{"id":277,"date":"2018-02-28T13:25:22","date_gmt":"2018-02-28T12:25:22","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=277"},"modified":"2018-02-28T13:25:22","modified_gmt":"2018-02-28T12:25:22","slug":"saechsische-geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=277","title":{"rendered":"S\u00e4chsische Geschichte"},"content":{"rendered":"<h1>S\u00e4chsische Geschichte<\/h1>\n<h2>Prinzenklau im Mittelalter<\/h2>\n<p>Als Friedrich der Streitbare, Kurf\u00fcrst von Sachsen, im Jahre 1428 auf dem Sterbebett lag, mu\u00df er geahnt haben, da\u00df zwei seiner vier S\u00f6hne, Friedrich und Wilhelm, oft gegens\u00e4tzlicher Meinung waren.<br \/>\n&#8222;Ich ermahne euch nochmals ernstlich, da\u00df ihr sollet eintr\u00e4chtig sein, einer dem anderen nachgeben und vergeben. Dieses wird euch eine Mauer sein wider allen feindlichen \u00dcberzug, der nicht ferne von euch ist.&#8220;<br \/>\nUnd die Br\u00fcder mu\u00dften ein Versprechen leisten. Trotzdem kam es 1446 bis 1451 wegen Erbstreitigkeiten zu dem sogenannten &#8222;Bruderkrieg&#8220; zwischen Friedrich und Wilhelm. Einer, der seinem Herrn, Kurf\u00fcrst Friedrich, genannt der &#8222;Sanftm\u00fctige&#8220;, im Bruderkrieg treue Dienste geleistet hatte, war der Ritter Kunz von Kaufungen. Seine im Th\u00fcringischen gelegenen G\u00fcter waren im Krieg schwer verw\u00fcstet worden. Als Entsch\u00e4digung hatte er die G\u00fcter Schweikershain mit Kriebstein zur Nutzung erhalten. Sp\u00e4ter nahm sich der Kurf\u00fcrst Schweikershain mit Gewalt zur\u00fcck, eine Entsch\u00e4digung daf\u00fcr zahlen wollte er nicht.<br \/>\nEin langer Rechtsstreit entbrannte, an dessen Ende Kunz in Ungnade fiel und des Landes verwiesen werden sollte. Der Ritter sann auf Rache und plante die Entf\u00fchrung der beiden Prinzen Ernst und Albrecht, Friedrichs S\u00f6hnen von Schlo\u00df Altenburg. Bundesgenossen fand er alsbald und der Plan gelang. Im schnellen Ritt ging es am 8. Juli 1455 mit den aus dem Schlaf gerissenen Prinzen in Richtung B\u00f6hmen. Die Entf\u00fchrergruppe teilte sich, Kunz nahm Albrecht mit, Wilhelm von Mosen Prinz Ernst. Kunz von Kaufungen wurde wenig sp\u00e4ter gestellt und Albrecht befreit, Von Mosen und von Sch\u00f6nfels verbargen sich mit Ernst in einer Felsspalte bei Hartenstein, der Prinzenh\u00f6hle. Nachdem sie vernommen hatten, da\u00df Kunz gefangen war, wollten sie nur noch die eigene Haut retten und sandten ein Bittschreiben an Friedrich zu Sch\u00f6nburg. Am 11. Juli war Prinz Ernst wieder in Chemnitz.<br \/>\nBereits am 14. Juli 1455 wurde Kunz von Kaufungen, einer der tapfersten Ritter seiner Zeit, in Freiberg \u00f6ffentlich enthauptet. Viele Ritter mi\u00dfbilligten das, denn damals galt das Faustrecht und mancher Zeitgenosse w\u00e4hnte Kunz im Recht.<br \/>\nEin dunkler Stein zeigt noch heute die Stelle, wo das Haupt des Kaufungers durch die Hand des Henkers fiel. \u00dcbrigens wurden die Helfer auf Befehl von Friedrich dem &#8220; Sanftm\u00fctigen&#8220;, mit gl\u00fchenden Zangen gezwickt und anschlie\u00dfend gevierteilt&#8230;<\/p>\n<h2>Entstehung der Stadt K\u00f6nigsbr\u00fcck<\/h2>\n<p>Nachdem Karl der Gro\u00dfe in Niedersachsen an der Elbe mit den Sachsen Friede gemacht hatte, schickte er seinen Sohn Karl die Elbe und Saale hinauf in das Land der Sorbenwenden, um sie zum christlichen Glauben zu bewegen. Bei diesem Heereszuge lie\u00df Karl eine Br\u00fccke \u00fcber die Pulsnitz schlagen, ging mit seinem Kriegsvolke dar\u00fcber und bezog auf der andern Seite ein Lager. Dies Lager war der Anfang einer Stadt, die von der Br\u00fccke, an der sie lag, den Namen K\u00f6nigsbr\u00fcck erhielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Haupt &#8222;Lausitzer Sagenbuch&#8220; 1862<\/p>\n<h2>Wie das Geschlecht derer von Pflug zu ihrem Wappen gekommen ist.