkeiten der Handwerker und sp\u00e4ter auch der Patrizier unter dem Namen &#8222;nach dem Sch\u00f6nbart laufen&#8220; gehalten wurden und zu dem Ursprunge der sogenannten Schemperlieder Gelegenheit gaben.<\/p>\n<p>aus Carpzovs &#8222;Ehrentempel der Oberlausitz&#8220; 1719<br \/>\nK\u00f6pping &#8222;Lausitzer Monatsschrift&#8220; 1805<\/p>\n<h2>Todesaustreibung<\/h2>\n<p>An einigen Orten im alten Churf\u00fcrstenthum Sachsen war es fr\u00fcher gebr\u00e4uchlich, am Sonntage Laetare den Tod auszutreiben. Die Knaben machten n\u00e4mlich aus Stroh eine menschliche Figur, behingen sie mit Lumpen, steckten diesen Popanz an eine Stange und trieben ihn so mit gro\u00dfen Geschrei und unter Absingung eines besonnderen Reims durch die Stadt.<\/p>\n<p>Nach B. Schnurr &#8222;Kunst-, Haus- und Wunderbuch&#8220; 1690 lautete dieser Reim also:<\/p>\n<p>Nun treiben wir den Tod au\u00df,<br \/>\nDem alten Juden in seinen Bauch,<br \/>\nDem jungen in den R\u00fccken,<br \/>\nDas ist sein Ungel\u00fccke.<br \/>\nWir treiben ihn \u00fcber Berg und tieffe Thal,<br \/>\nDa\u00df er nicht wieder kommen soll,<br \/>\nWir treiben ihn \u00fcber die Hayde,<br \/>\nDas thun wir den Sch\u00e4fern zu Leyde.<\/p>\n<p>Darnach kamen sie wieder zu Hause und sangen:<\/p>\n<p>Nun haben wir den Tod hinaus getrieben,<br \/>\nUnd bringen den lieben Sommer wieder,<br \/>\nDen Sommer und auch den Meyen,<br \/>\nDer Bl\u00fcmelein sind mancherleyen.<\/p>\n<p>Uebrigens sang man diesen Reim an verschiedenen Orten immer anders, z. B.:<\/p>\n<p>Nun treiben wir den Tod hinaus<br \/>\nDen alten Juden\/Weibern in das Haus<br \/>\nDen jungen\/reichen in den Kasten<br \/>\nMorgen wollen wir fasten.<\/p>\n<p>Eine andere Version nach Hellbach &#8222;- Heidentum &amp; Mittelalter &#8211; von Schwarzburg&#8220; 1787 ist folgende:<\/p>\n<p>Wir tragen den alten Thor hinaus<br \/>\nHinters alte Hirtenhaus,<br \/>\nWir haben den Sommer nun gewonnen<br \/>\nUnd Krode&#8217;s Nacht ist wegekommen.<\/p>\n<p>warfen ihn dort in eine Grube und liefen dann eiligst zur\u00fcck, indem der Aberglaube besagte, da\u00df, wer von den Austreibern hinter den \u00fcbrigen zur\u00fcckblieb, dieser in demselben Jahre noch sterben m\u00fcsse. Am 28. M\u00e4rz des Jahres 1745 haben nun aber an diesem sogenannten Todtensonntage neun Knaben in der Stadt Radeberg den Tod mit gro\u00dfem Geschrei ausgetrieben und bei einem sumpfigen Orte vor der Stadt in eine Grube geworfen, weil sie aber daselbst ein Kraut und Wurzel, die man Schirling nennt, angetroffen, und einer der Knaben, sonder Zweifel mit Eingebung des Satans, diese Wurzel ausgezogen, f\u00fcr eine M\u00f6hre gehalten, davon gegessen, auch einigen andern etwas gegeben mit dem Beif\u00fcgen, da\u00df, wer von der Wurzel esse, wacker laufen k\u00f6nne; allein da, wie bekannt, dieser Schirling pures Gift ist und die Menschen t\u00f6dtet, so sind alsbald acht dieser Knaben daran erkrankt (der neunte hatte gar nicht davon genossen), auf der Gasse umgefallen, haben stark geblutet, auch einen heftigen Anfall von Epilepsie gehabt. Vier von den selben, die von der Wurzel wirklich gegessen, sind noch diesen Abend verstorben, einer hat noch bis den anderen Tag gelebt, drei andere aber, denen man sogleich mit dienlichen Medicamenten beigesprungen, haben zwar lange krank gelegen, sind aber am Leben erhalten worden. Merkw\u00fcrdig ist es \u00fcbrigens, da\u00df alle diese Knaben an dem erw\u00e4hnten Todtensonntag Mittags um 1 Uhr mit Samuel Gl\u00e4ntzel&#8217;s Leiche zu Grabe gegangen waren, dann haben sie gegen 4 und 5 Uhr jenen Unfug vorgenommen und Abends gegen 8 Uhr sind die ersten vier schon todt gewesen.