{"id":403,"date":"2018-02-28T16:16:51","date_gmt":"2018-02-28T15:16:51","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=403"},"modified":"2018-02-28T16:16:58","modified_gmt":"2018-02-28T15:16:58","slug":"burgenbericht-syrien","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=403","title":{"rendered":"Burgenbericht &#8211; Syrien"},"content":{"rendered":"<h1>Die mittelalterlichen Burgen in Syrien<\/h1>\n<p>Syrien ist ber\u00fchmt f\u00fcr seine Kreuzritterburgen. Was also lag n\u00e4her, als einige (so viele, wie nur m\u00f6glich &#8211; ich kann von mittelalterlichen Befestigungswerken nicht genug bekommen! Jeder hat so seine Marotte.) auf einer interessant und \u00f6konomisch sinnvoll zusammengestellten Reiseroute zu besichtigen, denn wie jedes Mondjahr hatte auch das heurige (1426) am Ende des Ramadans eine f\u00fcr Nicht-Moslems recht unausgef\u00fcllte Zeitspanne von mindestens drei Tagen, die hier traditionell dazu verwendet werden, die weitl\u00e4ufige Verwandtschaft zu besuchen oder einzuladen, wobei sich alles ums Essen dreht und allerlei nette Geschenke gemacht werden. Die Kinder d\u00fcrfen Feuerwerksk\u00f6rper z\u00fcnden und mit Spielzeuggewehren auf ihresgleichen zielen. In den Stra\u00dfen sind d\u00fcrftig zusammengeschwei\u00dfte Stahlger\u00fcste aufgebaut, in denen selbst die \u00e4lteren Jugendlichen bis zum Exzess schaukeln, was eine \u00c4u\u00dferung ihrer guten Laune bezeugen soll. W\u00fcrde man in Deutschland Weihnachten, Silvester und ein Dorffest in einem Aufwasch durchziehen, k\u00e4me \u00e4hnliches heraus&#8230;<\/p>\n<p>Hier muss ich kurz abschweifen, um ein Seitenlicht auf das moslemische Leben zu werfen. Vielleicht streife ich dabei auch etwas die Astronomie, aber nur sacht, um mich nicht in unaufl\u00f6sbare Widerspr\u00fcche zu verwickeln.<br \/>\nTheoretisch kann man den Mondlauf auf einige hundert Jahre im Voraus berechnen, die Erdachsenverschiebung und die Sonneneruptionen, die unser Magnetfeld ver\u00e4ndern und damit die Lichtkr\u00fcmmung unter Umst\u00e4nden beeinflussen k\u00f6nnten, mit einbezogen. \ud83d\ude09 Weiterhin gehe ich recht in der Annahme, dass der Mond \u00fcberall auf der Erde (auf der Seite jedenfalls, auf der er sichtbar ist!) in der selben Nacht voll erscheint, da der Abstand zwischen uns und unserem treuen Begleiter im Vergleich mit dem zur Sonne verschwindend gering ausf\u00e4llt, wollte man ihn nur endlich einmal ausmessen.<br \/>\nF\u00fcr uns Europ\u00e4er liegt also kein Geheimnis darin, wann der Mond voll und wann er in diversen Halb- und Viertelzust\u00e4nden sichtbar wird. In dem Sinne ist er auch etwas seiner Mysteri\u00f6sit\u00e4t beraubt und entzaubert worden. Wir schauen in den Mondkalender und damit hat sich die Sache.<\/p>\n<p>Nicht so der arabische Moslem. F\u00fcr ihn ist das Zeichen zum Id al-Fittr, dem gro\u00dfen dreit\u00e4gigen Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadans, erst dann gegeben, wenn er die silberne Scheibe nicht mehr am Himmel erblicken kann. Wirklich ung\u00fcnstig ist diese Praxis bei Bew\u00f6lkung, m\u00f6chte man scherzen, aber die Realit\u00e4t ist noch viel ulkiger! Denn obwohl durchaus klare Sicht herrschte, wurde der Id in Libyen beispielsweise bereits am 01.11.2005 ausgerufen, in \u00c4gypten jedoch erst am 02.11., obwohl es auch noch an Libyen grenzt! Hier in Syrien waren die Hardliner der religi\u00f6sen Fraktion noch uneinsichtiger und erlaubten die Zeremonie erst am 03.11., wo sich bereits eine deutliche Sichel am Nachthimmel abgezeichnet haben mu\u00df&#8230;<\/p>\n<p>Aus dieser f\u00fcr uns verwirrenden Handhabung im Grunde recht simpler Gegebenheiten resultieren daher ganz eigene Auswirkungen. Niemand kann einem beispielsweise Auskunft dar\u00fcber geben, wann der letzte Schultag sein wird, ob morgen Busse fahren oder man bereits wieder in der Stra\u00dfe essen darf. Nicht einmal der Direktor meines Spracheninstituts in Damaskus konnte sich zu einer diesbez\u00fcglichen Aussage durchringen, wann er seine Lehrer heimschicken w\u00fcrde und ob es Sinn mache, am \u00fcbern\u00e4chsten Tag den Weg zur Schule anzutreten. Meine anf\u00e4ngliche Perplexizit\u00e4t machte nach kurzer Zeit schon gutm\u00fctiger L\u00e4cherlichkeit Platz. Da stehen sich zwei Welten gegen\u00fcber, zwischen denen es nahezu keinen Ankn\u00fcpfungspunkt gibt. Es hilft da beispielsweise gar nichts, jemandem zu erkl\u00e4ren, dass es eine ausgemachte Sache sei, wann Neumond sein wird &#8211; er wird es schlicht nicht glauben. Wie so oft hier versagen unsere Vorstellungen von Logik (f\u00fcr die die ollen Griechen verantwortlich zeichnen), wenn die besseren Argumente einfach nicht greifen. Was nutzt mir da dann meine Logik, wenn ein Mensch, nur weil er aus einem anderen Kulturkreis kommt, sagen kann, er glaubt es nicht? Das n\u00f6tigt mir gro\u00dfe Zweifel an der von uns wahrgenommenen Realit\u00e4t ab, denn scheinbar gibt es noch ganz andere Realit\u00e4ten, von denen wir gar keine Vorstellung haben. Viele f\u00fchlen sich von derlei haarstr\u00e4ubenden Erlebnissen vor den Kopf gesto\u00dfen, ich mu\u00df doch bei aller Tragik der Lage immer wieder \u00fcber meine Araber l\u00e4cheln, ich kann nicht anders.<\/p>\n<p>Um zum Punkt zu kommen: Niemand war willens und f\u00e4hig, mir einen Termin zu nennen, an dem definitiv keine Schule sein w\u00fcrde. So legte ich meine Abreise aus Damaskus recht eigenwillig auf den 02.11.2005 (was sich im Nachhinein als guter Mittelweg zwischen den unterschiedlichen moslemischen Sichtweisen herausstellte!) und machte mich &#8211; meinem Reiseplan gem\u00e4\u00df &#8211; p\u00fcnktlich um sieben Uhr auf den Weg zur Busgarage, die sich von meiner Wohnung etwa 2 km nord\u00f6stlich an einer der gro\u00dfen Ausfallstra\u00dfen aus Damaskus befindet. Einen Reiseplan hatte ich tats\u00e4chlich im Voraus erstellt, an den ich mich zu halten gedachte, mochten alle Sarazenesen gegen mich sein! Auf den Spuren auch meiner Geschichte wollte ich den letzten Zeugen dieser bis in unsere Zeit nachdauernden \u00c4ra gegen\u00fcbertreten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-404\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/krak04.jpg\" alt=\"\" width=\"443\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/krak04.jpg 443w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/krak04-300x135.jpg 300w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/krak04-350x158.