{"id":273,"date":"2018-02-28T13:16:54","date_gmt":"2018-02-28T12:16:54","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=273"},"modified":"2018-02-28T13:19:20","modified_gmt":"2018-02-28T12:19:20","slug":"goettersagen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=273","title":{"rendered":"G\u00f6ttersagen"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: left;\">G\u00f6ttersagen<\/h1>\n<h2>Der Nachtj\u00e4ger*<\/h2>\n<p>Einst kommt sp\u00e4t in der Nacht ein Mann von Spitzkunnersdorf nach haynewalde. Er h\u00f6rt Hundegebell, sieht weit umher aufgestellte Netze, erblickt auch endlich dreibeinige Hunde emsig jagend. Er kommt etwas in die Irre, f\u00fcrchtet sich geh\u00f6rig, erreicht aber doch gl\u00fccklich und ohne Schaden das Dorf.<br \/>\n* Von diesem ist in der Oberlausitz oft die Rede: er ist jedoch gleichbedeutend mit dem wilden J\u00e4ger.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus &#8222;Lausitzer Magazin&#8220; 1838<\/p>\n<h2>Der dreibeinige Dachs<\/h2>\n<p>Im Ronneburger Forste hatten ein Paar Lichtenberger einen Dachs erlegt. Kaum da\u00df sie ihn im Sacke haben, \u00fcberrascht sie die wilde Jagd und eine Stimme fragt, &#8222;ob alles Wild erlegt sei?&#8220; Gleich darauf antwortete eine andere Stimme: &#8222;es fehlt nur noch ein dreibeiniger Dachs!&#8220; Von Grausen erfa\u00dft eilen jetzt die Versteckten davon, entleeren im Laufen ihren Sack und was sehen sie, was heraus f\u00e4llt? ein Dachs mit drei Beinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Eifel &#8222;Voigtl\u00e4ndisches Sagenbuch&#8220;<\/p>\n<h2>R\u00fcbezahl auf dem Zschirnstein.<\/h2>\n<p>In der N\u00e4he der D\u00f6rfer Sch\u00f6na und Reinhardsdorf erhebt sich der gro\u00dfe Zschirnstein, n\u00e4chst dem Schneeberge der h\u00f6chste Punkt der westlichen s\u00e4chsischen Schweiz, 1780 Fu\u00df \u00fcber der Meeresfl\u00e4che. Dieser soll eigentlich Z\u00fcrnstein gehei\u00dfen und sein jetziger Name hieraus verst\u00fcmmelt sein. Er erhielt jene Benennung davon, da\u00df Berggeist R\u00fcbezahl einst das Riesengebirge verlie\u00df und das s\u00e4chsische Sandsteingebirge besuchte. Als er jedoch hierher kam, versah er es und rannte mit seinem Kopf unversehens an diesen Felsen, so da\u00df derselbe in zwei Theile zersprang, in den gro\u00dfen und kleinen Zschirnstein, und er selbst einen schweren Fall that, wobei er mit dem Fu\u00dfe den erstern auf der Nordseite niedertrat und zwei Z\u00e4hne, einen Augen- und einen Backzahn, verlor. Beide liegen noch bei Sch\u00f6na, und ist ersterer der heutige Zirkelstein, letzterer aber der Kahlstein oder die Kaiserkrone, und weil R\u00fcbezahl bei Schandau in einem Grunde rastete und hier seine Schmerzen zu stillen suchte, hei\u00dft dieser noch heute der Zahngrund. Von seinem starken Blutverluste zeugen aber ebenfalls noch jetzt die r\u00f6thlichen Adern, welche das Gestein dort durchziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">bei Hoffmann &#8222;Das Mei\u00dfner Hochland&#8220; 1842<\/p>\n<h2>Der K\u00e4thelstein bei Annaberg.<\/h2>\n<p>Im Dorfe Trohnau bei Annaberg lebte vor alter Zeit ein Steiger, Namens G\u00fcnzer, ein frommer und redlicher Mann. Einst kehrte er zur Winterzeit von seinem Tagewerke in der Grube nach seiner Wohnung mitten durch den Wald zur\u00fcck, da trat pl\u00f6tzlich ein Mann aus dem Dickicht vor ihm hin und bat ihn, er m\u00f6ge ihm doch gestatten, mit in sein Haus zu gehen und daselbst die Nacht hinzubringen, weil er sich nicht getraue, im tiefen Schnee und der herrschenden Finsterni\u00df den Weg weiter zu finden. Zwar gefiel dem Steiger weder die Stimme noch das Aussehen des Bittenden, allein er hatte Mitleid mit ihm und gew\u00e4hrte ihm also seinen Wunsch. Sie schritten nun stumm neben einander bis ins Dorf, als sie aber an das Haus G\u00fcnzers gekommen waren und ihnen die Tochter desselben, Katharina die Th\u00fcr ge\u00f6ffnet hatte, stie\u00df diese bei dem Anblicke des fremden Gastes ein furchtbares Wehgeschrei aus, lie\u00df vor Schreck die Lampe fallen, welche sie in der Hand trug, und als der bek\u00fcmmerte Vater dieselbe wieder angez\u00fcndet und seine in Ohnmacht gefallene Tochter