{"id":5160,"date":"2018-11-05T17:14:29","date_gmt":"2018-11-05T16:14:29","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5160"},"modified":"2018-11-05T17:14:29","modified_gmt":"2018-11-05T16:14:29","slug":"atlamal-in-groenlenzku-das-lied-von-atli","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5160","title":{"rendered":"Atlamal in Groenlenzku &#8211; Das Lied von Atli"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\">Atlamal in Groenlenzku<br \/>\nDas Lied von Atli<\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Welt wei\u00df die Untat, wie weiland M\u00e4nner<br \/>\nHuben Rat zu halten, und den heimlichen Vorsatz<br \/>\nMit Schw\u00fcren best\u00e4rkten. Sie selber b\u00fc\u00dften es<br \/>\nUnd die Erben Giukis, die arg betrognen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die F\u00fcrsten erfa\u00dfte ihr feindlich Geschick.<br \/>\n\u00dcbel beriet sich Atli bei aller Klugheit:<br \/>\nDie St\u00fctze st\u00fcrzt er sich im Streit mit sich selbst.<br \/>\nEr sandte schnelle Boten da\u00df seine Schw\u00e4ger k\u00e4men.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die schlaue Hausfrau sann auf Mannesklugheit;<br \/>\nSie wu\u00dfte die Worte, die heimlich gewechselten.<br \/>\nIn Not war die Weise, die sie retten wollte:<br \/>\nDie Gesandten sollten segeln, sie selbst daheim sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da ritzte sie Runen: die verritzte Wingi<br \/>\nEh er sie abgab, der Unheilstifter.<br \/>\nDie Schiffe steuerten die Gesandten Atlis<br \/>\nDurch den armreichen Sund, wo die Schnellen wohnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Bei festlicher Freude ward Feuer gez\u00fcndet;<br \/>\nOb ihrer Ankunft nicht ahnten sie Trug.<br \/>\nDie der Schwager geschickt, die Geschenke nahmen sie<br \/>\nUnd hingen sie arglos auf an der S\u00e4ule.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">H\u00f6gnis Hausfrau h\u00f6rt es, Kostbera.<br \/>\nDa ging die kluge und gr\u00fc\u00dfte die Boten.<br \/>\nAuch Glaumw\u00f6r, Gunnars Gattin freute sich;<br \/>\nSie gedachte der Pflicht und pflegte die G\u00e4ste.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie luden auch H\u00f6gni, ob er dann lieber k\u00e4me:<br \/>\nOffen war die Arglist, beachteten sie&#8217;s.<br \/>\nDa verhie\u00df es Gunnar, wenn H\u00f6gni wolle;<br \/>\nDoch H\u00f6gni bestritt was der Herrscher daf\u00fcr sprach.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Met brachten die Maide, es mangelte nichts;<br \/>\nDie F\u00fcllh\u00f6rner kreisten bis es v\u00f6llig genug schien.<br \/>\nGebettet ward den Boten aufs allerbeste.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Klug war Kostbera und kundig der Runen.<br \/>\nSie besah die Lautst\u00e4be bei des Lichtes Schein,<br \/>\nUnd zwang die Zunge zu zwiefachem Anschlag:<br \/>\nDenn sie schienen umgeschnitzt und schwer zu erraten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Zu Bette ging sie mit dem Gatten darauf.<br \/>\nDie Leutselge tr\u00e4umte; auch leugnet es nicht<br \/>\nDie weise dem Gemahl, als er morgens erwachte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Von Haus willst du, H\u00f6gni: h\u00fcte dich wohl.<br \/>\nNicht viele sind vollklug: fahr ein andermal.<br \/>\nIch erriet die Runen, die dir ritzte die Schwester:<br \/>\nNicht hat dich die lichte geladen zu Haus.