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 443px) 100vw, 443px\" \/><\/p>\n<p>Da ich also meinen pers\u00f6nlichen Id auf eine Dauer von 4 Tagen festlegte (der 02.11. fiel auf einen Mittwoch, eingedenk des hiesigen Wochenendes, das Freitag und Sonnabend umfasst, ergaben sich mithin 4 freie Tage, von denen ich den letzten hiermit benutze, meine Erlebnisse schriftlich niederzulegen), bezog ich eine Reihe mich interessierender Punkte in meine zu absolvierende Routenplanung ein: Zuallererst kam da der Krak des Chevaliers, nat\u00fcrlich, m\u00f6chte man sagen. Ich war im nachhinein recht froh, ihn gleich am Anfang hinter mich gebracht zu haben, denn obwohl man seinen relativ vollst\u00e4ndigen Zustand zurecht herausstellt, ist er doch bei weitem nicht so imposant, wie ihn die Reisef\u00fchrer anpreisen. Auch wenn viele namhafte Orientreisende darin einig sein m\u00f6gen, \u00fcberw\u00e4ltigt war ich keineswegs, und so lie\u00df das Kommende doch noch eine Steigerung zu, auf die ich nicht mehr gehofft hatte.<br \/>\nFestzuhalten ist in der Tat, dass der Krak (auf arabisch &#8222;qalaat al-hosn&#8220;) eine Wehranlage ist, die in ihren Ausma\u00dfen und in ihrer Urt\u00fcmlichkeit ihresgleichen in Europa sucht. Wenn man die seit tausend Jahren dar\u00fcber hinziehende unruhige Geschichte der Region und die Belanglosigkeit der Araber in Rechnung stellt, mit der solche historische Monumente gesehen werden, ist der Zustand doch \u00fcberraschend gut. Jedoch kann von Vollst\u00e4ndigkeit keine Rede sein. Wer derlei \u00dcbertreibungen im Munde f\u00fchrt, hat von mittelalterlichen Burgen keinen Schimmer.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-405 alignleft\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/krak02.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/krak02.jpg 250w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/krak02-236x300.jpg 236w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/> Die Mauerkronen der \u00e4u\u00dferen Umfriedung sind nahezu komplett bis zu 3 Meter abgest\u00fcrzt. Das hei\u00dft, alle Zinnen fehlen, die oberen Wehrg\u00e4nge, die dahinter lagen, existieren nicht mehr, die Erker, aus denen der bis an die Burgmauern gelangte Feind senkrecht von oben bek\u00e4mpft wurde, ebenso. Von ihnen sieht man lediglich noch die Kragsteine, zwischen denen hindurch kochendes Wasser, Pech oder einfach aller Unrat auf die Angreifer gegossen wurde.<br \/>\nDer Raum zwischen dieser Au\u00dfenmauer und der inneren Burg ist nicht freigemacht worden, nicht einmal exemplarisch an einem Schnitt, so dass der Besucher keinen Eindruck davon bekommt, wie die beiden Ringe zueinander in Bezug standen.<br \/>\nVon den Wirtschaftsgeb\u00e4uden, die im \u00e4u\u00dferen Burghof an der Au\u00dfenmauer anlagen, fehlt bis auf die Fundamente jede Spur, dieser Vorhof ist mit Erde und Sch\u00fcttgut angef\u00fcllt.<br \/>\nAuch an der Innenburg ist die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen. Zwischen den drei gro\u00dfen T\u00fcrmen, die die schwerer zu verteidigende flach ansto\u00dfende Landzunge im S\u00fcd-S\u00fcdwesten sch\u00fctzen, ist das Mauerwerk mitsamt den Gew\u00f6lben eines ganzen Geschosses (an die 8 Meter) weggebrochen, was man an den Bruchkanten erkennen kann, die sich von den sonst auf Millimeter genau bearbeiteten Steinen abheben. Es fehlen teilweise auch die v\u00f6llig glatten Au\u00dfenverkleidungen der Bastionen der Innenburg, so dass die groben F\u00fcllschichten der Mauer zutage treten.<br \/>\nInnerhalb der Innenburg fehlt mindestens ebenfalls ein ganzes Geschoss auf allen Grundrissen, was der obere Mauerabschluss verr\u00e4t.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-406 alignright\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/krak03.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"338\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/krak03.jpg 250w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/krak03-222x300.jpg 222w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>Imposant sind allerdings die noch bestehenden zwei Geschosse darunter! Riesige Vorratshallen und Wirtschaftsr\u00e4ume, Schlafs\u00e4le und Stallungen sind da zu entdecken! Ich m\u00f6chte trotzdem an den Zahlen zweifeln, die auch im LP genannt werden, denn eine st\u00e4ndige Besatzung von 2000 Rittern kann auch der Krak nicht beherbergt haben. Die Leute denken sich immer nichts dabei, mal schnell 2000 Ritter da hinein zu operieren&#8230; Klingt gut, 2000. Dabei braucht man sich doch nur die Kirche anschauen und man wei\u00df ungef\u00e4hr, wie viele Edle sich st\u00e4ndig innerhalb der Mauern aufgehalten haben, respektive, f\u00fcr wie viele das Geb\u00e4ude ausgelegt war. 500, \u00fcber den Daumen gepeilt, wobei auch das Gesinde nicht vergessen werden darf, dass die Versorgung der 500 aufrechtzuerhalten hatte! Also alles in allem k\u00f6nnen schon 2000 Leute dorten gehaust haben (nicht gerechnet das ganze Viechzeug und die Pferde), im Notfall, wenn die Burg als Ziel eines Milit\u00e4rschlages doppelt bemannt wurde, bis zu 1000 Ritter und 2000 Mann Fu\u00dfvolk und Dienstpersonal, aber nicht l\u00e4nger als ein halbes Jahr!<br \/>\nIch als alter Kreuzzugsveteran muss es ja wissen. Das sind wieder so Sachen wie mit der Isomatte vom \u00d6tzi, welche Geschichte jedoch ein andermal erz\u00e4hlt werden muss. Nur mal hineinversetzen in die Zeit und die Lage, dann kannste fast alle wissenschaftlich penibelst errechneten Fakten wegwerfen, weil sie sich nicht aus ihren Schreibtischst\u00fchlen heraus schwingen und einfach mal eine Woche Burg leben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-407 alignleft\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/krak01.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"196\" \/>Und entdecken muss man das Areal wirklich, denn ohne gesunden Orient (!) ierungssinn kann man sich noch fast darin verlaufen. Schilder und Aufschriften, die entweder dem Zurechtfinden oder der dezent popul\u00e4rwissenschaftlich vereinfachten Darreichung von historischem Datenmaterial dienen, sucht man vergebens. Nicht einmal der Ausgang ist gekennzeichnet. Wie ich kurz am Telefon schilderte, habe ich doch nicht zu unrecht einen ganzen Tag veranschlagt, denn obschon ich wieder erwarten innerhalb von 4 Stunden gegen 11:00h den Krak erreicht hatte (Man verl\u00e4sst Damaskus Richtung Norden und kommt z\u00fcgig in immer steiler werdendes H\u00fcgel- und Bergland, das dann nach Homs zu wieder in eine Ebene abf\u00e4llt. Man kreuzt hierbei die schr\u00e4g nach Nordost gelagerten Ausl\u00e4ufer des Antilibanon. In Homs musste ich umsteigen, wo mein Bus aus Damaskus endete und ich einen Micro nach al-Hosn bestieg, der mich in der so benannten Ortschaft am Fu\u00dfe der Festung in ungem\u00fctlichem, durchdringendem Nieselregen absetzte.), zehrte das Herumklettern so an meiner Ausdauer, dass ich gegen 16:00h bereits die Ruine verlie\u00df und das in meinem Plan vorgesehene Hotel ansteuerte, weil ich meine Beine kaum noch heben konnte.