{"id":5100,"date":"2018-11-05T16:47:29","date_gmt":"2018-11-05T15:47:29","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5100"},"modified":"2018-11-05T16:47:29","modified_gmt":"2018-11-05T15:47:29","slug":"havamal-des-hohen-lied","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5100","title":{"rendered":"Havamal &#8211; Des Hohen Lied"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\">Havamal<br \/>\nDes Hohen Lied<\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Ausg\u00e4nge halber bevor du eingehst<br \/>\nStelle dich sicher,<br \/>\nDenn ungewi\u00df ist, wo Widersacher<br \/>\nIm Hause halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Heil dem Geber! Der Gast ist gekommen:<br \/>\nWo soll er sitzen?<br \/>\nAtemlos ist, der unterwegs<br \/>\nSein Gesch\u00e4ft besorgen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">W\u00e4rme w\u00fcnscht der vom Wege kommt<br \/>\nMit erkaltetem Knie;<br \/>\nMit Kost und Kleidern erquicke den Wandrer,<br \/>\nDer \u00fcber Felsen fuhr.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wasser bedarf, der Bewirtung sucht,<br \/>\nEin Handtuch und holde N\u00f6tigung.<br \/>\nMit guter Begegnung erlangt man vom Gaste<br \/>\nWort und Wiedervergeltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Witz bedarf man auf weiter Reise;<br \/>\nDaheim hat man Nachsicht.<br \/>\nZum Augengesp\u00f6tt wird der Unwissende,<br \/>\nDer bei Sinnigen sitzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch steife sich niemand auf seinen Verstand,<br \/>\nAcht hab er immer.<br \/>\nWer klug und wortkarg zum Wirte kommt<br \/>\nSchadet sich selten:<br \/>\nDenn festern Freund als kluge Vorsicht<br \/>\nMag der Mann nicht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Vorsichtiger Mann, der zum Mahle kommt,<br \/>\nSchweigt lauschend still.<br \/>\nMit Ohren horcht er, mit Augen sp\u00e4ht er<br \/>\nUnd forscht zuvor verst\u00e4ndig.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Selig ist, der sich erwirbt<br \/>\nLob und guten Leumund.<br \/>\nUnser Eigentum ist doch ungewi\u00df<br \/>\nIn des andern Brust.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Selig ist, wer selbst sich mag<br \/>\nIm Leben l\u00f6blich raten,<br \/>\nDenn \u00fcbler Rat wird oft dem Mann<br \/>\nAus des andern Brust.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nicht be\u00dfre B\u00fcrde bringt man auf Reisen<br \/>\nAls Wissen und Weisheit.<br \/>\nSo frommt das Gold in der Fremde nicht,<br \/>\nIn der Not ist nichts so n\u00fctze.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nicht \u00fcblern Begleiter gibt es auf Reisen<br \/>\nAls Betrunkenheit ist,<br \/>\nUnd nicht so gut als mancher glaubt<br \/>\nIst Ael den Erdens\u00f6hnen,<br \/>\nDenn um so minder je mehr man trinkt<br \/>\nHat man seiner Sinne Macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Vergessenheit Reiher \u00fcberrauscht Gelage<br \/>\nUnd stiehlt die Besinnung.<br \/>\nDes Vogels Gefieder befing auch mich<br \/>\nIn Gunnl\u00f6ds Haus und Gehege.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Trunken ward ich und \u00fcbertrunken<br \/>\nIn des schlauen Fialars Felsen.<br \/>\nTrunk mag taugen, wenn man ungetr\u00fcbt<br \/>\nSich den Sinn bewahrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Schweigsam und vorsichtig sei des F\u00fcrsten Sohn<br \/>\nUnd k\u00fchn im Kampf.<br \/>\nHeiter und wohlgemut erweise sich jeder<br \/>\nBis zum Todestag.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der unwerte Mann meint ewig zu leben,<br \/>\nWenn er vor Gefechten flieht.<br \/>\nDas Alter g\u00f6nnt ihm doch endlich nicht Frieden.<br \/>\nObwohl der Speer ihn spart.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der T\u00f6lpel glotzt, wenn er zum Gastmahl kommt,<br \/>\nMurmelnd sitzt er und mault.