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Eins fiel mir auf: ich ahne noch nicht<br \/>\nWas der weisen begegnete, so verworren zu schneiden.<br \/>\nDenn so war es angelegt, als lauschte darunter<br \/>\nEuch t\u00fcckisch der Tod, trautet ihr der Ladung;<br \/>\nDoch ein Stab fiel aus, oder andre f\u00e4lschten es.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">H\u00f6gni:<br \/>\nMi\u00dftrauisch seid ihr; mir mangelt die Kunde,<br \/>\nUnd la\u00df es bewenden bis wir&#8217;s zu lohnen haben.<br \/>\nMit glutrotem Golde begabt uns der K\u00f6nig.<br \/>\nSah ich auch Schreckliches, ich scheue vor nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kostbera:<br \/>\n\u00dcbler Ausgang droht, wenn ihr dahin eilt,<br \/>\nNicht freundlichen Empfang findet ihr diesmal.<br \/>\nMir tr\u00e4umte heut, H\u00f6gni, ich hehl es nicht:<br \/>\nDie Fahrt gef\u00e4hrdet euch, wenn mich Furcht nicht tr\u00fcgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Lichte Lohe sah ich dein Laken verzehren:<br \/>\nHoch hob sich die Flamme meine Halle durchgl\u00fchend.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">H\u00f6gni:<br \/>\nHier liegt Leinwand, die ihr l\u00e4ngst nicht mehr achtet:<br \/>\nWie bald verbrennt sie! Bettzeug schien dir das.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kostbera:<br \/>\nEin B\u00e4r brach hier ein, der uns die B\u00e4nke verschob<br \/>\nMit kratzenden Krammen: wir kreischten laut auf.<br \/>\nIn den Rachen ri\u00df er uns; wir r\u00fchrten uns nicht mehr.<br \/>\nTraun, das Get\u00f6se tobte nicht schlecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">H\u00f6gni:<br \/>\nEin Ungewitter kommt \u00fcber uns:<br \/>\nEin Wei\u00dfb\u00e4r schien dir der Wintersturm.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kostbera:<br \/>\nEinen Adler sah ich schweben all den Saal uns entlang.<br \/>\nDas b\u00fc\u00dfen wir bald: mit Blut betr\u00e4uft er uns;<br \/>\nSein \u00e4ngstendes Antlitz schien mir Atlis H\u00fclle.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">H\u00f6gni:<br \/>\nWir schlachten bald: da mu\u00df Blut wohl flie\u00dfen;<br \/>\nOchsen bedeutet&#8217;s oft, wenn man von Adlern tr\u00e4umt.<br \/>\nTreue tr\u00e4gt uns Atli was dir auch tr\u00e4umen mag. &#8211;<br \/>\nSie lie\u00dfen es beruhn; alle Rede hat ein Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Das K\u00f6nigspaar erwachte: da kam es auch so.<br \/>\nGlaumw\u00f6r gedachte bedeutender Tr\u00e4ume,<br \/>\nDie Gunnarn hin und her hinderten zu fahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Glaumw\u00f6r:<br \/>\nEinen Galgen glaubt ich dir, Gunnar, gebaut.<br \/>\nNattern nagten dich und noch lebtest du.<br \/>\nDie Welt ward mir w\u00fcst: was bedeutet das?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Aus der Br\u00fcnne blinkte ein blutig Eisen;<br \/>\nHart ist, solch Gesicht dem Geliebten sagen.<br \/>\nDer Ger ging dir ganz durch den Leib<br \/>\nUnd W\u00f6lfe heulen h\u00f6rt ich zu beiden Seiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gunnar:<br \/>\nLose Hunde laufen mit lautem Gebell:<br \/>\nK\u00f6tergekl\u00e4ff verk\u00fcndet der Lanzentraum.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Glaumw\u00f6r:<br \/>\nEinen Strom sah ich sch\u00e4umen den Saal hier entlang:<br \/>\nEr stieg und schwoll und \u00fcberschwemmte die B\u00e4nke.<br \/>\nEuch Br\u00fcdern beiden zerbrach er die F\u00fc\u00dfe;<br \/>\nNichts d\u00e4mmte die Flut: das bedeutet was.