<\/p>\n<p>Wie froh und dankbar war ich aber erst, als ich feststellen durfte, dass mein Zimmer GEHEIZT war und aus der Dusche warmes Wasser kam! Etwas besseres h\u00e4tte mir f\u00fcr 750 SP (etwa 12 EUR zur Zeit der Niederschrift) mit Fr\u00fchst\u00fcck zu dem Zeitpunkt nicht zusto\u00dfen k\u00f6nnen. Im Vorbeigehen hatte ich auch noch in einem Restaurant angefragt, ob nach dem allt\u00e4glichen Fastenbrechen (inzwischen hatte ich nun auch registriert, dass der Id noch nicht gefeiert wurde) ein Abendmahl zu erstehen sei, jedoch abschl\u00e4gige Antwort erhalten und mich an einer unumz\u00e4unten Feigenplantage bestimmt auch ein wenig trotzig ob der unerfreulichen Aussicht, hungrig ins Bett zu gehen, mit den teilweise unreifen Fr\u00fcchten regelrecht vollgestopft. Ich habe mir angew\u00f6hnt, auf meinen Reisen nicht dann nach etwas Essbarem Ausschau zu halten, wenn mich mein Magen daran erinnert, sondern mich zu verproviantieren, wenn ich ohne gro\u00dfes Aufsehen an Futter komme. Ebenso halte ich es mit anderen Notwendigkeiten&#8230;<br \/>\nTrotzdem erkundigte ich mich beim Rezeptionisten, ob denn etwa (ich rechnete eigentlich nicht mit einem Wunder, aber da geschah es auch schon) das Etablissement \u00fcber eine eigene K\u00fcche verf\u00fcgte. Was kleines sei schon zu haben, ob ich denn faste? Ordnungs- und nicht wahrheitsgem\u00e4\u00df antwortete ich mit &#8222;ja&#8220;, obwohl ich Sorge hatte, dass nicht ein verirrtes St\u00fcck Feigenhaut zwischen meinen Z\u00e4hnen hervorlugen w\u00fcrde. Mit dieser Aussage, dass man n\u00e4mlich faste, macht man einem Moslem eine ungeheure Freude. Er erblickt in einem sogleich den Bruder, den Mitleidenden, noch \u00fcberh\u00f6ht durch das Bewundern, dass der andere gar nicht fasten m\u00fcsste, es aber aus lauter Br\u00fcderlichkeit aus freien St\u00fccken doch tut. Kann man einem Menschen eine gr\u00f6\u00dfere Freude machen mit weniger Einsatz? Ich denke, nicht. Und wenn man das Strahlen im Gesicht eines solchen freundlichen Menschen einmal gesehen hat, f\u00fchlt man auch keine Gewissensbisse mehr \u00fcber die L\u00fcge, die man soeben in die Welt setzte. Eine solche kindliche Freude ist doch noch jede L\u00fcge wert!<\/p>\n<p>Nach 17:00h versprach mir der Mann also etwas kleines, ich rechnete h\u00f6chstens mit einem lauwarmen Imbiss (man sagt wohl auch schon einmal Snack dazu). Er w\u00fcrde mich wecken, falls ich schlafen wolle, beruhigte er mich noch, obwohl ich mir deswegen gar keine Gedanken machte. Ich wollte ja auch nicht schlafen&#8230;<\/p>\n<p>Wie ich aber so von einem langen, an der frischen Luft verbrachten Tag ausgestreckt auf meinem Bett lag, die F\u00fc\u00dfe dicht am Plattenheizk\u00f6rper, die feuchten Sachen auf allen m\u00f6glichen Gestellen, die ich finden konnte, darum herum platziert, zog es mir ganz schnell doch die Augenlider zu und ich d\u00e4mmerte sanft, als es tats\u00e4chlich an meiner T\u00fcr klopfte. Sollte es schon 5 geworden sein? Ein Blick auf meine goldene Armbanduhr best\u00e4tigte das. Also schnell die inzwischen trockenen Kleidungsst\u00fccke \u00fcbergeworfen, die ausgew\u00e4rmten Schuhe an die F\u00fc\u00dfe gesteckt und hinauf in die lobby. Ja, hinauf musste ich, denn die H\u00e4nge des Berges sind so steil, dass das Hotel &#8211; bergseitig betreten &#8211; ebenerdig den Empfang hat, sich die Zimmer aber in drei Etagen talw\u00e4rts darunter befinden. Unverbaubarer Blick auf den Krak \u00fcbrigens. Oben sa\u00df man schon zu Tisch, und was staunte ich, als ich &#8211; von den netten Herren in ihren Kreis gebeten &#8211; die Speisen sah: Fleischklopse mit Champignons, Auberginensalat, Paprikasalat, gegrilltes H\u00e4hnchen mit frittierten Kartoffeln, Joghurt, Erbsbrei mit Oliven\u00f6l, Fladenbrot&#8230; Ich konnte es kaum fassen, ausgehungert, wie ich war, ich hatte ja kein Mittagessen gehabt! Ich griff also t\u00fcchtig zu und kam damit nur meiner Pflicht als Gast nach, denn die Verschm\u00e4hung des Essens, zu dem man gebeten wird, ist doch eine r\u00fcde Beleidigung, die ich niemandem antun w\u00fcrde. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Beil\u00e4ufig tummelten sich in der Lobby noch andere Gestalten, die sich vorwiegend in dem mir leider v\u00f6llig unverst\u00e4ndlichen Franz\u00f6sisch unterhielten, so dass sich mir Sinn und Zweck nicht offenbarten. Eine \u00e4ltere Dame aus der Gruppe hielt nun ebenfalls auf den hinter der Rezeption aufgebauten Tisch zu und erkundigte sich in flie\u00dfender arabischer Umgangssprache, ob sie auch ein wenig abbekommen d\u00fcrfte. Sofort sprangen die M\u00e4nner auf, um ihr einen Platz anzubieten und selbst im Stehen weiterzuessen. Sie bedankte sich. Zu mir gewandt setzte sie in Englisch eine Entschuldigung hinzu, ich solle mich doch nicht st\u00f6ren lassen (was mir auch nicht direkt in den Sinn gekommen w\u00e4re &#8211; sollte ich da etwas an meinen Tischsitten feilen?). Also sa\u00dfen wir da und a\u00dfen von den immer noch gut gef\u00fcllten Platten und Tellern. Sie stand auch wieder auf und k\u00fcmmerte sich um die etwas europ\u00e4ischer Aussehenden, ich machte mir &#8211; wie immer &#8211; keine weiteren Gedanken.<\/p>\n<p>Gerade hatte ich mein &#8222;hamdulil\u00e4h&#8220; hergesagt, mit dem jedes Essen endet, und wollte den Feigen noch einen abendlichen Besuch abstatten, weil mir der Nachtisch zu kurz gekommen schien, ich stand nur ganz kurz an die Rezeption gelehnt, da spricht mich doch die Frau wieder an. Ganz so unh\u00f6flich bin ich ja auch nicht, also ein wenig Konversation statt Feigen&#8230; Aus der Konversation wurde dann noch ein richtiges Gespr\u00e4ch, im Laufe dessen sich herausstellte, dass die gute Frau 1) studierte Architektin ist, 2) f\u00fcr einige l\u00e4ngere Zeit f\u00fcr eine Gesellschaft namens &#8222;Aga Khan Trust for Culture&#8220; t\u00e4tig gewesen ist (auf deren Website ich oft und gerne surfe und sehr viele interessante Themen zu historischer aber auch contempor\u00e4rer islamischer Architektur finde, unter anderem kann man sich dort auch einen neudeutsch genannten &#8222;account&#8220; einrichten und selber Pr\u00e4sentationen und Datenmaterial eigener Projekte hochladen, eine interne Jobb\u00f6rse durchsuchen und mit anderen Mitgliedern in Kontakt treten &#8211; unter anderem hat dieser Verein die Assasinenburg in Musyaf konserviert, die auch auf meinem Weg lag &#8211; aber dazu sp\u00e4ter), 3) nun als stellvertretende Chefin vom Amt f\u00fcr Arch\u00e4ologische Ausgrabungen und Museen in Syrien zust\u00e4ndig ist, und neben anderen Fakten 4) in ihrer Jugend \u00fcber einen Studentenaustausch mit der DDR in Dresden war und in Sachsen rumgereist ist. Genug Gespr\u00e4chsstoff jedenfalls allemal, um einen interessanten Abend zu haben. Nat\u00fcrlich wurde ich eingeladen, sie zu besuchen, sie spricht auch noch passables Deutsch &#8211; welch Schande, ich mit meinen st\u00fcmperhaften Fetzen \u00fcbelster Ammiya (arabische Umgangssprache)!