{"id":5124,"date":"2018-11-05T16:59:26","date_gmt":"2018-11-05T15:59:26","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5124"},"modified":"2018-11-05T16:59:26","modified_gmt":"2018-11-05T15:59:26","slug":"voelundarkvida-das-lied-von-woelund","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5124","title":{"rendered":"V\u00f6lundarkvida &#8211; Das Lied von W\u00f6lund"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\">V\u00f6lundarkvida<br \/>\nDas Lied von W\u00f6lund<\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\">Nidud hie\u00df ein K\u00f6nig in Schweden. Er hatte zwei S\u00f6hne und eine Tochter; die hie\u00df B\u00f6dwild. Drei Br\u00fcder waren S\u00f6hne des Finnenk\u00f6nigs; der eine hie\u00df Slagfid, der andere Egil, der dritte W\u00f6lund. Die schritten auf dem Eise und jagten das Wild. Sie kamen nach Ulfdalir (Wolfstal) und bauten sich da H\u00e4user. Da ist ein Wasser, das hei\u00dft Ulfsiar (Wolfssee). Fr\u00fch am Morgen fanden sie am Strand drei Frauen, die spannen Flachs; bei ihnen lagen ihre Schwanenhemden; es waren Walk\u00fcren. Zwei von ihnen waren T\u00f6chter K\u00f6nig Hl\u00f6dwers: Hiadgud Swanwit (Schwanwei\u00df) und Herw\u00f6r Alwit (Allwei\u00df); aber die dritte war Aelrun, die Tochter Kiars von Walland. Die Br\u00fcder f\u00fchrten sie mit sich heim. Egil nahm die Aelrun, Slagfid die Swanwit und W\u00f6lund die Alwit. Sie wohnten sieben Winter beisammen: da flogen die Frauen davon, Kampf zu suchen, und kamen nicht wieder. Da schritt Egil aus, die Aelrun zu suchen, und Slagfid suchte Swanwit; aber W\u00f6lund sa\u00df in Ulfdalir. Er war der kunstreichste Mann, von dem man in alten Sagen wei\u00df. K\u00f6nig Nidud lie\u00df ihn handgreifen, so wie hier besungen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Durch Myrkwid flogen M\u00e4dchen von S\u00fcden,<br \/>\nAlwit die junge, Urlog (Schicksal, Kampf) zu entscheiden.<br \/>\nSie sa\u00dfen am Strande der See und ruhten;<br \/>\nSch\u00f6nes Linnen spannen die s\u00fcdlichen Frauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ihrer eine hegte sich Egiln,<br \/>\nDie liebliche Maid, am lichten Busen;<br \/>\nDie andre war Swanwit, die Schwanfedern trug<br \/>\n(Um Slagfid schlang sie die H\u00e4nde);<br \/>\nDoch die dritte, deren Schwester,<br \/>\nUmwand W\u00f6lunds wei\u00dfen Hals.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So sa\u00dfen sie sieben Winter lang;<br \/>\nDen ganzen achten gr\u00e4mten sie sich<br \/>\nBis im neunten die Not sie schied:<br \/>\nDie M\u00e4dchen verlangte nach Myrkwid;<br \/>\nAlwit die junge wollt Urlog treiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Hladgud und Herw\u00f6r stammten von Hl\u00f6dwer;<br \/>\nVerwandt war Aelrun, die Tochter Kiars.<br \/>\nDie schritt geschwinde den Saal entlang,<br \/>\nStand auf dem Estrich und erhob die Stimme:<br \/>\n&#8222;Sie freuen sich nicht, die aus dem Forste kommen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Von Waidwerk kamen die wegm\u00fcden Sch\u00fctzen,<br \/>\nSlagfid und Egil, fanden \u00f6de S\u00e4le,<br \/>\nGingen aus und ein und sahen sich um.<br \/>\nDa schritt Egil ostw\u00e4rts Aelrunen nach<br \/>\nUnd s\u00fcdw\u00e4rts Slagfid Swanwit zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Derweil im Wolfstal sa\u00df W\u00f6lund,<br \/>\nSchlug funkelnd Gold und festes Gestein<br \/>\nUnd band die Ringe mit Lindenbast.<br \/>\nAlso harrt er seines holden<br \/>\nWeibes, wenn sie ihm wieder k\u00e4me.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Das h\u00f6rte Nidud, der Niaren Drost,<br \/>\nDa\u00df W\u00f6lund einsam in Wolfstal s\u00e4\u00dfe.<br \/>\nBei Nacht fuhren M\u00e4nner in genagelten Br\u00fcnnen;<br \/>\nIhre Schilde schienen wider den geschnittnen Mond.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Stiegen vom Sattel an des Saales Giebelwand,<br \/>\nGingen dann ein, den ganzen Saal entlang.<br \/>\nSahen am Baste schweben die Ringe,<br \/>\nSiebenhundert zusammen, die der Mann besa\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie b\u00e4nden sie ab und wieder an den Bast,<br \/>\nAu\u00dfer einem, den lie\u00dfen sie ab.<br \/>\nDa kam vom Waidwerk der wegm\u00fcde Sch\u00fctze,<br \/>\nW\u00f6lund, den weiten Weg daher.