{"id":293,"date":"2018-02-28T14:00:04","date_gmt":"2018-02-28T13:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=293"},"modified":"2018-02-28T14:00:04","modified_gmt":"2018-02-28T13:00:04","slug":"von-zwergen-und-kobolden-in-sachsen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=293","title":{"rendered":"Von Zwergen und Kobolden in Sachsen"},"content":{"rendered":"<h1>Von Zwergen und Kobolden in Sachsen<\/h1>\n<h2>Der Fuhrmann ohne Kopf auf dem Worbisberge bei Oppach<\/h2>\n<p>In der N\u00e4he des Dorfes Oppach in der Oberlausitz wohnte vor alter Zeit ein Fuhrmann, der durch den Flei\u00df wohlwollender Gnomen, die sich in seinem Hause aufhielten, wohlhabend, ja reich geworden war. Der gr\u00fcne Peter &#8211; so nannte man den Fuhrmann nach der Farbe des Anzuges, den er zu tragen pflegte &#8211; wurde dadurch \u00fcberm\u00fcthig, fing mit den Kobolden H\u00e4ndel an und lie\u00df sich endlich sogar einfallen, einen derselben durch wohlapplicirte Fu\u00dftritte aus dem irdischen Jammerthale in&#8217;s himmlische Jenseits zu bef\u00f6rdern. Von nun an verlie\u00dfen die Geister in Taschenformat, die D\u00e4umlinge, oder wie sie sonst hei\u00dfen m\u00f6gen, das Haus, und mit ihnen zog das Gl\u00fcck fort. Peter verarmte und wie es bei feigen Characteren in den Tagen, so uns nicht gefallen, oft geschieht, er verwilderte, suchte Zerstreuung bei der Flasche und in Ausschweifungen aller Art Ersatz f\u00fcr die edleren Freuden, deren sein Gem\u00fcth nicht mehr f\u00e4hig war. Die Leute aber meinten, mit dem Peter werde es kein gutes Ende nehmen, und die Leute hatten Recht: denn als er einst, es war gerade an einem Gr\u00fcnen Donnerstage, mit seinem Gespann von Bautzen zur\u00fcckkehrte, \u00fcberraschte ihn auf offener Landstra\u00dfe ein heftiges Unwetter, dessen Get\u00f6se die erschrockenen Pferde b\u00e4umen machte. Da fluchte nun Peter, der wieder eins \u00fcber den Durst getrunken, \u00fcber alle Ma\u00dfen und wollte sammt seinen Thieren vom Donner erschlagen sein. Und siehe, kaum wa seinem Munde das Frevlerwort entflohen, da \u00f6ffnete sich der Himmel, Blitz und Schlag fiel zugleich, t\u00f6dtete den Berauschten mit seinen Rossen und setzte den Wagen in Brand. Seit dieser Zeit treibt er in gewissen N\u00e4chten, zumeist in der des Gr\u00fcnen Donnerstags, auf dem Worbisberge, wo das Verh\u00e4ngnis ihn ereilte, sein Wesen, erschreckt die Vor\u00fcbergehenden mit Peitschenknall, oder jagt ohne Kopf mit zornigem Gespann, dessen Hufe den Boden zerquetschen, durch die Schauer der Mitternacht, ein ruheloses Wesen der Qual ohne Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Kauffer &#8222;Constit. Zeitung&#8220; 1852<\/p>\n<h2>Der Kobold in der Lausitz<\/h2>\n<p>Der wendische Kobold entspricht vollkommen den deutschen. Er ist ein Hausgeist, der in den Stuben, St\u00e4llen etc. sein Wesen treibt und je nach seiner Neigung den Einwohnern des Geh\u00f6ftes halb Gef\u00e4lligkeiten erweist, indem er ihre Gesch\u00e4fte \u00fcbernimmt und Nachts im Finstern fortarbeitet, bald aber auch Schabernack spielt. Er will nach seinen Launen gut behandelt und wohl gespei\u00dft sein, sonst l\u00e4rmt er im Hause herum, qu\u00e4lt die Leute und schreckt sie Nachts aus dem Schlafe auf, indem er sie durch Poltern aufweckt oder gar aus dem Bette herauswirft. Er soll gern die Gestalt eines Kalbes annehmen, hat aber mit Feuer und Licht nichts zu thun, sondern ist vielmehr ein Geist der Finsterni\u00df, doch soll er auch Kranken des Nachts bei&#8217;m Vollmondschein erscheinen. In Gestalt einer Dohle bringt er Gold. Ihre Wohnung soll auf dem eine Meile von Budissin bei den D\u00f6rfern Rachlau und D\u00f6hlen \u00fcber Meschwitz gelegenen Berge Czorneboh sein, wo ein einzelner mit einer H\u00f6hlung versehener Berg nach ihnen die Koboldskammer hei\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Schmaler &#8222;Volkslieder der Wenden in der Ober- und Niederlausitz&#8220; 1843<\/p>\n<h2>Das Teufelsfenster am Czorneboh<\/h2>\n<p>An einer freien Stelle des westlichen Abhanges des Berges erblickt man zur Rechten am Saume der Nadelwaldund den Anfang einer Felsparthie, die durch eine runde Oeffnung an dem obern Theile des Felsens als das sogenannte Teufelsloch oder Teufelsfenster bezeichnet wird. Aus dieser Oeffnung sollen nach der Sage noch heute kleine Koboldchen chl\u00fcpfen und einen Keller mit unendlichen Sch\u00e4tzen bewachen, weshalb man die Stelle auch zuweilen die Koboldskammer genannt hat. Eine Frau, die mit ihrem Kinde auf den Berg gegangen war, um Waldbeeren zu suchen, hatte Gelegenheit, in den Keller zu gelangen. Sie setzte ihr Kind auf den Boden der H\u00f6hle und raffte die Sch\u00e4tze begierig zusammen. Schreckliches Donnern ersch\u00fctterte die Erde und trieb die Frau angsterf\u00fcllt in&#8217;s Freie. Aber als sie sich umsah, war die H\u00f6hle geschlossen und kein Eingang wieder zu finden. Die arme Mutter lag bei ihren Sch\u00e4tzen, unbek\u00fcmmert um deren Werth, denn sie hatte ihr Kind verloren. Doch nach einem Jahre an demselben Tage stand sie wieder am Teufelsfenster. Der Keller that sich auf und auf dem Boden sa\u00df ihr Kind und spielte. Die Sch\u00e4tze mochten funkeln und gl\u00e4nzen, die Mutter sah sie nicht, sie erblickte nur ihr Kind und entrie\u00df es mit Blitzesschnelle den unterirdischen M\u00e4chten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus K\u00f6hler &#8222;Bilder aus der Oberlausitz&#8220; 1854<\/p>\n<h2>Der Wechselbalg<\/h2>\n<p>Ein Wanderbursche traf auf einsamen Waldwege in der N\u00e4he eines Dorfes ein altes graues M\u00e4nnchen, das an einer Pf\u00fctze kauerte und aus Stra\u00dfenkoth einen menschen\u00e4hnlichen Klumpen formte.<br \/>\n&#8222;Was macht Du da?&#8220; fragte der Bursch. Das M\u00e4nnchen grinste: &#8222;einen Wechselbalg. Im Dorfe dr\u00fcben ist ein sch\u00f6nes Menschenkind zur Welt geboren, das mu\u00df ich haben!&#8220; &#8222;Wie willst Du das anstellen?&#8220; fragte der Bursch. Das M\u00e4nnchen grinste: &#8222;W\u00e4hrend des Essens werde ich sie verlocken, da\u00df sie ohne Dankgebet vom Tische aufstehen und hinauslaufen, da\u00df das Kind alleine bleibt. Dann ist es mein.&#8220;<br \/>\nDer Wanderer ging seines Weges f\u00fcrba\u00df und beschlo\u00df den Teufelsspuk zu verhindern, kam ins Dorf, erfuhr bald das haus, in dem der Storch eingekehrt war, ging hin, traf die Leute beim Mittagessen, und bat sie um ein wenig Spei\u00dfe und die Erlaubni\u00df ein Weilchen bei ihnen bleiben zu d\u00fcrfen, er sei krank und sehr m\u00fcde und erfroren. Die Leute waren mitleidig, gaben ihm zu essen und lie\u00dfen ihn hinter dem Ofen (in der sogenannten H\u00f6lle) Platz nehmen, um sich t\u00fcchtig aufzuw\u00e4rmen.<br \/>\nPl\u00f6tzlich entsteht im Pferdestall ein entsetzliches Schreien und Wiehern, Poltern und Stampfen. Alles eilt best\u00fcrzt hinaus, nur das Wochenkindlein bleibt in seiner Wiege und der Wanderbursche in der H\u00f6lle. Alsbald erscheint der Mann aus dem Walde, ergreift das Kind und legt seinen Wechselbalg in die Betten. ber der Wanderer springt hervor, ringt mit ihm und entrei\u00dft ihm das Kind. Die Eltern kommen herbei, der Unhold entflieht, der Wanderer erz\u00e4hlt nun ausf\u00fchrlich, in welcher Gefahr das Kind gewesen sei und setzt dann, begleitet von den Dankesw\u00fcnschen der Eltern, seinen Wanderstab weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">m\u00fcndlich mitgetheilt von Hr. Dr. Haupt<\/p>\n<h2>Die Kegelschieber auf dem L\u00f6bauer Berg<\/h2>\n<p>Einst besuchten zwei L\u00f6bauer B\u00fcrger ganz allein den Berg und trafen oben zu ihrem Erstaunen eine Menge ganz kleiner Leutlein, welche Kegel schoben und sie h\u00f6chst freundlich und zuvorkommend einluden, mitzuspielen. Es wurde geschoben und geschoben bis sp\u00e4t in die Nacht, und als sich endlich des Spielens m\u00fcde die beiden Herren empfahlen, machten die Zwerge jedem von ihnen eine Kugel zum Geschenk. Diese waren sehr gro\u00df und schwer, so da\u00df des Tragens m\u00fcde der Eine sie alsbald in&#8217;s Geb\u00fcsch warf, der Andere aber kl\u00fcger, schleppte sich damit bis nach Hause und entdeckte hier zur gr\u00f6\u00dften Freude, da\u00df es eine goldene Kugel sei. Er gelangte hierdurch zu ungeheuerem Wohlstand, und seine Nachkommen, die man noch heute in der Stadt L\u00f6bau kennt, erfreuen sich noch jetzt des Segens dieser goldenen Kugel.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Borott &#8222;Der L\u00f6bauer Berg und der Friedrich-August-Thurm&#8220; 1854<\/p>\n<h2>Das Holzweibchen in der Lausitz<\/h2>\n<p>Sowohl die eben genannte b\u00f6se Frau als das Holzweibchen hat eine gro\u00dfe Aehnlichkeit mit der uns schon bekannten Mittagsfrau (unter weitere Naturgeistersagen). In der Zittauer Gegend bei Hainewalde, Dittersbach, Gro\u00dfsch\u00f6nau, Cunnersdorf, Oderwitz erblickt man es oft, wie es in Gestalt einer kleinen zusammengeschrumpften alten Frau mit runzlichem Gesichte, eine Hocke Holz in einem Korbe auf dem R\u00fccken oder Rei\u00dfholz in der Sch\u00fcrze tragend auf eine Stock gest\u00fctzt einher wandelt, oder an Kreuzwegen spinnend oder strickend im Busche sitzt. Wer es h\u00e4\u00dflich nennt oder gar verspottet, den haucht es an, wovon er Beulen und Geschw\u00fcre im Gesichte bekommt, oder hickt ihm, wenn er sich entfernt hat, auf, wovon er lahm wird. Wer es aber lobt oder ihm gar Geschenke reicht, dem vergilt es solche wiederum, schenkt ihm Gespinste oder Strickwaaren, welche sich wunderbar vermehren und Gl\u00fcck und Segen ins Haus bringen. Zuweilen sieht man auch ein verwimmertes M\u00e4nnchen Holz auf dem R\u00fccken tragen, und wenn es die Holzhauer unterst\u00fctzen wollen, ert\u00f6nt ein schallendes Gel\u00e4chter und die Armen versinken im Sumpfe. Diesem schl\u00e4gt die Axt vom Helm, jenem zerspringt das S\u00e4geblatt etc.<br \/>\nEinst h\u00fctete eine Kuhhirtin am Buschrande das Vieh und spann, da bittet ein Buschweibchen sie zu k\u00e4mmen, wof\u00fcr sie ihr auch eine Spille vollspinnen wolle: Beides geschieht. Als nun des Abends die Hirtin das Garn abweift und ein Str\u00e4hn, ein zweiter, ein dritter geweift und noch mehr vorhanden ist, ruft sie aus: &#8222;den Donner, das hat auch gar kein Ende!&#8220; und siehe da, die Unverst\u00e4ndige hatte ihren Lohn weg denn das Garn ging bald auf. Ueberhaupt durfte man bei solchen \u00f6fters als Geschenk von ihnen gew\u00e4hrten Kn\u00e4ulen nicht das Ende aussuchen, weil es dann bald zu finden war, w\u00e4hrend der Knaul, ohne da\u00df darnach geforscht wurde, fortw\u00e4hrend aushielt. Ein gleicher Dienst wurde von einem andern Buschweibchen durch eine Sch\u00fcrze voll Laub belohnt, doch als die Hirtin dieses als unn\u00fctz weggeworfen hat, und nach Hause gekommen, an ihrer Sch\u00fcrze noch ein Goldst\u00fcck bemerkt, sieht sie ein, was sie wegwarf, konnte aber das Weggeworfene nicht wiederfinden. Ein am Forste bei Spitzkunnersdorf pfl\u00fcgender Bauer sieht einst die Buschweibchen eifrig mit Anstalten zum Kuchenbacken besch\u00e4ftigt, und bittet endlich, ihm auch einen solchen zu backen, sie versprachen es, und er fand den Morgen darauf einen sch\u00f6nen Kuchen auf einem Ackerraine.