<\/p>\n<p>Doch auch dieser Abend ging zu Ende, wir waren allesamt auch ziemlich schl\u00e4frig geworden, so dass wir uns verabschiedeten und ich meinen Abendspaziergang nachholen wollte. Etwas frische Nachtluft vor dem Schlafengehen w\u00fcrde besser sein als der alte Rauch aus der Lobby in den Lungen. Ich trat ins Freie und eh ich mich versah, lenkte ich meine Schritte doch wieder gen Krak. Naja, eine Runde rundrum w\u00fcrde gen\u00fcgen. Auf halben Weg \u00fcberraschte mich dann wieder der Regen. H\u00f6rt gleich auf, dachte ich, lauf weiter. Doch es wurde stattdessen \u00e4rger und so war ich bis auf die Haut durchn\u00e4sst, als ich wieder im Hotel ankam. Nun hatte ich auch einen guten Grund, die Dusche ausgiebig zu benutzen. Die Sachen wurden also wieder auf die Gestelle geh\u00e4ngt, wo sie bis zum Morgen schon trocknen w\u00fcrden. Ich wollte auch fr\u00fch los, weil ich keine Details \u00fcber eine Verbindung mit \u00f6ffentlichem Transport nach Safita, meinem n\u00e4chsten Ziel, herausfinden hatte k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Morgen war genauso wolkenverhangen und na\u00df, wie der alte Tag aufgeh\u00f6rt hatte. Ich h\u00f6rte schon das Tropfen des Wassers, bevor ich die Augen aufmachte. Ganz kurz dachte ich daran, einfach liegen zu bleiben in meinem warmen Zimmer &#8211; hier in Damaskus habe ich solch einen Luxus nicht! Doch der innere Schweinehund lie\u00df sich ermahnen, ich legte meine R\u00fcstung an, Moment &#8211; ich legte meine Reisekledage an! Na eben, die R\u00fcstung h\u00e4tte ich nicht selber angelegt, sondern mein Knappe! Jetzt bin ich wieder richtig! Also alle St\u00fccke zusammengesammelt, noch mal umgeschaut, ob nicht etwa gar der Reisepa\u00df eine Ehrenrunde einlegen wolle, nein, doch nicht. Fr\u00fchst\u00fcck mit Blick auf den verregneten Krak &#8211; und hinaus ins Ungewisse! Angeblich solle es wohl doch direkt einen Microbus von der etwas entfernt liegenden Autostrad aus nach Safita geben. Zu Fu\u00df w\u00e4ren es 20 km Luftlinie, allerdings im schroffen Bergland und aufgeweichtem Boden h\u00e4tte das einen Gewaltmarsch von mehr als 5 Stunden gekostet, den Regen noch nicht in Anschlag gebracht. Da gab es keine \u00dcberlegung, ich nahm den Weg am Krak vorbei ins Tiefland zur Schnellstra\u00dfe. Der Niesel lie\u00df nach, und so sah ich voller Erwartung dem Unbekannten entgegen. Der Weg vom Krak talw\u00e4rts zieht sich etwa 5 km bei stetigem Abfall, wobei man nach etwa einer Stunde an die 600 H\u00f6henmeter hinter sich l\u00e4sst. Dann trifft man auf eine gr\u00f6\u00dfere Stra\u00dfe, der man folgen mu\u00df, um zu der Autostrad zu gelangen. Ohne Karte hatte ich nur eine verschwommene Vorstellung der Entfernungen. Kein Micro, der passierte, machte Anstalten, mich aufzulesen. Der Regen wurde intensiver. Meine gute Laune lie\u00df nach, w\u00e4hrend ich f\u00fcrba\u00df schritt. Ein mitleidiger Fahrer nahm mich schlie\u00dflich bis zur Autostrad mit, die in erstaunlicher Entfernung lag! Nach kurzem Warten stieg ich einem Transporter zu, der aber schon nach 5 km meine Richtung verlie\u00df. Unter einer nahen Br\u00fccke w\u00fcrde schon wieder ein Auflesepunkt f\u00fcr vorbeifahrende Mitfahrgelegenheiten zu finden sein&#8230;<br \/>\nDoch die wollten nicht so wie ich gerne wollte. Was bleib mir \u00fcbrig, als dem Regen zum Trotz auf dem Standstreifen der Asphaltpiste weiterzulaufen? Meine W\u00fcstenstiefel, die dem stehenden Gew\u00e4sser auf der Fahrbahn nichts entgegenzusetzen hatten, wurden schon merklich feucht.<br \/>\nNach endlosen Kilometern (waren wohl nicht mehr als 3) und ungem\u00fctlichem Nieseln, das nun nicht mehr auf der Oberfl\u00e4che sitzen blieb, erreichte ich wieder eine Br\u00fccke, unter der ich mich letztendlich in die Notwendigkeiten f\u00fcgte, die dem Wanderer in arabischen L\u00e4ndern so gar kein Verst\u00e4ndnis entgegenbringen. Schlie\u00dflich bekam ich doch noch einen Micro, wobei mir v\u00f6llig gleichg\u00fcltig geworden war, wohin er mich brachte, Hauptsache weg aus dieser nasskalten Ein\u00f6de! Auf dem Schild konnte ich zwar &#8222;Safita&#8220; entziffern, auf Nachfrage jedoch verriet der Fahrer, dass er in die n\u00e4chstgr\u00f6\u00dfere Stadt Tartus (Kreuzfahrerhafen Tartosa) unterwegs sei und auch nicht willens, einen Abstecher meinetwegen zu machen. Der Abstecher h\u00e4tte auch 20 km betragen, wie auf den Wegweisern geschrieben stand&#8230; Mit einer guten Karte h\u00e4tte ich mir solche Illusionen gar nicht gemacht! Jetzt stand ich vor der Entscheidung, von Tartus aus direkt nach Baniyas und anschlie\u00dfend al-Marqab weiterzureisen, auf Safita zu bestehen oder eventuell der Medina von Tartus Hallo zu sagen. Entsprechend der Anweisung im Hagakure, das n\u00e4mlich ein Samurai seine Entscheidung innerhalb von sieben Atemz\u00fcgen treffen solle um anschlie\u00dfend nicht weiter dar\u00fcber nachzudenken, \u00fcberlegte ich nicht allzu lange und suchte mir in dem Gew\u00fchl von Microbussen denjenigen nach Safita. Das bedeutete zwar einen ziemlich weiten Weg zur\u00fcck, aber ich hatte mir in den Kopf gesetzt, die Templerburg zu sehen, beziehungsweise die Reste davon, denn in meinem LP stand nur etwas vom Bergfried, in dem eine Kirche im Erdgescho\u00df sein sollte. De facto existiert die Burg noch weitgehend in ihren alten Ausma\u00dfen, nur ist sie nicht wie \u00fcblich g\u00e4nzlich verlassen oder als Steinbruch f\u00fcr Baumaterial benutzt worden, sondern wurde von den Bewohnern der Stadt zu ihren F\u00fc\u00dfen einfach zivil erobert und erf\u00fcllt damit mehr als alle anderen zu Ruinen degradierten Bauwerken noch heute ihren Zweck, n\u00e4mlich Menschen zu beherbergen! Vom Bergfried aus kann man die Grundmauern noch gut ausmachen. Ich war ehrlich \u00fcberrascht, wie gro\u00df auch diese Anlage einst gewesen sein mu\u00df.<\/p>\n<p>An die hundert Ritter und 300 Laien und Bedienstete hat sie sicher aufnehmen k\u00f6nnen. Da die Templer eine Art Elitetruppe darstellten, machten ihrer hundert eine \u00dcbermacht von 500 Gegnern leicht wett. Der Bergfried ist in einem bedauernswertem Zustand. Obwohl noch heutigen Tags regelm\u00e4\u00dfig Gottesdienste in der Kapelle abgehalten werden und das Gotteshaus demnach Mittel aufbringt, um den Bauk\u00f6rper zu erhalten, \u00fcbersteigt der Aufwand scheinbar deutlich die M\u00f6glichkeiten der Gemeinde. Die Au\u00dfenmauern des rechteckigen Turmes weisen bereits Vers\u00e4tze von bis zu 30 cm auf, die Reste der Zinnen, die immerhin massive Bl\u00f6cke mit zwei bis drei Tonnen bilden, liegen lose auf der Mauerkrone &#8211; manche schon \u00fcberh\u00e4ngend oder kippelnd. Nicht einmal eine Frage der Zeit und sie st\u00fcrzen unwiederbringlich die 25 Meter in die Tiefe und schlagen in die an der Mauer klebende Cafeteria al-Burdsch&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-408\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/safita01.