<\/h2>\n<p>Der Nachfolger des ersten B\u00f6hmenk\u00f6nigs Czech, Croco, ein gewaltiger Zauberer, hinterlie\u00df bei seinem Tode(709) drei T\u00f6chter Namens Kascha, Tecka und Libussa, so ebenfalls in allen Zauberk\u00fcnsten erfahren waren. Von diesen gelangte jedoch nur die j\u00fcngste, die Libussa, zur Regierung und herrschte ganz mild und l\u00f6blich auf dem Wissherad zu Prag. Gleichwohl waren die B\u00f6hmen nicht lange mit dem Weiberregiment zufrieden, sondern verlangten einen K\u00f6nig. Libussa lie\u00df also eines Tags (10. Mai 722) das ganze Volk auf dem Wissherad zusammenkommen und fragte sie, ob sie einen F\u00fcrsten haben wollten, und da sie einm\u00fchtig ja sagten, so sprach sie: &#8222;dort sehet hinter den Bergen bei einem kleinen Wasserflu\u00df, der Bila hei\u00dft, da liegt das Dorf Staditz, nicht weit davon ein Acker, 120 Schritte breit und lang, auf welchem Euer F\u00fcrst mit zwei scheckigen Ochsen pfl\u00fcgt, der hei\u00dft Primislaus, der wird Eure H\u00e4lse beugen, und sein Geschlecht wird Euch 584 Jahre beherrlichen.&#8220; Diese Weissagungen empfing sie aber von einer g\u00fcldenen Kr\u00f6te, in der ihr Hausgeist wohnte. Hierauf erw\u00e4hlte sie drei\u00dfig Mann, denen lie\u00df sie ihren Reitschimmel ungez\u00e4umt vorf\u00fchren undfragte zu ihnen: &#8222;folget meinem Pferde nach, wo es hingeht, denn der Weg ist ihm gar wohl bekannt, vor dem Manne nun, wo es wird stehen bleiben, wiehern und auf die Knie fallen, da bleibt auch Ihr stehen, denn er ist es, der Euch beherrlichen soll. Ihr werdet mir aber nicht eher glauben, bis Ihr Euern F\u00fcrsten auf einem eisernen Tische essen sehet: seid aber unterwegs ja friedlich, denn Euer Zank auf dieser Reise wird Euern Nachkommen nach 1000 Jahren schaden.&#8220; Die Gesandtschaft, welche dem Ro\u00df gefolgt, traf auch richtig den Primislaus an Ort und Stelle an, und da das Pferd sofort vor ihm auf die Knie sank, so veranla\u00dfte dies die Gesandten, ihm der Libussa Befehl und des Volkes Verlangen zu entdecken, wor\u00fcber Primislaus ganz best\u00fcrzt war. Endlich steckte er eine Ruthe in die Erde und sprach, es sey denn das diese gr\u00fcne und bl\u00fche, sonst k\u00f6nne er es nicht glauben, spannte dann die Ochsen aus und sagte: gehet hin wo Ihr hin wollt. Worauf aber Primislaus mit denselben einen gewaltigen Sprung in die Wolken that, von dem die Ochsen jedoch nicht wieder zum Vorschein gekommen sind, die h\u00e4selne Ruthe hat sogleich zu gr\u00fcnen, drei Zweige mit Bl\u00e4ttern zu treiben und zu wachsen angefangen, auch in dem selben Augenblick Fr\u00fcchte hervorgebracht, aus welchen nachgehends eine Haselstaude geworden, so noch heutzutage bei dem Dorfe Staditz steht und \u00fcber welche Kaiser Karl IV. i. J. 1359 ein Privilegium an zwei Feldnachbarn des Primislaus gegeben hat, da\u00df diese frei von allen Abgaben und Frohnen sein sollten (weil sie damals die einzigen gewesen, die Primislaus Gl\u00fcck gew\u00fcnscht), daf\u00fcr aber die Haselstaude zu pflegen und die N\u00fcsse welche sie tr\u00fcge, nach Prag an die k\u00f6nigliche Kammer abzuliefern h\u00e4tten. Dann hat Primislaus den Pflug umgewendet, ein St\u00fcck Brod und Quark hervorgezogen, solches auf den Pflug gelegt und die Gesandten zu Gaste