wieder zum Leben gebracht hatte, sah er erst, da\u00df jener verschwunden war. Er hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als seine Tochter zu fragen, warum sie so erschrocken sei, allein diese antwortete, es sei der Teufel gewesen, der sie als Braut heimf\u00fchren wolle; es habe ihr n\u00e4mlich vergangene Nacht getr\u00e4umt, sie liege im Walde und es komme ein Mann, ganz so wie der eben verschwundene Fremde, auf sie zu und nenne sie seine Braut, k\u00fcsse sie und lasse dann bei seinem Weggehen sich durch sein H\u00f6rner, Schwanz und Pferdefu\u00df als den Teufel erkennen. Der alte G\u00fcnzer war eben daran, sie zu tr\u00f6sten, da erblickte er auf dem Tische ein Blatt Papier, auf welchem geschrieben stand: &#8218;In 9 Wochen werde ich um Mitternacht ans Fenster pochen und meine Braut heimf\u00fchren!&#8216; Nun war kein Zweifel mehr, da\u00df der Traum in Erf\u00fcllung gegangen war.<br \/>\nVater und Tochter verlebten nun die 9 Wochen in Angst und Sorgen, sie beteten zwar von fr\u00fch bis Abends, gingen auch zum Abendmahl, allein eine innere Stimme sagte ihnen, da\u00df der B\u00f6se nicht so leicht von ihnen lassen werde. Und so war es auch, als die Mitternachtsstunde des letzten Tages jener Frist verstrichen war, da pochte es ans Fenster und schrie mit schrecklicher Stimme: &#8218;Braut heraus!&#8216; G\u00fcnzer rief aber laut Gott um Beistand an und der Gottseibeiuns verschwand unter Donner und Blitz mit den Worten: &#8217;noch 9 Tage Frist, dann bist du meine Braut, oder Eure H\u00fctte steht in Flammen!&#8216;<br \/>\nSo verstrichen abermals 9 Tage unter Angst und Sorgen, allein wieder kam die gef\u00fcrchtete Mitternachtsstunde heran und mit dem zw\u00f6lften Schlag klopfte es an das Fenster und rief: &#8218;heraus die Braut, sonst brennt das Haus!&#8216; Aber der alte G\u00fcnzer schlo\u00df seine besinnungslose Tochter in seine Arme und sprach: &#8218;um Christi Wunden, hebe dich weg von uns Satanas!&#8216; Da br\u00fcllte der Teufel: &#8218;Braut, das Haus steht in Flammen, nochmals 9 Wochen Frist, und bist Du dann noch nicht mein, so wird Dein Vater elendiglich enden!&#8216; Mit diesen Worten verschwand er zwar, allein auch das ganze Haus stand in Feuer und nur mit der gr\u00f6\u00dften M\u00fche retteten Beide ihr Leben.<br \/>\nSie flohen nun zuerst zu Verwandten, allein bald bauten ihnen mitleidige Menschen eine andere H\u00fctte am Rande des Waldes, denn ihre fr\u00fchere war zu einem stinkenden Schwefelpfuhl geworden. Allein auch hier ward es nicht besser; schon kam wieder die neunte Woche heran, da \u00fcbermannte einst am hellen Mittage K\u00e4thchen der Schlaf, und es tr\u00e4umte ihr der Teufel mit seinem Gefolge schaue zu ihrem Fenster herein und wolle sie in seine h\u00f6llische Residenz entf\u00fchren, und als sie unter einem furchtbaren Schrei aus ihrem Schlafe auffuhr, da that sich auf einmal die Th\u00fcre auf und ein Engel, umstrahlt von Rosenlicht, schwebte herein, ein Cuzifix hoch in der Hand tragend, winkte ihr und sprach: &#8218;folge mir, ich bringe Dir Frieden.&#8216; Er f\u00fchrte sie nun mitten durch den Wald auf einem ihr g\u00e4nzlich unbekannten Wege, bis sie an einen Felsen kamen, der \u00f6ffnete sich, als der Engel ihn mit dem Kreuze ber\u00fchrte, und nun schritten sie durch eine Felsenspalte, bis sie an ein hohes Thor kamen, was wie Silber gl\u00e4nzte: vor diesem sa\u00dfen sieben Greise mit spitzen M\u00fctzen und langen B\u00e4rten. Als diese aber das Crucifix erblickten, da neigten sie sich tief und das Kn\u00e4blein und die Jungfrau traten in einen hohen Saal, der mit lauter Edelsteinen verziert war und durch deren Glanz sein Licht empfing; in diesem lag auf kostbarem Lager unter einem pr\u00e4chtigen Baldachin eine wundersch\u00f6ne Frau, umstrahlt von einem Sternenkranz und zu ihren F\u00fc\u00dfen lagen 7 Zwerge betend auf den Knieen. Als diese den Engel erblickte, fragte sie ihn, was ihn ber\u00fchre, dieser aber erz\u00e4hlte ihr die furchtbare Gefahr des ungl\u00fccklichen M\u00e4gdleins und bat sie um Hilfe. Hierauf gebat die F\u00fcrstin der Berge &#8211; denn das war sie &#8211; einem der Zwerge, ihr eine Urne von Sardonyx aus einem Krystallschr\u00e4nkchen zu bringen, nahm daraus ein Kreuz von blitzenden Diamanden und sprach: &#8218;K\u00e4thchen, trage dieses Kreuz stets auf Deiner Brust und der B\u00f6se wird Dir nichts anhaben k\u00f6nnen!