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Preusker &#8222;Blicke in die vaterl\u00e4ndische Vorzeit&#8220; 1845<\/p>\n<h2>Der Zwerg bei H\u00f6rnitz<\/h2>\n<p>Unweit der Stadt Zittau beim Dorfe H\u00f6rnitz liegt ein von Porphyrschieferst\u00fccken wild zusammengeworfener mittelm\u00e4\u00dfig hoher Berg, von welchem man sich folgende Sage erz\u00e4hlt. In der Geisterstunde vom 14. bis 15. Januar d.i. in der Nacht vor St. Vitus, entsteigt diesem bemoosten Felsen unter Donner und Blitz ein \u00e4u\u00dferst ungestalteter Zwerg mit dickem Kopfe, rothen Triefaugen, S\u00e4belbeinen und zwei gewaltigen H\u00f6ckern auf dem R\u00fccken, welcher in der linken Hand einen mit Edelsteinen reich besetzten goldenen Becher, in der rechten aber einen gro\u00dfen Erdmolch h\u00e4lt, und wo denn, im Falle er ihn in den Becher taucht und aus demselben eine blaue Flamme entsteigt, die Umgegend Brandungl\u00fcck trifft; wenn hingegen selbigem Blut entquillt, so ereignet sich in der Gegend eine Mordthat. Der Zwerg dreht \u00fcbrigens den Kopf bald auf diese, bald auf jene Seite, \u00f6ffnet den Mund, als wenn er sprechen wolle, stampft mehrere Male mit dem Fu\u00dfe auf einen gewissen Fleck des Berges, und verschwindet mit einem Seufzer unter Donner und Blitz beim ersten Hahnenrufe. Er kann, da er warnt und Niemandem je geschadet hat, nicht b\u00f6sartig sein, scheint jedoch wohl etwas geiziger Natur zu sein, indem noch nie bekannt geworden ist, da\u00df er Jemandem etwas geschenkt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Gr\u00e4ve &#8222;Volkssagen der Lausitz&#8220;<\/p>\n<h2>Der Veens- oder Feensm\u00e4nnelberg bei Ostritz<\/h2>\n<p>Am rechten Nei\u00dfeufer auf der von Rhonau bis Niederau sich hinziehenden Anh\u00f6he s\u00fcd\u00f6stlich von dem St\u00e4dtchen Ostritz liegt der zu dem Dorfe Blumberg geh\u00f6rige Veens- oder Feensm\u00e4nnelberg. Nach der Volkssage ist dieser Berg ehedem von einem von Statur kleinen V\u00f6lkchen bewohnt gewesen, welches daselbst fr\u00fcher als die Ostritzer ans\u00e4ssig war, und von welchem diese, wenn sie Bier brauen wollten, meist eine Braupfanne zu entleihen pflegten. Als Erkenntlichkeit daf\u00fcr wurde bei der R\u00fcckgabe der letzteren, welche stets bei einem \u00fcber die Nei\u00dfe f\u00fchrenden Steg zur Abholung hingesetzt ward, eine Semmel hineingelegt. Dies freundschaftlich nachbarliche Verh\u00e4ltni\u00df dauerte lange Zeit fort, bis einstmals Jemand die Danksemmel aus der Pfanne und eine Unreinlichkeit daf\u00fcr hineingethan hat. Als in der Folge das St\u00e4dtchen Ostritz in Besitz von Thurmglocken gelangte, und die Feensm\u00e4nnel besonders den Ton der gro\u00dfen Glocke nicht vertragen konnten, haben sie den Berg gemeinsam verlassen, und ihren Weg durch die Altstadt von Ostritz, mithin von Osten nach Westen zu genommen, ihre H\u00e4upter sind bei diesem Zuge mit Melkgelten bedeckt gewesen. Noch zeigt man einen Weg zwischen zwei H\u00e4usern, den sie einschlugen. Oft wird von den dortigen Einwohnern ihrer gespr\u00e4chsweise gedacht, und z.B. von Jemandem in sehr kurzen Kleidern gesagt: er geht wie ein Feensm\u00e4nnel, u. dergl. Im Augenblick der Sacramentswandlung in der Christnacht \u00f6ffnet sich der Berg, dann sieht man eine Schaar kleiner M\u00e4nnchen (nach Andern Greise mit langen wei\u00dfen B\u00e4rten) in kurzen Kleidern in gro\u00dfen Goldhaufen w\u00fchlen, die dem dorthin verschlagenen Wanderer mit eint\u00f6niger Stimme zurufen: &#8222;greif einen Griff und streich einen Strich und packe Dich!&#8220; Wem nun das Gl\u00fcck wohl will, da\u00df er gerade in diesem Augenblicke dahin kommt, der kann sich so viel von den dort aufgeth\u00fcrmten Goldhaufen nehmen, als er mit einem Griff fortbringen kann, aber ja nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus &#8222;Lausitzer Magazin&#8220; 1838<\/p>\n<h2>Zwergsagen in der Gegend um Zittau<\/h2>\n<p>Das fabelhafte Volk der Zwerge (slavisch ludki*) lebt ebenso in den Lausitzer Sagen wie in denen anderer deutscher Provinzen. In der Zittauer Gegend hei\u00dfen sie Querxe, und man nimmt gew\u00f6hnlich kleine H\u00f6hlen und Felsenspalten als ihre Wohnsitze an. So giebt es z.B. am Breitenberge bei Haynewalde ein Querxloch und einen Querxbrunnen, desgleichen bei Dittersbach zwischen Gro\u00dfsch\u00f6nau und dem benachbarten b\u00f6hmischen Dorfe Warnsdorf ein Querxloch etc.<br \/>\nAm Meisten trieben sie sonst ihr Wesen mit den Bewohnern der um den Breitenberg gelegenen D\u00f6rfer, wer Muth hatte, konnte ihr Thun und Treiben n\u00e4her beobachten und es t\u00e4glich sehen, wie einer nach dem andern zum sogenannten Querxloche aus- und einging. Ebenso quollen best\u00e4ndig neue Zwerge aus dem Querxborne heraus. Den benachbarten Dorfbewohnern wurden sie besonders dadurch l\u00e4stig, da\u00df sie sie \u00f6fters, wiewohl unsichtbar, beschmau\u00dften und ihnen Brod und andere Spei\u00dfen aus den H\u00e4usern nahmen. Zum Gl\u00fcck wu\u00dfte man endlich eine Vorkehrung gegen diese Broddiebe ausfindig zu machen; dies war n\u00e4mlich der K\u00fcmmel, denn ein Brod, worin einige K\u00fcmmelk\u00f6rner mitgebacken worden waren, r\u00fchren die Querxe nie an; es hatte dann einen Geschmack, der ihnen zuwider war. Bisweilen sollen sie den Leuten aber auch Geschenke gemacht haben. Einst h\u00f6rten sie von Ungef\u00e4hr, da\u00df ein Bauer aus Bertsdorf, der nicht wiet von ihnen sein Feld bearbeitete, von seiner Frau nach Hause gerufen wurde, um zu einer Hochzeit, zu der sie beiderseits an jenem Tage geladen waren, sich fertig zu machen. Dies lie\u00dfen sich die Querxlein nicht ungesagt sein, sie berathschlagten unter sich und waren bald einig, jene Hochzeit auch insgesammt zu besuchen, und sich einmal einen recht guten Tag auf anderer Leute Unkosten zu machen. Ueberall ruften sie einander zu und erinnerten einander noch ausdr\u00fccklich, die Nebelk\u00e4ppchen nicht zu vergessen und mitzunehmen. Dies h\u00f6rte ein anderer Bertsdorfer Einwohner, der ebenfalls auf dem Felde an des Berges Fu\u00dfe arbeitete, und halb im Spa\u00dfe, halb im Ernste rief er den Querxen zu, auch ihm eine Nebelkappe mitzubringen. Die Querxe lie\u00dfen sich bereitwillig finden, brachten ihm wirklich eine mit, und erlaubten ihm ebenfalls mit zu jener Hochzeit zu gehen, jedoch unter der ausdr\u00fccklichen Bedingung, bei Tische ja von den Ueberbleibseln nichts mit sich zu nehmen, wenn er sich nicht ihren Zorn zuziehen wolle. Uebrigens lie\u00dfen sie ihm in R\u00fccksicht des Essens und Trinkens v\u00f6llige Freiheit. Der Bauer ging mit und lie\u00df sich v\u00f6llig unsichtbar Alles wohlschmecken. Als der Schweinebraten an die Reihe kam, konnte er aber doch der Lust nicht widerstehen, ein St\u00fcckchen f\u00fcr seine Frau und Kinder einzustecken, doch kaum war es geschehen, so ri\u00df ihm ein Zwerg das M\u00fctzchen vom Kopf, und er sa\u00df nun den Hochzeitsg\u00e4sten sichtbar mit unter ihnen in seiner Alltagskleidung am Tische. Man staunte nicht wenig, und als er die Ursache des Mitkommens, und da\u00df auch noch Zwerge zwischen jeden zwei G\u00e4sten s\u00e4\u00dfen, erz\u00e4hlt hatte, war es den letzteren erkl\u00e4rlich, da\u00df jede Sch\u00fcssel immer so bald ausgeleert und auf der Hochzeit so \u00e4u\u00dferst viel gegessen worden sei. Doch der Hausvater z\u00fcrnte nicht, bat vielmehr den Bauer auch f\u00fcr den andern Tag zu Gaste, und obwohl dies nicht bei den Querxen geschehen war, so merkte man dennoch ihre Gegenwart an dem wiederum sehr sichtlichen Abnehmen der aufgetragenen Spei\u00dfen.<br \/>\nUebrigens waren die Querxe nicht immer so begehrlich und gewinns\u00fcchtig, sondern ihre Besuche waren bisweilen vortheilhaft f\u00fcr die Bewohner eines Hauses, z.B. wenn sie sich bei Taufgastm\u00e4hlern und \u00fcberhaupt in Wochenstuben einstellten, dann dr\u00e4ngten sie sich nicht als ungebetene G\u00e4ste zu den Tischen hin, sondern hielten, wenn auch vielleicht nicht f\u00fcr Alle, doch wenigstens f\u00fcr die W\u00f6chnerin sichtbar, ihr eigenes Mahl, entweder unter dem Ofen oder unter dem Bette der W\u00f6chnerin, wo man sie, um die W\u00f6chnerin nicht etwa Gefahren auszusetzen, gern ungest\u00f6rt und in Ruhe lie\u00df. Sie waren auch wohl h\u00f6flich und brachten der W\u00f6chnerin etwas von ihren E\u00dfwaaren, z.B. einen Zwieback, zum Geschenk in&#8217;s Bette. Einst h\u00f6rte eine W\u00f6chnerin, die noch das Bett h\u00fctete, und eben allein in der Stube war, pl\u00f6tzlich ein ungewohntes Ger\u00e4usch in ihrem Zimmer, sie blickte nach der Gegend, von wo es herzukommen schien, und sieht zu ihrem nicht geringen Erstaunen, da\u00df in der N\u00e4he des Ofens unten an der Wand pl\u00f6tzlich eine, nur unbedeutend gro\u00dfe Oeffnung sichtbar wird, und heraus ein kleines graues M\u00e4nnchen ode Querxlein hervorkommt, mit vielen Gr\u00fc\u00dfen ihrem Bette sich nahend. Er redet sie mit H\u00f6flichkeit an, und erbittet sich die Erlaubni\u00df, da\u00df eine Gesellschaft ein Gastmahl in dieser Stube halten m\u00f6ge, und verspricht f\u00fcr die Erlaubni\u00df im Namen Aller erkenntlich zu sein. Die W\u00f6chnerin ertheilt die erbetene Erlaubni\u00df und das M\u00e4nnchen empfiehlt sich mit vielen Begr\u00fc\u00dfungen wieder. Bald darauf h\u00f6rt die W\u00f6chnerin durch jene Oeffnung ein neues noch gr\u00f6\u00dferes Ger\u00e4usch, und das kleine graue M\u00e4nnchen erscheint wieder an der Spitze von einer Menge ebenso kleinen Hausgesindes, das wie gesch\u00e4ftige Ameisen, kleine Tische und St\u00fchle und ganze K\u00f6rbe voll der k\u00f6stlichsten E\u00dfwaaren und Spei\u00dfen durch jene Wand\u00f6ffnung herbeibringt, und nun damit die Tische auf&#8217;s Sch\u00f6nste besetzt. Jetzt erschallen T\u00f6ne aus der Ferne, sie n\u00e4hern sich allm\u00e4lig, und es treten nun, ebenfalls durch jene Oeffnung mehrere Tonk\u00fcnstler mit Saiten- und Blastonwerkzeugen ein, an die sich ein langer bunter Zug von lauter solchen kleinen Wesen anschlie\u00dft. Die Gesellschaft nimmt Platz an den Tischen und h\u00e4lt ein lebhaftes vergn\u00fcgtes Mahl unter der angenehmsten Tischmusik. Nach aufgehobener Tafel et\u00f6nt eine muntere Tanzmusik, und schon fangen die kleinen Leutchen an sich bunt durch einander zu drehen und zu schwenken, als pl\u00f6tzlich ein neues Querxlein in&#8217;s Zimmer gest\u00fcrzt kommt, die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopfe zusammenschl\u00e4gt und voller Betr\u00fcbni\u00df ausruft: &#8222;O gro\u00dfe Noth, o gro\u00dfe Noth! Die alte Mutter Pump ist todt!