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Weiber sah ich, verstorbne, im Saal hier nachten,<br \/>\nKampflich gekleidet, dich zu kiesen bedacht.<br \/>\nAlsbald auf ihre B\u00e4nke entboten sie dich:<br \/>\nVon dir schieden, besorg ich, die Schutzg\u00f6ttinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gunnar:<br \/>\nDas sagst du zu sp\u00e4t, da es beschlossen ist:<br \/>\nWir entfliehn der Fahrt nicht, die wir zu fahren gelobten.<br \/>\nVieles l\u00e4\u00dft glauben, da\u00df unser Leben kurz ist. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mit leuchtendem Lichte die reiselustigen<br \/>\nEilten zum Aufbruch; andere lie\u00dfen&#8217;s.<br \/>\nNur f\u00fcnfe fuhren, und doppelt so viel nur<br \/>\nDes Gesindes noch, denn schlecht war&#8217;s bedacht.<br \/>\nSn\u00e4war und Solar waren H\u00f6gnis S\u00f6hne;<br \/>\nDer f\u00fcnfte fuhr Orkning in der F\u00fcrsten Zahl,<br \/>\nDer schnelle Schildtr\u00e4ger, der Schwager H\u00f6gnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ihnen folgten die Frauen bis die Furt sie schied.<br \/>\nStets hemmten die Holden; man h\u00f6rte sie nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da begann Glaumw\u00f6r, Gunnars Gemahl,<br \/>\nZu Wingi gewandt wie ihr w\u00fcrdig schien:<br \/>\n&#8222;Ich wei\u00df nicht, wie ihr guten Willen uns lohnt:<br \/>\nHier warst du ein arger Gast, wenn \u00dcbels dort geschieht.&#8216;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da verschwur sich Wingi und schonte sich wenig:<br \/>\n&#8222;F\u00fchre mich der Jote hin wofern ich euch log:<br \/>\nAm Galgen will ich h\u00e4ngen, heuchelt ich Frieden.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da hub Bera an aus biederm Herzen:<br \/>\n&#8222;Segelt denn selig und Sieg geleit euch!<br \/>\nWerd es wie ich w\u00fcnsche und wehre dem nichts.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da h\u00fcb H\u00f6gni an Freunden Heil erw\u00fcnschend:<br \/>\n&#8222;Seid weis und wohlgemut, wie es ergehe!&#8220;<br \/>\nSo sprechen viele, doch unterschiedlich ist&#8217;s,<br \/>\nDenn manchem liegt wenig an dem Geleiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie sahen sich noch nach bis sie sich entschwanden;<br \/>\nDa teilten sich die Schicksale, schieden sich die Wege.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie ruderten kr\u00e4ftig, der Kiel schier zerbarst,<br \/>\nSchwenkten sich stark zur\u00fcck mit eifrigen Schl\u00e4gen:<br \/>\nDie R\u00fchrpfl\u00f6cke rissen, die Ruder zerbrachen.<br \/>\nUnbefestigt blieb das Fahrzeug, da sie zu Lande fuhren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Unlange wahrt es nun, la\u00dft es mich k\u00fcrzen,<br \/>\nSo sahn sie die Burg stehn, die Budli besessen.<br \/>\nLaut klirrten die Riegel, da H\u00f6gni klopfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ein Wort sprach da Wingi, w\u00fcrd es verschwiegen!<br \/>\n&#8222;F\u00e4hrt fern vom Hause; Gefahr bringt der Eintritt.<br \/>\nLeicht gingt ihr ins Garn, und gleich erschl\u00e4gt man euch.<br \/>\nIch trieb euch traulich, doch Trug stak darunter.<br \/>\nOder bleibt auch hier, so bau ich euch den Galgen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Dawider sprach H\u00f6gni, nicht zu weichen bedacht;<br \/>\nIhn \u00e4ngstete gar nichts, wo es galt sich versuchen:<br \/>\n&#8222;Du sollst uns nicht schrecken, sieh, es ger\u00e4t nicht:<br \/>\nWagst du ein Wort noch, wird dir langes \u00dcbel.