&#8216; Bei diesen Worten nahm der Zwerg eine Schnur Perlen aus der Urne, kn\u00fcpfte daran das Kreuz und hing es ihr um den Nacken. Damit nahm er K\u00e4thchen wieder bei der Hand und f\u00fchrte sie denselben Weg wieder zur\u00fcck, den sie gekommen waren, und als er den Felsen wieder mit Hilfe des Crucifixes wieder ge\u00f6ffnet, da nahm er Abschied von ihr und sprach, sie solle ruhig sein, denn sie stehe in Gottes Schutz. Als K\u00e4thchen nach Hause kam, fand sie ihren Vater daheim und erz\u00e4hlte ihm, was ihr begegnet war, zeigte ihm auch das Kreuz als Beweis der Wahrheit ihrer Erz\u00e4hlung. Da erwiderte ihr derselbe, da\u00df auch ihm etwas Aehnliches wiederfahren, denn er habe im Schachte beim Graben ein goldenes Jesuskreuz gefunden. Als sie es n\u00e4her betrachteten, um vielleicht ein Merkmal zu finden, an welchem sie den rechten Besitzer erkennen k\u00f6nnten, sahen sie den Namen des Steigers darauf geschnitten, mit den Worten: &#8218;Dem Gl\u00e4ubigen hilft Jesus Christus.&#8216;<br \/>\nSo erwarteten sie voll guten Muths das Ende der Woche und die fr\u00fcher so gef\u00fcrchtete Mitternachtsstunde. Endlich schlug sie, und kaum war der letzte Schlag verklungen, da pochte es an das Fenster und br\u00fcllte: &#8218;heraus die Braut, heraus die Braut!&#8216; Da \u00f6ffnete K\u00e4thchen selbst das Fenster und hielt dem B\u00f6sen ihr schimmerndes Kreuz entgegen und unter furchtbarem Wehgeschrei wich er zur\u00fcck, zuvor aber rief er: &#8218;K\u00e4thchen, Dich sch\u00fctzt Gottes Macht, ich habe keinen Theil an Dir, aber jetzt ist die Reihe an Dir, G\u00fcnzer, mir in die H\u00f6lle zu folgen, komm heraus, da\u00df ich Dich packen kann!&#8216; Allein auch hier mu\u00dfte er weichen, denn G\u00fcnzer hielt ihm sein goldenes Jesuskreuz entgegen, allein diesmal verschwand er nicht so ruhig, wie die fr\u00fchern Male. Ein furchtbares Gewitter begann sich zu entladen, ein Orkan warf die st\u00e4rksten B\u00e4ume nieder und ersch\u00fctterte das H\u00e4uschen in seinen Grundfesten, der zum Strom angeschwollene Waldbach drohte dasselbe wegzurei\u00dfen, allein kaum schlug es Eins, so war Alles wieder still und der Mond leuchtete silberhell durch die finstern Wolken.<br \/>\nSo ward nun K\u00e4thchen ihres h\u00f6llischen Br\u00e4utigams ledig, und nach zwei Jahren ehelichte sie ein wackerer Bergmann aus Frohnau, der ihr schon l\u00e4ngst sein Herz geschenkt hatte. Der Bergmeister aber verlieh demselben die Stell des alten G\u00fcnzer, der sich nunmehr zur Ruhe setzte und den Rest seines Lebens bei seinen Kindern zu verleben dachte. Noch schenkte ihm Gott zehn Jahre und er hatte die Freude, innerhalb dieser Zeit drei Enkel auf seinen Armen zu wiegen. Als ihn aber Gott abrief, da verga\u00df sein K\u00e4thchen nicht, welches Loos er mit ihr getheilet hatte und wie die F\u00fcrstin der Berge sie herrlich gef\u00fchrt hatte. Darum lie\u00df sie ihren Vater an jener Stelle am Felsen bestatten, wo der Engel denselben gespalten hatte, und nun ging sie jeden Tag hin, um dort f\u00fcr das Seelenheil des geliebten Verstorbenen zu beten. Dies tat sie lange Jahre, bis sie selbst eine Greisin war. Einst aber ging sie auch, um an dem Grabe ihres Vaters zu beten und kehrte nicht zur\u00fcck, und als ihr Mann und ihre Kinder hinausgingen, um sie zu suchen, da fanden sie nur ihre Leiche, aus dem Felsen trat aber der Engel im Rosenlicht, k\u00fc\u00dfte die Entseelte auf die Stirne, nahm ihr das Demantkreuz ab und schwang sich damit zum Himmel auf. Der tiefbetr\u00fcbte Gatte aber rief einige seiner Kameraden herbei und brach ihr ein Grab in den Felsen ein, und als Raum genug vorhanden war, um den Sarg hineinzusetzen, und die Leibtragenden eben damit besch\u00e4ftigt waren, denselben an seinen Ort zu stellen, da schwebten zwei Engel herab, hoben ihn von der Bahre, stellten ihn an den Felsen und schlossen denselben wieder mit einem gro\u00dfen Quadersteine so geschickt, da\u00df niemand mehr sehen konnte, wo die Oeffnung gewesen war. Seit jener Zeit aber nennt man jenen Felsen, wo K\u00e4thchen den ewigen Schlaf schl\u00e4ft, den K\u00e4thelstein.