gebeten, welche sich um den Pflug herum auf die Erde setzten und sich mit Brod und Wasser tractiren lie\u00dfen, dabei aber flei\u00dfig an Libuss\u00e4 Worte dachten. Nach geendigter schlechter Mahlzeit legten sie Primislaus das f\u00fcrstliche Kleid an und zogen ab gen Prag, da denn die\u00dfer seine Schuhe von Lindenbast zum Ged\u00e4chtni\u00df mitnahm, welche erst in den hussitischen Unruhen verloren gegangen sind. Als sich nun dieser b\u00e4uerische Prinz dem Schlosse nahet, kam ihm Libussa mit ihrem Frauenzimmer entgegen, f\u00fchrte ihn ihr Zimmer, tractirte ihn mit Wildpret und Meth und hielt auch noch an demselben Abend ihr Beilager mit ihm. Deshalb hat aber Primislaus zum stets w\u00e4hrenden Angedenken dieser wunderw\u00fcrdigen Begebebheit seines Bruders Sohne den Namen Pflug nebst dem Wappen gegeben, ihn auch nach und nach mit ansehnlichen G\u00fctern versorgt. Nach dem Absterben K\u00f6nig Wenzel&#8217;s III. von B\u00f6hmen hat aber eine gro\u00dfe Parthei Herrn Ulrich Pflug zu Rabenstein (1306) zum K\u00f6nig w\u00e4hlen wollen, sie sind aber nicht durchgedrungen, wohl aber hat nachmals, als Herzog Johann der L\u00fctzelburger den b\u00f6hmischen Thron bestieg, derselbe diesen Pflug, um ihn zu entsch\u00e4digen, zu seinen obersten K\u00e4mmerer und in seiner Abwesenheit zu seinem Stellvertreter gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Ziegler &#8222;histor. Labyrinth der Zeit&#8220;<\/p>\n<h2>Der Geist im Forsthause zu Colditz<\/h2>\n<p>Bei der sogenannten Magnuskirche zu Colditz stand fr\u00fcher ein Kloster, das aber, weil es w\u00fcste lag, 1580 zu einem Forsthause umgebaut und 1618 in ein Wohnhaus f\u00fcr den F\u00f6rster verwandelt ward. Hier ist vor Zeiten ein Sch\u00fcler des h. Bonifacius, ein gewisser Hugo, Graf von Refernburg, welchen die Wenden bei Gelitz erschlagen hatten und den die gottesf\u00fcrchtigen Grafen zu Colditz aufheben, bei Seite schaffen und hier hatten begraben lassen, beigesetzt worden. Seinen Predigtstuhl hatte er aber zu Selitz bei Rochlitz, wo er den Wenden das Christenthum predigte und man hernach eine Kirche, die Leonhardskirche, nach dem Namen des Bauern, der den Acker besa\u00df, hinbauete, von der noch jetz einige Spuren auf dem Felde zu sehen sind. In dieses Haus hat sich im Jahre 1644 Herr Hans Christoph von Altmannshofen auf Commichau und Colmen in gro\u00dfer Kriegsgefahr samt seiner schwangeren Ehefrau gerettet; es ist aber diese hier eines T\u00f6chterleins genesen, und am 20. Juni ist der W\u00f6chnerin am hellen Tage eine Person mit einer M\u00f6nchskutte angethan erschienen. Diese hat die Gardienen weggeschoben und ihr in&#8217;s Bett gesehen, ist dann aber, wie es derselben vorgekommen ist, wieder ins Grab gestiegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Kamprad &#8222;Historie der Grafschaft Mannsfeld&#8220;<\/p>\n<h2>Die Sage von dem Liebchenstein bei Penig<\/h2>\n<p>Vor alten Zeiten hau\u00dften Raubritter auf dem bei Penig gelegenen Zinnberg und Drachfels (Drachenfels) und machten die dasige Gegend sehr unsicher. Zinnberg soll anfangs Umizi gehei\u00dfen haben, schon im 6. Jahrhundert entstanden und der Sitz eines Wendenf\u00fcrsten gewesen sein. Im 13. Jahrhundert geh\u00f6rte dieses Zinnberg einer Linie der Burggrafen zu Altenburg zu. Beide Schl\u00f6sser, Zinnberg und Drachenfels, sollen schon im 14. Jahrundert von den Burggrafen von Leisnig und dem Ritter Heimburg von Waldenburg zerst\u00f6rt worden sein. Nach anderen Angaben, z. B. nach Schumann&#8217;s s\u00e4chs. Zeitungs-Lexicon, sind