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da hieben sie Wingi zu Hel ihn zu senden,<br \/>\nGebrauchten der \u00c4xte, bis der Atem ihm schwand.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Atli mit dem Volk fuhr in die Panzer.<br \/>\nGer\u00fcstet rannten sie der Ringmauer zu.<br \/>\nGewechselt wurden viel Worte des Zorns:<br \/>\n&#8222;Lange gelobt war&#8217;s, euch das Leben zu rauben.&#8220; &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Wenig gewahrt man noch was ihr wider uns vorhabt.<br \/>\nEuch sehn wir unbereit; wir aber schlugen<br \/>\nUnd erlahmten einen von euerm Geleit.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wutgrimm wurden die das Wort vernahmen.<br \/>\nSie reckten die Finger, fa\u00dften die Schn\u00fcre<br \/>\nUnd schossen scharf, mit den Schilden sich deckend.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nun ward es innen kund was au\u00dfen geschah.<br \/>\nSie h\u00f6rten der Knechte Gespr\u00e4ch vor der Halle.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Grimm trieb Gudrunen, da sie das Graun vernahm:<br \/>\nIm Zorn zerrte sie die Zierde der Halsketten,<br \/>\nSchleuderte das Silber, da\u00df die Ringe schlissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Aus ging sie, unsanft die Angeln schlagend,<br \/>\nFurchtlos trat sie vor und empfing die G\u00e4ste,<br \/>\nLiebkoste den Niflungen &#8211; der letzte Gru\u00df war&#8217;s &#8211;<br \/>\nMit Herzen und Halsen; dann hub sie an und sprach noch:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Ich sandt ein Sinnbild euch zu schrecken damit;<br \/>\nDem Schicksal widersteht man nicht: ihr solltet nun kommen.&#8220;<br \/>\nNoch vermitteln m\u00f6chte sie&#8217;s mit manchem klugen Wort;<br \/>\nNiemand riet dazu, nein, riefen alle.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da sah die Seliggeborne den bittern Kampf begonnen.<br \/>\nErkeckt zu k\u00fchner Tat warf sie das Kleid hin,<br \/>\nSchwang das blo\u00dfe Schwert und sch\u00fctzte der Freunde Leben.<br \/>\nBehaglich war sie nicht im Kampf wohin sie kam.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Giukis Tochter traf t\u00f6dlich zwei M\u00e4nner.<br \/>\nDen Bruder Atlis schlug sie, da\u00df man ihn bahren mu\u00dfte:<br \/>\nBis ein Fu\u00df ihm fehlte focht sie mit ihm.<br \/>\nDen andern hieb sie also, da\u00df er Aufstehns verga\u00df:<br \/>\nDen hatte sie zu Hel gesandt; ihre H\u00e4nde bebten nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">So ward die Wehr hier, da\u00df es weltkund ist;<br \/>\nDoch ging \u00fcber alles gar was die Giukungen wirkten.<br \/>\nSo lange sie lebten lie\u00dfen die Niflungen<br \/>\nDie Schwerter schwirren, schwinden die Br\u00fcnnen;<br \/>\nHelme zerhieben sie nach Herzensgel\u00fcsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie stritten den Morgen \u00fcber Mittag hinaus,<br \/>\nVon erster Fr\u00fche zu voller Tagesh\u00f6h.<br \/>\nVom Blute flo\u00df das Feld, erf\u00fcllt war der Kampf.<br \/>\nIhrer achtzehn fielen &#8211; die Feinde siegten &#8211;<br \/>\nBeiden S\u00f6hnen Beras und ihrem Bruder Orkning.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Atli begann grimmig das Wort:<br \/>\n&#8222;\u00dcble Schau ist hier und Euer die Schuld.<br \/>\nHier standen drei\u00dfig streitbare Degen;<br \/>\nNur elfe sind \u00fcbrig: zu arg ist die L\u00fccke!