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">von Gottschalk &#8222;Deutsche Volksm\u00e4rchen&#8220; 1856<\/p>\n<h2>Das w\u00fcthende Heer bei Wiesenthal und im Erzgebirge<\/h2>\n<p>Im ganzen Erzgebirge, besonders in dem h\u00f6hern Theile desselben l\u00e4\u00dft sich das w\u00fcthende Heer sehen und h\u00f6ren. Man h\u00f6rt ein starkes J\u00e4gergeschrei und gew\u00f6hnlich den Ruf : Hu!hu!hu! So reiste zu Ende des 17. Jahrhunderts ein alter Geistlicher von Wiesenthal, Namens David Ryhl, nach Annaberg durch einen dicken Wald, und es erhob sich mitten im Walde ein ungemein lauter J\u00e4gerl\u00e4rm, um welche Zeit doch kein Arbeiter noch J\u00e4ger auf dem Felde zu finden war. Der Fuhrmann besann sich bald darauf und sagte: &#8222;Herr, es ist das w\u00fcthende Heer, wir wollen in Gottes Namen fahren, es kann uns nicht schaden.&#8220;<br \/>\nEines Tags sind noch in diesem Jahrhundert zwei Br\u00fcder, Spitzenh\u00e4ndler, in der Schneeberger Gegend auf der Stra\u00dfe von Stangengr\u00fcn nach Hirschfeld geritten, da haben sie pl\u00f6tzlich am hellerlichten Tage auf freiem Felde das laute Hohoschreien des wilden J\u00e4gers geh\u00f6rt, aber ihn selbst nicht gesehen, nur unter ihren Pferden, die sich furchtbar geb\u00e4umt, sind eine Menge kleiner Dachshunde herumgelaufen, ohne da\u00df sie jedoch einen derselben h\u00e4tten von den Pferden treten sehen, und pl\u00f6tzlich ist Alles wieder verschwunden gewesen.<br \/>\nManchmal h\u00f6rt der Wanderer, wenn er in dem obern Erzgebirge durch die einsamen W\u00e4lder und Felder geht, immer etwas theils im Geb\u00fcsch, theils im Korne neben sich hergehen, gerade wie wenn ein gro\u00dfes Thier, eine alte Kuh das Getreide niedertritt, gleichwohl sieht er nichts, und man schreibt auch diesen Ton dem wilden Heer zu. Einstmals ist im Dorfe Steinplei\u00df die ganze wilde Jagd mit Hundegebell, Peitschenknall und Jagdgeschrei um Mitternacht mitten durch den Hof des Richters gegangen.<br \/>\nEin anderes Mal ritt ein beherzter Mann ganz allein in der Abendd\u00e4mmerung nicht weit von Annaberg auf der gew\u00f6hnlichen Heerstra\u00dfe, da sah er einen alten Bergmann vor sich hergehen. Als er an ihn herankam, bot er ihm einen guten Abend, erhielt aber keine Antwort, ebenso wenig auf die Wiederholung des Gru\u00dfes, und da er etwas hitzig war, schrie er: &#8222;ei so soll Dich Grobian gleich der Teufel &#8211; !&#8220; und zog ihm eins mit der Reitgerte \u00fcber. Aber siehe auf einmal wu\u00dfte er nicht mehr wo er war, er ritt bis in die Nacht in der Irre herum und erst gegen Mitternacht h\u00f6rte er Stimmen, er rief, es kamen Leute, er fragte, wo er sei, und erfuhr, er sei in seinem eigenen Heimathsorte, man f\u00fchrte ihn bis an sein Haus, und immer noch kannte er sich nicht aus, erst als seine alte Mutter mit einem Lichte vor die Th\u00fcre trat, wu\u00dfte er wieder, wo er war. Der wilde J\u00e4ger hatte ihn ge\u00e4fft.<br \/>\nIm Jahre 1626 ritt Junker Rudolf von Schmertzing, Erbsa\u00df auf dem Hammergut F\u00f6rstel, halbtrunken von Annaberg weg, ganz allein und vermeinte den geraden Weg \u00fcber Schlettau auf die Scheibenbergischen M\u00fchlen durch die untern Scheibner R\u00e4ume zu nehmen. Es f\u00fchrte ihn aber eine Jagd von J\u00e4gergeschrei und Hundegebell, welchem er nachritt, und er verfiel mit seinem Pferde in einen Morast, darin das Pferd halb versunken stecken blieb. Er machte sich mit gro\u00dfer M\u00fche los, lief zu den benachbarten Fuhrwerken, kleidete sich aus und lie\u00df Leute auftreiben, die das Pferd mit Stangen und Seilen wieder aus dem Morast ziehen mu\u00dften.