<br \/>\nHat er sein Teil getrunken hernach,<br \/>\nSo sieht man welchen Sinns er ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der wei\u00df allein, der weit gereist ist,<br \/>\nUnd vieles hat erfahren,<br \/>\nWelches Witzes jeglicher waltet,<br \/>\nWofern ihm selbst der Sinn nicht fehlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Lange zum Becher nur, doch leer ihn mit Ma\u00df,<br \/>\nSprich gut oder schweig.<br \/>\nNiemand wird es ein Laster nennen,<br \/>\nWenn du fr\u00fch zur Ruhe f\u00e4hrst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der gierige Schlemmer, vergi\u00dft er der Tischzucht,<br \/>\nSchlingt sich schwere Krankheit an;<br \/>\nOft wirkt Verspottung, wenn er zu Weisen kommt,<br \/>\nT\u00f6richtem Mann sein Magen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Selbst Herden wissen, wann zur Heimkehr Zeit ist<br \/>\nUnd gehn vom Grase willig;<br \/>\nDer Unkluge kennt allein nicht<br \/>\nSeines Magens Ma\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Armselige, \u00dcbelgesinnte<br \/>\nHohnlacht \u00fcber alles<br \/>\nUnd wei\u00df doch selbst nicht was er wissen sollte,<br \/>\nDa\u00df er nicht fehlerfrei ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Unweiser Mann durchwacht die N\u00e4chte<br \/>\nUnd sorgt um alle Sachen;<br \/>\nMatt nur ist er, wenn der Morgen kommt,<br \/>\nDer Jammer wahrt wie er war.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ein unkluger Mann meint sich alle hold,<br \/>\nDie ihn lieblich anlachen.<br \/>\nEr versieht es sich nicht, wenn sie Schlimmes von ihm reden<br \/>\nSo er zu Kl\u00fcgern kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ein unkluger Mann meint&#8217;sich alle hold,<br \/>\nDie ihm kein Widerwort geben;<br \/>\nKommt er vor Gericht, so erkennt er bald,<br \/>\nDa\u00df er wenig Anw\u00e4lte hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ein unkluger Mann meint, alles zu k\u00f6nnen,<br \/>\nWenn er sich einmal zu wahren wu\u00dfte.<br \/>\nDoch wenig wei\u00df er was er antworten soll,<br \/>\nWenn er mit Schwerem versucht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ein unkluger Mann, der zu andern kommt,<br \/>\nSchweigt am besten still.<br \/>\nNiemand bemerkt, da\u00df er nichts versteht,<br \/>\nSo lang er zu sprechen scheut.<br \/>\nNur freilich wei\u00df wer wenig wei\u00df<br \/>\nAuch das nicht, wann er schweigen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Weise d\u00fcnkt sich schon wer zu fragen wei\u00df<br \/>\nUnd zu sagen versteht;<br \/>\nDoch Unwissenheit mag kein Mensch verbergen,<br \/>\nDer mit Leuten leben mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der schwatzt zuviel, der nimmer geschweigt<br \/>\nEitel unn\u00fctzer Worte.<br \/>\nDie zappelnde Zunge, die kein Zaum verh\u00e4lt,<br \/>\nErgellt sich selten Gutes.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mach nicht zum Spott der Augen den Mann,<br \/>\nDer vertrauend Schutz will suchen.<br \/>\nKlug d\u00fcnkt sich leicht, der von keinem befragt wird<br \/>\nUnd mit heiler Haut daheim sitzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Klug d\u00fcnkt sich gern, wer Gast den Gast<br \/>\nVerh\u00f6hnend, Heil in der Flucht sucht.<br \/>\nOft merkt zu sp\u00e4t, der beim Mahle Hohn sprach,<br \/>\nWie gr\u00e4mlichen Feind er ergrimmte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Zu oft geschiehts, da\u00df sonst nicht Verfeindete<br \/>\nSich als Tischgesellen schrauben.<br \/>\nDieses Aufziehn wird ewig w\u00e4hren:<br \/>\nDer Gast grollt dem Gaste.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Bei Zeiten nehme den Imbi\u00df zu sich,<br \/>\nDer nicht zu gutem Freunde f\u00e4hrt.<br \/>\nSonst sitzt er und schnappt und will verschmachten<br \/>\nUnd hat zum Reden nicht Ruhe.