jedoch beide Burgen erst im Jahre 1488 verbrannt worden. Auf Zinnbergs Ruinen sah man noch gegen Anfang des 17. Jahrhunderts einen alten Turm stehen, von welchem zur Zeit einiges Gem\u00e4uer \u00fcbrig geblieben ist. Bei Zerst\u00f6rung der unter Penig gelegenen Burg Drachenfels sollen \u00fcbrigens die H\u00fchner aus der selben \u00fcber die Mulde auf den gegen\u00fcberliegenden Berg geflogen sein, woher der H\u00fchnerberg seinen Namen erhalten habe. Ueber die Raubritter auf Zinnberg und Drachenfels und \u00fcber die Veranlassung zur Zerst\u00f6rung dieser beiden Burgen geht nun folgende Sage. Zinnberg und Drachenfels waren im Besitz von zwei Br\u00fcdern, welche man gew\u00f6hnlich die Schachtritter nannte, weil, zur Leistung gegenseitigen Beistandes, ein unterirdischer Gang beide Burgen verband. Der eine dieser Br\u00fcder, der Ritter auf dem Drachenfels, war mit Fr\u00e4ulein Elsbeth, der Tochter des Ritters Haimburg zu Waldenburg, verlobt. Elsbeth erhielt einst heimlich Nachricht, ihr Verlobter betreibe R\u00e4uberei. Um sich selbst zu \u00fcberzeugen, ob diese Kunde wahr oder falsch sei, machte sie sich mit Bewilligung ihres Vaters auf und fuhr, von des Vaters Knappen begleitet, bis an den Felsen, welcher unmittelbar am rechten Muldenufer hart hinter Penig am Fu\u00dfe des Galgenberges liegt. Hier stieg sie, ihr Gespann stehen lassend, aus dem Wagen und begab sich auf die Burg. Auf dieser herrschte ein tiefe grauenvolle Stille. D\u00fcstere Ahnungen durchbebten des Fr\u00e4uleins Seele: sie schaute sich um, fand Blutspuren auf dem Vorsaale und an der Kaminth\u00fcre des Ritters Siegelring. Noch mehr Blutspuren nebst einem bluttriefenden Dolche fand das Fr\u00e4ulein auf dem Zimmer des Ritters, der eben vorher einen Mord begangen und bei dem Ringen mit seinem Schlachtopfer seinen Ring verloren hatte. Elsbeth nahm schaudernd den Siegelring mit dem blutigen Dolche, und kehrte, ohne bemerkt zu werden, aus der Burg nach ihrem Gespann und mit diesen wieder nach Waldenburg zur\u00fcck. Der vorstehend beschriebene Fels, wo ihr Gespann gestanden, hei\u00dft davon aber heute noch der Liebchenstein. Das Fr\u00e4ulein hinterbrachte ihrem Vater die schreckliche Kunde, worauf Ritter Haimburg mehrere Ritter (worunter der Ritter Gerold von Rabenstein) nebst dem Schachtritter zu sich entbieten lie\u00df. Das Mahl war bereitet und die Pokale kreisten nach Ritterart. Aber \u00fcber dem festlichen Mahle wurden dem Schachtritter pl\u00f6tzlich der Siegelring nebst dem Dolche vorgezeigt; leicht ward er des Mordes \u00fcberwiesen, von den herbeigerufenem Knappen gefesselt und in Haimburg&#8217;s Burgverlie\u00df geworfen. Letzterer verband sich dann mit noch mehreren Rittern und brach die beiden Raubritterburgen Zinnberg und Drachenfels. Das Fr\u00e4ulein aber soll bald darauf ihrem Leben selbst aus Verzweiflung ein Ende gemacht haben.<\/p>\n<p>Zinnberg liegt am rechten Muldenufer eine halbe Stunde oberhalb Penig, Thierbach gegen\u00fcber. Die Burg war, nach den noch vorhandenen Ruinen zu urtheilen, nicht sehr bedeutend. Sie war in den \u00e4ltesten Zeiten im Besitz der Burggrafen von Altenburg, dann im 15. Jahrhundert der Herren von Kauffungen, zuletzt der Burggrafen von Leisnig, gegenw\u00e4rtig geh\u00f6rt sie zur Herrschaft Penig.