{"id":5320,"date":"2018-11-12T10:48:51","date_gmt":"2018-11-12T09:48:51","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5320"},"modified":"2018-11-12T11:00:44","modified_gmt":"2018-11-12T10:00:44","slug":"walhalla-mythologie-der-alten-deutschen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=5320","title":{"rendered":"Walhalla &#8211; Mythologie der alten Deutschen"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\">Walhalla &#8211; Mythologie der alten Deutschen<\/h1>\n<h3 style=\"text-align: center;\">von A. Winter, Langensalza 1866<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu der Zeit, als an den Ufern des Jordans das Licht zu d\u00e4mmern begann, welches bald den ganzen Erdkreis erleuchten sollte, deckte die L\u00e4nder, in denen sp\u00e4ter das Christenthum seine sch\u00f6nsten Bl\u00fcten entfaltete, noch die tr\u00fcbe Nacht des Heidenthums. Wir denken an die L\u00e4nder des nordwestlichen Europas, damals von kr\u00e4ftigen, naturw\u00fcchsigen, biedern Volksst\u00e4mmen bewohnt, die, so verschiedene Namen sie auch f\u00fchrten, doch durch Sitten, Religion und Charakter zu einem gro\u00dfen Brudervolke vereinigt waren. Rom, dem schon fr\u00fche geweissagt war, es werde 600 Jahre steigen und 600 Jahre sinken, hatte bereits seinen Glanz \u00fcberschritten. Die Schw\u00e4che seiner Kaiser und die zunehmende Sittenlosigkeit und Verweichlichung seines Volks f\u00fchrte das gro\u00dfe Reich allm\u00e4hlich seinem Untergange entgegen. Durch Feste, die mancherlei Z\u00fcgellosigkeiten und Ausschweifungen mit sich brachten, &#8211; man erinnere sich nur der Saturnalien und Bachanalien, &#8211; verehre das r\u00f6mische Volk seine G\u00f6tter; wo hingegen bei den Griechen an die Stelle des alten kindlichen G\u00f6tterglaubens, dem das ganze Volk sich ergeben hatte, philosophische Secten getreten waren, von denen eine Unglauben und Sinnesgenu\u00df, eine andere Verachtung aller irdischen Freuden und Schmerzen predigte. Leider ist uns von der Geschichte und Mythologie der nordischen V\u00f6lker nur das bekannt, was die R\u00f6mer, die mehrfach mit ihnen in Ber\u00fchrung kamen, aufgezeichnet haben, oder was aus der dunklen Schrift eines Runensteines entziffert worden ist, oder was uns in den wenigen Volksliedern aus der vorchristlichen Zeit aufbewahrt wurde. Die Schreibkunst war ein ausschlie\u00dfliches Besitzthum der Priester. Man schrieb vermittelst gradliniger Buchstaben, Runen, auf Steine, Baumrinde und Thierfelle. Doch haben auch die Priester wenig geschrieben, da sie die Lehre der Religion, in kurze Spr\u00fcche gefa\u00dft, mehr dem Ged\u00e4chtnisse ihrer Z\u00f6glinge einzupr\u00e4gen suchten. Die Schlacht- und Heldenges\u00e4nge, von den Karl der Gro\u00dfe eine Sammlung veranstaltete, wurden sp\u00e4ter durch die christlichen Priester theils vernichtet, theils g\u00e4nzlich umgestaltet, damit jede Erinnerung an die fr\u00fchere Zeit bei den kommenden Geschlechtern getilgt werde. Tacitus erz\u00e4hlt, da\u00df die Germanen in damals schon alten Liedern ihren Gott Tuisko gepriesen und die Thaten Armins, des Retters der deutschen Freiheit, besungen h\u00e4tten. &#8211; Genauere Nachrichten als von den heidnischen Bewohnern Deutschlands nach seinen jetzigen Grenzen hat man von ihren Br\u00fcdern, den Skandinaviern. Ihre G\u00f6tter- und Heldenges\u00e4nge sind uns in zwei B\u00fcchern, der \u00e4ltern und der j\u00fcngern Edda, erhalten, von denen das erste 1643 von dem Bischof Brynjulf-Svendsen in dem \u00e4u\u00dfersten Winkel des Nordens, auf der Insel Island, wieder aufgefunden, das zweite schon im 13ten Jahrhundert zusammengetragen wurde. Da jene V\u00f6lker auch zu dem Stamme der Germanen geh\u00f6rten, so ist ihre Religion der Hauptsache nach \u00fcbereinstimmend mit der unserer Vorfahren. Wie die Mythen der Griechen und anderer V\u00f6lker, so gingen auch die Deutschen theils aus der Naturanschauung hervor, theils aus historischen \u00dcberlieferungen, theils aus der dunklen Ahnung von dem Werden aller Dinge und ihrem Ende, von den \u00fcberall waltenden unsichtbaren Kr\u00e4ften, von einem Dasein nach dem Tode u.s.w.