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Flader &#8222;Wiesenth\u00e4lisches Ehrenged\u00e4chtni\u00df&#8220; 1719<\/p>\n<h2>Das himmlische Heer bei Annaberg<\/h2>\n<p>Einst lebte in der Gegend des heutigen Annabergs ein armer Bergmann, der reich mit Kindern, aber wenig mit zeitlichen G\u00fctern gesegnet war und sich, weil seine Frau schwer erkrankt war, in gro\u00dfer Noth befand, da die Grube am s\u00fcdlichen Abhange des Bielberges, wo er arbeitete, unergiebig war. Wie er nun mit seinem Gevatter, dem Steiger, lange vergeblich gearbeitet hatte, fiel auf einmal ein Theil des Gesteins von selbst herab und sie sahen einen m\u00e4chtigen Gang reichen Erzes vor sich, eine Stimme aber rief: &#8222;Daniel! (so hie\u00df er n\u00e4mlich) ich bin der F\u00fcrst der Berge, was Du in diesem Schacht gewinnst, ist Dein, ich schenke es Dir!&#8220; Jener aber sprach: &#8222;ich kann es nicht annehmen, denn es geh\u00f6rt den Gewerken.&#8220; Als nun der Berggeist ihn noch mehrmals aufgefordert hatte, das Gefundene zu nehmen und an seine Frau und Kinder zu denken, er aber sich immer weigerte, verschwand auf einmal der ganze Erzgang wieder. Er ging traurig nach Hause, als er aber dort ankam, kam ihm seine Frau v\u00f6llig gesund entgegen und sagte, es sei ein fremder Bergmann dagewesen, habe ihr Brod, Fleisch und Wein f\u00fcr ihre Kinder gebracht, und sie aus einem kleinen Fl\u00e4schchen trinken lassen, und seitdem seien alle ihre Schmerzen verschwunden, jener aber habe gesagt, ihre Noth werde bald aufh\u00f6ren, das lasse ihr der F\u00fcrst der Berge sagen. In der Nacht tr\u00e4umte aber der fromme Bergmann, der Berggeist stehe vor ihm und sage ihm, zum Lohn f\u00fcr seine Redlichkeit wolle er ihn gl\u00fccklich machen, er solle fr\u00fch auf den Schreckenberg gehen, dort werde er Feuer vom Himmel fallen sehen, und an dieser Stelle solle er einschlagen. Wie gedacht so geschehen, er ging in den Wald; pl\u00f6tzlich fuhr aus heiterem Himmel ein Blitz in eine hohe Fichte, und als jener mit der bergm\u00e4nnischen Ruthe an den Wurzeln des Baumes einschlug, da entdeckte er beim Nachgraben einen reichen Silbergang: den muthete er und sein Gevatter Steiger und beide wurden schnell reich, die Grube aber nannte man das himmlische Heer.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Dietrich &#8222;Die romantischen Sagen des Erzgebirges&#8220;<\/p>\n<h2>Der Panzerreiter zu Stollberg<\/h2>\n<p>In der Gegend des St\u00e4dtchens Stollberg soll bei Nacht ein Reiter ohne Kopf in einen laugen schwarzen Mantel geh\u00fcllt auf einem schwarzen Rosse herumreiten. Vor ihm her flattert eine grau und schwarz gefleckte Kr\u00e4he, welche sich auch bisweilen auf einer gro\u00dfen Linde in der Oberstadt sehen l\u00e4\u00dft und durch ihr mittern\u00e4chtliches Kr\u00e4chzen Jedem, der es h\u00f6rt, den Tod binnen 3 Tagen verk\u00fcndigen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Ziehnert<\/p>\n<h2>Der wilde J\u00e4ger im R\u00f6hrholze bei Oelsnitz<\/h2>\n<p>Im R\u00f6hrholze bei Oelsnitz h\u00e4lt sich der wilde J\u00e4ger auf; er jagt bis hinein in die Adlerm\u00fchle und l\u00e4\u00dft dabei sein Hoho ert\u00f6nen. Als zwei B\u00fcrger sich einst aus diesem Walde Holz holten, ging im Walde ein gro\u00dfer schwarzer Hund neben ihnen her, der hatte feurige Augen, so gro\u00df wie eine Obertasse. Bei Bodenneukirchen erscheint er auch, als ein starker Mann mit hoher M\u00fctze, hat eine Flinte im Arme und geht mit einem Gefolge von hoch- und kurzbeinigen Hunden \u00fcber die Wiesen in den Wald des untern Gemeindeberges.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus K\u00f6hler &#8222;Aberglauben und Sagen im Voigtlande&#8220;<\/p>\n<h2>Der wilde J\u00e4ger im P\u00f6hlgrunde<\/h2>\n<p>Fr\u00fcher trieb der wilde J\u00e4ger sein Wesen im P\u00f6hlholze bei Lengefeld. Einst wagte sich ein k\u00fchner Mann mit Weidmannsruf und Herumspringen unter diese Huhu schreienden unsichtbaren J\u00e4ger und kl\u00e4ffenden Hunde, fand aber am andern Morgen als Lohn ein St\u00fcck Aas von der Feldmeisterei an seiner Hausth\u00fcre aufgeh\u00e4ngt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Fickenwirth &#8222;Chronik von Lengefeld&#8220; 1859<\/p>\n<h2>Der wilde J\u00e4ger bei L\u00f6bau<\/h2>\n<p>Ein Mann ging in einer st\u00fcrmischen Nacht von L\u00f6bau nach Lawalde. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rte Wind und Regen auf und der wilde J\u00e4ger mit H\u00f6rnerschall und Hundegebell sauste \u00fcber ihn dahin. Der Mann warf sich aber schnell mit dem Gesichte zu Boden, indem er der Sage eingedenk war, da\u00df, wer den wilden J\u00e4ger gesehen, \u00fcber ein Jahr todt sei, und entging so der drohenden Gef\u00e4hrdung.