{"id":5152,"date":"2018-11-05T17:11:20","date_gmt":"2018-11-05T16:11:20","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5152"},"modified":"2020-11-01T14:09:33","modified_gmt":"2020-11-01T13:09:33","slug":"gudrunarkvida-oennur-das-andere-gudrunenlied","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5152","title":{"rendered":"Gudrunarkvida \u00f6nnur &#8211; Das andere Gudrunenlied"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\">Gudrunarkvida \u00f6nnur<br \/>\nDas andere Gudrunenlied<\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\">K\u00f6nig Dietrich war bei Atli und hatte dort die meisten seiner Mannen verloren. Dietrich und Gudrun klagten einander ihr Leid. Sie sprach zu ihm und sang:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Maid der Maide erzog mich, die Mutter<br \/>\nIm leuchtenden Saal. Ich liebte die Br\u00fcder,<br \/>\nBis mich Giuki mit Gold bereifte,<br \/>\nMit Gold bereifte und Sigurden gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So war Sigurd bei den S\u00f6hnen Giukis<br \/>\nWie \u00fcber Halme sich hebt edler Lauch,<br \/>\nWie hoch der Hirsch ragt \u00fcber Hasen und F\u00fcchse<br \/>\nUnd glutrotes Gold scheint \u00fcber graues Silber.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Bis mir nicht g\u00f6nnen mochten die Br\u00fcder<br \/>\nDen Helden zu haben, den hehrsten aller.<br \/>\nSie mochten nicht ruhen, nicht richten und schlichten<br \/>\nBis sie Sigurden erschlagen lie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Vom Thinge traurig traben h\u00f6rt ich Grani;<br \/>\nSigurden selber sah ich nicht.<br \/>\nAlle Rosse waren rot von Blut<br \/>\nUnd in Schwei\u00df geschlagen von den Schachern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gramvoll ging ich mit Grani reden,<br \/>\nBefragte das Pferd mit der feuchten Wange;<br \/>\nDa senkte Grani ins Gras das Haupt:<br \/>\nWohl wu\u00dfte der Hengst, sein Herr sei tot.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Lange zaudert ich, zweifelte lange<br \/>\nBevor ich den Volkshirten frug nach dem K\u00f6nig.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gunnar hing das Haupt; doch H\u00f6gni sagte<br \/>\nMir meines Sigurd mordlichen Tod:<br \/>\n&#8222;Jenseits des Stroms erschlagen liegt er,<br \/>\nDen Guthorm f\u00e4llte, zum Fra\u00df den W\u00f6lfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sieh den Sigurd gegen S\u00fcden dort,<br \/>\nH\u00f6re Kr\u00e4hen kr\u00e4chzen und Raben,<br \/>\nAdler jauchzen der Atzung froh,<br \/>\nUnd W\u00f6lfe heulen um deinen Helden.&#8220; &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Wie hast du mir, H\u00f6gni, des Harms soviel,<br \/>\nDem wonnewaisen Weibe gesagt?<br \/>\nDa\u00df Raben und Falken das Herz dir zerf\u00fchrten<br \/>\nWeiter \u00fcber Land als du Leute kennst!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">H\u00f6gni antwortete mit einem Mal<br \/>\nDes sanften Sinnes mit Schmerz beraubt:<br \/>\n&#8222;Das g\u00e4be dir, Gudrun, erst Grund zu weinen,<br \/>\nWenn mir auch die Raben zerrissen das Herz!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Vor ihrem Anblick einsam ging ich da,<br \/>\nDie Brocken zu lesen von der W\u00f6lfe Leichenschmaus.<br \/>\nIch schluchzte nicht, noch schlug ich die H\u00e4nde,<br \/>\nBrach nicht in Klagen aus wie Brauch ist der Frauen,<br \/>\nDa ich schmerzvoll sa\u00df \u00fcber Sigurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Nacht dauchte mich neumonddunkel,<br \/>\nDa ich sorgend sa\u00df \u00fcber Sigurds Leiche.<br \/>\nViel sanfter w\u00fcrden die W\u00f6lfe mir scheinen,<br \/>\nLie\u00dfen sie mich das Leben missen,<br \/>\nOder brennte man mich wie Birkenholz.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ich fuhr aus dem Forst; nach der f\u00fcnften Nacht<br \/>\nNaht ich den hohen Hallen Alfs.<br \/>\nSieben Halbjahre sa\u00df ich bei Thora,<br \/>\n&#8222;Hakons Maid in D\u00e4nemark.