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/safita01.jpg 320w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/safita01-300x221.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-409\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/safita02.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/safita02.jpg 320w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/safita02-300x221.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>Au\u00dfer der Kapelle, dem dar\u00fcber befindlichen Schlafsaal (nur im Fall, Angreifer h\u00e4tten den Rest der Burg bereits eingenommen, denn die Templer lebten ja kl\u00f6sterlich in Zellen, zu zweien, wie Du wei\u00dft) und dem Blick vom Dach kann man also recht wenig bestaunen, wenn man nicht seine Phantasie etwas bem\u00fcht und die Burg vor seinem inneren Auge zum Leben erweckt. Tats\u00e4chlich kann man selbst bei schlechtem Wetter (es regnete gerade nicht, aber die in den Bergen h\u00e4ngenden Wolkenfetzen zogen geisterhaft \u00fcber die zerkl\u00fcftete Landschaft und es fr\u00f6stelte mich, weil ich doch schon angefeuchtet war) den Krak des Chevaliers von da ausmachen. Angeblich sollen die beiden \u00fcber Leuchtfeuer in Verbindung gestanden haben.<\/p>\n<p>Noch ein Felafel an der Bude reingeschnurpst, und ich machte mich auf den Weg zur\u00fcck nach Tartus, meine Neugier war befriedigt. Safita w\u00e4re wahrscheinlich ein gutes Studienobjekt, wie es \u00fcberhaupt \u00fcber die Kreuzfahrerburgen im Heiligen Land und dem Weg dahin scheinbar keine oder nur l\u00fcckenhafte Forschungen gibt. Gleich unterhalb der Burg befindet sich noch eine Kirche, die ebenfalls aus der Templerzeit stammt, von au\u00dfen ist sie leider komplett \u00fcberarbeitet worden und damit leider v\u00f6llig verhunzt, innen \u00fcberraschenderweise aber noch unver\u00e4ndert. Nat\u00fcrlich fehlen wie allerorten die Fresken und Bemalungen, weil der Verputz abf\u00e4llt, so dass nur die nackten Gew\u00f6lbe einem ihre ausfransenden Unterseiten entgegenstrecken, jammervolles Bild einer zu lange \u00fcberdauerten Bl\u00fctezeit, wie wenn die Steine in ihrem Schlummer von den alten \u00c4ren tr\u00e4umen&#8230;<\/p>\n<p>Durch die pittoresk durchgestaltete Landschaft, die schon so viele Menschengeschlechter kommen und gehen sah, f\u00fchrt der Weg \u00fcber Serpentinen und st\u00e4ndiges Auf und Ab wieder ins K\u00fcstenland von Tartus, von dem mich meine Reise am Ufer des Mittelmeeres entlang wiederum etwa 30 km nordw\u00e4rts nach Baniyas brachte, das den Ausgangspunkt f\u00fcr die Besichtigung der Feste al-Marqab bilden sollte. Mein Zeitplan stellte sich als gut gesch\u00e4tzt heraus, obwohl ich bef\u00fcrchtet hatte, ihn nach dem Verzug vom Krak zu den Akten legen zu m\u00fcssen. Irgendwo unterwegs hatte ich ihn wieder eingeholt.<\/p>\n<p>Baniyas selbst ist eine neumodische, h\u00e4ssliche, arabische K\u00fcstenstadt, aber hoch oben thront die schwarze Feste al-Marqab. Die Entfernung und die Steigung sch\u00e4tzend legte ich fest, mir die Qu\u00e4lerei nicht antun zu m\u00fcssen, weil ich meine Kr\u00e4fte dringender ben\u00f6tigen w\u00fcrde, um die Anlage zu besichtigen. Klug gehandelt, denn ich w\u00e4re am Ende gewesen! Selbst mit dem Micro dauerte es noch einmal eine Viertelstunde bei z\u00fcgiger Fahrt, bis ich landw\u00e4rts am Fu\u00df der Festung stand, die mir nun den Ausblick aufs Meer versperrte.<\/p>\n<p>Mir fehlen die Worte, um den Anblick zu beschreiben, den mir die Festung bot. Mich schauert noch immer, wenn ich daran denke! Irgendetwas wohnt noch immer in den Mauern, etwas hat die Zeiten \u00fcberdauert von der M\u00e4chtigkeit, von dem Willen, der n\u00f6tig war, diese Gestalt zu bilden! Vergi\u00df Krak des Chevaliers. Er ist nur ein (w\u00f6rtlich) blasser Abglanz. Vielleicht liegt es wie so oft im Auge des Betrachters, denn die wei\u00dfe Festung hatte mich nicht wirklich fesseln k\u00f6nnen, nur der eine Blick aber auf al-Marqab hatte mir ans Innerste ger\u00fchrt.<\/p>\n<p>Und dieses Gef\u00fchl, hier etwas ganz einzigartiges vor mir zu haben, best\u00e4tigte sich mit jedem Schritt, den ich setzte, jeder neuen Perspektive, die hinter der n\u00e4chsten Ecke auf mich wartete und die gefunden werden wollte. Viele Besucher finden nicht den Weg nach al-Marqab, auf den gro\u00dfen Touristenrouten rangieren Qalaat al-Hosn (Krak des Chevaliers) und Qalaat Salah ad-Din weiter vorne. Von den Syrern wird al-Marqab als Ausflugsziel benutzt, um zwischen den Steinen herumzutollen. Nur das s\u00fcdliche Drittel der Anlage ist noch in einem Zustand, den ich als betretbar bezeichnen will.<br \/>\nDer Rest gleicht einem Ausschnitt aus &#8222;Planet der Affen&#8220;, als Charlton Heston die Freiheitsstatue findet. So \u00e4hnlich ist mir da auch geworden, wenn ich ein Bild geben soll. Die Gewissheit, ein St\u00fcck Deiner eigenen Geschichte vor Dir zu sehen, in deutlichen Zeichen wie in einem aufgeschlagenen Buch musst Du lesen, Du kannst es nicht vermeiden, weil die Schrift zu Dir spricht&#8230; Du hastest weiter und weiter, nur um die schreckliche Wahrheit ganz zu erfahren, Du kannst den Blick nicht abwenden von dieser schrecklichen, angsterregenden, zertr\u00fcmmerten Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p>Die Photografien k\u00f6nnen nichts von dem, was ich sah, wiedergeben. Auch nicht meine Worte. Ich suche nach Formeln, und obwohl ich doch manchmal recht forsch und frei mit unserer Sprache umgehe, hier mu\u00df ich passen, ich gerate ins Stammeln und Stottern. Durch Mark und Bein, wie es so sch\u00f6n hei\u00dft. Nur ist es keine Angst, die mich zittern l\u00e4sst. Es ist eher ein Gef\u00fchl der Freude, das die Verbindung nicht abgerissen ist, ja, die Zuversicht, dass sie niemals abrei\u00dfen wird, die Verbindung mit unseren Vorfahren und damit auch unsere Verbindung mit unseren Nachkommen, la\u00df es mich so ausdr\u00fccken.<\/p>\n<h2>Al-Marqab.<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-410\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab01.jpg\" alt=\"\" width=\"372\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab01.jpg 372w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab01-300x161.jpg 300w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab01-350x188.