<\/p>\n<p>Die Burg Drachenfels liegt am rechten Muldenufer, eine halbe Stunde unterhalb Penig. Von derselben sind nur noch die W\u00e4lle und wenige Ruinen vorhanden. Gegenw\u00e4rtig ist das ganze Terrain der ehemaligen Burg, die ebenfalls nicht bedeutend gewesen sein kann, mit dichtem Holze bewachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Krieg &#8222;Geschichte der Stadt Penig&#8220; 1838<\/p>\n<h2>Der Riese Einheer zu Zwickau<\/h2>\n<p>In demselben Kriege, welchen Karld der Gro\u00dfe gegen die Wenden f\u00fchrte und wo die Schwanhildis mit ihren Schwanfeldern demselben treulich diente, lebte zu Zwickau ein Riese, Namens Einheer (eigentlich hie\u00df er Aenotherus), ein Schwabe, geb\u00fcrtig aus dem Thurgau in der Schweiz. Der wadete durch alle Gew\u00e4sser und brauchte \u00fcber keine Br\u00fccke zu gehen, so gro\u00df war er. Sein Pferd zog er am Schwanze nach und sprach allezeit: &#8222;Nun Gesell&#8216;, du mu\u00dft auch nach!&#8220; Der machte auch den Krieg Karls gegen die Wenden mit und m\u00e4hete die Leute wie Gras nieder, hing sie an seinen Spie\u00df und trug sie so \u00fcber der Achsel wie Hasen und F\u00fcchse. Da er nun wieder heim kam und sein guter Geselle und Nachbar fragte, was er ausgemacht h\u00e4tte und wie es ihm im Kriege ergangen sei? sagte er aus Unmuth und Zorn: &#8222;was soll ich von diesen Fr\u00f6schleins sagen? ich trug ihrer sieben oder acht an dem Spie\u00dfe \u00fcber der Achsel und wei\u00df gar nicht, was sie quacken; es ist der M\u00fche nicht werth, da\u00df der Kaiser so viel Volk wider diese Kr\u00f6ten und W\u00fcrmer zusammengebracht hat.&#8220; Es flohen ihn aber alle Feinde und Wenden und meinten, er sei der lebendige Teufel.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Schmidt &#8222;Chronica Cygnea&#8220; 1656<\/p>\n<h2>Wie Meerane ehemals in \u00fcbelem Rufe gestanden hat<\/h2>\n<p>Die Stadt Meerane hat ehemals in ziemlich schlechtem Rufe gestanden, sei es vielleicht weil in der N\u00e4he derselben der slavische G\u00f6tze Crodo (Wodan) in dem Thalgrunde, in welchem die D\u00f6rfer G\u00f6tzenthal, Crotenleide und Hainichen und K\u00f6thel lagen, hoch verehrt ward. Sp\u00e4ter lag aber der Grund darin, da\u00df es dreierlei Gerichten unterthan war, was zur Folge hatte, da\u00df Strolche sich leicht aus einer Gerichtsbarkeit in die andere salviren konnten. So entstand nach und nach die Sitte, einen liederlichen Menschen einen Meeraner zu nennen. Einst reiste der dasige Pastor Mag. Sigismund Stolze zur Leipziger Messe; als er nun mit seinem Wagen in Leipzig an das Thor kam, wurde er gefragt, woher er k\u00e4me und wer er w\u00e4re? Als er es beantwortete: &#8222;der Pastor aus Meerane&#8220;, mu\u00dfte er wieder umkehren, weil man von einer so \u00fcbel beleumundeten Stadt Niemanden einlassen wolle. Der gute Mann mu\u00dfte also mit seiner Kutsche wieder umkehren und half sich nur dadurch, da\u00df er unter einem andern Namen zu einem andern Thore wieder hereinfuhr. Bei seiner R\u00fcckkehr erz\u00e4hlte er diese ihm widerfahrene Begebenheit unter Thr\u00e4nen auf der kanzel und lie\u00df nicht eher mit Bitten und Vorstellungen nach, bis es ihm gelungen war, die Glieder seiner Gemeinde auf einen bessern Lebensweg zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Leopold &#8222;Chronik von Meerane&#8220;<\/p>\n<h2>Die Luten, die Sueven und die Serben in der Lausitz<\/h2>\n<p>Ober- und Niederlausitz bewohnten in den \u00e4ltesten Zeiten die Luten, Lusen oder Susen, ein Stammvolk der Sueven, des damals m\u00e4chtigsten deutschen Volkes, welches sich selbst in mehrere Zweige theilte. Der Stamm der Ilinger oder Silinger sa\u00df in der Oberlausitz, der der Semnonen in der Niederlausitz. Diese deutschen Bewohner wurden um das J. 450, zu den Zeiten des Kaisers Theodosius