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ein Umweg ist&#8217;s zum untreuen Freunde,<br \/>\nWohnt er gleich am Wege;<br \/>\nZum trauten Freunde f\u00fchrt ein Richtsteig<br \/>\nWie weit der Weg sich wende.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Zu gehen schickt sich, nicht zu gasten stets<br \/>\nAn derselben Statt.<br \/>\nDer Liebe wird leid, der lange weilt<br \/>\nIn des andern Haus.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Eigen Haus, ob eng, geht vor,<br \/>\nDaheim bist du Herr,<br \/>\nZwei Ziegen nur und dazu ein Strohdach<br \/>\nIst besser als Betteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Eigen Haus, ob eng, geht vor,<br \/>\nDaheim bist du Herr.<br \/>\nDas Herz blutet jedem, der erbitten mu\u00df<br \/>\nSein Mahl alle Mittag.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Von seinen Waffen weiche niemand<br \/>\nEinen Schritt im freien Feld:<br \/>\nNiemand wei\u00df unterwegs, wie bald<br \/>\nEr seines Speers bedarf.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nie fand ich so milden und kostfreien Mann,<br \/>\nDer nicht gerne Gab empfing,<br \/>\nMit seinem Gute so freigebig keinen,<br \/>\nDem Lohn w\u00e4r leid gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Des Verm\u00f6gens, das der Mann erwarb,<br \/>\nSoll er sich selbst nicht Abbruch tun:<br \/>\nOft spart man dem Leiden was man dem Lieben bestimmt;<br \/>\nViel f\u00fcgt sich schlimmer als man denkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Freunde sollen mit Waffen und Gew\u00e4ndern sich erfreun,<br \/>\nDen sch\u00f6nsten, die sie besitzen:<br \/>\nGab und Gegengabe begr\u00fcndet Freundschaft,<br \/>\nWenn sonst nichts entgegen steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Freund soll dem Freunde Freundschaft bew\u00e4hren<br \/>\nUnd Gabe gelten mit Gabe.<br \/>\nHohn mit Hohn soll der Held erwidern,<br \/>\nUnd Losheit mit L\u00fcge.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Freund soll dem Freunde Freundschaft bew\u00e4hren,<br \/>\nIhm selbst und seinen Freunden.<br \/>\nAber des Feindes Freunde soll niemand<br \/>\nSich gewogen erweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wei\u00dft du den Freund, dem du wohl vertraust<br \/>\nUnd erhoffst du Holdes von ihm,<br \/>\nSo tausche Gesinnung und Geschenke mit ihm,<br \/>\nUnd suche manchmal sein Haus heim.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wei\u00dft du den Mann, dem du wenig vertraust<br \/>\nUnd erhoffst doch Holdes von ihm,<br \/>\nSei fromm in Worten und falsch im Denken<br \/>\nUnd zahle Losheit mit L\u00fcge.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wei\u00dft du dir wen, dem du wenig vertraust,<br \/>\nWeil dich sein Sinn verd\u00e4chtig d\u00fcnkt,<br \/>\nDen magst du anlachen, und an dich halten:<br \/>\nDie Vergeltung gleiche der Gabe.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Jung war ich einst, da ging ich einsam<br \/>\nVerla\u00dfne Wege wandern.<br \/>\nDoch f\u00fchlt ich mich reich, wenn ich andere fand:<br \/>\nDer Mann ist des Mannes Lust.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der milde, mutige Mann ist am gl\u00fccklichsten,<br \/>\nDen selten Sorge beschleicht;<br \/>\nDoch der Verzagte zittert vor allem<br \/>\nUnd kargt verk\u00fcmmernd mit Gaben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mein Gewand gab ich im Walde<br \/>\nMoosm\u00e4nnern zweien.<br \/>\nBekleidet dauchten sie K\u00e4mpen sich gleich,<br \/>\nW\u00e4hrend Hohn den Nackten neckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Dornbusch dorrt, der im Dorfe steht,<br \/>\nIhm bleibt nicht Blatt noch Borke.<br \/>\nSo geht es dem Mann, den niemand mag:<br \/>\nWas soll er l\u00e4nger leben?