{"id":5104,"date":"2018-11-05T16:49:46","date_gmt":"2018-11-05T15:49:46","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5104"},"modified":"2018-11-05T16:49:46","modified_gmt":"2018-11-05T15:49:46","slug":"harbardsliod-das-harbardslied","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5104","title":{"rendered":"Harbardsliod &#8211; Das Harbardslied"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\">Harbardsliod<br \/>\nDas Harbardslied<\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor kam von der Ostfahrt her an einen Sund;<br \/>\njenseits stand der F\u00e4hrmann mit dem Schiffe. Thor rief:<br \/>\nWer ist der Gesell der Gesellen, der \u00fcberm Sunde steht?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nWer ist der Kerl der Kerle, der da kreischt \u00fcberm Wasser?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\n\u00dcber den Sund fahr mich, so f\u00fcttre ich dich morgen.<br \/>\nEinen Korb hab ich auf dem R\u00fccken, be\u00dfre Kost gibt es nicht<br \/>\nEh ich ausfuhr a\u00df ich in Ruh<br \/>\nHering und Hafermus: davon hab ich noch genug.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard :<br \/>\nAllzuvorlaut r\u00fchmst du dein Fr\u00fchmahl;<br \/>\nDu wei\u00dft das Weitre nicht:<br \/>\nTraurig ist dein Hauswesen, tot wird deine Mutter sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nDas h\u00f6r ich nun hier, was das Schlimmste scheint<br \/>\nJedem Mann, da\u00df meine Mutter tot sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nDu h\u00e4ltst dich nicht, als h\u00e4ttest du guter H\u00f6fe drei:<br \/>\nBarbeinig stehst du in Bettlersgewand,<br \/>\nNicht einmal Hosen hast du an.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nSteure nur her die Eiche, die St\u00e4tte zeig ich dir,<br \/>\nDoch wem geh\u00f6rt das Schiff, das du h\u00fctest am Land?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nHildolf hei\u00dft er, der mich&#8217;s zu halten bat,<br \/>\nDer ratkluge Recke, der in Radsei-sund wohnt.<br \/>\nEr widerriet mir, Strolche und Ro\u00dfdiebe zu fahren:<br \/>\nNur ehrliche Leute und die mir lange kund sein.<br \/>\nSag deinen Namen, wenn du \u00fcber den Sund willst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nDen sag ich dir frei, obgleich ich hier friedlos bin,<br \/>\nUnd all mein Geschlecht. Ich bin Odins Sohn,<br \/>\nMeilis Bruder und Magnis Vater,<br \/>\nDer Kr\u00e4ftiger der G\u00f6tter; du kannst mit Thor hier sprechen.<br \/>\nIch habe zu fragen nun: wie hei\u00dfest du?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nHarbard hei\u00df ich,<br \/>\nich hehle den Namen selten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nWas solltest du ihn hehlen, wenn du schuldlos bist?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nObschon ich nicht schuldlos bin, sch\u00fctz ich mich doch leicht<br \/>\nVor einem wie du bist; mein Ende w\u00fc\u00dft ich denn nah.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nEs d\u00fcnkt mich beschwerlich zu dir hin\u00fcber<br \/>\nDurchs Wasser zu waten: und mein Gewand zu netzen;<br \/>\nSonst, Lotterbube, lohnt ich wahrlich<br \/>\nDeinen Stachelreden, st\u00fcnd ich \u00fcberm Sund.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nHier will ich stehen und dich erwarten.<br \/>\nDu fandst wohl keinen dir h\u00e4rtern seit Hrungnirs Tod.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nDes gedenkst du nun, da\u00df ich mit Hrungnir stritt,<br \/>\nDem starkherzigen Riesen, dem von Stein das Haupt war;<br \/>\nDoch lie\u00df ich ihn st\u00fcrzen, in Staub sinken.<br \/>\nWas tatest du derweil, Harbard?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nIch war bei Fi\u00f6lwar f\u00fcnf volle Winter<br \/>\nAuf einem Eiland, das Allgr\u00fcn hei\u00dft.<br \/>\nWir fochten und f\u00e4llten die Feinde da,<br \/>\nVersuchten manches und freiten M\u00e4dchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nWie ward es da<br \/>\nmit euern Weibern?