{"id":5148,"date":"2018-11-05T17:09:45","date_gmt":"2018-11-05T16:09:45","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5148"},"modified":"2018-11-05T17:09:45","modified_gmt":"2018-11-05T16:09:45","slug":"gudrunarkvida-fyrsta-das-erste-gudrunenlied","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5148","title":{"rendered":"Gudrunarkvida fyrsta &#8211; Das erste Gudrunenlied"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\">Gudrunarkvida fyrsta<br \/>\nDas erste Gudrunenlied<\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\">Gudrun sa\u00df \u00fcber dem toten Sigurd; sie weinte nicht wie andere Frauen, aber schier w\u00e4re sie vor Leid zersprungen. Auch traten Frauen und M\u00e4nner hinzu, sie zu tr\u00f6sten: aber das war nicht leicht. Es wird gesagt, Gudrun habe etwas gegessen von Fafnirs Herzen und seitdem der V\u00f6gel Stimmen verstanden. Auch dies wird von Gudrun gesagt:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Einst erging&#8217;s, da\u00df Gudrun zu sterben begehrte,<br \/>\nDa\u00df sie sorgend sa\u00df \u00fcber Sigurden.<br \/>\nNicht schluchzte sie, noch schlug sie die H\u00e4nde,<br \/>\nBrach nicht in Klagen aus wie Brauch ist der Frauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ihr nahten Helden, h\u00f6fische M\u00e4nner,<br \/>\nDas lastende Leid ihr zu lindern bedacht.<br \/>\nDoch Gudrun konnte vor Gram nicht weinen,<br \/>\nSchier zersprungen war sie vor Schmerz.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Herrliche Frauen der Helden sa\u00dfen,<br \/>\nGoldgeschm\u00fcckte, Gudrun zur Seite.<br \/>\nEine jede sagte von ihrem Jammer,<br \/>\nDem traurigsten, den sie ertragen hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da sprach Giafl\u00f6g, Giukis Schwester:<br \/>\n&#8222;Mich acht ich auf Erden die Unseligste.<br \/>\nDer M\u00e4nner verlor ich nicht minder als f\u00fcnf,<br \/>\nDer T\u00f6chter zwei und drei der Schwestern,<br \/>\nAcht Br\u00fcder; ich allein lebe.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch Gudrun konnte vor Gram nicht weinen,<br \/>\nSo trug sie Trauer um den Tod des Gemahls,<br \/>\nSo f\u00fcllte sie Grimm um des F\u00fcrsten Mord.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da sprach Herborg, die Hunnenk\u00f6nigin:<br \/>\n&#8222;Ich habe von herberm Harm zu sagen:<br \/>\nSieben S\u00f6hne sind im s\u00fcdlichen Land<br \/>\nUnd mein Mann der achte mir erschlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00dcber Vater und Mutter und vier Br\u00fcder<br \/>\nHaben Wind und Wellen gespielt:<br \/>\nDie Brandung zerbrach die Borddielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Selbst die Bestattung besorgen mu\u00dft ich,<br \/>\nDie Holzh\u00fcrde selber zur Helfahrt schichten.<br \/>\nDas alles litt ich in einem Halbjahr,<br \/>\nUnd niemand tr\u00f6stete in der Trauer mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Dann kam ich in Haft als Heergefangne<br \/>\nNoch vor dem Schlu\u00df desselben Halbjahrs.<br \/>\nDa besorgt ich den Schmuck und die Schuhe band ich<br \/>\nAlle Morgen der Gemahlin des Edlings.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie drohte mir immer aus Eifersucht,<br \/>\nWozu sie mit harten Hieben mich schlug.<br \/>\nNiemals fand ich so freundlichen Herrn,<br \/>\nAber auch nirgend so neidische Herrin.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch Gudrun konnte vor Gram nicht weinen,<br \/>\nSo trug sie Trauer um den Tod des Gemahls,<br \/>\nSo f\u00fcllte sie Grimm um des F\u00fcrsten Mord.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da sprach Gullr\u00f6nd, Giukis Tochter:<br \/>\n&#8222;Wenig wei\u00dft du, Pflegerin, ob weise sonst,<br \/>\nDas Herz einer jungen Frau zu erheitern.<br \/>\nWeshalb verh\u00fcllt ihr des Helden Leiche?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie schwang den Schleier von Sigurd nieder,<br \/>\nUnd wandte ihm die Wange zu des Weibes Scho\u00df.<br \/>\n&#8222;Nun schau den Geliebten, f\u00fcge den Mund zur Lippe<br \/>\nUnd umhals ihn wie einst den heilen K\u00f6nig.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Auf sah Gudrun einmal nur,<br \/>\nSah des Helden Haar erharscht vom Blute,<br \/>\nDie leuchtenden Augen erloschen dem F\u00fcrsten,<br \/>\nVom Schwert durchbohrt die Brust des K\u00f6nigs.