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Hei\u00dfer brennt als Feuer der B\u00f6sen<br \/>\nFreundschaft f\u00fcnf Tage lang;<br \/>\nDoch sicher am sechsten ist sie erstickt<br \/>\nUnd alle Lieb erloschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Gabe mu\u00df nicht immer gro\u00df sein:<br \/>\nOft erwirbt man mit wenigem Lob.<br \/>\nEin halbes Brot, eine Neig im Becher<br \/>\nGewann mir wohl den Gesellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wie K\u00f6rner im Sand klein an Verstand<br \/>\nIst kleiner Seelen Sinn.<br \/>\nUngleich ist der Menschen Einsicht,<br \/>\nZwei H\u00e4lften hat die Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Mann mu\u00df m\u00e4\u00dfig weise sein,<br \/>\nDoch nicht allzuweise.<br \/>\nDas sch\u00f6nste Leben ist dem beschieden,<br \/>\nDer recht wei\u00df, was er wei\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Mann mu\u00df m\u00e4\u00dfig weise sein,<br \/>\nDoch nicht allzuweise.<br \/>\nDes Weisen Herz erheitert sich selten<br \/>\nWenn er zu weise wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Mann mu\u00df m\u00e4\u00dfig weise sein,<br \/>\nDoch nicht allzuweise.<br \/>\nSein Schicksal kenne keiner voraus,<br \/>\nSo bleibt der Sinn ihm sorgenfrei.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Brand entbrennt an Brand, bis er zu Ende brennt,<br \/>\nFlamme belebt sich an Flamme.<br \/>\nDer Mann wird durch den Mann der Rede m\u00e4chtig<br \/>\nIm Verborgnen bleibt er bl\u00f6de.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Fr\u00fch aufstehen soll, wer den andern sinnt<br \/>\nUm Haupt und Habe zu bringen:<br \/>\nDem schlummernden Wolf gl\u00fcckt selten ein Fang,<br \/>\nNoch schlafendem Mann ein Sieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Fr\u00fch aufstehen soll, wer wenig Arbeiter hat,<br \/>\nUnd schaun nach seinem Werke.<br \/>\nManches vers\u00e4umt, wer den Morgen verschl\u00e4ft:<br \/>\nDem Raschen geh\u00f6rt der Reichtum halb.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">D\u00fcrrer Scheite und deckender Schindeln<br \/>\nWei\u00df der Mann das Ma\u00df,<br \/>\nUnd all des Holzes, womit er ausreicht<br \/>\nW\u00e4hrend der Jahreswende.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Rein und ges\u00e4ttigt reit zur Versammlung<br \/>\nUm sch\u00f6nes Kleid unbek\u00fcmmert.<br \/>\nDer Schuh und der Hosen sch\u00e4me sich niemand,<br \/>\nNoch des Hengstes, hat er nicht guten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Zu sagen und zu fragen verstehe jeder,<br \/>\nDer nicht dumm will d\u00fcnken.<br \/>\nNur einem vertrau er, nicht auch dem andern,<br \/>\nWissens dreie, so wei\u00df es die Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Verlangend lechzt, eh er landen mag<br \/>\nDer Aar auf der ewigen See.<br \/>\nSo geht es dem Mann in der Menge des Volks,<br \/>\nDer keinen Anwalt antrifft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Macht mu\u00df der Mann, wenn er klug ist,<br \/>\nSich mit Bedacht bedienen,<br \/>\nDenn bald wird er finden, wenn er sich Feinde macht,<br \/>\nDa\u00df dem Starken ein St\u00e4rkerer lebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Umsichtig und verschwiegen sei ein jeder<br \/>\nUnd im Zutraun zaghaft.<br \/>\nWorte, die andern anvertraut wurden,<br \/>\nB\u00fc\u00dft man oft bitter.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">An manchen Ort kam ich allzufr\u00fch;<br \/>\nAllzusp\u00e4t an andern.<br \/>\nBald war getrunken das Bier, bald zu frisch;<br \/>\nUnlieber kommt immer zur Unzeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Hier und dort h\u00e4tte mir Labung gewinkt,<br \/>\nWenn ich des bedurfte.<br \/>\nZwei Schinken noch hingen in des Freundes Halle,<br \/>\nWo ich einen schon geschmaust.