&#8220; Wie ein Donnerschlag t\u00f6nt dies den kleinen G\u00e4sten in den Ohren, so schnell als m\u00f6glich nimmt jeder die Flucht. Alles was von den Sachen da war, wird eiligst hinweggeschafft, und zwar Alles zu der Oeffnung wieder hinaus, wo es hereingekommen war. Die ganze Stube war nun wieder leer und einsam, nur jenes kleines Wesen, das allem Anschein nach die Stelle eines Gepr\u00e4ngmeisters bekleidete, war noch zu sehen; es kam auf die W\u00f6chnerin zu, erz\u00e4hlte ihr, da\u00df der pl\u00f6tzliche Tod der Ahnfrau ihres Stammes sie in Schreck und gro\u00dfe Betr\u00fcbnis versetzt habe, und da\u00df sue nun ehr ungl\u00fccklich werden k\u00f6nnten; es bedankte sich \u00fcbrigens h\u00f6flich f\u00fcr die ertheilte Erlaubni\u00df des Zutritts in die Wochenstube, und schenkte der W\u00f6chnerin im Namen der ganzen Gesellschaft zum Danke daf\u00fcr drei Geschenke, n\u00e4mlich einen goldenen Ring, einen silbernen Becher und ein Waizenbr\u00f6dchen. Diese drei Dinge, sagte das M\u00e4nnchen, seien von der gr\u00f6\u00dften Wichtigkeit, denn so lange sie alle drei vereint in dem Stamme bleiben w\u00fcrden, werde er immer gr\u00f6\u00dfer, angesehener und reicher werden, und Gl\u00fcck und Ruhm werde sein Eigenthum sein. Sie m\u00fc\u00dften daher alle drei als ein werthvolles Heiligthum betrachtet und sorgf\u00e4ltig aufbewahrt werden, der Ring aber solle allemal in dem Geschlechte des \u00e4ltesten Sohnes verbleiben und von dessen Gemahlin getragen werden. Hierauf empfahl sich sich das M\u00e4nnchen h\u00f6flichst wieder, und verschwand durch die bewu\u00dfte Oeffnung und diese mit ihm. Der W\u00f6chnerin war es, als ob sie aus einem Traume erwache, und sie w\u00fcrde auch Alles f\u00fcr einen Traum gehalten haben, wenn nicht die drei Geschenke ihr so in die Augen gegl\u00e4nzt h\u00e4tten. Sie rief nun ihre ganze Sippschaft zusammen, und man berathschlagte, wie diese Kostbarkeiten am Besten zu verwahren seien. Es ward ein fester steinerner Thurm erbaut, und der silberne Becher und das Waizenbr\u00f6dchen tief in seinem Innersten verwahrt, so da\u00df Niemand im Stande war, diese heilbringenden Gaben dem Stamme zu entwenden, den Ring aber trug die, der er geschenkt worden war, unabl\u00e4ssig an der Hand. Nach ihrem Tode aber erbte er als ein Altersantheil der Vorschrift gem\u00e4\u00df von Glied zu Glied fort, und da\u00df man das Gl\u00fcck, welches ihnen von Jahr zu Jahr immer sch\u00f6ner erbl\u00fchte, nur einem h\u00f6heren Schutze zuschreiben konnte. Siehe, da war einst die Besitzerin dieses Ringes so unvorsichtig, ihn zu verlieren, und alles Nachsuchens ungeachtet war er schlechterdings nicht wieder aufzufinden. Trostlos brach die Familie in Klagen aus, und f\u00fcrchtete den Zorn jener Wesen, deren H\u00fclfe sie sich bisher zu erfreuen gehabt hatten. Mit Recht, denn ein Ungewitter erhob sich pl\u00f6tzlich \u00fcber jenem alten Thurme, der als Trutz- und Schutzwehr dieser Geschenke galt, spaltete ihn nach einem furchtbaren Blitz und Gekrach von oben bis unten, und verschlang in einem Nu die verehrten Heiligth\u00fcmer. Von diesem Augenblicke aber ging der Verhei\u00dfung nach der Stern dieses Geschlechtes unter, denn mit dem Besitze dieser Geschenke war auch seine Gr\u00f6\u00dfe und Wohlstand f\u00fcr immer dahin.<br \/>\nAehnliche Geschichten werden \u00fcbrigens von verschiedenen Adelsgeschlechtern erz\u00e4hlt (s. Grimm, deutsche Sagen Nr.35. 41. u. oben Nr. 395), nur mit dem Unterschiede, da\u00df in einer Familie der Ungl\u00fccksbote gerufen haben soll: &#8222;der K\u00f6nig ist todt,&#8220; und in einer andern wieder: &#8222;Urban ist todt.&#8220;<br \/>\nZu dem Besitzer der am Berge bei Dittersbach auf dem Eigen in der Oberlausitz gelegenen Halbhufe kam einst, w\u00e4hrend er ackerte, ein Zwerg und bat ihn, es H\u00fcbel (einem weiblichen Zwerg) zu sagen, da\u00df Habel (ein m\u00e4nnlicher Zwerg) gestorben sei. Als nun der Bauer diesen ihm sonderbaren Vorfall beim Mittagsessen erz\u00e4hlt, kommt ein bisher nie bemerktes Weiblein aus einem Winkel der Stube zum Vorschein, eilt wehklagend zum Hause hinaus und den Berg hinauf,ohne da\u00df man es je wieder gesehen hat.<br \/>\nUebrigens hei\u00dft es in einer alten Chronik des Eigenschen Kreises also: &#8222;Die Einwohner melden, da\u00df von der Zeit, ehe die gro\u00dfe Glocke (n\u00e4mlich zu Dittersbach) ist gegossen worden, so geschehen 1514, im Dietrichsberge Zwerge gewohnt haben. Sie sind oft in&#8217;s Dorf gekommen und haben sich in die H\u00e4user und Stuben verf\u00fcget, also da\u00df die Leute ihrer gar gewohnt gewesen, nachdem aber die Glocke gegossen und gel\u00e4utet worden, hat sie der harte Schall des Erzes, welchen sie nicht erdulden k\u00f6nnen, vertrieben, da\u00df man derselben keines mehr gesp\u00fcret hat.&#8220; Die, welche auf oder in dem breiten Berge hausten, pre\u00dften aus dem nahen Dorfe Haynewalde einen Bauer mit ein paar Wagen und lie\u00dfen sich fortfahren (nach B\u00f6hmen). Die beiden Wagen wurden gepfropft voll, denn die ganzen Querxe hinge sich darauf und daran, so da\u00df an jeder Latte und jeder Speiche ein Querxlein hing. Den Bauer, der diese Fuhre \u00fcbernahm, belohnten sie sehr reichlich, so da\u00df er dadurch zu einem reichen Manne wurde, und alle seine Nachkommen sich dieses Gl\u00fcckes noch erfreuen konnten. Die Querxe sagten beim Abschiede, dann w\u00fcrden sie wiederkommen, wenn die Glocken wieder w\u00fcrden abgeschafft sein, und &#8222;Wenn Sachsenland (d.h. die Lausitz) wieder k\u00e4m&#8216; an B\u00f6hmerland&#8220;, dann, meinten sie, w\u00fcrden auch bessere Zeiten sein.<br \/>\nUebrigens soll sich alle f\u00fcnf Jahre um 11 Uhr in der Nacht von Johannis Enthauptung auf jenem Berge eine Art Leichenzug sehen lassen. Ist n\u00e4mlich der Mitternachtsstunde letzter Ton verhallt, so entsteigt dem daselbst befindlichen sogenannten Querxloche eine Menge in tiefste Trauer geh\u00fcllte Zwerge. Lange Fl\u00f6re entwallen ihren kleinen runden H\u00fctchen, acht Mann, welche ged\u00e4mpften Posaunen Klaget\u00f6ne entlocken, schreiten voran, ihnen folgt ein langer Zug, in dessen Mitte unter Vortritt eines Vornehmern als die andern sechzehn Zwerge, die das Sargtuch tragen, und denen eben so viel zur Seite stehen, ein offener Sarg folgt, in welchem ein ebenfalls so kleines todtes M\u00e4nnchen mit Silberhaaren und Bart, eine Krone auf dem Haupte und einen Scepter in der rechten Hand, liegt. Mit Blumen aus arabischem Golde und wundervollen k\u00f6stlichen Edelsteinen ist der Sarg geschm\u00fcckt. Nachdem sie dreimal in die Runde gezogen sind, wird der Sarg, nachdem er geschlossen, wiederum unter Wehklagen der Erde \u00fcbergeben. Ist der Sarg in die Erde versenkt, so reinigen sich die Zwerge in dem daselbst befindlichen Querxborne, ordnen sich in Reihe und Glied, die Trauermusik beginnt, und nach und nach verschwinden sie wieder im Querxloche.<br \/>\n* Die vor dem Berliner Thore von L\u00fcbben befindliche H\u00fcgelkette hei\u00dft jetzt noch die Ludjenberge, weil die Zwerge in ihnen ihren Aufenthalt gehabt haben sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus &#8222;Lausitzer Magazin&#8220; 1823; Liebusch &#8222;Chronik von Senftenberg&#8220; 1827; &#8222;Lausitzer Monatsschrift&#8220; 1797<\/p>\n<h2>Die Zwerghochzeit<\/h2>\n<p>Wenn man von Gau\u00dfig nach Neukirch geht, kommt man \u00fcber eine mit verschiedenen H\u00f6lzern bewachsene Anh\u00f6he, links neben derselben erblickt man aber einen freien, mit Wiesenblumen bedeckten Platz, gew\u00f6hnlich der Tanzplatz genannt. Von diesem erz\u00e4hlt man, da\u00df in der Bartholom\u00e4usnacht auf einmal ein dichter Nebel von der Erde aufsteigt, aus welchem nach und nach kleine niedliche Gesch\u00f6pfe beiderlei Geschlechts auftauchen, in das n\u00e4chste Buschwerk schl\u00fcpfen und dann, wenn der Nebel verschwunden ist, Paar und Paar unter Vortritt von Spielleuten aus dem Dickicht kommen, ein sch\u00f6n geschm\u00fccktes Brautpaar mit ich f\u00fchren, dreimal im Kreise herumziehen, sich dann an eine reich besetzte Tafel setzen, an welcher Braut und Br\u00e4utigam den Ehrenplatz einnehmen, sich an Spei\u00df und Trank g\u00fctlich thun, und nach beendigter Mahlzeit in lustigem Reigentanze sich umherschwenken, bis sie, wenn der Fr\u00fchnebel aufsteigt, in ihre unterirdische Wohnung zur\u00fcckkehren. Wer ihnen durch Zufall in den Weg gef\u00fchrt wird, den beschenken sie reichlich, wer sie aber belauern will, der b\u00fc\u00dft seinen Vorwitz mit einem Buckel voll Pr\u00fcgel.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Winter &#8222;Constitut. Zeitung&#8220; 1854<\/p>\n<h2>Das Silbergeschenk<\/h2>\n<p>Im Jahre 1600 am Tage St. Peter und Paaul ward ein armes M\u00e4dchen aus Brauna von ihren Aeltern ausgeschickt, um Holz zur Feuerung zusammenzulesen. Es war eine grimmige K\u00e4lte, und das M\u00e4dchen sputete sich gewaltig, wieder nach Hause zu kommen. Mit einer schweren Last beladen trat sie den Heimweg an, allein es erhob sich auf einmal so ein gewaltiges Schneegest\u00f6ber, da\u00df sie keinen Schritt vor sich sehen konnte. Dadurch kam sie aber von ihrem Wege ab, allein als sie von dem rechts auf dem Wege von Camenz nach Schwosdorf liegenden Berge ein Licht schimmern sah, ging sie darauf los, und hier trat ihr ein kleines M\u00e4nnchen in den Weg, welches sie fragte, was sie da trage und wo sie hin wolle. Auf ihre Klagen wegen ihrer Armuth antwortete er damit, da\u00df er ihr befahl, ihm zu folgen, vorher aber ihren Korb leer zu machen. Sie kletterte ihm nun den Berg hinauf nach, und als sie oben angekommen war, sah sie wie aus einer Oeffnung des darauf liegenden gegen 5 Ellen hohen Steinklumpen bei einem hellen Feuer eine Menge Silberm\u00fcnzen heraussprangen. Hier sch\u00fcttete ihr das M\u00e4nnchen selbst ihren Korb aus, und befahl ihr, denselben mit dem Silber anzuf\u00fcllen, und als sie sich anfangs weigerte, weil sie das M\u00e4nnchen f\u00fcr einen b\u00f6sen Geist hielt, f\u00fcllte es selbst ihren Korb mit den Silberst\u00fccken, half ihr denselben auf den R\u00fccken, und brachte sie bis an das haus ihrer Aeltern. Als sie nun im Dorfe von ihrem gehabten Gl\u00fccksfalle erz\u00e4hlte, da zogen die Bauern in Masse hinaus, um ebenfalls nachzugraben, allein keiner fand etwas, und so h\u00f6rte das Wallfahren der Habs\u00fcchtigen dahin bald wieder auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Gr\u00e4ve &#8222;Volkssagen der Lausitz&#8220;<\/p>\n<h2>Das Holzweibchen zu Thiemendorf<\/h2>\n<p>In dem Gebirge bei Thiemendorf lebte ehedem das Geschlecht der Holzweibchen, klein von Gestalt und mit goldfarbigem, langem Haar. Dann und wann erschienen sie den Hirten, die am Saume des Waldes ihre Heerden h\u00fcteten. Einmal ist ein solches Weibchen gegen den Herbst zu einem Bauern gekommen, und hat den Winter \u00fcber bei ihm gewohnt. Als jedoch der Fr\u00fchling kam, der die V\u00f6gel wieder in&#8217;s Land lockt und das Gras und die Blumen hervorsprie\u00dfen hei\u00dft aus der schwarzen Erde, da ist ein anderes Weibchen am Fenster der H\u00fctte erschienen und hat gerufen: &#8222;Deutoseu!