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/><\/p>\n<p>Dem Sonnenuntergang wohnte ich noch auf den Mauern der Feste bei, sp\u00e4ter warf mich der Kassierer hinaus. Da stand ich, noch ganz fassungslos, wie aus dem Paradies vertrieben. Wohin sollte ich mich wenden, etwa in diese Niederung menschlicher Existenz da unten zu meinen F\u00fc\u00dfen? In den Mief und den L\u00e4rm und den Dreck der Neuzeit? Ich hatte doch zu ernst mit dem Gedanken gespielt, dass man mich einfach vergessen w\u00fcrde, wie alles andere hier oben. Ich hatte mich schon Quartier zwischen den Mauern machen sehen&#8230; Verpflegung hatte ich mir organisiert, nachdem ich die Feigen, die ich am Morgen am Krak noch eingesackt hatte, auf der Nordbastion al-Marqabs vervespert hatte, die, wie die Ostflanke, durch einen Steilabhang gesichert ist. Dort wachsen inmitten von mannshohem Gestr\u00fcpp wilde Granat\u00e4pfel, von denen ich meinen leeren Brotbeutel auff\u00fcllte. Auf dem Weg entlang der Au\u00dfenmauer kam ich noch an einem Feigenkaktus vor\u00fcber, dessen rot-orange leuchtende Fr\u00fcchte weitestgehend au\u00dferhalb meiner Reichweite hingen. Eine jedoch konnte ich erhaschen. Ich w\u00e4lzte sie auf der Erde, um die unz\u00e4hligen kleinen glasartigen Stacheln abzustreifen, die sonst zwangsl\u00e4ufig in den H\u00e4nden und der Zunge stecken bleiben. Mit einem Papiertaschentuch (hatte ich nat\u00fcrlich dabei, man wei\u00df ja nie) nahm ich die zitronengro\u00dfe Leckerei in die Linke, mit der rechten war ich schon mit meinem schweizer Taschenmesser zur Hand, den Bl\u00fctenrest und den Stielansatz abzutrennen, um anschlie\u00dfend durch einen L\u00e4ngsschnitt die verbleibende Schale aufzutrennen. Mit der Klinge fuhr ich nun flach unter die Schale und l\u00f6ste sie beidseitig vom Mark, bis ich getrost mit gro\u00dfem Appetit in meine erste selbst erbeutete (und reife!) Kaktusfeige bei\u00dfen konnte! Was f\u00fcr ein Genu\u00df, sie hatte gerade den richtigen Reifegrad, wie ich sie am liebsten mag.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-411\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab02.jpg\" alt=\"\" width=\"341\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab02.jpg 341w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab02-300x176.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 341px) 100vw, 341px\" \/>Die Burg wird in n\u00e4chster Zeit allem Anschein nach ziemlich rapide verfallen. Es wurden und werden keine Sicherungsma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt, die Burg ist nicht vermessen, es findet keine Konservierung statt. Viele der gro\u00dfartigen Gew\u00f6lbe stehen kurz vor dem Einsturz. Die Mauerkronen sind zwar im s\u00fcdlichen Areal d\u00fcrftig mit M\u00f6rtel verschmiert, im n\u00f6rdlichen dagegen kann davon nicht einmal die Rede sein. Ganze Bastionen der inneren Festung sind bereits in den Umgang zur Au\u00dfenbefestigung abgest\u00fcrzt, bei weiteren fehlt nur ein falscher Tritt. Die Au\u00dfenbefestigung selbst ist teilweise abgetragen worden und der Freiraum zu Ackerland gemacht, oder sie ist g\u00e4nzlich zu Tal gegangen. Sind die Gew\u00f6lbe aber erst einmal ein einer Stelle unterbrochen, sackt das ganze Konstrukt in sich zusammen, da ausschlie\u00dflich Druckkr\u00e4fte abgeleitet werden k\u00f6nnen. So werden also auch die drei noch relativ intakten Geschosse, die sich unter der etwas angenagten Oberfl\u00e4che befinden, nach fast tausend Jahren ihren Geist aufgeben und das Zeitliche segnen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-412\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab03.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab03.jpg 250w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab03-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>Es ist nicht als Vorwurf zu verstehen. Die gigantischen finanziellen, organisatorischen und kompetenztechnischen Erfordernisse w\u00fcrden nicht nur den syrischen Staatshaushalt \u00fcberbeanspruchen, wo doch schon bei uns nur noch Kultur erhalten wird, wenn sich Privatpersonen in die Bresche werfen. Und da geht es um weit kleinere, gegen ein solches Vorhaben unbedeutend wirkende Projekte! Da m\u00fcsste schon der K\u00f6nig von Brunei sein Verm\u00f6gen in die Waagschale werfen, um sichtbare Ergebnisse zu erzielen.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist der Umstand, dass erst jetzt, nach 800 Jahren, die Statik langsam versagt. Das sollte einmal ein moderner, sogenannter Architekt fertig bringen, die Lebensdauer seiner Gebilde dem anzun\u00e4hern. \u00dcberhaupt mu\u00df man sich vor Augen f\u00fchren, dass diese Burgen, obwohl meist auf arabische Festungen, die von den Kreuzfahrern erobert wurden, aufbauend, innerhalb einer Zeitspanne von nur 50 Jahren hochgezogen wurden. Welche Massen von Gestein mussten da bewegt werden, welche Logistik, welche Geldsummen mussten da flie\u00dfen, wie viel Erfindungsreichtum und Baukunst steckt darin! Nur, um nach weiteren 50 Jahren in Feindeshand zu gehen, meist auch noch kampflos. Fast genau 100 Jahre hatten die Kreuzfahrer die milit\u00e4rische Herrschaft \u00fcber den Landstrich, dann war der Traum schon wieder ausgetr\u00e4umt. Und alles, was davon geblieben ist, ist vielleicht ein einziges Wort, das die Araber aus der fr\u00e4nkischen Sprache \u00fcbernommen haben: Burg. Die angeschlagenen Heere verschanzten sich auf ihren Festungen und die Franken nahmen noch eher den arabischen Lebensstil an, als selber kulturt\u00e4tig zu werden und dem Land etwas zu geben, was assimiliert werden h\u00e4tte k\u00f6nnen. Au\u00dfer dem ein oder anderen fr\u00e4nkischen Gesicht, das einem urpl\u00f6tzlich entgegensieht, ist nichts geblieben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-413\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab04.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab04.jpg 300w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/marqab04-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Wie dem auch sei, ich sollte langsam zum Ende kommen. In den Kakteenstr\u00e4uchern, die rund um die Burg wachsen, wollte ich nach reichlicher \u00dcberlegung denn auch die Nacht nicht verbringen! Ich stellte mich wieder an die Stelle, wo ich aus dem Micro gestiegen war, um einen nach unten gehenden anzuhalten und mich, einmal in der Stadt angekommen, bis zu einem Hotel durchzufragen. Die Bereitschaft, einen solchen Sonderling wie mich zu dieser Uhrzeit (ging hart auf 6:00h abends zu) aufzusammeln, erreichte gerade ihren Nullpunkt. Aber wenn ich schon auf die Micro-Fahrer fluchen und generell alle Araber einbeziehen wollte, wurde ich doch wieder eines Besseren belehrt.