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nWir hatten zierliche Weiber, w\u00e4ren sie zahmer gewesen;<br \/>\nWir hatten h\u00fcbsche Weiber, w\u00e4ren sie uns holder gewesen.<br \/>\nAber Stricke wanden sie am Strand aus Sand,<br \/>\nGruben den Grund<br \/>\nAus tiefem Tal.<br \/>\nIch allein war allen \u00fcberlegen mit List,<br \/>\nLag bei sieben Schwestern und geno\u00df im Scherz ihre Gunst.<br \/>\nWas tatest du derweil, Thor?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nIch t\u00f6tete Thiassi, den \u00fcberm\u00fctigen Riesen,<br \/>\nAuf warf ich die Augen des Sohnes \u00d6lwalts<br \/>\nAn den heitern Himmel:<br \/>\nDie wurden meiner Werke gr\u00f6\u00dfte Wahrzeichen,<br \/>\nAllen Menschen sichtbar seitdem.<br \/>\nWas tatest du derweil, Harbard?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nAllerlei Liebesk\u00fcnste \u00fcbt ich bei den Nachtreiterinnen,<br \/>\nDie ich mit List ihren M\u00e4nnern entlockte.<br \/>\nEin harter Riese, halt ich, ist Hlebard gewesen:<br \/>\nEr gab mir seine W\u00fcnschelrute, damit raubt ich ihm den Witz.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nGute Gabe galtst du mit \u00fcblem Lohn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nEine Eiche mu\u00df fallen, sonst fertigt man den Kahn nicht;<br \/>\nJeder sorgt f\u00fcr sich.<br \/>\nWas tatest du derweil, Thor?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nIch war im Osten, \u00fcberwand der Riesen<br \/>\nB\u00f6swillige Br\u00e4ute, da sie zum Berge gingen.<br \/>\n\u00dcberm\u00e4chtig w\u00fcrden die Riesen, wenn sie alle lebten,<br \/>\nMit den Menschen war es in Mitgard aus.<br \/>\nWas tatest du derweil, Harbard?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nIch war in Walland, des Kampfs zu warten,<br \/>\nVerfeindete F\u00fcrsten, dem Frieden wehrend.<br \/>\nOdin hat die F\u00fcrsten, die da fallen im Kampf,<br \/>\nThor hat der Thr\u00e4le (Knechte) Geschlecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nUnter die Asen teiltest du ungleich die Menschen,<br \/>\nH\u00e4ttest du der W\u00fcnsche Gewalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nThor hat Macht genug, aber nicht Mut.<br \/>\nAus feiger Furcht fuhrst du in den Handschuh,<br \/>\nTrautest nicht mehr Thor zu sein.<br \/>\nNicht wagtest du nur, so warst du in Not,<br \/>\nZu niesen noch zu furzen, da\u00df es Fialar h\u00f6rte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nHarbard, Sch\u00e4ndlicher! Zu Hel schickt ich dich,<br \/>\nM\u00f6cht ich \u00fcber den Sund setzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nWas solltest du \u00fcberm Sund,<br \/>\nWas tatest du weiter, Thor?<br \/>\nwo du nichts zu schaffen hast?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nIch war im Osten und wehrt einem Flu\u00df;<br \/>\nDa griffen Swarangs S\u00f6hne mich an.<br \/>\nSie schlugen mich mit Steinen und schadeten mir nicht.<br \/>\nSie mu\u00dften bald zuerst mich bitten um Frieden.<br \/>\nWas tatest du derweil, Harbard?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nIch war im Osten mit einer zu kosen,<br \/>\nSpielte mit der Schneewei\u00dfen und sprach lange mit ihr.<br \/>\nIch erfreute die Goldsch\u00f6ne; der Scherz gefiel der Maid.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nDa hattet ihr willige Weiber.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nDa h\u00e4tt ich bedurft, Thor, deiner Hilfe,<br \/>\nDie Schleierwei\u00dfe zu entwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nDie h\u00e4tt ich dir gew\u00e4hrt, w\u00e4r dazu Zeit gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nIch h\u00e4tte dir auch vertraut; oder h\u00e4ttest du mich betrogen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nBin ich denn ein Fersenzwicker wie ein alter Schuh im Fr\u00fchjahr?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nWas tatest du weiter, Thor?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nBerserkerbr\u00e4ute b\u00e4ndigt ich auf Hlesey:<br \/>\nDas \u00c4rgste hatten sie getrieben, betrogen alles Volk.