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Feuer ist das Beste dem Erdgebornen,<br \/>\nUnd der Sonne Schein;<br \/>\nNur sei Gesundheit ihm nicht versagt<br \/>\nUnd lasterlos zu leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ganz ungl\u00fccklich ist niemand, ist er gleich nicht gesund:<br \/>\nEiner hat an S\u00f6hnen Segen,<br \/>\nEiner an Freunden, einer an vielem Gut,<br \/>\nEiner an trefflichem Tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Leben ist besser, auch Leben in Armut:<br \/>\nDer Lebende kommt noch zur Ruh.<br \/>\nFeuer sah ich des Reichen Reicht\u00fcmer fressen,<br \/>\nUnd der Tod stand vor der T\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Hinkende reite, der Handlose h\u00fcte,<br \/>\nDer Taube taugt noch zur Tapferkeit.<br \/>\nBlind sein ist besser als verbrannt werden:<br \/>\nDer Tote n\u00fctzt zu nichts mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ein Sohn ist besser, ob sp\u00e4t geboren<br \/>\nNach des Vaters Hinfahrt.<br \/>\nGedenksteine stehn am Wege selten,<br \/>\nWenn sie der Freund dem Freund nicht setzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Zweie geh\u00f6ren zusammen und doch schl\u00e4gt die Zunge<br \/>\ndas Haupt.<br \/>\nUnter jedem Gewand erwart ich eine Faust.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Nacht freut sich wer des Vorrats gewi\u00df ist,<br \/>\nDoch herb ist die Herbstnacht.<br \/>\nF\u00fcnfmal wechselt oft das Wetter am Tag:<br \/>\nWie viel mehr im Monat!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wer wenig wei\u00df, der wei\u00df auch nicht,<br \/>\nDa\u00df einen oft der Reichtum \u00e4fft;<br \/>\nEiner ist reich, ein andrer arm:<br \/>\nDen soll niemand narren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Das Vieh stirbt, die Freunde sterben,<br \/>\nEndlich stirbt man selbst;<br \/>\nDoch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,<br \/>\nWelcher sich guten gewann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Das Vieh stirbt, die Freunde sterben,<br \/>\nEndlich stirbt man selbst;<br \/>\nDoch eines wei\u00df ich, da\u00df immer bleibt:<br \/>\nDas Urteil \u00fcber den Toten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Volle Speicher sah ich bei Fettlings Sprossen,<br \/>\nDie heuer am Hungertuch nagen:<br \/>\n\u00dcberflu\u00df w\u00e4hrt einen Augenblick,<br \/>\nDann flieht er, der falscheste Freund.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der alberne Geck, gewinnt er etwa<br \/>\nGut oder Gunst der Frauen,<br \/>\nGleich schwillt ihm der Kamm, doch die Klugheit nicht;<br \/>\nNur im Hochmut nimmt er zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Was wirst du finden befragst du die Runen,<br \/>\nDie hochheiligen,<br \/>\nWelche G\u00f6tter schufen, Hohepriester schrieben?<br \/>\nDa\u00df nichts besser sei als Schweigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Den Tag lob abends, die Frau im Tode,<br \/>\nDas Schwert, wenn&#8217;s versucht ist,<br \/>\nDie Braut nach der Hochzeit, eh es bricht, das Eis,<br \/>\nDas Ael, wenn&#8217;s getrunken ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Im Sturm f\u00e4llt den Baum, stich bei Fahrwind in See,<br \/>\nMit der Maid spiel im Dunkeln: manch Auge hat der Tag.<br \/>\nDas Schiff ist zum Segeln, der Schild zum Decken gut,<br \/>\nDie Klinge zum Hiebe, zum K\u00fcssen das M\u00e4dchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Trink Ael am Feuer, auf Eis lauf Schrittschuh,<br \/>\nKauf mager das Ro\u00df, und rostig das Schwert,<br \/>\nZieh den Hengst daheim, den Hund im Vorwerk.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">M\u00e4dchenreden vertraue kein Mann,<br \/>\nNoch der Weiber Worten.