&#8220; Auf dieses Wort ist das Holzweibchen in der H\u00fctte seiner Schwester drau\u00dfen gefolgt, und man hat beide seitdem nie wieder gesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus K\u00f6hler &#8222;Bilder aus der Oberlausitz&#8220;<\/p>\n<h2>Das Weihnachtsgeschenk<\/h2>\n<p>Wenn man von Budissin nach G\u00f6rlitz geht, erblickt man ohnweit des Pfarrdorfes Krischa linker Hand einen mit Nadel- und Laubholz bepflanzten Platz, auf dem vor ohngef\u00e4hr 100 Jahren noch eine Bets\u00e4ule stand, die eine nicht mehr lesbare Inschrift trug. Der Ursprung derselben wird aber also erz\u00e4hlt. Es soll einst am heiligen Christabend ein armer B\u00fcrger aus Budissin nach G\u00f6rlitz gegangen sein, um dort einiges Geld f\u00fcr von ihm dorthin gelieferte Arbeit zu holen. Allein wie ward ihm, als er dasselbe nicht erhielt, und dadurch seine Hoffnung, f\u00fcr seine sechs kleinen Kinder einige Christstollen zu kaufen, in den Born fiel. Traurig und mit banger Sorge vor dem kommenden Winter kehrte er in sp\u00e4ter Abendstunde in seine Vaterstadt zur\u00fcck, da sah er, da\u00df das rechts bei Krischa liegende Geb\u00fcsch mit einer Unzahl heller Lichter erleuchtet war. Er begriff allerdings nicht, was dies sein k\u00f6nnte, allein er fa\u00dfte sich ein Herz und ging muthig auf das Geb\u00fcsch los, um zu sehen, was die Lichter zu bedeuten h\u00e4tten. Da trat ihm am Eingange desselben ein kleines kaum vier Spannen hohes M\u00e4nnchen entgegen, gr\u00fc\u00dfte ihn und rief ihm zu, er m\u00f6ge nur n\u00e4her kommen, es sei ihm heute eine gro\u00dfe Freude bescheert. Der arme Mann lie\u00df sich dies auch nicht zweimal sagen, er trat unter die B\u00e4ume, und sah die kleinen Fichten ganz wie die Lichterb\u00e4ume in der Stadt mit Aepfeln, N\u00fcssen, Mandeln, Zuckerwerk und Honigkuchen behangen. Das M\u00e4nnchen lud ihn nun ein, sich davon so viel zu nehmen, als er wolle, um seinen Leuten zu Hause eine Weihnachtsfreude zu bereiten, und so f\u00fcllte er sich denn den Sack, den er zum Tragen der Stollen bestimmt hatte, mit diesen wunderlichen Weihnachtsgaben an und machte sich auf den Weg nach seiner Heimath, nachdem er noch ausdr\u00fccklich die Lichter an den B\u00e4umen hatte ausl\u00f6schen sehen. Je n\u00e4her er aber der Stadt kam, desto schwerer ward der Sack, und kaum vermochte er sein Haus zu erreichen, doch h\u00fctete er sich wohl, etwas aus jenem wegzusch\u00fctten, um sich seine B\u00fcrde zu erleichtern. An der Th\u00fcre kamen ihm schon seine Kleinen entgegen, welche lange schon auf ihn gelauert hatten, weil sie wu\u00dften, da\u00df er ihnen einen heiligen Christ hatte mitbringen wollen, schnell warf er nun den Sack von den m\u00fcden Schultern, allein wie ward ihm, als beim Oeffnen, statt der Aepfel, N\u00fcsse etc., die er darin zu finden gedachte, eine Masse alter Goldm\u00fcnzen herauskollerten. Damit war aber aller ihrer Noth ein Ende gemacht, nun konnte er seinen Kindern nicht blos Christstollen, sondern \u00fcberhaupt Alles kaufen, was sich sein Herz w\u00fcnschte. Er wendete aber das Geschenk des kleinen M\u00e4nnchens wohl an, er errichtete zur Erinnerung an jene himmlische Weihnachtsbescheerung an jener Stelle eine Bets\u00e4ule, trieb sein Handwerk &#8211; er war ein Strumpfwirker &#8211; derma\u00dfen in&#8217;s Gro\u00dfe, da\u00df dasselbe \u00fcberhaupt in seiner Vaterstadt geh\u00f6rig in Schwung kam, und ward der Ahnherr einer der angesehnsten und wohlhabendsten Familien der Stadt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Winter &#8222;Constitut. Zeitung&#8220; 1853<\/p>\n<h2>Die Zwerge in der Raudam\u00fchle<\/h2>\n<p>In der Raudam\u00fchle bei Eisenberg hielten sich vor langen Jahren eine gro\u00dfe Menge Zwerge auf, die aber dem Hause Gl\u00fcck brachten und darauf sahen, da\u00df immer darin Alles in gutem Stande war. Sie hielten auch das Vieh blank und rein, sorgten daf\u00fcr, da\u00df der M\u00fchle es nie an ausreichendem Wasser fehlte, da\u00df das Mehl recht wei\u00df war und da\u00df der M\u00fcller immer seine sichern Mahlg\u00e4ste hatte, da\u00df in der K\u00fcche und im Garten zur rechten Zeit alle Arbeit gemacht war. daf\u00fcr verlangten sie aber auch, da\u00df ihnen t\u00e4glich an einen gewissen, von ihnen bestimmten Ort ein K\u00f6rbchen mit Obst und ein sch\u00f6n gelb gebr\u00e4untes Wei\u00dfbrot hingesetzt ward, welches dann von ihnen verzehrt wurde. Auch wenn Kuchen gebacken wurde, verlangten sie ihren Theil davon, und bekamen sie ihn einmal nicht, so konnten die M\u00fcllersleute darauf rechnen, da\u00df ihnen die Kobolde irgend einen Schabernack zuf\u00fcgten, dies wu\u00dften sie auch und darum verga\u00dfen sie nie, denselben ihren Tribut darzubringen. Nun hatten sie aber in Erfahrung gebracht, da\u00df die Zwerge keinen K\u00fcmmel im Brode leiden konnten, war je einmal es versehen worden und K\u00fcmmel hineingekommen, so h\u00f6rte man die ganze Nacht hindurch Jammern und Klagen in der M\u00fchle. Inzwischen kam eine junge Frau ins Haus und als diese von ihrem Manne diese Eigenth\u00fcmlichkeit ihrer kleinen Hausgenossen geh\u00f6rt hatte, beschlo\u00df sie diesselbe zu benutzen, um vielleicht so ihren Wunsch, die kleinen Leute einmal zu sehen zu bekommen, zu erreichen. Sie setzte ihnen also eines Abends ein sch\u00f6nes gelbbraunes knuspriges Br\u00f6tchen hin, in welches sie aber absichtlich eine Menge K\u00fcmmel hineingebacken hatte, die Zwerge a\u00dfen es auch, aber es bekam ihnen schlecht, man h\u00f6rte die ganze Nacht hindurch ihr Klagen und St\u00f6hnen. Am MOrgen aber als die M\u00fcllerin ihrem Manne ihren losen Streich erz\u00e4hlte, da schlug er die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopfe zusammen und rief: &#8222;Frau, was hast du gethan? Du hast die guten Zwerge beleidigt, mit unserm Gl\u00fcck ist es aus!&#8220; Und so war es auch, die folgende Nacht zogen die Zwerge auf Nimmerwiederkehr mit Sack und Pack auf und davon und von Stund&#8216; an wich der Segen von der M\u00fchle, der M\u00fcller verarmte, da die Mehlg\u00e4ste immer seltener wurden, weil kein feines Mehl mehr gemacht werden konnte, und die M\u00fcllerin selbst starb bald nachher.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Gre\u00df &#8222;Holzlandsagen&#8220;<\/p>\n<h2>Das Graum\u00e4nnchen<\/h2>\n<p>Ein Graum\u00e4nnchen gesellte sich einst zur Ronneburger Botenfrau und verlangte, neben ihrem Karren herh\u00fcpfend, diesen ziehen zu d\u00fcrfen &#8211; erst bei einem Kreuzwege verschwand es.<br \/>\nF\u00fcr einen fremden Gesellen, der in Ronneburg in Arbeit stand, webte des Nachts ein graues M\u00e4nnchen. Der Meister sah nun einst durchs Schl\u00fcsselloch, wem er das sch\u00f6ne Zeug eigentlich danke und jagte den Gesellen, der immer nur geschlafen hatte, aus dem Hause. Aber da ist auch das Graum\u00e4nnchen weggeblieben und mit dem Wohlstande im Hause war es auch aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Eifel &#8222;Voigtl\u00e4ndisches Sagenbuch&#8220;<\/p>\n<h2>Das Brod mit harten Thalern<\/h2>\n<p>Einst gingen zwei Bauerweiber, die leeren Tragk\u00f6rbe auf dem R\u00fccken, von Steinsdorf, einem D\u00f6rfchen an der Saale in der N\u00e4he der Stadt Leutenberg, in die nahegelegene Waldung und besprachen sich freundlich mit einander \u00fcber ihre h\u00e4uslichen Gesch\u00e4fte. Beide wollten am n\u00e4chsten Morgen f\u00fcr ihr Gesinde und Angeh\u00f6rigen Brod backen. Da wurde mit einem Male ein Waldweibchen ihnen zur Seite sichtbar, bat und sprach:<br \/>\nBackt doch ein Brod,<br \/>\nAuch mir in meiner Noth,<br \/>\nGro\u00df oder klein,<br \/>\nAm Besten wie ein halber M\u00fchlstein.<br \/>\n&#8222;Ach, liebe Frau! wir haben selbst M\u00e4uler genug zu f\u00fcttern!&#8220; lautete die Antwort der B\u00e4uerinnen, &#8222;der Ofen langt kaum zu, um Brod genug f\u00fcr uns zu backen&#8220;. &#8222;Darum wi\u00dft Ihr auch, wie Mangel thut und Armuth dr\u00fcckt&#8220;, erwiderte die kleine Bettlerin, &#8222;erbarmt Euch doch, backt mir ein Brod und legt es morgen hierher auf diesen dreifach bekreuzten Stock&#8220;. Weg war nach diesen Worten das wunderbare Wesen. Die Bauernfrauen besprachen sich hin und her, was zu thun sei, allein gro\u00dfm\u00fcthig meinten sie zuletzt, sie d\u00fcrften doch das arme Ding nicht vergebens Brod auf leerem Stocke suchen lassen, und bucken aus ihrem Vorrath von Mehl gemeinschaftlich ein Brod so gro\u00df wie andere Brote auch. Drauf gingen sie und trugen es in den Wald an den bemerkten Ort.<br \/>\nNach drei Tagen machten nun jene Weiber denselben Weg ins Holz. Da fiel ihnen das Brod ein: &#8222;wird es denn das Waldweibchen geholt haben?&#8220; sie sahen nach, aber die ihnen so schwer gewordene Gabe lag noch unanager\u00fchrt, wie es schien, auf derselben Stelle. Hatte die kleine Frau sie blos zum Besten gehabt mit ihrer Bitte und die Gabe nun verschm\u00e4ht? war die Hilfe zu sp\u00e4t f\u00fcr die Leidende gekommen? oder war sie zuletzt eine Beute Berndietrichs geworden? Die eine M\u00f6glichkeit wie die andere bek\u00fcmmerte die guten Bauerweiber. Unrecht aber, das sahen sie ein, w\u00e4re es gewi\u00df, wenn sie das liebe Gut noch l\u00e4nger drau\u00dfen liegen lassen wollten. Sie nahmen also das Brod auf, aber, hilf Himmel! wie schwer war es doch geworden; es konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Neugierig schnitten die sich verwundernden Weiber den Laib Brodes auf, aber siehe, lauter harte Thaler rollten daraus hervor. Wer war froher erschrocken als die Beiden? Redlich wurde der reiche Lohn ihrer Gutherzigkeit von ihnen getheilt; es war Geldes genug f\u00fcr ihr beiderseitiges Auskommen auf lange Zeit hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus B\u00f6rner &#8222;Volkssagen aus dem Orlagau&#8220; 1838<\/p>\n<h2>\nDie Sagen von Scheibenberge und seinem Zwergk\u00f6nig.<\/h2>\n<p>Das St\u00e4dtchen Scheibenberg im Obererzgebirge hat seinen Namen von dem an seiner nordwestlichen Seite befindlichen tafelf\u00f6rmigen Basaltberge gleiches Namens. Derselbe soll von Zwergen bewohnt sein und reiche Sch\u00e4tze in sich schlie\u00dfen. So trug es sich zu, da\u00df im Jahre 1605 M. Lorenz Schwabe, Pfarrer in Scheibenberg, mehrere G\u00e4ste aus Annaberg bei sich hatte und seine Frau etliche darunter befindliche Freundinnen \u00fcber und um den Scheibenberg f\u00fchrte, um ihnen die Gegend zu zeigen. Sie trafen ein Loch darin an, in welches drei Stufen f\u00fchrten, und in diesem lag ein gl\u00e4nzender Klumpen wie gl\u00fchendes Gold. Dar\u00fcber erschracken sie, gingen eilends wieder heim und f\u00fchrten den Pfarrer sammt den G\u00e4sten heraus, konnten aber das Loch nicht wieder finden. Allerdings befindet sich auch an der Morgenseite des Berges eine Art H\u00f6hle, das Zwergloch genannt. Darin wohnten sonst der Sage nach viele Zwerge, deren K\u00f6nig Oronomassan (nach Anderen Zembokral) hie\u00df. Sie waren nicht \u00fcber 2 Schuh lang und trugen recht bunte R\u00f6ckchen und H\u00f6schen. Es schien ihr gr\u00f6\u00dftes Vergn\u00fcgen zu sein, die Leute zu necken; sie thaten aber auch Manchem viel Gutes und halfen vorz\u00fcglich frommen und armen Leuten. Einst im Winter ging ein armes M\u00e4dchen aus Schlettau in den am Fu\u00dfe des Scheibenbergs gelegenen Wald, um Holz zu holen. Da begegnete ihr ein kleines M\u00e4nnchen mit einer goldenen Krone auf dem Haupte, das war Oronomassan. Er gr\u00fc\u00dfte das M\u00e4dchen und rief gar kl\u00e4glich:&#8220;ach, Du liebe Maid, nimm mich mit in Deinen Tragkorb! Ich bin so m\u00fcde, und es schneit und ist so kalt, und ich wei\u00df mir keine Herberge!Drum nimm mich mit zu Dir in dein Haus!&#8220; Das M\u00e4dchen kannte den Zwergk\u00f6nig zwar nicht, aber da er so flehentlich bat, so setzte sie ihn in ihren Tragekorb und deckt ihre Sch\u00fcrze \u00fcber ihn, damit es ihm nicht auf den Kopf schneien m\u00f6chte. Darauf nahm sie den Korb auf den R\u00fccken und trat den R\u00fcckweg an. Aber das M\u00e4nnchen in dem Korbe war centnerschwer und sie musste alle Kr\u00e4fte zusammen nehmen, da\u00df sie die Last nicht erdr\u00fcckte. Als sie nach Hause gekommen, setzte sie den Tragkorb keuchend ab, und wollte nach dem M\u00e4nnchen darin sehen, und deckte ihre Sch\u00fcrze ab. Aber wer schildert ihr freudiges Staunen? Das M\u00e4nnchen war fort und statt seiner lag in dem Tragkorbe ein gro\u00dfer Klumpen gediegenen Silbers.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Lehmann &#8222;Obererzgebirgischer Schauplatz&#8220;<\/p>\n<h2>Das M\u00e4nnchen in der Grube zu Johann Georgenstadt.<\/h2>\n<p>Am 7. August des Jahres 1719 arbeitete in dem Bergwerke zur Treuen Freundschaft vor dem tiefen Ort der H\u00e4uer Johann Christoph Schlott, und da man zu Mittag auspocht, h\u00f6rt er gegen den Schacht noch Jemanden husten, meint daher, es werde der Steiger vor Ort fahren, solches in Augenschein zu nehmen. Nach dem sich aber gleichwohl Niemand einstellt, will er auch ausfahren, und als er sich kaum umgewendet, nimmt er wahr, wie ihm Jemand vom Schacht her mit brennendem Grubenlichte entgegenkommt, welches Schlotten in seinem vorigem Wahn, da\u00df es der Steiger sei, best\u00e4rkt. Doch da sie endlich Beide auf der Strecke zusammensto\u00dfen, nimmt jener wahr, da\u00df es ein sehr kleiner Mann in einem braunen Kittel ist, der eben, in dem er an Schlotten vorbeif\u00e4hrt, sein Grubenlicht an`s Gestein h\u00e4ngt, so auch alsogleich h\u00e4ngen bleibt, nicht weniger auch die Tasche ablegt und zu Schlotten spricht: &#8222;ist schon Schicht?