<br \/>\nAls ein anderes Mal im Sp\u00e4therbst der Pan Dietrich seinen Umgang auf dem L\u00f6bauer Berg hielt, und \u00fcber einen von Bernstadt kommenden Fuhrmann durch die Luft wegrasaunte, st\u00fcrzte dem armen Mann ein Pferd nieder, und das andere erlahmte, so da\u00df er den Morgen erwarten mu\u00dfte, wo ihm erst H\u00fclfe wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Gr\u00e4ve &#8222;Lausitzer Magazin&#8220; 1838<\/p>\n<h2>Der Pan Dietrich oder der wilde J\u00e4ger in der Lausitz<\/h2>\n<p>Der von den Deutschen zu den Wenden gekommene Dietrich von Bern zieht zu jeder Zeit nach Sonnenuntergang mit einer gro\u00dfen l\u00e4rmenden Hundemeute unter Schie\u00dfen, Heulen, Gebell, Pfeifen, Pferdegewieher und Peitschenknall in der h\u00f6hern Luftregion als J\u00e4ger umher. Er sitz bald mit, bald ohne Kopf zu Pferde, und Niemand ht an sich von ihm etwas Uebles zu bef\u00fcrchten. Wer ihn aber neckt oder nachschreit, dem wirft er ein St\u00fcck Fleisch von gefallenem Vieh zu, was man ohne Hilfe des Scharfrichters zeitlebens nicht wieder los wird.<br \/>\nBei Budissin in der Gegend des sogenannten G\u00f6tterberges zieht der Pan Dietrich \u00fcber den Czorneboh, man sieht ihn auch am Hochwalde, bei Rammenau in der N\u00e4he von Bischoffswerda und im Rasch\u00fctzwalde, wo er \u00fcber das sogenannte (muthma\u00dflich im 30j\u00e4hrigen Kriege eingegangene) w\u00fcste Dorf mit Windsausen, Schie\u00dfen, Hundegebell und Menschengeschrei hinzieht.<br \/>\nWenn man von dem ohngef\u00e4hr 1 1\/2 Stunde von Budissin gelegenen Dorfe M\u00f6nnichswalde den Fu\u00dfsteig nach dem Marktflecken Wilthen hinwandelt, gewahrt man rechter Hand einen mittelm\u00e4\u00dfig hohen mit Nadelholz bewachsenen Berg, der Pan Dietrich (d.h. Herr Dietrich) genannt wird und von welchem man sich Folgendes erz\u00e4hlt. Es hat n\u00e4mlich in den Zeiten des Faustrechts ein wilder unb\u00e4ndiger Raubritter, Namens Dietrich daselbst seine Burg gehabt, der die ganze Gegend umher weit und breit in Furcht und Schrecken setzte, nach vollbrachten Wegelagerungen an Sonn- und Festtagen der Jagd oblag, mit seinen wilden Gesellen schlemmte und zechte, sich weder um Gott noch Menschen bek\u00fcmmerte und so Tag f\u00fcr Tag sein rohes ungebundenes Leben fortf\u00fchrte. Im Leben ging ihm Alles nach Wunsch und Willen, allein nach dem Tode folgte die Strafe, indem er mit seinen Kumpanen im Fr\u00fch- und Sp\u00e4tjahre als scheu\u00dfliche Spukgestalt bald mit, bald ohne Kopf unter Begleitung von Hunden und andern wilden Thieren unter tobenden L\u00e4rm, Heulen, Pfeifen, Pferdegewieher und Peitschenknall aus seiner verfallenen Burg, von welcher jetzt nur noch in der Runde zusammengeworfene Steine, denen man keine Bearbeitung ansieht, zeugen, auszieht, im Kreie einige Male herumfegt, und sich dann wiederum dahin zur\u00fcckbegiebt und durch sein Erscheinen Krieg, Pest, Sterben, Mi\u00dfwachs und andere Ungl\u00fccksf\u00e4lle verk\u00fcndet. Dem Zuge, welchen der Tod auf einer Eule reitend beschlie\u00dft, schreitet der fromme Bonifacius, der ihn oft vergeblich ermahnte, von seinem rohen w\u00fcsten Leben abzustehen, voran.<br \/>\nDa\u00df er sich zuweilen auf dem L\u00f6bauer Berge sehen l\u00e4\u00dft, wissen wir, allein in einem Holze, unweit Teuplitz bei Muskau, hat der Baron von Reibnitz noch im Jahre 1799 mit seinem J\u00e4ger St\u00e4glich den dort sehr bekannten Nachtj\u00e4ger verfolgt, und ohne etwas zu sehen, Ro\u00dfritte, Hundegebell, H\u00fcfth\u00f6rner und eine f\u00f6rmliche Jagdhetze kaum 40 Schritte vor sich bemerkt, ja 1827 hat dieselbe wilde Jagd ein dasiger Teichw\u00e4chter ebenfalls vernommen.