<br \/>\nAuf geschwungnem Rad geschaffen ward ihr Herz,<br \/>\nTrug in der Brust verborgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Krachendem Bogen, knisternder Flamme,<br \/>\nSchnappendem Wolf, geschw\u00e4tziger Kr\u00e4he,<br \/>\nGrunzender Bache, wurzellosem Baum,<br \/>\nSchwellender Meerflut, sprudelndem Kessel;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Fliegendem Pfeil, fallender See,<br \/>\nEinn\u00e4chtgem Eis, geringelter Natter,<br \/>\nBettreden der Braut, br\u00fcchigem Schwert,<br \/>\nKosendem B\u00e4ren und K\u00f6nigskinde;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Siechem Kalb, gef\u00e4lligem Knecht,<br \/>\nWahrsagendem Weib, auf der Walstatt Besiegtem,<br \/>\nHeiterm Himmel, lachendem Herrn,<br \/>\nHinkendem K\u00f6ter und Trauerkleidern;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Dem M\u00f6rder deines Bruders, wie breit w\u00e4r die Stra\u00dfe,<br \/>\nHalbverbranntem Haus, windschnellem Hengst,<br \/>\n(Bricht ihm ein Bein, so ist er unbrauchbar):<br \/>\nDem allen soll niemand voreilig trauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Fr\u00fchbes\u00e4tem Feld trau nicht zu viel,<br \/>\nNoch altklugem Kind.<br \/>\nWetter braucht die Saat und Witz das Kind:<br \/>\nDas sind zwei zweiflige Dinge.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Liebe der Frau, die falschen Sinn hegt,<br \/>\nGleicht unbeschlagnem Ro\u00df auf schl\u00fcpfrigem Eis,<br \/>\nMutwillig, zweij\u00e4hrig, und \u00fcbel gez\u00e4hmt;<br \/>\nOder steuerlosem Schiff auf st\u00fcrmender Flut,<br \/>\nDer Gemsjagd des Lahmen auf glatter Bergwand.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Offen bekenn ich, der beide wohl kenne,<br \/>\nDer Mann ist dem Weibe wandelbar;<br \/>\nWir reden am sch\u00f6nsten, wenn wir am schlechtesten denken<br \/>\nSo wird die Kl\u00fcgste gek\u00f6dert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Schmeichelnd soll reden und Geschenke bieten<br \/>\nWer des M\u00e4dchens Minne will,<br \/>\nDen Liebreiz loben der leuchtenden Jungfrau:<br \/>\nSo f\u00e4ngt sie der Freier.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Liebe verwundern soll sich kein Weiser<br \/>\nAn dem andern Mann.<br \/>\nOft fesselt den Klugen was den Toren nicht f\u00e4ngt,<br \/>\nLiebreizender Leib.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Unklugheit wundre keinen am andern,<br \/>\nDenn viele bef\u00e4llt sie.<br \/>\nWeise zu Tr\u00f6pfen wandelt auf Erden<br \/>\nDer Minne Macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Das Gem\u00fct wei\u00df allein, das dem Herzen innewohnt<br \/>\nUnd seine Neigung verschlie\u00dft,<br \/>\nDa\u00df \u00e4rger \u00dcbel den Edlen nicht qu\u00e4len mag<br \/>\nAls Liebesleid.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Selbst erfuhr ich das, als ich im Schilfe sa\u00df<br \/>\nUnd meiner Holden harrte.<br \/>\nHerz und Seele war mir die s\u00fc\u00dfe Maid;<br \/>\nGleichwohl erwarb ich sie nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ich fand Billungs Maid auf ihrem Bette,<br \/>\nWei\u00df wie die Sonne, schlafend.<br \/>\nAller F\u00fcrsten Freude f\u00fchlt ich nichtig,<br \/>\nSollt ich ihrer l\u00e4nger ledig leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Am Abend sollst du, Odin, kommen,<br \/>\nWenn du die Maid gewinnen willst.<br \/>\nNicht ziemt es sich, da\u00df mehr als Zwei<br \/>\nVon solcher S\u00fcnde wissen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ich wandte mich weg Erwidrung hoffend,<br \/>\nOb noch der Neigung ungewi\u00df;<br \/>\nJedoch dacht ich, ich d\u00fcrft erringen<br \/>\nIhre Gunst und Liebesgl\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So kehrt ich wieder: da war zum Kampf<br \/>\nStrenge Schutzwehr auferweckt,<br \/>\nMit brennenden Lichtern, mit lodernden Scheitern<br \/>\nMir der Weg verwehrt zur Lust.