<br \/>\nDen steilen Berg herauf qu\u00e4lten sich zwei Zweir\u00e4der, das eine auf nur einem Topf laufend eindeutig als halbschliefe Zwiebacks\u00e4ge auszumachen, das andere mit vollem Klang von 250 ccm ohne Licht unterwegs, daf\u00fcr den Blinker an, damit man es auch nicht etwa \u00fcbers\u00e4he. Gerade vor mir hielten die zwei Bengels, die die Kr\u00e4der steuerten. Mir schwante nichts gutes, doch es handelte sich um zwei ehrliche Jungen, die gegen eine Leihgeb\u00fchr von 15 SP von einem Mann in der n\u00e4chsten Ortschaft auf dem Weg nach Baniyas diese Gef\u00e4hrte gemietet hatten, um ihre Fahrk\u00fcnste und die Technik auf der gewagten Strecke auszuprobieren, ohne schon einen F\u00fchrerschein ihr eigen zu nennen oder auch nur Aussicht, die Summe f\u00fcr den Kauf eines solchen Fortbewegungsmittels in n\u00e4chster Zeit zusammenzubringen.<br \/>\nFragt mich doch der eine, warum ich da stehe und ob ich vielleicht nach unten wolle. Was sollte ich sagen, nat\u00fcrlich wollte ich nach unten! Ich hatte dummerweise nur Hundertpfundnoten als kleinstes Zahlungsmittel in der Tasche (die Strecke bis in die Stadt kostet normalerweise keine 10 SP, und das auf vier R\u00e4dern) und sah den Jungen schon damit das weite suchen, ohne mir einen anst\u00e4ndigen Teil davon zur\u00fcckzugeben&#8230;<\/p>\n<p>Jedenfalls hie\u00df er mich aufsitzen und schunkelte ohne Licht los, den Berg hinab. Beim ersten Kreisverkehr war denn auch Schlu\u00df und ich machte mich auf eine harte Verhandlung gefasst. Wie war ich \u00fcberrumpelt, als er mir zu verstehen gab, dass es ihm eine Freude gewesen sei, mich von da oben sicher herunterzubringen und auf keinen Fall Geld annehmen wolle! Da h\u00e4tte ich ihm die Hundert gerne im ganzen gegeben. Aber es war nichts zu machen, er blieb bei seinem Vorsatz, mich als seinen Gast betrachtend. Er ging sogar so weit, mich in den n\u00e4chsten Micro zu setzen und auch noch die 5 SP Tax f\u00fcr mich zu l\u00f6hnen. Der gute Junge. War h\u00f6chstens 16. Hat mich mit den Arabern wieder vollkommen ausges\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Nun stand ich also in der Niederung menschlicher Existenz, auf der Suche nach einem Dach \u00fcber dem Kopf f\u00fcr die Nacht. Und tats\u00e4chlich gab es gleich in der N\u00e4he, wo der Micro endete, ein verschlafenes Hotel! Hotel &#8222;Baniyas&#8220;, das klingt so wie Hotel &#8222;Stadt Coburg&#8220;. Noch verschlafener als das Hotel selbst war der Wirt, der nach arabischer Sitte in den au\u00dfer dem gro\u00dfen Schreibtisch die &#8222;Rezeption&#8220; bildenden Ledersesseln die Nacht zubrachte. Das Zimmer kostete mich 200 SP, was eigentlich unversch\u00e4mt viel f\u00fcr kaltes, nur tropfendes Wasser, keine Heizung und kein Fr\u00fchst\u00fcck darstellt, aber ich wollte nicht noch eine Stunde um die Bl\u00f6cke ziehen und feststellen, dass die anderen auch so gierig w\u00e4ren.<br \/>\nAugen zu und durch. Das Waschen konnte ich auf H\u00e4nde und Gesicht beschr\u00e4nken, ich bin manchmal sehr bescheiden. Vorher erstand ich noch vom zweitletzten H\u00e4hnchengrill ein halbes Brathuhn (Der erste wollte keines teilen. Die Zeiten sind auch vorbei, in denen ich ein solches Unget\u00fcm alleine beseitigt habe.), zu dem ein frischer Salat gereicht wurde, das unvermeidliche Fladenbrot (ist ja lecker!), ein Teller mit etwas ungewohnt schmeckender Mayonnaise sowie einer mit dem bereits \u00f6fter erw\u00e4hnten Erbsbrei mit Oliven\u00f6l. Ich tat mein Bestes, teilte mir aber dennoch meine Mahlzeit so ein, dass sie noch ein Fr\u00fchst\u00fcck am n\u00e4chsten Morgen abgeben w\u00fcrde, denn nun griff definitiv der Id um sich und verlangte au\u00dfergew\u00f6hnliche Ma\u00dfnahmen zur Erhaltung lebenswichtiger K\u00f6rperfunktionen. Generell kann sich der arabische Imbissbudenbetreiber nicht vorstellen, dass es Menschen geben soll, die hungrig zu nachtschlafener Zeit (7:00h morgens) seiner veredelten Lebensmittel bed\u00fcrfen. Und w\u00e4hrend des Ids verschwendet er schon gleich gar nicht einen seiner ohnehin beh\u00e4bigen Gedanken an Leute wie mich &#8211; ganz und gar au\u00dferhalb seiner Vorstellungswelt, Leute wie ich existieren de facto nicht in seiner Realit\u00e4t. Dessen war ich mir voll bewusst und schleuste eine Hinterkeule in ein halbes Fladenbrot gewickelt auf mein Zimmer.<br \/>\nDie Nacht war kalt und ich musste letztlich die r\u00e4udige Hundedecke doch noch \u00fcber meine Beine werfen, obwohl ich wie gew\u00f6hnlich in solchen ungem\u00fctlichen Situationen voll angekleidet auf dem Bett lag. Nach unruhigem Schlaf d\u00e4mmerte der Morgen. Ich bilde mir ein, die Sonne kurz erfreulich in mein St\u00fcbchen strahlen gesehen zu haben. Das war allerdings ein kurzes Gastspiel und diente lediglich meiner Verwirrung, denn der Tag, der da kommen sollte, war noch verregneter als die zwei vorangegangenen.<\/p>\n<p>Ich gelangte schon nicht mehr trockenen Fusses zur Karajat Micro (Microbus-Garage, weil die Syrer kein &#8222;G&#8220; sprechen wie die \u00c4gypter, m\u00fcssen sie daraus ein &#8222;K&#8220; machen; in Arabisch wird dann das &#8222;e&#8220; von &#8222;Garage&#8220; durch einen Buchstaben wiedergegeben, der &#8222;ta marbuta&#8220; hei\u00dft, in der Hochsprache auch tats\u00e4chlich als &#8222;-at&#8220; gesprochen wird, in der Umgangssprache aber zu &#8222;a&#8220; verk\u00fcrzt wird und abgeschliffen im syrischen Dialekt &#8222;e&#8220; gesprochen wird; komischerweise sagen die Leute aber dann trotzdem &#8222;karajat&#8220;&#8230;), wo ich ein Weilchen auf meinen Transport durch wildes Bergland nach Qadmous warten musste. Die Landschaft \u00e4hnelt schon beinahe den Bildern aus dem Dokuband &#8222;Nuristan&#8220;. An steilen Abst\u00fcrzen vorbei und \u00fcber schmale Berggrate schl\u00e4ngelt sich das Asphaltband immer h\u00f6her hinauf, die Gesichter der Leute werden kerniger, der Anteil der armeebasierten Obertrikotagen nimmt schlie\u00dflich an die 50 Prozent ein &#8211; ein sicheres Zeichen, sich in abgelegenen Bergregionen zu befinden! Erstaunlich schnell f\u00fcllte sich der weiterf\u00fchrende Bus nach Musyaf, ich hatte kaum 10 Minuten Aufenthalt. Wiederum ging die wilde Fahrt nun eher an den Bergseiten entlang und in die Schluchten hinunter. Die vorhin noch unbewaldeten H\u00f6henz\u00fcge wurden nun mit Kiefern und \u00e4hnlichen nadelartigen Bewuchs \u00fcberzogen, zwischen dem Ger\u00f6ll sah ich auch schon wieder erste Felderstreifchen an den H\u00e4ngen terrassieren. Das Bergland wurde welliger, weniger schroff, schlie\u00dflich \u00f6ffnete sich das Gel\u00e4nde in einen von Felsinseln durchsetzten Kessel, das Hochland von Musyaf. Und mitten in einem brandenden H\u00e4usermeer die Burg auf ihrem, aus einer solchen Felsinsel gebildeten, Steinsockel, im Hintergrund t\u00fcrmen sich die Berge, der Regen h\u00e4ngt tief in den Schluchten, bleiern der Himmel.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-414\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/musyaf01.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"259\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/musyaf01.jpg 500w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/musyaf01-300x155.jpg 300w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/musyaf01-350x181.