<\/p>\n<p>aus &#8222;Curiosa Sax&#8220; 1745<\/p>\n<h2>Das ungl\u00fcckliche Schuhwerfen zu Cossebaude<\/h2>\n<p>Am 10.Septbr. des Jahres 1655 haben etliche junge Burschen und M\u00e4gde im Dorfe Cossebaude bei Dresden das Schuhwerfen gespielt. Dies ist n\u00e4mlich eine Art Dienstorakel, indem sich die fragenden Dienstleute auf die Erde setzen und einen nur zur H\u00e4lfte am Fu\u00dfe steckenden Schuh \u00fcber sich zu werfen bem\u00fcht sind, da sie denn daraus, ob der Schuh mit der Spitze oder Ferse nach der Stubenth\u00fcr sich wendet, den Schlu\u00df machen, ob sie dieses Jahr in diesem Hause wieder Dienst haben werden oder nicht. Nun hat sich eine Magd beim B\u00fccken das im Busen gehabte Brodmesser ins Herz gesto\u00dfen und ist gleich todt geblieben.<\/p>\n<p>aus Weck &#8222;Dresdner Chronik&#8220;<\/p>\n<h2>Der Todtenteich bei Tharand<\/h2>\n<p>Wenn man durch Tharand hinauf am Amthause vorbei nach dem Kalkofen und dann weiter im Thale fortgeht, so kommt man in den sogenannten Ebergrund und zur Eberm\u00fchle, bei welcher der von dem M\u00fchlbache gebildete Todtenteich liegt, der seinen Namen davon hat, da\u00df fr\u00fcher bis in das Ende des vorigen Jahrhunderts die Sitte herrschte, wenn die Bewohner der umliegenden D\u00f6rfer den Tod austrieben, den diesen vorstellenden Strohmann hier hineinzuwerfen. Man behauptete, bei hellem Sonnenschein in der Tiefe desselben noch heute das steinerne Bild desselben liegen zu sehen.<\/p>\n<p>aus &#8222;Tharand und seine Umgebungen&#8220; 1835<\/p>\n<h2>Der S\u00e4chsische G\u00f6tze Hennil<\/h2>\n<p>Die s\u00e4chsischen Bauern haben in der Heidenzeit einen sonderbaren Hausg\u00f6tzen gehabt, dem sie dienten und in den sie gro\u00dfes Vertrauen setzten, selbigem auch opferten. Sie hatten einen Stab, an dem sich oben an der Spitze eine Hand befand, welche einen eisernen Ring hielt, und dieser ward von einem Hirten in alle H\u00e4user des Ortes herumgetragen und am Eingange von dem, der ihn trug, also angeredet: &#8222;Wache auf, Hennil, wache auf!&#8220; die\u00df war n\u00e4mlich sein Name. Hierauf setzten sich die Bauern s\u00e4mtlich zu Tische und lie\u00dfen es sich wohl sein.<\/p>\n<h2>\nDas ungl\u00fcckliche Pflugziehen zu Leipzig<\/h2>\n<p>Im 15.Jahrhundert herrschte in Leipzig die sonderbare Sitte, da\u00df zur Fastenzeit eine Anzahl vermummter junger Bursche einen Pflug durch die Stra\u00dfen schleifte. Ein Theil derselben ging in die H\u00e4user und bettelte, ein anderer aber lief neben dem Pfluge her, und wo sie ein lediges Frauenzimmer erwischten, das wurde ohne Gnade vor den Pflug gespannt, und so zogen oft ganze Reihen alter Jungfern denselben und wurden so dem \u00f6ffentlichen Gesp\u00f6tte prei\u00dfgegeben. Endlich haschten sie bei der letzten Wiederholung dieses Mummenschanzes einmal eine Magd und wollten sie vorspannen, diese aber entlief und rettete sich in die K\u00fcche des Hauses, wo sie diente. Dies hinderte aber die wilden Gesellen nicht ihr nachzulaufen, allein als man sie packen und mit Gewalt an den Pranger der Ehestandslosigkeit spannen wollte, zog sie ein K\u00fcchenmesser hervor und stach einen der M\u00e4nner nieder. Vor Gericht gef\u00fchrt, gab sie vor, sie habe nicht einen Menschen, sondern ein Gespenst vor sich zu sehen geglaubt.