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Am folgenden Morgen fand ich mich wieder ein,<br \/>\nDa schlief im Saal das Gesind;<br \/>\nEin H\u00fcndlein sah ich statt der herrlichen Maid<br \/>\nAn das Bett gebunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Manche sch\u00f6ne Maid, wer&#8217;s merken will,<br \/>\nIst dem Freier falsch gesinnt.<br \/>\nDas erkannt ich klar, als ich das kluge Weib<br \/>\nVerlocken wollte zu L\u00fcsten.<br \/>\nJegliche Schmach tat die Schlaue mir an<br \/>\nUnd wenig ward mir des Weibes.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Munter sei der Hausherr und heiter bei G\u00e4sten<br \/>\nNach geselliger Sitte,<br \/>\nBesonnen und gespr\u00e4chig: so schein er verst\u00e4ndig,<br \/>\nUnd rate stets zum Rechten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der wenig zu sagen wei\u00df, wird ein Erztropf genannt,<br \/>\nEs ist des Albernen Art.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Den alten Riesen besucht ich, nun bin ich zur\u00fcck:<br \/>\nMit Schweigen erwarb ich da wenig.<br \/>\nManch Wort sprach ich zu meinem Gewinn<br \/>\nIn Suttungs Saal.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gunnl\u00f6d schenkte mir auf goldnem Sessel<br \/>\nEinen Trunk des teuern Mets.<br \/>\n\u00dcbel vergolten hab ich gleichwohl<br \/>\nIhrem heiligen Herzen,<br \/>\nIhrer gl\u00fchenden Gunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ratamund lie\u00df ich den Weg mir r\u00e4umen<br \/>\nUnd den Berg durchbohren;<br \/>\nIn der Mitte schritt ich zwischen Riesensteigen<br \/>\nUnd hielt mein Haupt der Gefahr hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Schlauer Verwandlungen Frucht erwarb ich,<br \/>\nWenig mi\u00dflingt dem Listigen.<br \/>\nDenn Odhr\u00f6rir ist aufgestiegen<br \/>\nZur weitbewohnten Erde.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Zweifel heg ich, ob ich heim w\u00e4r gekehrt<br \/>\nAus der Riesen Reich,<br \/>\nWenn mir Gunnl\u00f6d nicht half, die herzige Maid,<br \/>\nDie den Arm um mich schlang.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Eisriesen eilten des andern Tags<br \/>\nDes Hohen Rat zu h\u00f6ren<br \/>\nIn des Hohen Halle.<br \/>\nSie fragten nach B\u00f6lwerk ob er heimgefahren sei<br \/>\nOder ob er durch Suttung fiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Den Ringeid, sagt man, hat Odin geschworen:<br \/>\nWer traut noch seiner Treue?<br \/>\nDen Suttung beraubt er mit R\u00e4nken des Mets<br \/>\nUnd lie\u00df sich Gunnl\u00f6d gr\u00e4men.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 8pt;\">Unser Dank gilt Dungeon Keeper f\u00fcr den zugesanden Text.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Havamal Des Hohen Lied Der Ausg\u00e4nge halber bevor du eingehst Stelle dich sicher, Denn ungewi\u00df ist, wo Widersacher Im Hause halten. Heil dem Geber! Der Gast ist gekommen: Wo soll er sitzen? Atemlos ist, der unterwegs Sein Gesch\u00e4ft besorgen soll. W\u00e4rme w\u00fcnscht der vom Wege kommt Mit erkaltetem Knie; Mit Kost und Kleidern erquicke den &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5100\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eHavamal &#8211; Des Hohen Lied\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":5025,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-5100","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5100"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5100\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5101,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5100\/revisions\/5101"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5025"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/shop.mittgard.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}