<br \/>\nF\u00fcnf Br\u00fcder waren wir, als Budli starb:<br \/>\nNun hat Hel die H\u00e4lfte, verhauen liegen zweie!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Herrliche Schw\u00e4ger h\u00e4tt ich, ich leugne es nicht;<br \/>\nUnweibliches Weib! Wenig genie\u00df ich&#8217;s.<br \/>\nWir stimmten selten seit ich dich nahm.<br \/>\nIhr habt mich des Reichtums beraubt und der Freunde,<br \/>\nMeine Schwester erschlagen: am schwersten h\u00e4rmt mich das!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gudrun:<br \/>\nGedenkst du des, Atli! Du tatest zuerst so.<br \/>\nDu hast mir die Mutter ermordet um Sch\u00e4tze:<br \/>\nIn der H\u00f6hle zu verhungern war der Hehren Los.<br \/>\nL\u00e4cherlich l\u00e4\u00dft es dir deines Leids zu gedenken:<br \/>\nDurch Gnade der G\u00f6tter ergeht es dir \u00fcbel.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Atli:<br \/>\nNun mahn ich euch. Mannen, mehrt den Harm<br \/>\nDem stolzen Weibe: das sah ich gern!<br \/>\nErk\u00e4mpft aus Kr\u00e4ften, da\u00df Gudrun klagen m\u00fcsse.<br \/>\nDas l\u00fcstet mich zu schaun, da\u00df ihr Los sie schmerze.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Bemeistert euch H\u00f6gnis, da\u00df ein Messer ihn teile,<br \/>\nRei\u00dft ihm das Herz aus, seid rasch zur Tat;<br \/>\nDen grimmen Gunnar, an den Galgen h\u00e4ngt ihn,<br \/>\nKn\u00fcpft scharf den Strang, ladet Schlangen dazu.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">H\u00f6gni:<br \/>\nTu nach Gefallen, getrost erwart ich&#8217;s:<br \/>\nDoch hart bew\u00e4hr ich mich, der wohl Herberes litt.<br \/>\nWir hielten euch Stand, da wir heil waren:<br \/>\nNun sind wir so wund, du hast volle Gewalt. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da redete Beiti, der Burgwart Atlis:<br \/>\n&#8222;La\u00dft uns Hialli fangen und H\u00f6gni schonen.<br \/>\nUns hilft das halbe Werk, und ihm geh\u00f6rt sich das:<br \/>\nWie lang er leben mag, ein Lump doch bleibt er.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Hafenh\u00fcter erschrak und hielt nicht Stand;<br \/>\nEr krisch und klagte und kroch in alle Winkel:<br \/>\nIhr Streit bekam ihm schlecht, den er schuldlos b\u00fc\u00dfe;<br \/>\nUnselig sei der Tag, da er von der Schweinmast k\u00e4me<br \/>\nUnd der feisten Kost, der er lang sich erfreut.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Budlis Schergen zogen und schliffen das Messer;<br \/>\nDer arme Schalk schrie eh er die Sch\u00e4rfe f\u00fchlte:<br \/>\nNicht zu alt noch war er die \u00c4cker zu d\u00fcngen;<br \/>\nGern schaff er das Schm\u00e4hlichste, wenn er Schonung f\u00e4nde,<br \/>\nUnd lache dazu, behielt er das Leben nur.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">H\u00f6gni beriet sich, so rasch tat es keiner,<br \/>\nF\u00fcr den Gimpel zu bitten, da\u00df er entginge.<br \/>\n&#8222;Dies Spiel besteh ich viel leichter selber:<br \/>\nWer wollte weiter solch Gewinsel h\u00f6ren!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie ergriffen den Guten: es gab keine Wahl mehr<br \/>\nDes raschen Recken Gericht zu verschieben.<br \/>\nHell lachte H\u00f6gni, es h\u00f6rten die M\u00e4nner<br \/>\nWie kampflich er konnte die Qual erdulden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Zither nahm Gunnar, mit den Zweigen der F\u00fc\u00dfe<br \/>\nK\u00f6nnt er sie schlagen, da\u00df die Sch\u00f6nen klagten,<br \/>\nDie Helden sich h\u00e4rmten, die ihn h\u00f6rten spielen.