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Briet am Feuer der B\u00e4rin Fleisch:<br \/>\nBald flammt am Reisig die trockne F\u00f6hre,<br \/>\nDas windd\u00fcrre Holz, vor W\u00f6lund.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ruht auf der B\u00e4renschur, die Ringe z\u00e4hlt er,<br \/>\nDer Alfengesell: einen vermi\u00dft er,<br \/>\nDachte, den h\u00e4tte Hl\u00f6dwers Tochter:<br \/>\nAlwit die holde war heimgekehrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sa\u00df er so lange bis er entschlief:<br \/>\nDoch er erwachte wonneberaubt.<br \/>\nMerkt harte Bande sich um die H\u00e4nde,<br \/>\nF\u00fchlt um die F\u00fc\u00dfe Fesseln gespannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Wer sind die Leute, die in Bande legten<br \/>\nDen freien Mann? Wer fesselte mich?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da rief Nidud, der Niaren Drost:<br \/>\nWo erwarbst du, W\u00f6lund, Weiser der Alfen,<br \/>\nUnsere Sch\u00e4tze in Ulfdalir?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">W\u00f6lund:<br \/>\nHier war kein Gold wie auf Granis Wege,<br \/>\nFern ist dies Land den Felsen des Rheins.<br \/>\nMehr der Kleinode mochten wir haben,<br \/>\nDa wir heil daheim in der Heimat sa\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">K\u00f6nig Nidud gab seiner Tochter B\u00f6dwild den Goldring, den er vom Baste gezogen in W\u00f6lunds Haus; aber er selber trug das Schwert, das W\u00f6lund hatte. Da sprach die K\u00f6nigin:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Er wird die Z\u00e4hne blecken vor Zorn, erkennt er das Schwert<br \/>\nUnd unsers Kindes Ring.<br \/>\nWild gl\u00fchn die Augen dem glei\u00dfenden Wurm.<br \/>\nSo zerschneidet ihm der Sehnen Kraft<br \/>\nUnd la\u00dft ihn sitzen in S\u00e4warstad.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So wurde getan, ihm die Sehnen in den Kniekehlen zerschnitten und er in einen Holm gesetzt, der vor dem Strande lag und S\u00e4warstad hie\u00df. Da schmiedete er dem K\u00f6nig allerhand Kleinode, und niemand getraute sich, zu ihm zu gehen als der K\u00f6nig allein. W\u00f6lund sprach:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Es scheint Nidudern ein Schwert am G\u00fcrtel,<br \/>\nDas ich sch\u00e4rfte so geschickt ich mochte,<br \/>\nDas ich h\u00e4rtete so hart ich konnte.<br \/>\nDies lichte Waffen entwendet ist mir&#8217;s:<br \/>\nS\u00e4h ich&#8217;s W\u00f6lundern zur Schmiede getragen!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">B\u00f6dwild tr\u00e4gt nun meiner Getrauten<br \/>\nRoten Ring: r\u00e4chen will ich das!&#8220;<br \/>\nSchlaflos sa\u00df er und schlug den Hammer;<br \/>\nTrug schuf er Nidudern schnell genug.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Liefen zwei Knaben, lauschten an der T\u00fcre,<br \/>\nDie S\u00f6hne Niduds, nach S\u00e4warstad;<br \/>\nKamen zur Kiste den Schl\u00fcssel erkundend;<br \/>\nOffen war die \u00fcble, als sie hineinsahn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Viel Kleinode sahn sie, die Knaben daucht es<br \/>\nRotes Gold und gl\u00e4nzend Geschmeid.<br \/>\n&#8222;Kommt allein, ihr zwei, kommt andern Tags,<br \/>\nSo soll euch das Gold gegeben werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sagt es den M\u00e4gden nicht noch dem Gesinde,<br \/>\nLa\u00dft es niemand h\u00f6ren, da\u00df ihr hier gewesen.&#8220;<br \/>\nZeitig riefen die Zweie sich an,<br \/>\nBruder den Bruder: &#8222;Komm die Brustringe schaun!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie kamen zur Kiste die Schl\u00fcssel erkundend;<br \/>\nOffen war die \u00fcble, da sie hineinsahn.<br \/>\nUm die K\u00f6pfe k\u00fcrzt er die Knaben beide;<br \/>\nUnterm Fesseltrog barg er die F\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Aber die Sch\u00e4del unter dem Schopfe<br \/>\nSchweift er in Silber, sandte sie Nidudern.<br \/>\nAus den Augen macht er Edelsteine,<br \/>\nsandte sie der falschen Frauen Niduds.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Aus den Z\u00e4hnen aber der Zweie<br \/>\nBildet er Brustgeschmeid, sandt es B\u00f6dwilden<br \/>\nDa begann den Ring zu r\u00fchmen B\u00f6dwild;<br \/>\nSie bracht ihn W\u00f6lundern, da er zerbrochen war:<br \/>\n&#8222;Keinem darf ich&#8217;s sagen als dir allein.