des J\u00fcngern von den Slaven vertrieben, welche sich ebenfalls in mehrere St\u00e4mme spalteten, von denen der der Serben oder Sorben diese Gegend einnahm. Die Serben hie\u00dfen so von dem Worte Serp, die Sichel. Einige sagen, sie h\u00e4tten sich Sichler genannt, weil sie ein ackerbautreibendes Volk waren. Andere aber behaupten, Serp bedeute auch Schwert und da alle Schriftsteller von den stammesverwandten Sarmaten sagen, da\u00df sie einen S\u00e4bel g\u00f6ttlich verehrt h\u00e4tten, so habe dieser Volksname keine friedliche Bedeutung, sondern bezeichne sie als S\u00e4belverehrer, als ein kriegerisches Volk.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Haupt &#8222;Lausitzer Magazin&#8220;<\/p>\n<h2>Einzug der Wenden<\/h2>\n<p>Etliche des slavischen Volkes die zogen gegen Preu\u00dfen, Pommern und Cassuben bis hin gegen D\u00e4nemark und an das Meer gegen Mitternacht um und um und wohnten und bebauten die Lande bei dem Meer und in Preu\u00dfen. Etliche aber des Volkes von B\u00f6hmen, da ihrer viele waren, die zogen \u00fcber die Wasser und kamen auf das Erdreich, darum M\u00e4hren liegt und bauten da den Acker und St\u00e4dte und nannten das Land M\u00e4hren. Etliche des Volkes zogen fort und kamen auf das Gel\u00e4nde, da nun Mei\u00dfen liegt, und nannten das Land das Mei\u00dfnische Land. Etliche kamen gegen Bautzen, etliche ins Lausitzer Land und wohnten allda. Und alle diese Lande, die waren vorher w\u00fcste gewesen, die bauten zuerst das vorgenannte Volk, die Wenden. Die um Calau und Luckau wohnenden Slaven hie\u00dfen die Caluconen, von ihnen stammt die in L\u00fcbbenau wohnende Familie der Calaucer ab. Ein anderes wendisches Volk, die Camanen hatten ihren Sitz um Camenz, zu Kaiers Heinrich IV. Zeit waren sie mit unter dem Kriegsvolke des Grafen Wiprecht von Groitzsch. Um Luckau und Gol\u00dfen herum wohnten die Stoderaner, ein wendischer Volksstamm, deren Namen sich noch in dem edeln Geschlechte derer von Stutterheim erhalten hat. Von dem Stamme der Milziner sollen die Herren von Miltitz, von dem der Schluben aber die Herren von Schlieben abstammen. Das Wort Lausitz und der Name Lausitzer ist aber den Wenden von dem Volke, welches sie vertrieben hatten, den Lusen geblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Haupt &#8222;Lausitzer Magazin&#8220;<\/p>\n<h2>Grausamkeit der alten Wenden<\/h2>\n<p>Die Lausitzer Wenden in der Gegend von Zinniz (Cianj) hatten au\u00dferordentlich strenge Ehegesetze: am Markte dieser Stadt war eine Br\u00fccke, dort wurde Jeder, der sich durch Untreue an seinem Weibe vers\u00fcndigt hatte, mit dem Theile, mit dem er ges\u00fcndigt hatte, an die Br\u00fccke genagelt. Neben ihm lag ein Scheermesser und hiermit ward ihm die freie Wahl gelassen, entweder auf dieser Stelle zu sterben, oder sich selbst loszuschneiden.<br \/>\nDie Sorben aus der Lausitz hatten manche barbarische Sitte aus dem fernen Asien mitgebracht. Wenn z.B. ein Ehemann starb und eine Witwe hinterlie\u00df, so wwurde diese bei lebendigem Leibe auf den Scheiterhaufen gelegt zu dem Leichnam des Ehemannes und wurde also mit demselben zugleich verbrannt. Solches geschah aber nicht etwa mit Zwang, sondern freiwillig und unter gro\u00dfem Freudengeschrei. Bei den Sorbenwenden der Lausitz herrschte in der Heidenzeit der sch\u00e4ndliche Gebrauch, da\u00df man sich der alten Leute, die zu nichts mehr tauglich waren, auf eine grausame Weise entledigte. Der eigene Sohnschlug seinen Vater todt, wenn er alt und unf\u00e4hig wurde, oder er warf ihn ins Wasser oder er st\u00fcrzte ihn von einem hohen Felsen herab, ja es sind solche Beispiele selbst noch in der christlichen Zeit vorgekommen.