<br \/>\nRat sagt er den Reichen, da\u00df entzwei rissen Balken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Teuern waren tot bei Tagesanbruch;<br \/>\nIhnen \u00fcberlebte allein die Tugend.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Stolz war Atli, stieg \u00fcber beide,<br \/>\nSagte Harm der Hehren und h\u00f6hnte sie noch:<br \/>\n&#8222;Morgen ist&#8217;s, Gudrun: du missest deine Holden.<br \/>\nDu selber hast Schuld, da\u00df es so erging.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gudrun:<br \/>\nNun freust du dich, Atli, ihren Fall zu berichten.<br \/>\nDoch \u00fcbel gereut&#8217;s dich, wenn du alles wei\u00dft.<br \/>\nWas sie dir vermachten, ich meld es dir jetzt:<br \/>\nStete Besorgnis; ich sterbe denn auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Atli:<br \/>\n66 Dem werd ich wehren, ich wei\u00df andern Rat,<br \/>\nNoch halbmal hilfreichern; unser Heil verschm\u00e4hn wir oft.<br \/>\nMit M\u00e4gden tr\u00f6st ich dich und manchem Kleinod,<br \/>\nSchneewei\u00dfem Silber wie du selbst es w\u00e4hlst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gudrun:<br \/>\n&#8222;Das w\u00e4hne nimmer: ich sage nein dazu.<br \/>\nS\u00fchne verschm\u00e4ht ich eh solches erging.<br \/>\nGalt ich f\u00fcr grimmig, nun bin ich es gar;<br \/>\nDen Harm verhehlt ich dieweil H\u00f6gni lebte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Uns zogen sie auf in einem Hause,<br \/>\nViel Spiele zusammen spielten wir im Walde.<br \/>\nGrimhild gab uns Gold und Halsschmuck.<br \/>\nDu magst mir nicht b\u00fc\u00dfen meiner Br\u00fcder Mord:<br \/>\nWas du tust und lassest, leid ist mir alles.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch der Frauen Willen wandelt der M\u00e4nner Gewalt.<br \/>\nDie Krone verdirbt, wenn die Zweige dorren;<br \/>\nWenn der Bast gebricht, geht der Baum zu Grunde:<br \/>\nDu allein magst, Atli, aller Dinge nun walten.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Aus argem Unverstand schenkt ihr Atli Vertrauen;<br \/>\nOffen war die Arglist, h\u00e4tt er geachtet drauf.<br \/>\nSchlau hehlte Gudrun des Herzens Meinung;<br \/>\nLeichtsinnig schien sie auf zwei Schultern zu tragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ein Gelage lie\u00df sie r\u00fcsten zum Leichenschmaus der Br\u00fcder;<br \/>\nAtli wollte auch seine Toten ehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie lie\u00dfen die Rede, das Gelage zu beschicken,<br \/>\nDa\u00df F\u00fcll und \u00dcberflu\u00df bei der Feier war.<br \/>\nStreng war die Stolze den Entstammten Budlis:<br \/>\nGegen den Gatten sann sie grause Rache.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Atli:<br \/>\nZum Mord ri\u00df dich Wut, zum widernat\u00fcrlichen.<br \/>\nFalsch ist&#8217;s, den Freund t\u00e4uschen, der fest vertraut.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Erbeten fuhr ich dich zu freien von Haus,<br \/>\nDie verwaiste Witwe, die wildherzig hie\u00df:<br \/>\nKeine L\u00fcge war es, das lie\u00dfest du schauen.<br \/>\nWir holten dich ein mit gro\u00dfem Heergeleit.<br \/>\nAlles war auserw\u00e4hlt bei unsrer Fahrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Aller Pracht war genug durch preiswerte G\u00e4ste,<br \/>\nRinder in Vorrat, die uns reichlich n\u00e4hrten.<br \/>\nF\u00fclle war und \u00dcberflu\u00df, viele genossen es.