<br \/>\nIn einer andern Gegend der Lausitz wird der wilde J\u00e4ger auch der Sch\u00f6mbrich genannt, wahrscheinlich im verdorbenen Volksdialect von einem b\u00f6sen Gutsbesitzer aus dem Geschlechte derer von Sch\u00f6nberg, gerade wie man unter demselben auch einen andern ber\u00fcchtigten Raubritter der Vorzeit, den sogenannten eisernen Polenz versteht (Gro\u00dfer erz\u00e4hlt in den &#8222;Lausitzer Merkw\u00fcrdigkeiten&#8220; er sei 1509 Besitzer von Senftenberg gewesen). Andere denken sich unter ihm den einstigen Besitzer einer Burg auf dem Hutberge bei Sch\u00f6nau, Bernhard von Biberstein (1228), den angeblichen Gr\u00fcnder von Bernstadt, der durch sein w\u00fcstes Leben sowohl seinen Unterthanen als \u00fcberhaupt der ganzen Umgegend gro\u00dfen Schaden zuf\u00fcgte, und nach einem von ihm getragenen blauen Hute (mit diesem soll er wie seine Burg auf einem fr\u00fchern Altargem\u00e4lde der Sch\u00f6nauer Kirche dargestellt gewesen sein) vom Volke Blauh\u00fctchen genannt wird. Die von ihm zusammengebrachten Sch\u00e4tze m\u00f6gen wohl die Braupfanne voll Gold bilden, welche angeblich im Hutberge begraben liegen soll.<br \/>\nNach einer andern Lausitzer Sage w\u00e4re der Pan Dietrich urspr\u00fcnglich ein frommer Herr gewesen, der einst in der Kirche lachte, weil er bemerkte, da\u00df der Teufel hinter dem Altare die Namen der Schl\u00e4fer auf einer Kuhhaut aufschrieb, sich aber an der Wand stie\u00df und einen Zahn ausbrach, als er die zum Aufschreiben nicht ausreichende Kuhhaut mit den Z\u00e4hnen mehr auseinander zu dehnen suchte. Durch dies Lachen war es um seine Fr\u00f6mmigkeit geschehen, denn die Sonnenst\u00e4ubchen, an welchen er sonst seinen Rock aufgeh\u00e4ngt hatte, leisteten jetzt diesen Dienst nicht mehr. Aus Verdru\u00df steckte er Brodrinde in den Stiefel und trat mithin Gottes Gabe mit den F\u00fc\u00dfen. Bald darauf entf\u00fchrte ihn ein Teufelspferd und auf diesem durchstreift er noch bis jetzt zum Schrecken der Menschen die Luft.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus K\u00f6hler &#8222;Lausitzer Magazin&#8220; 1839<br \/>\n&amp; Schneider &#8222;Begr\u00e4bnispl\u00e4tze in Zilmsdorf&#8220; 1837<\/p>\n<h2>Die wendische Jagdg\u00f6ttin<\/h2>\n<p>Die s\u00fcdlichen Wenden kennen auch eine Waldg\u00f6ttin, ein sch\u00f6nes junges weibliches Wesen, welches mit einem Geschosse versehen in den W\u00e4ldern umherstreift und von ihnen Dziwica genannt wird. Die sch\u00f6nsten Jagdhunde bilden ihre Begleitung und schrecken nicht nur das Wild, sondern auch die Menschen, die sich um die Mittagszeit im Walde befinden. Daher sagt man noch jetzt zu einem, der den Mittag \u00fcber sich allein im Walde aufh\u00e4lt: siehe zu, da\u00df die Waldg\u00f6ttin nicht zu Dir kommt! Man glaubt jedoch, da\u00df sie auch in mondhellen N\u00e4chten in den W\u00e4ldern das Gesch\u00e4ft der Jagd betreibe.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Schmaler &#8222;Volkslieder der Wenden in der Ober- und Niederlausitz&#8220; 1843<\/p>\n<h2>Die Murawa und Mara in der Lausitz<\/h2>\n<p>Die Murawa ist dasselbe, was man in der deutschen Mythologie den Alp nennt. Man stellt sich denselben in der Gestalt einer Frau vor, die den Menschen im Schlaf peinigt, und sich zuweilen wie eine schwere Last auf ihn legt, da\u00df sie weder athmen noch sprechen k\u00f6nnen. Sie ist demnach eigentlich eine Nachtwandlerin, erscheint aber auch dann bei Tage, wenn es w\u00e4hrend des Sonnenscheins regnet. Zu dieser Zeit flattert sie als Schmetterling von aschgrauer Farbe, den man im Wendischen demgem\u00e4\u00df auch Khodojta (Hexe) nennt, umher, und nimmt die Gelegenheit wahr, wie sie etwa Jemanden schaden k\u00f6nne. Die Mara dagegen wird bald als Krankheits-, bald als Todesg\u00f6ttin betrachtet. Sie pflegt sich zu zeigen, wenn eine Seuche einer Ortschaft naht, man kann dieser aber den Eingang wehren, wenn man die Dorfmark mit drei Pflugfurchen umzieht. Auf dem Kotmar- oder Hochberge dagegen erscheint sie in anderer Weise, denn sie soll dort zur Mittagsstunde herumwandeln und Alles fruchtbar und die Kr\u00e4uter wachsend machen. Daher pflegten die Wenden ehedem Wallfahrten dorthin zu unternehmen, und sie durch angez\u00fcndete Feuer, gekochte Milch und Kr\u00e4uter zu ern\u00e4hren, damit sie ihr Vieh besch\u00fctze etc. Uebrigens kennen die Lausitzer noch eine andere Todesg\u00f6ttin, die Smertnitza, die sich als blasse, aber wohlgebildete und wei\u00dfgekleidete Frau denken, welche sich vor oder in einer Behausung zu zeigen