&#8220; denn die Bergleute fuhren an diesem Tage wegen der Beerdigung des Hammerwerksbesitzers J. Chr. Fischers eine Stunde fr\u00fcher aus. Ueber sothaner Anrede \u00fcberf\u00e4llt aber Schlotten ein Schauer, er eilt also davon und trifft keinen Arbeiter mehr in der Grube an, er z\u00e4hlt diese Begebenheit darauf den Steiger, der zwar anfangs nebst den anderen Arbeitern ihm nur schlechten Beifall giebt, endlich aber mu\u00df Schlott den Ort zeigen, woran das M\u00e4nnchen sein Grubenlicht gehangen, und weil man daselbst ein Kl\u00fcftlein wahrnimmt, wird ein Schu\u00df gebohrt, welcher auch sofort von Erz zeigt, und hat man hierauf unterschiedliche Quartale davon gute Lieferungen thun k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Engelschall &#8222;Beschreibung von Johann-Georgenstadt&#8220; 1724<\/p>\n<h2>Die R\u00e4uberh\u00f6hle am Schafteiche zu Glauchau.<\/h2>\n<p>In der N\u00e4he von Glauchau befindet sich der sogenannte Schafteich, der fast eine halbe Stunde im Umfang hat und beinahe den ganzen ebenen Raum zwischen dem Schneeberge, der Mulde und der Lungwitz einnimmt. Nahe bei diesem Teiche befindet sich eine Art Stolln, der weit hinein in die Erde reicht, und den man gew\u00f6hnlich die R\u00e4uberh\u00f6hle nennt. In derselben soll es aber nicht geheuer sein. So erz\u00e4hlt man, da\u00df einst ein armer Hirtenknabe an jener H\u00f6hle fast t\u00e4glich gespielt und oft von brennender Neugierde gequ\u00e4lt worden sei, einmal hinein zu kriechen, um zu wissen, was denn eigentlich darin sei. Nun getraute er sich aber, so beherzt er sonst auch immer war, doch nicht so recht hinein, weil er den R\u00fcckweg zu verfehlen dachte. Da sah er einmal eine schwarze, goldgesprenkelte Henne in den Eingang kriechen und gackern, gerade als wenn sie legen wollte. In der Hoffnung, ihr Nest zu finden, folgte er ihr einige Schritte, allein bald ward es ihm zu unheimlich und zu finster und so kehrte er wieder um. Da er nun aber die Henne auch die n\u00e4chsten Tage immer wieder an demselben Orte fand, so dachte er dar\u00fcber nach, wie ihm wohl die Henne den Weg in das Innere der H\u00f6hle zeigen k\u00f6nne. Er nahm also einen starken Kn\u00e4uel Garn und band der Henne einen Faden desselben an das Bein, und diese zog ihn nun ganz langsam, gerade als ob sie seine Absicht merke, hinter sich in die H\u00f6hle. Schon war aber das Garn fast ganz abgeweift, da sah er auf einmal vor sich ein brennendes Licht. Allein wie ward ihm, als er bemerkte, da\u00df dasselbe aus den Augen eines schwarzen zottigen gro\u00dfen Hundes mit furchtbarem Rachen und scharfen Klauen ausstr\u00f6me! Neben demselben stand aber ein M\u00e4nnchen in einem grauen M\u00e4ntelchen, das hatte einen gro\u00dfen Sack Geld in der Hand und rief ihm zu, er m\u00f6ge nur n\u00e4her kommen. Allein der Knabe wagte es nicht, und nur erst, als das M\u00e4nnchen ihm nochmals zurief, er k\u00f6nne es ohne Gefahr thun, wagte er es. Hierauf reichte ihm der Graumantel eine Hand voll Thaler und sagte, er k\u00f6nne hierher so oft kommen, als er wolle, er solle jedesmal eine gleiche Summe bekommen, nur d\u00fcrfte er Niemanden sagen, wo er das Geld her habe, sonst sei er verloren. Der Knabe fand nun den R\u00fcckweg sehr leicht, allein da er Niemanden, auch seinen Eltern nicht, sein Gl\u00fcck mittheilen konnte, so blieb ihm nichts \u00fcbrig, als das Geld zu vernaschen. Dies that er auch nach und nach, und als dasselbe verthan war, begab er sich wieder in die H\u00f6hle und holte sich eine zweite Auflage des vorigen Geschenks. Weil nun aber der Knabe gar zu oft bei dem Kaufmann N\u00e4schereien kaufte und stets in blanken Thalern bezahlte, sch\u00f6pfte derselbe Verdacht, das Geld sei gestohlen, und theilte seine Wahrnehmung dem Vater des Knaben mit. Da dieser nun recht gut wu\u00dfte, da\u00df sein Sohn nicht Pfennige, geschweige denn Thaler haben k\u00f6nne, so suchte er erst durch Drohungen herauszubringen, wo das Geld her sei, und als der Knabe es nicht gestehen wollte, pr\u00fcgelte er ihn so lange auf&#8217;s Unbarmherzigste, bis derselbe Alles gestand, aber auch hinzusetzte, da\u00df ihm gewi\u00df kein Brod gebacken sei, weil er das graue M\u00e4nnchen verrathen habe. Und so geschah es auch, denn als der Hirt am anderen Morgen seinen Sohn, der ihm zu lange zu schlafen schiehn, aufwecken wollte, war er todt, der B\u00f6se hatte ihm den Hals umgedreht.<\/p>\n<h2>Die Sagen von Greifenstein<\/h2>\n<p>I. Zwischen Geyer, Thum und Ehrenfriedersdorf liegt der sogenannte Greifenstein hoch auf einer wilden H\u00f6he im Walde: es sind Felsen, die sich g\u00e4hlings bald h\u00f6her bald niedriger in die H\u00f6he erheben und aussehen, als w\u00e4ren gro\u00dfe Steine in einer gewissen Ordnung mit Flei\u00df aufeinander geschichtet; rings herum liegen ebenfalls viele gro\u00dfe Felsst\u00fccke mit Erde bedeckt und \u00fcberraset, mit B\u00e4umen und Str\u00e4uchern bewachsen, ganz so wie wahrscheinlich eine vorweltliche Erdumw\u00e4lzung diese sonderbaren Steingruppen gestaltet hat; die Namen sollen die Felsen daher haben, da\u00df hier einmal ein Greif genistet hat. Unter einem dieser Felsen ist ein offenes Loch zu sehen, in welches ein Mensch ganz bequem hinein kriechen kann. Von diesem Loche erz\u00e4hlen alte Leute, da\u00df vor Zeiten einst eine Magd, die sonst, wenn sie an dem Orte gegrast, \u00f6fters daselbst mit Namen gerufen ward, im Beisein einer anderen Magd auf abermaliges Rufen hinein gegangen sei, nachdem sie letzterer verlassen, sie solle ihr, wenn sie schreien werde, zu Hilfe kommen. Es h\u00e4tte nun die hineingehende einen gro\u00dfen Kasten mit Geld und Gold und einen Hund dabeiliegend und auf Befehl einer Stimme das Grastuch damit angef\u00fcllt. Als aber inzwischen der Eingang ganz enge geworden sei und sie deshalb der anderen Magd um Hilfe zugerufen, w\u00e4re der Hund auf sie losgesprungen und h\u00e4tte alles von ihr Eingeraffte wieder aus dem Grastuche herausgescharrt, darauf sie voller Schrecken von der andern herausgezogen worden, den dritten Tag nachher aber vor Furcht gestorben sei. Es sei auch einst ein gewisser alter Mann, Namens Christoph Hackebeil, verf\u00fchrt worden, da\u00df er des Nachts \u00fcber daselbst in einer H\u00f6hle bleiben m\u00fcsse.<\/p>\n<p>II. Einst lebte in Geyer ein armer H\u00e4uer Namens Hans Gei\u00dfler, der war blutarm und hatte ein schwangeres Weib und viele Kinder und wusste sich oftmals keinen Bissen Brod. Am gr\u00f6\u00dften war aber seine Noth am Sylvesterabend, als die Niederkunft seines Weibes auf wenig Stunden nahe war, und er weder eine warme Stube noch sonst eine Erquickung, ja nicht einmal eine Wehmutter f\u00fcr sie hatte. Er eilte hinaus, eine erfahrene Muhme zu holen, verirrte sich aber bei dem gr\u00e4\u00dflichem Schneegest\u00f6ber vom Wege und kam durch tiefe Wehen sich m\u00fchsam durcharbeitend, zuletzt an die Felsenschichten des Greifensteins. Er erschrack und wollte umkehren, als der Berggeist ihm erschien und mit freundlichen Blick ihn also ansprach: &#8222;Eile, gl\u00fccklicher Vater! Gott hat dein Weib mit drei holden Kn\u00e4blein gesegnet! Wenn Du nichts dawider bist, will ich dein Gevatter sein!&#8220; Da verlie\u00df Hansen die Furcht und antwortete: &#8222;In Gottes Namen magst Du mein Gevatter sein, aber wie thue ich Dir die Stunde der Taufweihe kund?&#8220; Wie nun der Berggeist l\u00e4chelnd sagte, da\u00df er ohnedem zur rechten Zeit kommen werde, da verlie\u00df sich Hans darauf und eilte heim. Sein Weib hatte ihm wirklich drei holde Kn\u00e4blein geboren. Am andern Tage, als Alles zur Taufe bereit war, da lie\u00df auch der Gevattersmann vom Greifenstein nicht auf sich warten. Er erschien in H\u00e4uerkleidung und \u00fcbte das fromme Werk mit inniger Andacht und als die heilige Handlung vor\u00fcber war, da schenkte er Hansen einen Schl\u00e4gel und eine Eisen und sprach: &#8222;Lieber Gevatter, bete und arbeite! Wo du mit diesem Gez\u00e4h einschl\u00e4gst, da wirst du reiche Ausbeute finden, und dannn denke allemal an Gott und deinen Gevattersmann!&#8220; Darauf verschwand er: seine Worte aber trafen ein, Hans ward ein reicher Mann und soll die Siebenh\u00f6fe bei Geyer gebaut haben.<\/p>\n<p>III. Ein Wanderer, Namens Jahn, irrte bei Nacht einst in der Gegend des Greifensteins im Walde herum. Da trat ihm pl\u00f6tzlich eine zwerghafte Geistergestalt entgegen und winkte ihm zu folgen. Nicht ohne Grauen folgte Jahn. Ueber Stock und Stein f\u00fchrte ihn der Zwerg, bis sie endlich an eine H\u00f6hle kamen, die sich, sobald sie eintraten, m\u00e4chtig erweiterte und ein pr\u00e4chtiges Ansehen gewann. Die W\u00e4nde waren von Silber, die Tische und St\u00fchle von Gold. Tausend kristallene Leuchter mit langen Kerzen verbreiteten einen blendenden Glanze \u00fcber das ganze Gew\u00f6lbe. Zw\u00f6lf M\u00e4nner in stattlichen Rittergew\u00e4ndern mit langen B\u00e4rten sa\u00dfen an einer langen Tafel und spei\u00dften. Der Zwerg lud den erstaunten Jahn ein, sich zu setzen und am Mahle Theil zu nehmen. Der Hunger besiegte die Sch\u00fcchternheit. &#8211; Jahn setzte sich und a\u00df und trank von dem, was ihm der Zwerg bot. Nie noch hatte er so k\u00f6stlich getafelt; er ward erquicket und allm\u00e4hlig getrosten und frohen Muthes. Die zw\u00f6lf M\u00e4nner schienen sich \u00fcber ihn zu freuen und geboten dem Zwerge, sein R\u00e4nzel zu f\u00fcllen. Mit herzlichen Worten schied Jahn von seinen gastfreien Wirthen. Der Zwerg f\u00fchrte ihn aus der H\u00f6hle, die, wie Jahn jetzt bemerkte, im Greifenstein war und geleitete ihm auf die Stra\u00dfe, welche nach B\u00f6hmen f\u00fchrte und auf welcher Jahn sich nicht verirren konnte. Dann verschwand er. Als nun Jahn sein R\u00e4nzel umpackte, um zu sehen, womit ihn die freigebigen Geister beschenkt hatten, da fand er in demselben eine ziemliche Anzahl Barren gediegenen Goldes und Silbers. Voller Freuden gelobte er, dasselbe recht gut anzuwenden. Er baute also in der Gegend des Freiwaldes bei Thums mehrere H\u00e4user, welche er armen Leuten ohne Miethzins \u00fcberlie\u00df und that auch sonst allerlei Gutes an Kranken und Armen. Sp\u00e4ter, als die Zahl jener H\u00e4user sich vermehrte und ein ganzes Dorf entstand, ward dasselbe ihm zum Andenken Jahnsbach genannt.