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Zum Mahlschatz vermacht ich dir Menge des Schatzes,<br \/>\nKnechte zehnmal drei, und zierer M\u00e4gde sieben,<br \/>\nEin sch\u00f6n Geschenk; des Silbers war viel mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Das nahmst du alles hin als war es nichts,<br \/>\nNach dem Lande verlangend, das Budli mir lie\u00df.<br \/>\nFallstricke flochtst du mir, ich empfing nichts andres.<br \/>\nDie Schwieger lie\u00dfest du oft sitzen in Tr\u00e4nen;<br \/>\nHeiter hielten wir niemals Haus.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gudrun:<br \/>\nNun l\u00fcgst du, Atli! Doch la\u00df ich&#8217;s bewenden.<br \/>\nSelten war ich sanft; doch s\u00e4test du Zwist.<br \/>\nUnb\u00e4ndig strittet ihr jungen Br\u00fcder,<br \/>\nDa\u00df zu Hel die H\u00e4lfte deines Hauses fuhr:<br \/>\nZu, Grunde ging alles, was Gl\u00fcck bringen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wir drei Geschwister dauchten unbezwinglich;<br \/>\nWir fuhren von Lande in Sigurds Gefolge,<br \/>\nSchweiften und steuerten, sein Schiff ein jeder,<br \/>\nAuf unsichern Ausgang ins \u00f6stliche Land.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Einen F\u00fcrsten f\u00e4llten wir; uns fiel sein Land zu.<br \/>\nDie Hersen huldigten: wir waren die Herrn.<br \/>\nNach Willk\u00fcr riefen wir aus dem Wald Verbannte,<br \/>\nGaben dem die Macht, der keinen Deut besa\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Jener Hunnische starb, mein Stand ward geniedert;<br \/>\nHerb war der Jungen Harm verwitwet zu hei\u00dfen:<br \/>\nDoch h\u00e4rtere Qual war&#8217;s, in Atlis Haus zu kommen<br \/>\nDer Verm\u00e4hlten des Mannes, den zu missen schwer war.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nie kamst du vom Kampf, da\u00df uns Kunde ward,<br \/>\nDu habest Streit gesucht und Sieg dir erfochten.<br \/>\nStets wolltest du weichen, nicht Widerstand tun,<br \/>\nDich heimlich halten, was Hohn schuf dem F\u00fcrsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Atli:<br \/>\nNun l\u00fcgst du, Gudrun! So linderst du nicht<br \/>\nUnser herbes Geschick, das hart ist beiden.<br \/>\nG\u00f6nne nun, Gudrun, durch deine G\u00fcte<br \/>\nUns die letzte Ehre beim Leichenbeg\u00e4ngnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gudrun:<br \/>\nEinen Kiel will ich kaufen und gemalte Kiste,<br \/>\nDas Leintuch wachsen, das den Leib verh\u00fclle,<br \/>\nAuf alle Notdurft achten als ob wir uns liebten. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Tot war nun Atli, die Freunde trauerten.<br \/>\nDa hielt die Hohe alle Verhei\u00dfung.<br \/>\nNun sann sich Gudrun selber zu t\u00f6ten;<br \/>\nDoch gel\u00e4ngt war ihr Leben, andrer Tod ihr verliehn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Selig hei\u00dft seitdem dem solch eine k\u00fchne<br \/>\nTochter geg\u00f6nnt ist, wie Giuki zeugte.<br \/>\nIn allen Landen \u00fcberleben wird<br \/>\nDer Verm\u00e4hlten Feindschaft, wo sie Menschen h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<span style=\"font-size: 8pt;\">Unser Dank gilt Dungeon Keeper f\u00fcr den zugesanden Text.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Atlamal in Groenlenzku Das Lied von Atli Die Welt wei\u00df die Untat, wie weiland M\u00e4nner Huben Rat zu halten, und den heimlichen Vorsatz Mit Schw\u00fcren best\u00e4rkten. Sie selber b\u00fc\u00dften es Und die Erben Giukis, die arg betrognen. 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