<br \/>\nHerr Lewin von Schulenburg, Ober-Amtshauptmann in der Altmark, ist ums Jahr 1580 einstmals unter den Wenden gereiset, da etliche eine alten Mann gef\u00fchrt, die er gefragt: &#8222;wohin mit diesem Alten?&#8220; Darauf sie geantwortet: &#8222;zu Gott&#8220;. Meineten, sie wollten denselben Gott aufopfern, weil er mit Arbeiten seine Nahrung nicht gewinnen k\u00f6nnte. Als der Hauptmann dieses verstanden, hat er den Alten mit Gewalt entledigt, ihn mit sich heimgenommen und zu einem Thorw\u00e4chter gemacht, in welchem Dienste er noch zwanzig Jahre gelebt und zugebracht haben soll. Ein anderer Chronist erz\u00e4hlt, im Jahre 1297 habe eine Gr\u00e4fin von Mannsfeld, welche durch die auch von Wenden bewohnte L\u00fcneburger Haide reiste, einen Bauer getroffen, der ein Grab gegraben hatte, in welches er seinen daneben stehenden jammernden Vater legen wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Haupt &#8222;Lausitzer Magazin&#8220;<\/p>\n<h2>Wie sich die Deutschen und Sorben gegenseitig nennen<\/h2>\n<p>Wenn die Deutschen mit den Wenden redeten und diese kein Wort verstanden, nannten jene sie stumme W\u00e4nde. Den Sorben aber ging es mit den Deutschen gerade so und sie nannten dieselben njemski die stummen (d.h. Hunde), und so hei\u00dfen die Deutschen noch bis auf den heutigen Tag.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Knauth &#8222;Serbische Kirchengeschichte&#8220;<\/p>\n<h2>Der H. Benno und die H. Walpurgis in der Lausitz<\/h2>\n<p>Der Heilige Bischof Benno von Mei\u00dfen wurde einst so erz\u00fcrnt \u00fcber den Abfall der von ihm bekehrten Wenden in der Lausitz, da\u00df er die Kirchenschl\u00fcssel vor Verdru\u00df in die Elbe warf. Aber in einem gefangenen Fische wurden sie wiedergefunden.<br \/>\nBei Gersdorf liegt ein Berg, der ehi\u00dft der heilige Berg und sein Gipfel der Todtenstein. Dort ist in den alten Heidenzeiten greulicher G\u00f6tzendienst getrieben worden, bis Markgraf Gero unter Kaiser Otto I. kam, die heidnischen Priester t\u00f6dtete und das Christenthum einf\u00fchrte, auch das jetzt nach ihm so genannte Dorf Gersdorf gr\u00fcndete. Diese Gegend war aber dem h. Benno gar lieb und vom nahe gelegenen Bischheim (Bischofshain), wo er ein Lustschlo\u00df hatte, kam er oft \u00fcber die Berge hin\u00fcber nach Gersdorf. Daher r\u00fchrt noch ein gepflasterter Fu\u00dfweg, der \u00fcber den heiligen Berg f\u00fchrt und die M\u00f6nchsmauer genannt wird. Von dem Berge aus f\u00fchrt auch ein unterirdischer Gang nach der Pfarre. Auf dem heiligen Berge aber gr\u00fcndete Gero eine Kapelle der h. Walpurgis, einer Nichte des h. Bonifacius, welche in der Lausitz von Berg zu Berg gezogen war und den Heiden das Evangelium gepredigt hatte. Als sie gestorben war, hat man ihr \u00fcberall und besonders auf diesen Bergen Standbilder und Beth\u00e4user errichtet und ihr zu Ehren in der h. Walpurgisnacht \u00fcberall auf den Bergen Feuer angez\u00fcndet, daf\u00fcr besch\u00fctzte sie das Vieh gegen das Behexen. Wer aber am dritten Pfingstfeiertage sowie an Walpurgis und Margarethe zu dieser Kapelle wallfahrete, hatte 100t\u00e4gigen Abla\u00df f\u00fcr seine S\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus &#8222;Legende von Bischof Benno&#8220; 1507,<br \/>\n&#8222;Emser vita Bennonis&#8220; 1512 und &#8222;Lausitzer Magazin&#8220; 18<\/p>\n<h2>Die heutigen Wendenk\u00f6nige<\/h2>\n<p><span style=\"font-size: 