<\/p>\n<p>IV. Die Felsengruppe des Greifensteins zeigt an vielen Stellen Spuren von Mauerwerk, und da man auch innerhalb und bei demselben Pfeile, Eisenwerk und dergl. gefunden hat, so scheint die Vermuthung nicht unwahrscheinlich, da\u00df jene einst ein Raubschlo\u00df in sich gefa\u00dft habe. Das Volk erz\u00e4hlt sich \u00fcber den Untergang desselben eine schauerliche Geschichte, die also lautet. Im 11. Jahrhundert soll ein Ritter, Ado von Greifen, an dem Hofe des Herzoges Wratislaw von B\u00f6hmen gelebt haben und nachdem er sich von hier ein Fr\u00e4ulen entf\u00fchrt, mit dieser in den fast nur von wilden Thieren bewohnte Freiwald bei Thum gezogen sein und sich hier ein Schlo\u00df, die Greifenburg, erbaut haben. Hier lebten Beide nur der Erziehung des einzigen Sohnes, eines Tages aber brachte der Ritter von einem seiner Jagdz\u00fcge ein kleines M\u00e4dchen von ungef\u00e4hr 2 Jahren mit nach Hause, die er im Dickicht schlafend gefunden hatte. Diese ward nun mit dem jungen Ritterssohn zusammen erzogen, beide liebten sich wie Geschwister, als sie aber in das mannbare Alter getreten waren, vers\u00e4umten ihre Eltern sie geh\u00f6rig zu \u00fcberwachen und ihrem best\u00e4ndigen Zusammensein Hindernisse in den Weg zu legen. So kam es, da\u00df aus der geschwisterlichen Zuneigung ein weniger unschuldiges Verh\u00e4ltni\u00df entstand, in einer unbewachten Stunde verga\u00dfen sich die Liebenden und nach Verlauf einiger Monate f\u00fchlte sich das ungl\u00fcckliche M\u00e4dchen Mutter. Zwar hoffte sie, es werde ihrem Geliebten gelingen, seine Eltern dahin zu stimmen, da\u00df sie ihre Einwilligung zu seiner Verheirathung mit seiner Pflegeschwester gew\u00e4hrten, leider fand sich aber keine passende Gelegenheit, und als eines Tages der Junker ausgezogen war, um einem Waffenbruder seines Vaters, Bruno von Scharfenstein, gegen einen Raubritter, Namens Rekko von Rauenstein, der schon vor 18 Jahren die schwangere Gemahlin des erstern geraubt hatte und jetzt abermals dessen Schlo\u00df belagerte, beizustehen, entdeckte seine Mutter die Schwangerschaft ihrer Pflegetochter. Nat\u00fcrlich konnte sie nicht im Zweifel sein, wer der Urheber derselben war, sie entdeckte also ihrem Gemahl Alles, allein da Beide sehr adelstolz waren, so fiel es ihm gar nicht ein, den einmal geschehenen Fehltritt der beiden jungen Leute zuzudecken. Im Gegenteil, sie behandelten das ungl\u00fcckliche M\u00e4dchen ganz als sei sie eine freche Buhldirne und habe den Junker verf\u00fchrt, und lie\u00dfen sie unter schweren Mi\u00dfhandlungen in&#8217;s tiefste Burgverlie\u00df werfen. Hier gena\u00df sie unter furchtbaren Schmerzen eines Kn\u00e4bleins, und da sie sich von Gott und Menschen verlassen glaubte, schleuderte sie dasselbe an die Mauer des Kerkers. Da stand pl\u00f6tzlich eine wei\u00dfe Gesalt vor ihr, welche ihr sagte, sie sei seit undenklicher Zeit wegen einer \u00e4hnlichen Handlung zum ruhelosen Umherirren von dem Schicksal verurtheilt gewesen, jetzt aber durch sie erl\u00f6st worden, und sie werde ihre Stelle einnehmen, bis einst ein keusches Weib, welches niemals einen unreinen Gedanken in ihrer Seele gehegt, in stiller Mitternacht ihren Namen dreimal ohne Furcht rufen werde. Die Ungl\u00fcckliche sank t\u00f6dlich erschrocken zu Boden und erwachte nicht wieder, wohl aber erschien ihr Geist dem hartherzigen Pflegevater und verk\u00fcndeten seinem Hause Verderben. Reuig eilte er in ihren Kerker hinab, allein er fand nur ihren Leichnam und den ihres neugeborenen Kindes. Er lie\u00df Beiden ein pr\u00e4chtiges Begr\u00e4bnis ausrichten, allein eben als man sie besetzte, kehrte sein Sohn als Sieger von seiner ersten Waffenthat zur\u00fcck. Voller Freude eilte er der Burg seines Vaters entgegen, denn er hatte aus dem Munde des gefangenen Raubritters erfahren, da\u00df seine Geliebte das von Letzterem im Freiwalde ausgesetzte T\u00f6chterchen der entf\u00fchrten Gemahlin des Ritters von Scharfenstein sei, und hoffte nun nichts gewisser, als da\u00df seine Eltern nunmehr ihre Einwilligung zu seiner Verbindung mit ihr nicht mehr versagen w\u00fcrden. B\u00f6ses ahnend, als er die Trauerfahne vom Schlo\u00dfthurme wehen sah, sprengte er in den Schlosshof, wo ihm der Leichenzug entgegenkam. Die Wahrheit konnte ihm nicht verheimlicht werden, er stie\u00df einen furchtbaren Fluch gegen seine Eltern aus und sank in eine tiefe Ohnmacht, aus der er nur wieder erwachte, um f\u00fcr immer in geistiger Nacht zu leben. Seine Eltern \u00fcberlebten diese furchtbare Katastrophe nicht lange, Ihr ungl\u00fccklicher Sohn ward auf Lebenszeit in einem Kloster untergebracht und der Herzog Wratislaw \u00fcbergab die Burg Greifenstein als erledigtes Lehen einem anderen b\u00f6hmischen Ritter, der sie aber auch nicht lange behielt, denn da er mit seinen Nachbarn in best\u00e4ndiger Fehde lebte, vereinigten sich dieselben zuletzt gegen ihn und berannten, eroberten und zerst\u00f6rten die Burg. Noch jetzt aber soll zwischen den Felsen der Geist jenes ungl\u00fccklichen M\u00e4dchens, ihr zerschmettertes Kind auf dem Armen, herumirren und den Wanderer durch sein Wehgeschrei erschrecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Lehmann &#8222;Obererzgebirgischer Schauplatz&#8220;<\/p>\n<h2>Wo die Bergm\u00e4nnchen im Gebirge jetzt hingekommen sind<\/h2>\n<p>Es ist eine alte Rede, da\u00df fr\u00fcher Zwerge oder M\u00e4nnlein im Gebirge gewohnt und sich endlich beklagt, sie m\u00fc\u00dften wegziehen, denn sie k\u00f6nnten das Pochen auf den Eisenh\u00e4mmern und Zwittergeb\u00e4uden nicht h\u00f6ren und vertragen, sie wollten aber wiederkommen, wenn die H\u00e4mmer aufh\u00f6ren w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Lehmann &#8222;Obererzgebirgischer Schauplatz&#8220;<\/p>\n<h2>Das graue M\u00e4nnchen zu Dresden<\/h2>\n<p>In der N\u00e4he des jetzigen Johannesplatzes steht noch jetzt ein kleines Haus (Johannesstr.20), darin wohnte fr\u00fcher ein T\u00f6pfer Namens F. Zu dem kam \u00f6fters des Tags und des Nachts ein kleines graues M\u00e4nnchen, wenn er allein war, und winkte ihm, als sollte er mitgehen. Allein der T\u00f6pfer hatte entweder keinen Muth oder war zu fromm, sich mit dem M\u00e4nnchen einzulassen, er wie\u00df ihn stets zur\u00fcck. Indessen starb der Mann und sein Sohn folgte ihm in seinem Gesch\u00e4fte nach. Gleich kam das M\u00e4nnchen wieder zu ihm und der junge Mann folgte ihm denn auch eines sch\u00f6nen Tages in der Mitternachtsstunde. Nun befand sich aber damals an der Stelle des heutigen Johannesplatzes die b\u00f6hmische Kirche und der um sie herum sich ziehende Kirchhof. Wenn man nun vom Pirnaischen Platze aus durch den Kirchhof nach der Neugasse zugehen wollte, blieb diese inzwischen ebenfalls abgetragene Kirche links, rechts aber vom Fu\u00dfwege stand die lange sogenannte Rathsgruft. Das M\u00e4nnchen f\u00fchrte nun den T\u00f6pfer nach dieser hin, stieg hinab und winkte ihm zu folgen, der muthige Mann that es auch, und unten gab ihm das M\u00e4nnchen einen gro\u00dfen Topf voll Goldst\u00fccke und davon soll der Wohlstand der Familie F. sich noch heute herschreiben.<\/p>\n<h2>\nDer Schatz im Steinb\u00fchel zu Oberhermsgr\u00fcn<\/h2>\n<p>In dem Steinb\u00fchel zu Oberhermsgr\u00fcn liegt ein Schatz verborgen, der noch zu heben ist. Einst kam in der Mitternachtsstunde zu einem jungen Bauernburschen im Dorfe ein graues M\u00e4nnchen und forderte ihn auf, mit ihm zu gehen und den Schatz zu heben. Hans hatte aber keinen Muth, sondern verkroch sich tief in das Bette. Als das M\u00e4nnchen in der n\u00e4chsten Nacht wiederkehrte, wagte er das Unternehmen eben so wenig und begab sich sogar die dritte Nacht in die Kammer seiner Braut, weil er bei dieser sicher zu sein w\u00e4hnte. Allein kaum hatte die Glocke Zw\u00f6lfe geschlagen, so war auch das M\u00e4nnchen wieder da und rief dem furchtsamen Hans zu: &#8222;heute komme es zum letzten Male um ihm Gl\u00fcck zu bringen, wenn er jetzt nicht folge, werde es niemals wiederkehren&#8220; Allein der dumme Hans wollte auch dies Mal nicht mitgehen, so sehr ihn auch seine Braut, die gerne reich werden wollte, antrieb. Am andern Morgen ging er endlich an den bewu\u00dften Ort, aber wie ward ihm, als er ein tiefes Loch und am Rande einen Topf stehen fand, in dem wie um ihn zu h\u00f6hnen noch ein Silberdreier lag.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Hager &#8222;Voigtl\u00e4ndische Volkssagen&#8220; 1839<\/p>\n<h2>Der Kobold zu Pausitz bei Jahnishausen<\/h2>\n<p>Zu Pausitz bei Riesa hat sich um 1696 ein Kobold aufgehalten, der in dem Hause des Viertelh\u00fcfners Hans Preu\u00dfiger vielerlei Unfug ver\u00fcbte. Er verschleppte Lebensmittel und W\u00e4sche aus dem Hause und versteckte sie an verschiedenen Orten, Butter ballte er zu Klumpen und vergrub sie unter die Spreu, Mehl- und Getreides\u00e4cke st\u00fcrzte er um, wenn gebacken werden sollte, verdarb er den Sauerteig durch Erde und Spreu, in der K\u00fcche f\u00fcllte er die Kocht\u00f6pfe am Feuer mit Kohlen und Asche, verunreinigte die Spei\u00dfen und Trinkgeschirre aufs Eckelhafteste, machte unsichtbar die Th\u00fcren auf und zu, ri\u00df in der Nacht den Frauen die Betten und Hemden vom Leibe, nur gegen die 13j\u00e4hrige Tochter Preu\u00dfigers benahm er sich besser, ja er sagte ihr, eine fr\u00fchere Kinderfrau eines Herrn von Pl\u00f6tz, die D\u00f6rschnitzer Anna, habe ihn in einem Korbe ins Haus gebracht. Er sa\u00df zuweilen in der Ofenh\u00f6lle in eine wei\u00dfen Hemde, das am Halse und Aermeln mit rothen B\u00e4ndern geschm\u00fcckt war, hatte graue neue Str\u00fcmpfe und alte Schuhe an, sein mit gro\u00dfen Glotzaugen und im Genicke mit einen Busch gelber Haare besetzter Kopf hing hinten \u00fcber. Er schenkte dem Kinde neue Spindeln und sch\u00f6ne Birnen, als er aber einmal aus einem Milchasch getrunken hatte und dieser deshalb eingeschlossen ward, stach er die K\u00fche mit einer Mistgabel in die Beine. Von einem Herrn von Carlowitz it Pr\u00fcgeln bedroht, verschwand er endlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Weber &#8222;Aus vier Jahrhunderten&#8220;<\/p>\n<h2>Die Zwerge im Hutberg bei Wei\u00dfig<\/h2>\n<p>In der N\u00e4he des Dorfes Wei\u00dfig bei Eschdorf erhebt sich der sogenannte Hutberg beinahe 1000 Fu\u00df \u00fcber der Meeresfl\u00e4che. Vor langen langen Jahren war dieser Betg von einem Zwergengeschlecht bewohnt, welches still und freundlich mit den Bewohnern der umliegenden Gegend verkehrte und sich besonders durch das Tragen von runden Spitzh\u00fcten auszeichnete. In dem Berge war Reichthum an Silber, und oft kamen Leute aus der Nachbarschaft und baten um ein Darlehn, welches jene auch nie verweigerten; nur hielten sie streng darauf, da\u00df die Schuld zum vorher bestimmten Tage zur\u00fcckgezahlt ward, geschah dies nicht, so traf den s\u00e4umigen Zahler gew\u00f6hnlich irgend ein Unfall. So hatte einstmals ein Mann in seiner Noth Hilfe im Hutberge gesucht und gefunden , und als nun der Tag des Wiederbezahlens gekommen war, eilte er schon ganz fr\u00fch hin, um seine Schuld abzutragen. Siehe da sprach der Zwerg, der ihn am Eingange des Berges empfing, und dem er eben das Geld zu geben im Begriff war, zu ihm: &#8222;ei Du schlechter Mann, Du hast heute noch nicht gebetet oder Deine H\u00e4nde gewaschen, ich kann aus einer unreinen Hand kein Geld nehmen, komme also heute \u00fcber vier Wochen wieder, wasche Dich aber erst und bete, dann magst Du Dein Geld zahlen.&#8220; Aber der Mann war wirklich schlecht, denn nach vier Wochen stand er zwar wieder am Berge, allein er hatte weder gebetet, noch sich gewaschen, weil er hoffte, auf diese Weise das Geld behalten zu k\u00f6nnen. Als ihn der kleine Hutmann erblickte, ward er sehr zornig und sprach: &#8222;behalte dein Geld, la\u00df dich aber niemals wieder hier sehen!