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da sank aufs Kissen zur\u00fcck die K\u00f6nigin,<br \/>\nIhr Stirnband ri\u00df, rot war die Wange,<br \/>\nEin Regenschauer rann in den Scho\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da jammerte Gudrun, Giukis Tochter:<br \/>\nDie verhaltnen Tr\u00e4nen tropften nieder,<br \/>\nUnd hell auf schrien im Hofe die G\u00e4nse,<br \/>\nDie zieren V\u00f6gel, die Z\u00f6glinge Gudruns.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da sprach Gullr\u00f6nd, Giukis Tochter:<br \/>\n&#8222;Euch verm\u00e4hlte die m\u00e4chtigste Liebe<br \/>\nVon allen, die je auf Erden lebten.<br \/>\nDu fandest au\u00dfen noch innen Frieden,<br \/>\nSchwester mein, als bei Sigurd nur.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da sprach Gudrun, Giukis Tochter:<br \/>\n&#8222;So war mein Sigurd bei Giukis S\u00f6hnen,<br \/>\nWie hoch aus Halmen edler Lauch sich hebt,<br \/>\nOder ein blitzender Stein am Bande getragen,<br \/>\nEin k\u00f6stlich Kleinod, \u00fcber K\u00f6nige scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So daucht auch ich den Degen des K\u00f6nigs<br \/>\nH\u00f6her hier als Herians M\u00e4dchen.<br \/>\nNun lieg ich verachtet dem Laube gleich,<br \/>\nDas im Forste fiel, nach des F\u00fcrsten Tod.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nun mi\u00df ich beim Mahle, mi\u00df ich im Bette<br \/>\nDen s\u00fc\u00dfen Gesellen: das schufen die Giukungen.<br \/>\nDie Giukungen schufen mir grimmes Leid,<br \/>\nSchufen der Schwester endlosen Schmerz.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So habt ihr den Leuten das Land verw\u00fcstet<br \/>\nWie ihr \u00fcbel die Eide hieltet.<br \/>\nNicht wirst du, Gunnar, des Goldes genie\u00dfen:<br \/>\nDir rauben die roten Ringe das Leben,<br \/>\nWeil du Sigurden Eide schwurst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Oft war im Volk die Freude gr\u00f6\u00dfer,<br \/>\nAls mein Sigurd den Grani sattelte,<br \/>\nUnd sie um Br\u00fcnhild zu bitten fuhren,<br \/>\nDie unselige, zu \u00fcblem Heil.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da sprach Br\u00fcnhild, Budlis Tochter:<br \/>\n&#8222;Mann und Kinder misse die Vettel,<br \/>\nWelche dich, Gudrun, weinen lehrte,<br \/>\nIn den Mund dir Worte am Morgen legte!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da sprach Gullr\u00f6nd, Giukis Tochter:<br \/>\n&#8222;Geschweig der Worte, Welt verha\u00dfte!<br \/>\nImmer den Edlingen warst du zum Unheil;<br \/>\nWie sein schlimmes Schicksal scheut dich jeder;<br \/>\nSieben K\u00f6nigen kostest du das Leben,<br \/>\nDie der Freunde viel den Frauen erschlugst!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da sprach Br\u00fcnhild, Budlis Tochter:<br \/>\n&#8222;An allem Unheil ist Atli schuld,<br \/>\nBudlis Sohn, der Bruder mein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Als wir in der Halle des hunnischen Volkes<br \/>\nDes Wurmbetts Feuer an dem F\u00fcrsten ersahn,<br \/>\nDes Besuches hab ich seitdem entgolten,<br \/>\nDieses Anblicks mu\u00df immer mich reuen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie stand an der S\u00e4ule, den Schaft ergriff sie;<br \/>\nEs brannte Br\u00fcnhilden, Budlis Tochter,<br \/>\nGlut in den Augen, Gift spie sie aus,<br \/>\nAls sie die Wunden sah an Sigurds Brust.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Darauf ging Gudrun in W\u00e4lder und W\u00fcsten bis D\u00e4nemark, wo sie bei Tora, Hakons Tochter, sieben Halbjahre weilte. Br\u00fcnhild wollte Sigurden nicht \u00fcberleben. Sie lie\u00df acht Knechte und f\u00fcnf M\u00e4gde t\u00f6ten. Darauf durchbohrte sie sich selbst mit dem Schwerte &#8211; wie gesagt ist in dem k\u00fcrzeren Sigurdsliede.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<span style=\"font-size: 8pt;\">Unser Dank gilt Dungeon Keeper f\u00fcr den zugesanden Text.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gudrunarkvida fyrsta Das erste Gudrunenlied Gudrun sa\u00df \u00fcber dem toten Sigurd; sie weinte nicht wie andere Frauen, aber schier w\u00e4re sie vor Leid zersprungen. Auch traten Frauen und M\u00e4nner hinzu, sie zu tr\u00f6sten: aber das war nicht leicht. Es wird gesagt, Gudrun habe etwas gegessen von Fafnirs Herzen und seitdem der V\u00f6gel Stimmen verstanden. 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