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">In Gold stickte sie mich zu zerstreuen<br \/>\nIn S\u00fcdlands\u00e4len d\u00e4nische Wikinge.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wir bildeten k\u00fcnstlich der Krieger Spiele,<br \/>\nDie Helden der Herrscher in Handgewirke;<br \/>\nRote R\u00e4nder, Recken des Hunnenlands,<br \/>\nMit Helm und Harnisch der Herrscher Geleit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Vom Strande segelten Sigmunds Rosse<br \/>\nMit goldnem Schiffshaupt, geschnitztem Steuer.<br \/>\nWir wirkten und webten die Waffentaten<br \/>\nSigmunds und Siggeirs s\u00fcdlich in Fione.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da h\u00f6rte Grimhild, die Gotenf\u00fcrstin,<br \/>\nWie tief ihre Tochter betraure den Gemahl.<br \/>\nSie warf ihr Gewebe fort, winkte den S\u00f6hnen,<br \/>\nDas zu erfahren trug sie und sprach:<br \/>\nWer Bu\u00dfe wolle der Schwester bieten,<br \/>\nDen erschlagnen Gatten vergelten der Frau?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gunnar erbot sich ihr Gold zu bieten,<br \/>\nIhren Harm zu s\u00fchnen, und so auch H\u00f6gni.<br \/>\nDa fragte sie ferner, wer fahren wolle<br \/>\nDie S\u00e4umer zu satteln, die Wagen zu schirren,<br \/>\nDen Hengst zu tummeln, den Habicht zu werfen,<br \/>\nDen Bolzen zu schie\u00dfen vom Eibenbogen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Waldar den D\u00e4nen und Jarisleif,<br \/>\nEimod zum dritten und Jarisskar<br \/>\nF\u00fchrten sie vor mich, F\u00fcrsten gleich.<br \/>\nRote Waffenr\u00f6cke trugen des Langb\u00e4rtgen Recken,<br \/>\nHohe Helme und helle Br\u00fcnnen,<br \/>\nBreite Schwerter, die braungelockten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ein jeder verhie\u00df mir herrlichen Schmuck,<br \/>\nHerrlichen Schmuck mit schmeichelnden Reden,<br \/>\nOb sie mich m\u00f6chten f\u00fcr manches Leid<br \/>\nAuf Trost vertr\u00f6sten; aber ich traute nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Grimhild brachte den Becher mir dar,<br \/>\nDen kalten, herben, da\u00df ich Harms verg\u00e4\u00dfe.<br \/>\nDer Kelch war gekr\u00e4ftigt aus der Quelle Urds,<br \/>\nMit urkalter See und s\u00fchnendem Blut.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">In das Horn hatten sie allerhand St\u00e4be<br \/>\nR\u00f6tlich geritzt; ich erriet sie nicht.<br \/>\nDen langen Lindwurm des Lands der Haddinge,<br \/>\nUngeschnittne \u00c4hre und Eingang von Tieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Im Gebrauten beisammen war Bosheit viel,<br \/>\nAllerlei Wurzeln und Waldeckern,<br \/>\nTau des Herdes und Tiergeweide,<br \/>\nGesottne Schweinsleber, die den Schmerz bet\u00e4ubt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So vergeben verga\u00df ich da<br \/>\nDer Gespr\u00e4che Sigurds all im Saal.<br \/>\nK\u00f6nige kamen vor die Knie mir drei<br \/>\nEhe sie selber naht und sagte:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Ich gebe dir, Gudrun, das Gold empfange,<br \/>\nDein volles Erbgut nach des Vaters Tod,<br \/>\nBlanke Ringe, die Burgen Hl\u00f6dwers<br \/>\nUnd des toten F\u00fcrsten F\u00e4hrni\u00df all.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Hunnische T\u00f6chter, die Teppiche wirken<br \/>\nUnd Goldg\u00fcrtel dich zu erg\u00f6tzen.<br \/>\nDu allein sollst schalten \u00fcber die Sch\u00e4tze Budlis<br \/>\nMit Gold begabt als die Gattin Atlis.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gudrun:<br \/>\nKeinem Manne mehr will ich verm\u00e4hlt sein,<br \/>\nNoch Br\u00fcnhildens Bruder haben.<br \/>\nMir geziemt nicht mit dem Erzeugten Budlis<br \/>\nDas Geschlecht zu mehren und zusammen zu leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Grimhild:<br \/>\nNicht wolle den Harm den Helden vergelten,<br \/>\nBegannen wir Giukungen gleich den Zwist.