&#8220; Der Mann war aber mit dem listig erschlichenen Gelde nicht gl\u00fccklich, es traf ihn Ungl\u00fcck \u00fcber Ungl\u00fcck und bald war er wieder arm. Bald nachher machten aber die Zwerge allen ihren Schuldnern bekannt, sie m\u00fc\u00dften aus dem Hutberge ausziehen und w\u00fcrden ihre ausstehenden Schulden an dem Tage wieder eincassiren, wo sie in den Berg zur\u00fcckgekehrt w\u00e4ren. Kurz darauf an einem bestimmten Tage sah mn mit Erstaunen, wie das ganze Zwerggeschlecht in einem langen Zuge, M\u00e4nnlein, Weiblein und Kindlein nach der Elbe herabstieg, wo ein bereitstehendes Schiff sie aufnahm, und Thr\u00e4nen in den Augen sahen ihre Sch\u00fctzlinge ihren Wohlth\u00e4tern nach, bis sie am andern Ufer der Elbe hinter den Bergen, welche sie erstiegen hatten, verschwunden waren. Sie sind zar niemals wiedergekehrt, aber, obwohl mit ihrem Wegzuge die Luft auf und bei dem Berge kalt und unfreundlich ward, so da\u00df das Dorf Wei\u00dfig eher Eisig genannt werden sollte, sind doch die Einwohner desselben reich und wohlhabend geblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Seidemann &#8222;Eschdorf und Dittersbach&#8220; 1840<\/p>\n<h2>Der Felsblock bei Wei\u00dfig<\/h2>\n<p>Auf dem Wei\u00dfiger Viehanger lag vordem ein ungeheurer Felsblock, der einzige im ganzen Umkreise (er ist jetzt zersprengt worden); man erz\u00e4hlt, da\u00df, als man den Kirchthurm vollendete, b\u00f6se Zwerge, die auf einem benachbarten Berge hausten, aus Aerger \u00fcber den frommen Bau, denselben nach der Kirche schleuderten, sie fehlten aber, der Stein flog weit \u00fcber sein Ziel hinaus und w\u00fchlte sich in dem Anger in den Boden ein, die Zwerge jedoch zogen auch von dannen, denn das Glockengel\u00e4ute st\u00f6rte sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Seidemann &#8222;Eschdorf und Dittersbach&#8220;<\/p>\n<h2>Die Sagen von den Zwergen im Cottaer Spitzberg<\/h2>\n<p>Das fr\u00fcher den Burggrafen von Dohna geh\u00f6rige Rittergut Cotta liegt am s\u00fcd\u00f6stlichen Rande der s\u00e4chsischen Schweiz an einem Kalkmergelberge mit Basaltspitze an der nach Teplitz f\u00fchrenden Chausee 1 1\/4 Stunden von Pirna entfernt. Dieser sogenannte Cottaer Spitzberg, von dem man eine reizende Aussicht genie\u00dft, \u00fcberragt den Ort selbst noch um 401 Fu\u00df, und in diesem sollen noch heute einige Zwerge, sogenannte Querkse, hausen, die einzigen Ueberreste eines ganzen Volkes von gutm\u00fcthigen kleinen Wesen, die sowohl hier als im nahen Zwergloch des Hennersdorfer Wasserfalls wohnten. Einst hatte ein junges M\u00e4dchen, welcher einer derselben aus Liebe die Wohnung seiner Genossen am Wasserfalle gezeigt hatte, das Geheimni\u00df in der Beichte verrathen, und in Folge dessen mu\u00dften alle fortziehen, worauf auch ihre Br\u00fcder aus dem Spitzberge sich ihnen anschlossen, mit Ausnahme der wenigen, welche zr Bewachung des gro\u00dfen im Spitzberge liegenden Schatzes zur\u00fcckblieben. An einem d\u00fcstern Novembermorgen, w\u00e4hrend ein dichter Nebel \u00fcber der Erde lag, h\u00f6rte man das Trippeln einer unz\u00e4hligen Menge von kleinen F\u00fc\u00dfen, welche den Kirchweg herunter durch das Rottwernsdorfer Thal nach Pirna zogen und sich dort \u00fcber die Elbe setzen lie\u00dfen. De F\u00e4hrmann, der wegen des Nebels nicht sehen konnte, verlangte, als man ihm das &#8222;Hol \u00fcber&#8220; zurief, f\u00fcr jede Person einen Pfennig F\u00e4hrgeld, und als er die kleinen Wesen \u00fcbergesetzt hatte, da fand er soviele Pfennige in seinem Kahne, da\u00df er sie nicht z\u00e4hlen konnte, sondern mit der Metze messen mu\u00dfte und dadurch ein reicher Mann ward. Das M\u00e4dchen aber, welches das Geheimnis verrathen hatte, starb bald nachher an gebrochenem Herzen, doch Niemand wei\u00df, ob jene einst, wie sie versprochen, wieder kommen werden, und dann der Bergbau im nahen St\u00e4dtchen Berggie\u00dfh\u00fcbel wieder aufleben wird. Der Eingang zu der noch jetzt von den zur\u00fcckgebliebenen Querksen bewohnten H\u00f6hle des Cottaer Berges ist nur alle 9 Jahre, wenn das umstehende Laubholz geschlagen ist, eine kurze Zeit und auch dann nur in betr\u00e4chtlicher Entfernung vom Berge auf der s\u00fcdlichen Seite sichtbar, kommt man aber in die N\u00e4he der wahrgenommenen Stelle, so ist die Oeffnung so mit Steinen versetzt, da\u00df man irre wird und sie nicht wieder finden kann. Im Jahre soll aber die H\u00f6hle einen Tag lang f\u00fcr Jedermann offen stehen. Schade nur, da\u00df Niemand wei\u00df, wenn de Tag f\u00e4llt.<br \/>\nEinst war eine Frau oben am Berge grasen, als gerade die Mittagssonne gewaltig hei\u00df schien, so da\u00df die Frau in das Geh\u00f6lz ging, um etwas auszuruhen; da befand sie sich pl\u00f6tzlich vor einer offenstehenden H\u00f6hle, in welcher l\u00e4ngs der W\u00e4nde B\u00e4nke und in deren Mitte eine Tafel stand. Auf eine dieser B\u00e4nke setzte sie sich nieder, nahm aber dabei ihre Haube ab; nach einiger Zeit ging sie jedoch wieder an ihre arbeit, verga\u00df aber ihre Haube mitzunehme, und erst auf dem Heimwege dachte sie daran; sie kehrte zwar sogleich zur\u00fcck, allein sie fand keine H\u00f6hle mehr und mu\u00dfte ohne Haube nach Hause gehen. Da sie sich jedoch den Tag gemerkt hatte, wo ihr dies geschehen ward, so kehrte sie das n\u00e4chste Jahr an demselben Tage wieder an jenen Ort zur\u00fcck, fand die H\u00f6hle offen, und auf demselben Orte, wo sie die Haube hingelegt hatte, da lag sie auch jetzt noch.<br \/>\nEin anderes Mal ging eine Frau um Gras zu holen auf den Berg und nahm ihr kleines Kind mit, weil sie Niemand hatte, der es warten konnte. Auch sie fand die H\u00f6hle offen und darin eine Anzahl kleiner M\u00e4nnchen, welche sie bat, das Kind, w\u00e4hrend sie grase, in Obacht zu nehmen. Dies thaten diese auch, und als die Frau fertig war, gaben sie ihr ihr Kind zur\u00fcck und au\u00dferdem eine Semmel, die sie, als sie nach Hause kam, in Gold verwandelt fand. Einst ging eine arme Frau, die sich in schwerer Noth befand, auf den Cottaer Spitzberg, da trat aus dem Geb\u00fcsch ein kleines M\u00e4nnchen auf sie zu und dr\u00fcckte ihr ein P\u00e4cktchen in die Hand, welches sie aber vor Schrecken in die nahe dabei liegenden Steine schleuderte, sp\u00e4ter besann sie sich aber eines Bessern, kehrte zur\u00fcck, fand zwar das P\u00e4ckchen nicht mehr, wohl aber unter den Steinen einige alte Silberm\u00fcnzen. Noch j\u00fcngst (1854) lebte in Cotta ein Mann, der behauptete, er sei als Knabe mit einem Schulkameraden auf dem Berge herumgeklettert und habe sich pl\u00f6tzlich vor der offenstehenden H\u00f6hle befunden; sie wagten aber nicht einzutreten, sondern liefen entsetzt den Berg hinunter, und konnten sp\u00e4terhin, trotz alles Suchens, die Stelle nicht wiederfinden. Ebenso sah man in einer dunklen Nacht drei Zwerge mit langen wei\u00dfen B\u00e4rten in dem lange Zeit unbewohnten, nach der Abendseite gelegenen Eckzimmer des Cottaer Herrenhauses sitzen und bei dem in das Gemach fallenden Mondenlicht in einem gro\u00dfen Buche lesen. Vielleicht haben die \u00f6fters am Cottaer Berge gefundenen Bracteaten (oder Hohlm\u00fcnzen) mit der darauf befindlichen Abbildung eines Mannes in sitzender Stellung und sehr dickem Kopfe Gelegenheit zu der Sage von den Sch\u00e4tze bewachenden Zwergen gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Burchardi in Poenicke &#8222;Album der Schl\u00f6sser und Ritterburgen im K\u00f6nigreich Sachsen&#8220;<\/p>\n<h2>Das Zwergloch bei Lohmen<\/h2>\n<p>In der N\u00e4he von Lohmen sieht man, wenn man auf der sogenannten Poste steht, ziemlich am Fu\u00dfe des Berges das ber\u00fchmte Zwerloch. Dasselbe soll seinen Namen von einem Zwergengeschlecht haben, welches aus Furcht vor einem auf dem Berge wohnenenden Riesen, von dem noch eine in der N\u00e4he befindliche Vertiefung, der sogenannte Riesenfu\u00df, die Form eines in Lehm oder Thon eingedr\u00fcckten Fu\u00dfes von 3 Ellen L\u00e4nge und 2 1\/2 Ellen Breite Kunde giebt, sich durch den Berg unterhalb des Dorfes Doberzeit eingew\u00fchlt und durch das im Liebethaler Grunde befindliche ebenfalls so genannte Zwergenloch wieder herausgew\u00fchlt haben soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Hofmann &#8222;Das Mei\u00dfner Land&#8220;<\/p>\n<h2>Das Erdm\u00e4nnchen und der Schafhirt<\/h2>\n<p>Im Jahre 1664 hat sich in einem Dorfe nahe bei Dresden Folgendes zugetragen. Es hat ein Sch\u00e4ferjunge im Felde bei seiner Heerde gesessen und von ungef\u00e4hr gesehen, wie ein m\u00e4\u00dfiggro\u00dfer Stein in seiner N\u00e4he sich von selbst einige Male in die H\u00f6he zu heben schien. Dies hat ihn gewundert, er hat sich den Stein angesehen und ihn endlich von seinem Platze weggehoben. Siehe da h\u00fcpft ein kleines Kerlchen (ein Erdm\u00e4nnchen) aus der Erde hervor und stellt sich vor ihm hin und spricht, er sei bis diesen Augenblick dahin gebannt gewesen und begehre nunmehr von ihm Arbeit, er m\u00fcsse ihm etwas zu thun geben. &#8222;Nun wohl&#8220;, hat der Junge best\u00fcrzt geantwortet, &#8222;hilf mir meine Schafe h\u00fcten&#8220;. Dies hat das Erdm\u00e4nnchen auch flugs gethan, am Abend aber, wo der Junge sein Vieh hat ins Dorf treiben wollen, da hat das Gespenst mitgewollt. Der Junge hat sich aber entschuldigt und also gesprochen: &#8222;in mein Haus vermag ich Dich nicht mitzunehmen, denn ich habe einen Stiefvater und dazu noch andere Geschwister, mein Vater w\u00fcrde mich \u00fcbel zudecken, wenn ich ihm noch einen anderen mitbr\u00e4chte und ihm das Haus kleiner w\u00fcrde&#8220;. &#8222;Ja so mu\u00dft Du mir anderswo Herberge schaffen, Du hast mich einmal angenommen&#8220;, hat das M\u00e4nnchen gesagt. &#8222;Gehe hin zu unserm Nachbar&#8220;, hat der Junge geantwortet, &#8222;denn der hat keine Kinder&#8220;. Dies ist auch richtig geschehen, aber dergestalt, da\u00df ihn der Nachbar nicht wieder hat loswerden k\u00f6nnen.* aus Pr\u00e4torius &#8222;Weltbeschreibung&#8220; 1665 * Preusker &#8222;Blicke in die v\u00e4terliche Vorzeit&#8220; erz\u00e4hlt von einem Mann zu Strehla und einer Wiegenfrau bei Mei\u00dfen, die beide von dergleichen zur Bewachung von Sch\u00e4tzen verbannten Erdm\u00e4nnchen um Hebung derselben gebeten worden w\u00e4ren, damit sie erl\u00f6st w\u00fcrden.<\/p>\n<h2>\nDer Einsiedel im Thale der rothen Wei\u00dferitz<\/h2>\n<p>Ganz in der N\u00e4he des St\u00e4dtchens Tharandt befindet sich das Thal der rothen Wei\u00dferitz. Hier gestatten schroffe Felsenrisse und wild aufbrausende Fluthen im Fr\u00fchjahr kaum einen schmalen Pfad am linken Geh\u00e4nge hin. Eine felsige Landzunge, der sogenannte Einsiedel, wo einmal ein Einsiedler seine Clause gehabt haben soll, ist in der Umgegend als ein Ort, wo es spukt, ber\u00fcchtigt. Man erz\u00e4hlt sich von grauen M\u00e4nnchen, die da herumgehen, und von Geistern, die einen dort verborgen liegenden Schatz bewachen sollen, den nur eine ganz reine Jungfrau heben kann. Ein Mann aus dem nahegelegenen Somsdorf sah vor einigen vierzig Jahren, wie ein kleiner, h\u00f6hnisch lachender Zwerg eine alte Frau vom Berge herabzerrte, die dann zerratzt und halb besinnungslos in ihre Heimath ankam. In demselben Thale befindet sich auch der Nixenh\u00fcgel (bei der langen Br\u00fccke am Felsen hin), der sehr tief und von zwei Wassernixen bewohnt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Cotta &#8222;Tharand und seine Umgebungen&#8220; 1835<\/p>\n<h2>Der Berggeist am Donat zu Freiberg<\/h2>\n<p>Auf dem Donat Spath, im Bereiche der Elisabethen Fundgrube zu Freiberg sieht man in der N\u00e4he eines alten Schachtes den Namen Hans in Stein gehauen und deutet ihn als das Erinnerungszeichen an einen hier verungl\u00fcckten Bergmann dieses Namens. Die Sage erz\u00e4hlt hier\u00fcber Folgendes.<br \/>\nEs hat einmal am Donat ein armer Bergmann, Namens Hans, gearbeitet, der so in D\u00fcrftigkeit schmachtete, da\u00df er oft in der Grube mit Thr\u00e4nen laut \u00fcber seine Noth jammerte. Da zertheilte sich einmal pl\u00f6tzlich der Felsen und aus dem steinernen Thore trat ein kleines M\u00e4nnchen hervor. Das war der Berggeist. Der sprach zu ihm: &#8222;Hans, ich will Dir helfen, aber Du mu\u00dft mir jede Schicht daf\u00fcr ein Pfennigbrod und ein Pfenniglicht geben und keinem Menschen etwas davon sagen.