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nUnr\u00fchmlich tatest du, Thor, da\u00df du Weiber t\u00f6tetest.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nW\u00f6lfinnen waren es, Weiber kaum.<br \/>\nSie zerschellten mein Schiff, das ich auf Pf\u00e4hle gestellt,<br \/>\nTrotzten mir mit Eisenkeulen und vertrieben Thialfi.<br \/>\nWas tatest du derweil, Harbard?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nIch war beim Heere, das eben hierher<br \/>\nKriegsfahnen erhob den Speer zu f\u00e4rben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nDes gedenkst du nun,<br \/>\nWie du auszogst uns zur \u00dcberlast.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nDas b\u00fc\u00df ich dir gern mit goldnen Handringen<br \/>\nNach Schiedsrichterspruch, der uns vers\u00f6hnen mag.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nWoher hast du nur die Hohnreden all?<br \/>\nIch h\u00f6rte niemals so h\u00f6hnische.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nVon den alten Leuten lernt ich sie,<br \/>\nDie in den W\u00e4ldern wohnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nDu gibst den Gr\u00e4bern zu guten Namen,<br \/>\nWenn du sie W\u00e4lder-Wohnungen nennst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nSo denk ich von der Art Dingen nun.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nDeine Wortklugheit kommt dir noch \u00fcbel,<br \/>\nWenn ich durchs Wasser wate.<br \/>\nLauter als ein Wolf wirst du aufschrein,<br \/>\nWenn ich dich mit dem Hammer haue.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nSif hat einen Buhlen, du wirst ihn bei ihr finden:<br \/>\nDer erfahre deine Kraft, das frommt dir mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nDu redest nach deines Mundes Rat, nur recht mich zu kr\u00e4nken.<br \/>\nVerworfner Wicht! Ich wei\u00df, da\u00df du l\u00fcgst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nUnd ich sage, so ist&#8217;s! S\u00e4umig betreibst du die Fahrt.<br \/>\nSchon w\u00e4rst du weit, Thor, wenn du verwandelt fuhrst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nHarbard, Sch\u00e4ndlicher! Du hast mich hier so lang verweilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nDem Asathor, w\u00e4hnt ich, wehrte so leicht nicht<br \/>\nEin Viehhirt die Fahrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nEinen Rat will ich dir raten; rudre die F\u00e4hre hierher.<br \/>\nHab ein Ende der Hader! Hole den Vater Magnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nFahr nur weg vom Sund, verweigert bleibt dir die Fahrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nWeise mir nur den Weg, willst du mich nicht<br \/>\n\u00dcber den Sund setzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nGeringes verlangst du, doch lang ist der Weg:<br \/>\nEine Stunde zum Stocke, zum Stein eine andre.<br \/>\nDen linken Weg w\u00e4hle bis du Werland erreichst.<br \/>\nDa trifft Fi\u00f6rgyn Thor ihren Sohn:<br \/>\nDie wird ihm der Verwandten Wege zeigen<br \/>\nZu Odins Land.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nKomm ich heute noch hin?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nDu erreichst es mit Eil bei noch obenstehender Sonne,<br \/>\nWenn ich erst von dannen ging.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Thor:<br \/>\nKurz wird noch unser Gespr\u00e4ch, da du nur sp\u00f6ttisch sprichst.<br \/>\nDie verweigerte \u00dcberfahrt lohn ich ein andermal.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Harbard:<br \/>\nFahr immer zu in \u00fcbler Geister Gewalt!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 8pt;\">Unser Dank gilt Dungeon Keeper f\u00fcr den zugesanden Text.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Harbardsliod Das Harbardslied Thor kam von der Ostfahrt her an einen Sund; jenseits stand der F\u00e4hrmann mit dem Schiffe. 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