<\/p>\n<h2>\nDer G\u00e4nserich zu Pegau<\/h2>\n<p>In Pegau ist an dem sich an das Rathaus lehnenden Elsterbr\u00fcckenbogen, der die Ober- von der Niederstadt trennt, ein gek\u00f6pfter G\u00e4nserich in Stein gehauen: der soll an eine hier im Jahre 1664 vorgefallene Begebenheit erinnern. Bis um diese Zeit ist dort n\u00e4mlich ein Volksfest, das sogenannte G\u00e4nserichreiten gew\u00f6hnlich gewesen, wobei n\u00e4mlich auf einem freien Platze ein G\u00e4nserich an einem Stricke 8 Ellen hoch \u00fcber der Erde von einem zwischen zwei hohen Stangen ausgespannten Seile herabhing; nun mu\u00dften diejenigen, welche um die auf der Spitze zweier Stangen aufgeh\u00e4ngten Preise k\u00e4mpfen wollten, zu Ro\u00df im Galopp unter jenem Vogel hindurchjagen, und wem es gelang, in demselben Augenblicke denselben nicht blos zu erhaschen, sondern auch herabzuziehen, ohne aus dem Sattel zu kommen, der hatte gesiegt. Nun soll bei der letzten Wiederholung dieses Festes der G\u00e4nserich einem jungen Burschen, der ihn fest gepackt, die Handadern durchgebissen und derselbe in Folge davon gestorben sein. Kurz und gut, seitdem h\u00f6rte das Volksfest selbst nicht allein auf, sondern es wurde auch den Pegauern nicht blos das Halten der G\u00e4nse innerhalb der Stadtmauer untersagt, sondern es durfte \u00fcberhaupt auch keine Gans mehr nach Pegau, wo dieses Thier jetzt vogelfrei war, bis endlich in dem laufenden Jahrhundert sich Niemand mehr hieran kehrte.<\/p>\n<h2>\nDer Getreideschneider im Erzgebirge<\/h2>\n<p>Am Johannistage in der sechsten Stunde kommt der sogenannte Getreideschneider auf die Felder und schneidet \u00fcber die Ecke eines St\u00fcckes Getreide durch und hat dann, wenn der Bauer drischt, den halben Nutzen davon. Um diesem vorzubeugen, nimmt der Bauer Liebst\u00f6ckel\u00f6l (Oel aus levisticum officinale) und macht, nachdem er den Finger in das Oel getaucht, ebenfalls in der sechsten Abendstunde des Johannistages drei Kreuze an jede Ecke des Feldes auf die Erde. Ist aber der Getreideschneider bereits dagewesen, so h\u00e4ngt der Bauer, bevor er das Getreide einf\u00e4hrt, ein B\u00fcschel Rei\u00dfigspitzen (frischgr\u00fcnende Tannenzweige) \u00fcber dem Scheuerthor auf, drischt sobald als m\u00f6glich und macht dabei mit dem Rei\u00dfigb\u00fcschel den Anfang. Dann ist der Bann gel\u00f6st und der Getreideschneider zieht keinen Nutzen. aus Spie\u00df &#8222;Aberglauben, Sitten und Gebr\u00e4uche im S\u00e4chsischen Obererzgebirge&#8220; 1862 Im Bairischen Voigtlande hei\u00dft er der Billmetschneider, der in Folge des Bundes mit dem B\u00f6sen die Frucht des Feldes, welches er umschreitet, in seine Scheuer zaubert.<br \/>\naus Panzer &#8222;Beitr\u00e4ge zur deutschen Mythologie&#8220; 1860 In Th\u00fcringen und Franken wird er der Binsenschnitter genannt, er macht fu\u00dfbreite Wege durch die Getreidefelder, indem er kleine Sicheln an den F\u00fc\u00dfen hat, und die Leute, bei denen er geschnitten hat, kommen nie zu Vorrath.<\/p>\n<p>aus Rochholz &#8222;Naturmythen&#8220; 1862<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4chsisches Brauchtum Ein Begr\u00e4bnis in der L\u00fcneburger Heide Der Hansbur hatte in seinem letzten Willen bestimmt, da\u00df er ganz nach der alten Art begraben werden sollte, denn damals war schon die Mode aufgekommen, da\u00df schwarz getrauert wurde. Um ihn aber sollte wei\u00df getrauert werden, auch wollte er keinen hohen Sarg haben und keine Kr\u00e4nze, und &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=264\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eS\u00e4chsisches Brauchtum\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":136,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-264","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/264","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=264"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/264\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":265,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/264\/revisions\/265"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/136"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}