&#8220; Hans erschrak zwar, allein da er sah, da\u00df derselbe guter Laune sei, so versprach er Alles. Der Berggeist verschwand und lie\u00df ihm viel Silber zur\u00fcck, Hans aber hatte nun immer Ueberflu\u00df an Geld, lie\u00df t\u00fcchtig aufgehen, h\u00fctete sich aber wohl, irgend Jemandem etwas von seiner Geldquelle zu sagen. Da kam das Stollnbier, an welchem die Bergleute gew\u00f6hnlich etwas \u00fcber die Schnur zu hauen pflegen. Dies that leider auch Hans, und nicht lange dauerte es, so war er schwarz, verga\u00df sein dem Bergeist gegebenes Versprechen und erz\u00e4hlte seinen Genossen, was ihm begegnet war. Am andern Tage, als er n\u00fcchtern geworden, erinnerte er sich freilich an sein Geschw\u00e4tz, allein er konnte das Gesagte nicht wieder zur\u00fccknehmen und fuhr mit Zittern und Zagen an. Sein Gesch\u00e4ft war aber, den Knechten, welche am Haspel standen, das Zeichen zu geben, allein dasselbe lie\u00df an diesem Tage lange auf sich warten, man rief ihn zwar, aber es erfolgte keine Antwort. Pl\u00f6tzlich zuckte es am Seile, ein helles Licht ergl\u00e4nzte in der Teufe, und die Haspelknechte, die freilich nicht wu\u00dften, was das zu bedeuten haben k\u00f6nne, drehten gleichwohl geschwind den Rundbaum und bald war der K\u00fcbel zu Tage gef\u00f6rdert. Allein statt des Erzes lag in demselben der Bergmann Hans todt mit blauem Gesichte wie ein Erw\u00fcrgter, auf ihm das letzte Pfennigbrod und rings um den K\u00fcbel brannten die Pfenniglichter, die er dem Berggeist geopfert hatte und die dieser jetzt samt dem todten Geber zur\u00fcckgab.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Ziehnert &#8222;S\u00e4chsische Volkssagen&#8220;<\/p>\n<h2>Die drei goldnen Brodchen zu Pomsen<\/h2>\n<p>Zwei Stunden von Grimma an der von hier nach Leipzig f\u00fchrenden Stra\u00dfe liegt das alte Schlo\u00df Pomsen. Dasselbe geh\u00f6rte wie mehrere in der N\u00e4he liegende D\u00f6rfer vor Alters der adeligen Familie von Ponickau. Einst war das Haupt dieses Gechlechtes mit seinem Herrn, dem Markgrafen von Mei\u00dfen in den T\u00fcrkenkrieg gezogen und hatte seine treue Hausfrau Sarah schwangern Leibes zur\u00fcckgelassen. Nach einiger Zeit kam sie mit einem S\u00f6hnlein nieder, und als sie nun eines Morgens kurz nach Sonnenaufgang mit demselben in ihrem Schlafgemach in dem gro\u00dfen Ehebette lag und Niemanden bei sich hatte &#8211; denn Dienerschaft besa\u00df sie nur wenig, weil ihr Gemahl abwesend und sie selbst nicht eben reich war &#8211; da sieht sie auf einmal, wie sich die schwere Th\u00fcr von selbst ger\u00e4uschlos \u00f6ffnet und zu derselben in langen Reihen ein Zwergvolk hereinkommt. Die kleinen Leute sind pr\u00e4chtig gekleidet und haben offenbar einen Hochzeitszug vor. An der Spitze der Paare zieht ein Musikchor, dessen Mitglieder wie die ganze Gesellschaft kaum zwei Spannen hoch sind, dann folgen Br\u00e4utigam und Braut und deren Eltern und so fort die Hochzeitsg\u00e4ste immer in bunter Reihe. Sie schreiten bis zu dem ungeheuren Ofen, der den dritten Theil des Zimmers einnimmt, und begeben sich in den Raum, der zwischen den sechs F\u00fc\u00dfen desselben gewisserma\u00dfen eine Art Halle bildet. Hier stellen sie sich paarweise auf und tanzen nach den lieblichen, obgleich leise t\u00f6nenden Weisen der kleinen Musiker T\u00e4nze, der Reigen und Touren irdischen Augen bisher unbekannt geblieben waren. Nachdem sie nun endlich genug der Freude gehuldigt, schicken sie sich zum Abzug an und verlassen diese sonderbare Tanzhalle wieder ganz auf dieselbe Weise. Wie sie nun an dem hohen Himmelbette der ganz in tiefes Erstaunen versenkten Schlo\u00dfherrin vor\u00fcberziehen, da bleibt auf einmal der kleine Br\u00e4utigam stehen, verbeugt sich tief und sagt ihr, er danke ihr im Namen seiner Br\u00fcder f\u00fcr die Heimath und den ruhigen Aufenthalt, den sein Volk bisher auf ihrem Schlosse genossen habe, sie h\u00e4tten, weil es ihnen unter der Erde zu finster gewesen, einmal bei lichtem Sonnenschein ihr Verm\u00e4hlugsfest feiern wollen und zum Danke f\u00fcr die genossene Gastfreundschaft wolle er ihr hiermit drei goldene Brodchen \u00fcberreicht haben. Diese solle sie wohl aufheben, denn so lange wie diese Brodchen noch im Besitze ihrer Familie sein w\u00fcrden, werde dieselbe gr\u00fcnen und bl\u00fchen und immer an Reichthum und Gl\u00fcck zunehmen.* Damit zog die Zwerghochzeit ab. Die Schlo\u00dfherrin verfiel vor Schreck in einen tiefen Schlaf, als sie aber erwachte, da lagen die Brodchen auf der Bettdecke und sie sah, da\u00df sie nicht getr\u00e4umt hatte. Nicht lange hernach kam ihr Eheherr mit Beute reich beladen aus dem Kriege zur\u00fcck, und Beide lie\u00dfen nun, damit die Brodte nie verloren gehen sollten, dieselben in den einen Thurm des Schlosses Pomsen enmauern. Hier blieben sie auch bis zum 30j\u00e4hrigen Kriege, da kmen einmal die Feinde ins Dorf und pl\u00fcnderten und brannten das Schlo\u00df an, der Thurm st\u00fcrzte zusammen und die Brodchen waren verschwunden, und seit dieser Zeit schien das Gl\u00fcck die Familie Ponickau verlassen zu haben, denn sie verlor ein Gut nach dem andern, und zuletzt auch Schlo\u00df Pomsen.<br \/>\n*Nach einer andern Version der Sage h\u00e4tte der Zwergk\u00f6nig je eines dieser Brode f\u00fcr ihre drei S\u00f6hne bestimmt und gesagt, dieselben w\u00fcrden drei Schl\u00f6sser erwerben. So w\u00e4re also blos ein Brod nach Pomsen gekommen. Eins dieser Schl\u00f6sser soll vom Feuer, das andere vom Wasser zerst\u00f6rt worden sein, das dritte aber noch bei der Familie sein. Oder wie Moser bei P\u00f6nicke &#8222;Album der Ritterg\u00fcter Sachsens&#8220; erz\u00e4hlt nach der im KIrchenbuche zu Pomsen durch M. Steinh\u00e4u\u00dfer niedergelegten ERz\u00e4hlung dieser Begebenheit, jene Erscheinung der Zwerghochzeit habe im J. 1686 Statt gefunden, w\u00e4hrend Johann Christoph ll. von Ponickau Besitzer des Schlosses gewesen sei; die Geschenke h\u00e4ttem aus zwei Br\u00f6dchen und einem Goldreif bestanden, und seien zusammen in den Schlo\u00dfthurm eingemauert worden, dort aber im J. 1726 mit diesem durch einen Blitzstrahl in Flammen aufgegangen und seitdem sei der Wohlstand der Familie so zur\u00fcckgegangen, da\u00df diese 1782 das Rittergut, nachdem es fast 250 Jahre lang in ihrem Besitz geblieben, h\u00e4tte ver\u00e4u\u00dfern m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus &#8222;Der Freim\u00fcthige&#8220; 1814<\/p>\n<h2>Der Kobold am Barfu\u00dfpf\u00f6rtchen zu Leipzig<\/h2>\n<p>Um die Mitte des 17. Jahrhunderts hat ein angesehener B\u00fcrger zu Leipzig, Namens Scheibe, in einem gro\u00dfen Hause auf dem Barf\u00fc\u00dferkirchhofe (alle die H\u00e4user daselbst haben urspr\u00fcnglich zu diesem Kloster geh\u00f6rt) eine get\u00e4felte Wand neu wei\u00dfen lassen und dahinter viele L\u00f6cher in der Wand gefunden. Als das erste Loch ge\u00f6ffnet ward, ist flugs ein Haufen Messer herausgefallen von sehr alter Form, ein Theil rostig, der andere ziemlich blank; einige sind sehr schmal und sehr lang gewesen, vielleicht zum Aufspie\u00dfen der Lerchen, andere mit Achatsteinen besetz, noch andere mit elfenbeinernen Heften. Weiter hat er im Keller graben lassen und darinnen viele runde T\u00f6pfe gefunden, alle mit kleinen Kindesgebeinen gef\u00fcllt. Von der Zeit an aber, da\u00df jene Messer gefunden waren, hat sich im Hause ohne Unterla\u00df ein Kobold geregt, der nach allen Leuten in der Stube geschmissen, aber drau\u00dfen auf dem Saale ihnen nichts gethan hat. Auch hat er Niemanden verletzt, sondern nur geschabernackt. So hat er auch nichts gesprochen, denn wie er von dem Besitzer gefragt ward, was f\u00fcr ein Geist er sei, ob ein guter oder b\u00f6ser: &#8222;Alle guten Geister loben Gott den Herrn,&#8220; oder: &#8222;Was thust Du? Gib ein Zeichen von Dir, Putz!&#8220; Da hat er zur Antwort jenem etwas an den Kopf geworfen, das ist sein Zeichen gewesen. Doch hat er auch einmal Einem weh gethan, denn ein Hausbewohner, der sehr auf ihn gel\u00e4stert und geflucht, hat einstmals mit dem Pantoffel eine derartige Maulschelle von dem Ungeth\u00fcm bekommen, da\u00df ihm der ganze Backen aufgeschwollen und ihm Schmerzen gemacht hat. So hat es im Allgemeinen ged\u00e4ucht, als wenn das Gespenst aus einem alten Schranke hervork\u00e4me und w\u00fcrfe, und ist diser doch immer verschlossen gewesen. Weiter hat es manchmal den Anschein gehabt, als wenn es in der Kammer Alles \u00fcber und \u00fcber kehre, w\u00fcrfe, zerschl\u00fcge, und wie man dann dazu gekommen, ist Alles an seinem rechten Orte gewesen. Des Nachts haben sie immerfort Licht brennen m\u00fcssen, denn da haben sie noch am Meisten Ruhe gehabt, wenn es aber finster gewesen, da hat es immer l\u00e4nger gedauert. Es hat auch den Wirth und Andere im Bette gezupft, das Bett vom Leibe weggezerrt etc., doch das Licht niemals ausgel\u00f6scht, sondern brennen lassen. So sind sie dieses Wesen gewohnt geworden, da\u00df sie es nur ins Gemein verlacht und verh\u00f6hnt: &#8222;siehe, da kommst Du wieder etc.&#8220; Der Mann hatte ein Gef\u00e4\u00df voll Flederwische im Keller stehen gehabt, das ganz fest zugemacht gewesen, die hat der Geist einmal alle herauspracticirt und zwar so, da\u00df das Gef\u00e4\u00df obenauf zugedeckt geblieben, und hat sie nach einander auf den Wirth los geworfen. Da hat denn dieser erst gemeint, es w\u00e4ren nicht die seinigen, indem er gespa\u00dft: &#8222;siehe, was hast Du nun wieder vor? hast Du Flederwische in der Nachbarschaft gestohlen? O gieb sie immer her, ich habe sie von N\u00f6then.&#8220; Da hat jener aber das Ding alle auf seinen Buckel losgez\u00e4hlt. Das hat er etliche Jahre so getrieben, bis es sich selbst verloren. Den kleinen Kindern hat er nichts gethan, au\u00dfer da\u00df er ihre Str\u00fcmpfchen, St\u00fchlchen, Kleider etc. immer nach dem Wirthe zu warf. Da nun das Haus nachmals von einem andern Wirthe gekauft ward, hat es sich wieder gefunden, sonderlich nachdem man aufs Neue das ganze Haus wegen des vermutheten Schatzes durchgrub. Uebrigens meinte der fr\u00fchere Besitzer auch, es sei ihm nicht anders, als da\u00df er ein paar kupferne S\u00e4rge einstmals, als er seinen Abtritt ver\u00e4ndern lie\u00df, bemerkt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Pr\u00e4torius<\/p>\n<h2>Das wilde Weibchen bei Chemnitz<\/h2>\n<p>Am 18. August des Jahres 1644 ward bei Chemnitz auf der Jagd im Walde ein wildes Weiblein gefangen, das war eine Elle lang in Gestalt eines Menschen, ihr Angesicht, H\u00e4nde und Fu\u00dfsohlen waren glatt, sonst aber war es \u00fcberall ganz rauch. Dieses Weiblein fing an zu reden und sagte: &#8222;ich verk\u00fcndige und bringe den Frieden im Lande, wollte Gott!&#8220; und hat darauf geschwiegen. Der Churf\u00fcrst befahl, da\u00df man sie wieder laufen lassen slle, weil vor 25 Jahren auch ein M\u00e4nnlein in gleicher Gestalt gefangen ward, welches den Krieg verk\u00fcndigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">aus Schach &#8222;Kriegs- und Friedens-Sch\u00e4ferei&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Zwergen und Kobolden in Sachsen Der Fuhrmann ohne Kopf auf dem Worbisberge bei Oppach In der N\u00e4he des Dorfes Oppach in der Oberlausitz wohnte vor alter Zeit ein Fuhrmann, der durch den Flei\u00df wohlwollender Gnomen, die sich in seinem Hause aufhielten, wohlhabend, ja reich geworden war. 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