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">W\u00f6lund:<br \/>\nIch be\u00dfre dir so den Bruch am Goldring,<br \/>\nDeinen Vater d\u00fcnkt er sch\u00f6ner,<br \/>\nDeine Mutter merklich besser;<br \/>\nAber dich selber noch eben so gut. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Er betrog sie mit Met, der schlauere Mann;<br \/>\nIn den Sessel sank und entschlief die Maid.<br \/>\n&#8222;Nun hab ich gerochen Harm und Sch\u00e4den<br \/>\nAlle bis auf einen, den unheilvollen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Wohl mir&#8220;, sprach W\u00f6lund: &#8222;war ich auf den Sehnen,<br \/>\nDie mir Niduds M\u00e4nner nahmen.&#8220;<br \/>\nLachend hob sich in die Luft W\u00f6lund;<br \/>\nB\u00f6dwild wandte sich weinend vom Holm<br \/>\nUm des Friedels Fahrt sorgend und des Vaters Zorn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Au\u00dfen stand Niduds arges Weib,<br \/>\nGing hinein den ganzen Saal entlang;<br \/>\n&#8211; Auf des Saales Sims sa\u00df er, und ruhte &#8211;<br \/>\n&#8222;Wachst du, Nidud, Niaren Drost?&#8220; &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nidud:<br \/>\nImmer wach ich, wonnelos lieg ich,<br \/>\nMich gemahnt&#8217;s an meiner S\u00f6hne Tod.<br \/>\nDas Haupt friert mir von deinen falschen R\u00e4ten:<br \/>\nNun wollt ich wohl mit W\u00f6lund rechten:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Bekenne mir, W\u00f6lund, K\u00f6nig der Alfen,<br \/>\nWas ward aus meinen wonnigen S\u00f6hnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">W\u00f6lund:<br \/>\nErst sollst du alle Eide mir leisten,<br \/>\nBei Schwertes Spitze und Schiffes Bord,<br \/>\nBei Schildes Rand und Rosses Bug,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da\u00df du W\u00f6lunds Weib nicht t\u00f6test,<br \/>\nNoch meiner Braut zum M\u00f6rder werdest,<br \/>\nH\u00e4tt ich ein Weib auch euch nah verwandt,<br \/>\nOder h\u00e4tte hier im Haus ein Kind. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So geh zur Schmiede, die du mir schufest,<br \/>\nDa liegen die B\u00e4lge mit Blut bespritzt.<br \/>\nDie H\u00e4upter schnitt ich deinen S\u00f6hnen ab;<br \/>\nUnterm Fesseltrog barg ich die F\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Aber die Sch\u00e4del unter dem Schopfe<br \/>\nSchweift ich in Silber, schenkte sie Nidudern.<br \/>\nAus den Augen macht ich Edelsteine,<br \/>\nSandte sie der falschen Frauen Niduds.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Aus den Z\u00e4hnen der Zweie dann<br \/>\nBildet ich Brustgeschmeid und sandt es B\u00f6dwilden.<br \/>\nNun geht B\u00f6dwild mit Kindesb\u00fcrde,<br \/>\nEuer beider einzige Tochter.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nidud:<br \/>\nNie sagtest du ein Wort, das so mich betr\u00fcbte,<br \/>\nNie w\u00fcnscht ich dich h\u00e4rter, W\u00f6lund, zu strafen.<br \/>\nDoch kein Mann ist so rasch, der vom Ro\u00df dich n\u00e4hme,<br \/>\nSo geschickt kein Sch\u00fctze, der dich niedersch\u00f6sse<br \/>\nWie du hoch dich hebst zu den Wolken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Lachend hob sich in die Luft W\u00f6lund;<br \/>\nTraurig Nidud schaut ihm nach:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Steh auf, Thankrad, meiner Tr\u00e4le bester,<br \/>\nBitte B\u00f6dwild, die Brauensch\u00f6ne,<br \/>\nDa\u00df die Ringbereifte mit dem Vater rede.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Ist das wahr, B\u00f6dwild, was man mir sagte:<br \/>\nSa\u00dfest du mit W\u00f6lund zusammen im Holm?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">B\u00f6dwild:<br \/>\nWahr ist das, Nidud, was man dir sagte:<br \/>\nIch sa\u00df mit W\u00f6lund zusammen im Holm,<br \/>\nH\u00e4tte nie sein sollen! Eine Angststunde lang.<br \/>\nIch verstand ihm nicht zu widerstehen,<br \/>\nIch vermocht ihm nicht zu widerstehen!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<span style=\"font-size: 8pt;\">Unser Dank gilt Dungeon Keeper f\u00fcr den zugesanden Text.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>V\u00f6lundarkvida Das Lied von W\u00f6lund Nidud hie\u00df ein K\u00f6nig in Schweden. Er hatte zwei S\u00f6hne und eine Tochter; die hie\u00df B\u00f6dwild. Drei Br\u00fcder waren S\u00f6hne des Finnenk\u00f6nigs; der eine hie\u00df Slagfid, der andere Egil, der dritte W\u00f6lund. Die schritten auf dem Eise und jagten das Wild. 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