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Ich umrundete die Burg erst halb, bevor ich direkt darauf zuhielt, einen weiteren engeren Halbkreis beschrieb und durch einen einzelnen Torbogen in Richtung des Eingangs schritt. Die \u00e4u\u00dferen Befestigungsanlagen sind weitgehend verloren, auf der Talseite sind Reste davon in einen Feigenhain verwandelt worden (der nun zu einer M\u00fcllkippe verkommt). Auch diese Wehranlage ist f\u00fcr ihre Abgelegenheit recht raumgreifend bemessen. Als sch\u00f6nes Beispiel rein arabischer Baukunst bildete sie gewisserma\u00dfen einen w\u00fcrdigen Abschlu\u00df und gleichzeitig das noch fehlende Gegenst\u00fcck zu der fr\u00e4nkischen, die ich bislang ja ausschlie\u00dflich vor Augen hatte. Der Komplex ist recht verschachtelt und war ebenfalls recht mitgenommen, bis mit F\u00f6rdermitteln und Spezialisten vom Aga Khan Trust die professionelle Konservierung bewerkstelligt wurde, die in meinen Augen wirklich mit Liebe und profundem Wissen bis ins Detail ausgef\u00fchrt worden ist. Musyaf ist so die wohl einzige Burg, die am ehesten einem europ\u00e4ischen Publikum zur Besichtigung zu empfehlen w\u00e4re. Leider fehlen auch hier h\u00f6chstwahrscheinlich tiefere geschichtliche Forschungen und das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Notwendigkeit, einem Besucher, der es aus Eigeninteresse schafft, den Weg nach Musyaf zu finden, ein wenig glorreiche Vergangenheit in schmackhaften H\u00e4ppchen anzubieten. Materie ist im \u00dcberflu\u00df vorhanden, die Burg macht einen netten, sauberen Eindruck, der Besucher eher hineinzieht als verscheucht &#8211; es fehlt dezentes Ausstellungsdesign. Dann w\u00e4re es ein richtiges Schmuckst\u00fcck! Meine Phantasie malt da gleich Bilder&#8230; Zu sch\u00f6n, um wahr zu sein. Und wohl auch nicht zu erwarten f\u00fcr einen Eintrittspreis von 5 SP.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-415\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/musyaf02.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"230\" \/>Leider verst\u00e4rkte sich der bislang etwas lustlose Nieselregen nun wieder zu einem richtigen Gu\u00df, der mich, durchweicht, wie ich war, auf der Suche nach einem Teehaus aus der Ruine trieb. M\u00f6chte wissen, wie man es dort ausgehalten hat. Der Id war in vollem Gange, so dass ich trotz beharrlichem Suchen kein Lokal ausmachen konnte, das bereit gewesen w\u00e4re, mir ein warmes Getr\u00e4nk auszuschenken. Schlie\u00dflich, ich stellte mich gerade kurz unter einem Vordach unter, sah ich gegen\u00fcber wenigstens einen ge\u00f6ffneten Laden. Schnell \u00fcber die Stra\u00dfe, auf der mangels funktionierender Kanalisation das Wasser in B\u00e4chen zu Tale schoss.<br \/>\nNachdem ich mich kurz umgesehen hatte und feststellen konnte, dass der Laden auch eine Saftbar war, bestellte ich nat\u00fcrlich einen frischen Orangensaft. Beim Auspressen wurde dem Besitzer auch etwas w\u00e4rmer &#8211; er und sein Laufbursche klapperten fast genau so wie ich. Ich sch\u00fcttete das ersehnte Na\u00df in meine Gurgel. Was f\u00fcr eine Wohltat, zwar kalt, aber die Lebensgeister weckend. Vor dem letzten Schluck kam das unvermeidliche &#8222;aus welchem land?&#8220;, das den Auftakt zu einem kurzen aber netten Gespr\u00e4ch in sehr gebrochenem Arabisch und ebenso sehr gebrochenem Englisch bildete, bei dem sich herausstellte, dass der gute Mann von seinen Vorfahren einen Scheikh-Titel ererbt, einige Jahre in der deutschen Botschaft im Libanon gearbeitet hatte und einige sch\u00f6ne alte Aufnahmen von der Burg vor der Aufarbeitung aus den Tagen des franz\u00f6sischen Gouvernements besa\u00df. Er hatte auch interessanterweise einen \u00e4lteren Flyer vom Aga Khan Trust \u00fcber das damals bevorstehende Burgprojekt. Er bat mich, in sein G\u00e4stebuch einen kleinen Eintrag zu hinterlassen, was ich gerne erf\u00fcllte. So verlie\u00df ich na\u00df aber recht zufrieden das Bergst\u00e4dtchen Musyaf in Richtung Hama, wo ja noch die omin\u00f6sen Norias meiner harrten.<\/p>\n<p>Ich mach&#8216; es kurz: Der Regen setzte w\u00e4hrend der ganzen Fahrt nicht aus, ich erreichte Hama also in Aufl\u00f6sung begriffen. In einem Felafelstand st\u00e4rkte ich mich erst einmal, auch hoffend, der Niederschlag m\u00f6ge endlich aufh\u00f6ren. Der Felafel war ganz ausgezeichnet (zu meiner \u00dcberraschung entpuppte sich das Kraut in der Mischung als frische Pfefferminze, was dem ganzen eine ungew\u00f6hnliche aber durchaus zutr\u00e4gliche Gesamtnote verpasste). Ich sa\u00df und schaute dem Regen zu. Schlie\u00dflich wurde mir der Spa\u00df zu derb. Ich hatte keine Ausr\u00fcstung f\u00fcr dieses Wetter und ich h\u00e4tte noch mehrere Kilometer am Strom Orontes entlang pilgern m\u00fcssen, um zu den mittelalterlichen Wasserr\u00e4dern zu gelangen. Ich h\u00e4tte auch gleich schwimmen k\u00f6nnen, das Ergebnis w\u00e4re vermutlich dasselbe gewesen. Ich k\u00e4mpfte mich durch das Unwetter zu der Busstation durch, von der ich nach Damaskus ablegen konnte und verzichtete auf das windige Vergn\u00fcgen mit den Sch\u00f6pfwerken. Kurze Zeit, nachdem wir uns auf der Stra\u00dfe befanden, kl\u00e4rte es auf und die Sonne kam zu Vorschein, als ob nie ein W\u00f6lkchen den Himmel getr\u00fcbt h\u00e4tte. So kam ich in den sp\u00e4ten Nachmittagsstunden des 04.11. in Damaskus an, was mir nun fast ein bisschen wie zuhause erscheint nach dieser Odyssee.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Loke Klingsor anno 2006<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die mittelalterlichen Burgen in Syrien Syrien ist ber\u00fchmt f\u00fcr seine Kreuzritterburgen. Was also lag n\u00e4her, als einige (so viele, wie nur m\u00f6glich &#8211; ich kann von mittelalterlichen Befestigungswerken nicht genug bekommen! Jeder hat so seine Marotte.) auf einer interessant und \u00f6konomisch sinnvoll zusammengestellten Reiseroute zu besichtigen, denn wie jedes Mondjahr hatte auch das heurige (1426) &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=403\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eBurgenbericht &#8211; Syrien\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":157,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-403","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/403","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=403"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/403\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":416,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/403\/revisions\/416"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/157"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=403"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}