pflegt, wo innerhalb dreier Tage Jemand sterben soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Schmaler &#8222;Volkslieder der Wenden in der Ober- und Niederlausitz&#8220; 1843<\/p>\n<h2>Der M\u00fchlg\u00f6tz zu Plauen<\/h2>\n<p>In der obern M\u00fchle zu Plauen steht schon viele, viele Jahre ein G\u00f6tzenbild, wer wei\u00df wie alt, das wohl aus der heidnischen Zeit herstammen mag (und angeblich vor langen Jahren auf dem M\u00fchlgraben schwimmend von den M\u00fchlknappen aufgefangen worden sein soll), gemeiniglich nur der M\u00fchlg\u00f6tz genannt. Niemand wagt es von seinem Platze zu nehmen, und wenn der M\u00fcller an ihm vor\u00fcbergeht, so nimmt er bed\u00e4chtig sein K\u00e4ppchen ab, dieweil er den M\u00fchlg\u00f6tz f\u00fcr den Schutzpatron des Gewerkes h\u00e4lt und ihm den gl\u00fccklichen Fortgang der M\u00fcllerei schuldig zu sein glaubt. Man erz\u00e4hlt sich aber von dem M\u00fchlg\u00f6tz folgende Sage:<br \/>\nEin lustiger M\u00fcllerbursche, der dem Wasser nachging und wo m\u00f6glich in jeder M\u00fchle das Gastrecht in Anspruch nahm, kam auch in die obere M\u00fchle zu Plauen. Sein heiteres, witziges Wesen verschaffte ihm mit leichter M\u00fche ein Nachtquartier, und er hatte sich an reichlicher Spei\u00dfe und einem frischen Trunke schon ein G\u00fcthliches gethan, als er erst in das Innere der M\u00fchle trat, um sich dasselbe zu beschauen. Bald blieb er vor einem braunen h\u00f6lzernen Bilde stehen, das ihn mit weit herausgestreckter Zunge angrinste. &#8222;Zum Teufel, was ist denn das f\u00fcr ein Ding?&#8220; fragte er den M\u00fcllerburschen, &#8222;Es ist wohl gar Euer Schutzpatron?&#8220; &#8222;Ih bewahre, es sit ein St\u00fcck aus dem Heidenthume&#8220;, sagte der M\u00fchlbursche, &#8222;der M\u00fchlg\u00f6tz genannt, der einst wie ein Gott verehrt wurde und auch jetzt noch von uns in Ehren gehalten wird. Versuch&#8217;s nur Einer, ihn von dem Platze zu bringen, ich mag die Pr\u00fcgel nicht mit ihm theilen: er l\u00e4\u00dft nicht ab, bis er wieder auf dem Platze ist&#8220;. Der lustige M\u00fchlbursche lachte laut auf \u00fcber diese M\u00e4hr, im Stillen aber dachte er bei sich: &#8222;warte nur, G\u00f6tz, mit Dir ist&#8217;s aus&#8220;. Um Mitternacht als sie Alle schliefen, erhob er sich leise von dem Lager, schlich sich in die M\u00fchle und sprach zu dem G\u00f6tzen: &#8222;Herunter mit Dir, Bursche, mach keinen L\u00e4rm, da\u00df die M\u00fcllerm\u00e4del nicht erschrecken. Ich will Dich taufen, blinder Heide, im Namen Gottes.&#8220; Mit diesen Worten warf er ihn in den M\u00fchlgraben. Da auf einmal erhob sich ein pfeifender Sturmwind, da\u00df das ganze Haus erbebte und die Fluth hoch aufsch\u00e4umte und die R\u00e4der sich wie toll im Kreise herumdrehten. Todtenbleich vor Schreck lief der M\u00fchlbursche schnell zur\u00fcck in die M\u00fchle, aber da gingen ihm erst die Augen \u00fcber. Was nur in der M\u00fchle war, K\u00fcbel, S\u00e4cke, K\u00e4sten, Beutel, ja selbst M\u00fcller und Knappe tanzten wie toll in der M\u00fchle herum, darein erscholl der grelle Ton des Gl\u00f6ckchens. Alles krachte und donnerte, als w\u00e4re der j\u00fcngste Tag gekommen. Noch hatte der vorwitzige Bursche sich nicht vom ersten Schreck erholt, da kam ein K\u00fcbel geflogen, gerade auf ihn los, der ihm den Kopf zu zerschmettern drohte, und wie mit unsichtbarer Hand zog es ihn zum M\u00fchlgraben hin, wo hinein er das G\u00f6tzenbild geworfen hatte. Er nahm es auf den Arm und trug es alsbald auf den Platz zur\u00fcck. Da standen die R\u00e4der wieder still, S\u00e4cke, K\u00fcbel und Beutel, Alles blieb an seinem Orte. In der M\u00fchle ward es wieder still wie in der Kirche. Der M\u00fcller aber pr\u00fcgelte den leichtfertigen Burschen zur Th\u00fcre hinaus, und es ist bis heute kein Anderer wiedergekommen, der den M\u00fchlg\u00f6tz h\u00e4tte taufen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus &#8222;Bechstein&#8217;s Sagenbuch&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttersagen Der Nachtj\u00e4ger* Einst kommt sp\u00e4t in der Nacht ein Mann von Spitzkunnersdorf nach haynewalde. 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