<br \/>\nSo sollst du lassen als lebten dir beide,<br \/>\nSigurd und Sigmund, wenn du S\u00f6hne gewinnst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gudrun:<br \/>\nNicht mag ich mich mehr ermuntern, Grimhild,<br \/>\nUnd keinem Helden Hoffnung gew\u00e4hren,<br \/>\nSeit ich schwelgen an Sigurds Herzblut<br \/>\nDen Raben sah, den raubgierigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Grimhild:<br \/>\nIhn hab ich von allen den edelstgebornen<br \/>\nDer F\u00fcrsten befunden und in vielem den besten.<br \/>\nSo freie den F\u00fcrsten: bis dich fesselt das Alter<br \/>\nWirst du verwaist sein, w\u00e4hlst du nicht ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gudrun:<br \/>\nBiete mir nicht das bosheitvolle,<br \/>\nSo aufdringlich mir dieses Geschlecht.<br \/>\nDem Gunnar gibt er grimmen Tod,<br \/>\nSchneidet dem H\u00f6gni das Herz aus dem Leibe.<br \/>\nNicht fand ich dann Frieden bevor ich das Leben<br \/>\nGek\u00fcrzt dem freveln Kriegsbrandsch\u00fcrer. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mit Grausen h\u00f6rte Grimhild das Wort,<br \/>\nDenn ihren Kindern k\u00fcndet es Verderben<br \/>\nUnd den Untergang all ihrem Geschlecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Grimhild:<br \/>\nNoch leih ich dir Land und Leute viel,<br \/>\nWinbj\u00f6rg, Walbj\u00f6rg, willst du sie haben.<br \/>\nNimm sie lebenslang und la\u00df den Zorn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gudrun:<br \/>\nNun will ich ihn kiesen unter den K\u00f6nigen;<br \/>\nDoch wider Willen, auf der Freunde Wunsch.<br \/>\nNie wird der Gatte Gl\u00fcck mir bringen,<br \/>\nMeine S\u00f6hne b\u00fc\u00dfen der Br\u00fcder Mord. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Rasch auf die Rosse sa\u00dfen die Recken da,<br \/>\nDie welschen Weiber zu Wagen hoben sie.<br \/>\nSieben Tage durchtrabten wir kaltes Land,<br \/>\n\u00dcber See setzten wir sieben andre,<br \/>\nDurch d\u00fcrre Steppen ging&#8217;s die dritten sieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da hoben die W\u00e4chter der hohen Burg<br \/>\nDas Gitter empor: durch die Pforte ritten wir.<br \/>\nAtli weckte mich; aber ich schien ihm<br \/>\nDer Vorahnung voll von der Freunde Tod.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Atli:<br \/>\nSo haben auch neulich mich Nornen geweckt;<br \/>\nVerg\u00f6nnte das Graunbild g\u00fcnstige Deutung!<br \/>\nIch w\u00e4hnte dich, Gudrun, Giukis Tochter,<br \/>\nMir die Brust durchbohren mit blankem Dolch.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gudrun:<br \/>\nDer Traum von Dolchen bedeutet Feuer,<br \/>\nHolde Heimlichkeit der Hausfrau Zorn.<br \/>\nIch brenne dir bald ein b\u00f6ses Geschw\u00fcr aus,<br \/>\nIch heile und lindre, wie leid du mir seist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Atli:<br \/>\nReiser im Garten sah ich ausgerissen,<br \/>\nDie ich da wachsen lassen wollte.<br \/>\nEntrauft mit der Wurzel, ger\u00f6tet im Blut<br \/>\nUnd aufgetragen, da\u00df ich sie \u00e4\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ich sah von der Hand mir Habichte fliegen<br \/>\nOhne Atzung, dem Untergang zu.<br \/>\nIhre Herzen w\u00e4hnt ich mit Honig zu essen<br \/>\nSorgenschwer geschwollen von Blut.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Welpen w\u00e4hnt ich entw\u00e4nden sich mir,<br \/>\nIch h\u00f6rte sie harmvoll heulen und wimmern.<br \/>\nIhr Fleisch, furcht ich, war faul geworden:<br \/>\nMit Ekel a\u00df ich von dem Aase da.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gudrun:<br \/>\nDir werden Schacher im Schlafgemach richten,<br \/>\nDen Lichtgelockten die H\u00e4upter l\u00f6sen:<br \/>\nSie werden erschlagen nach wenig N\u00e4chten,<br \/>\nKurz vor Tag, und aufgetischt. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Seitdem lieg ich den Schlummer meidend<br \/>\nTrotzig im Bette: tun will ich so.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 8pt;\">Unser Dank gilt Dungeon Keeper f\u00fcr den zugesandten Text.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gudrunarkvida \u00f6nnur Das andere Gudrunenlied K\u00f6nig Dietrich war bei Atli und hatte dort die meisten seiner Mannen verloren. 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