1rem;\">Es ist eine alte Sage, da<\/span>38<span style=\"font-size: 1rem;\">\u00df die Wenden in der Niederlausitz noch heut zu Tage ihren K\u00f6nig unter sich haben, den sie gemeinschaftlich aus ihrer Mitte w\u00e4hlen, ihm Krone und Scepter zustellen und j\u00e4hrlich zu seinem Unterhalte eine Kopfsteuer entrichten. Sie erweisen ihm alle k\u00f6niglichen Ehren und gehorchen seinem Befehle in allen, das ganze Volk betreffenden allgemeinen Angelegenheiten. Jedoch halten sie die Sache so geheim, da\u00df alle Bem\u00fchungen, den rechten Grund zu erfahren und den K\u00f6nig selbst unter den Bauersleuten ausfindig zu machen, bisher ohne Erfolg gewesen sind. Soviel nur wei\u00df man, da\u00df die K\u00f6nigsw\u00fcrde in einer gewissen Familie erblich ist. Diese Familie soll jedoch vor wenigen Jahren mit dem letzten Spro\u00df des wendischen K\u00f6nigsstammes, einer alten siebenzigj\u00e4hrigen Frau, ausgestorben sein. Diese alte Frau hat es noch vor ihrem Tode sehr beklagt, da\u00df sie Niemanden offenbaren k\u00f6nne, was sie von der Sache wisse. Auch mehrere Oberlausitzer Wendengeschlechter in der Gegend von Bautzen r\u00fchmen sich k\u00f6niglicher Abkunft, im Spreewalde kn\u00fcpft sich die Sage vom letzten wendischen F\u00fcrsten an den Burgberg im Dorfe Burg, wo er residirt haben soll und wo man allerdings unter andern Alterth\u00fcmern goldene Diademe gefunden hat.<\/span><\/p>\n<p>Einst hat sich ein wendischer Bauer an die Spitze eines aufs\u00e4ssigen Haufens gestellt und sich gleichwie ein K\u00f6nig geberdet. Als n\u00e4mlich im Jahre 1548 Franz von Minkwitz seinen wendischen Unterthanen zu &#8218;Ukro mehr Hofdienste zumuthete, als sie zu leisten schuldig zu sein glaubten, und die Widerspenstigen auspf\u00e4nden lie\u00df, kam die Sache zu einem f\u00f6rmlichen Aufstand. Unter der Anf\u00fchrung eines K\u00f6nigs berathschlagten sie mit einander, beschlossen alle f\u00fcr einen Mann zu stehen und eine Rede zu f\u00fchren und widersetzten sich offen ihrem Herrn. Ein gro\u00dfer Theil der umliegenden wendischen D\u00f6rfer war in diesen Aufstand verwickelt, so da\u00df der Landvoigt seine schwere Hand darauf legen mu\u00dfte, den wendischen K\u00f6nig greifen lie\u00df und ihn am Leibe strafte. Dieser hatte sich verlauten lassen, &#8222;dahin wolle er es wohl noch bringen, da\u00df der Minkwitz ihm huldigen m\u00fcsse.&#8220;<br \/>\nDer gro\u00dfe Churf\u00fcrst Friedrich Wilhelm von Brandenburg hat auch diesem im Verborgenen waltenden K\u00f6nig eifrig nachforschen lassen. Es ist ihm auch einstmals ein kr\u00e4ftiger, schlanker und sch\u00f6ner Wendenj\u00fcngling als ihr K\u00f6nig bezeichnet worden. Ein alter Bauer aber, der den Verrath gemerkt, hat den jungen Menschen zornig angeredet und gesagt: &#8222;Kerl, was stehst Du hier gaffen! gehe an Deine Arbeit&#8220;, ihm mit dem Stock geschlagen und fortgetrieben. So verh\u00fctete er, da\u00df der Churf\u00fcrst der Sache weiter nachforschen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Gosche &#8222;Unser Vaterland&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4chsische Geschichte Prinzenklau im Mittelalter Als Friedrich der Streitbare, Kurf\u00fcrst von Sachsen, im Jahre 1428 auf dem Sterbebett lag, mu\u00df er geahnt haben, da\u00df zwei seiner vier S\u00f6hne, Friedrich und Wilhelm, oft gegens\u00e4tzlicher Meinung waren. &#8222;Ich ermahne euch nochmals ernstlich, da\u00df ihr sollet eintr\u00e4chtig sein, einer dem anderen nachgeben und vergeben. 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