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Leben und Fruchtbarkeit, Tod und Ver\u00f6dung, Licht und Finsterni\u00df sind die gro\u00dfen Gegens\u00e4tze, welche die Empfindung bewegen und in dem Glauben an den Quell, aus dem sie sich flie\u00dfen, m\u00e4chtig bestimmen. Leben, Segen und Fruchtbarkeit glaubt der Mensch in der Macht der unsichtbaren Gottheit, fleht darum und sucht sich die Gnade derselben zu erwerben. Tod, Unsegen und herbe Geschicke schreibt er der feindlich gesinnten Gottheit zu, und fleht um ihr Erbarmen, und bestrebt sich, durch wirksam geglaubte Mittel die feindliche Gesinnung zu beschwichtigen.&#8220; (K. Schwenk)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Elementen, Naturerscheinungen und Gestirnen lege ich grossen Einfluss auf mythologische Vorstellung bei, lange keinen solchen, das alle und jede aus ihrer grundlage abgeleitet werden d\u00fcrften, da ausser den physischen auch noch sittliche und andere menschliche motive obwalten und erst in der durchdringung aller zusammen die g\u00f6tter des heidenthums entsprungen scheinen.&#8220; (J. Grimm)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freilich finden wir in den Mythen manche Mehrdeutigkeiten und Widerspr\u00fcche, doch herrschen fast bei allen Mythologien dieselben Grundgedanken, in allen treibt die Phantasie ihr k\u00fchnes Spiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5323\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Thorwendisch.jpg\" alt=\"\" width=\"219\" height=\"300\" \/>Die G\u00f6tter der alten Deutschen werden auch Asen (sing. As = Held) genannt, welches Wort sp\u00e4ter zu der Behauptung Anla\u00df gab, dieselben seien von Asien her\u00fcber gekommen und Troja ihre Wohnung gewesen. Der nordische Olymp, der Wohnsitz der Asen, ist Asgardr (Asgard), in der Unterwelt gelegen, aus der t\u00e4glich der Sonnengott Odin emporsteigt und westlich wieder hinabsinkt. Auf einem weiten Platze, Gladsheim, sind zw\u00f6lf St\u00fchle aufgerichtet, \u00fcber welchen der Sitz Odins, der dreizehnte Stuhl, hervorragt. Gladsheim (Freudenheim) mit der goldgl\u00e4nzenden Walhalla (Valh\u00f6ll) ist der Ort, wo jener Gott t\u00e4glich die H\u00e4lfte der waffenerschlagenen M\u00e4nner k\u00fcrt (erw\u00e4hlt), da die andere H\u00e4lfte die G\u00f6ttin Freya erh\u00e4lt, die in Folkwangr wohnt. Odins Haus ist mit Schilden gedeckt und seine Decke aus Lanzen get\u00e4felt. Harnische liegen auf den B\u00e4nken; vor der Th\u00fcr h\u00e4ngt ein Wolf und \u00fcber derselben schwebt ein Adler. Die Wohnung Thors hei\u00dft Thrudheim, die, da jener der Gott des Donners ist, am Himmelsgew\u00f6lbe gedacht werden mu\u00df. In Breidablick, dem weiterhin gl\u00e4nzenden, wohnt der freundliche Baldr. Ein gr\u00fcner Hain, in dem die G\u00f6tter nach Mahl und Kampf sich ergehen, umgibt die Wohnungen der Asen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erhabendste der Asen ist<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Odin<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5324 alignleft\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Odin.jpg\" alt=\"\" width=\"197\" height=\"300\" \/>(Wodan, Wuotan, Odhin). Er war nicht nur der Lenker der Sonne, sondern auch der Gott des Krieges, welcher die K\u00e4mpfer zum Tode w\u00e4hlte, der Todtengott, welcher die Gefallenen in Walhalla empfing, und der Besch\u00fctzer der Schiffahrt und des Wassers. Als h\u00f6chster Gott, Allvater, erscheint er an der Spitze der zw\u00f6lf Asen. Das Wort Wodan hei\u00dft laufend oder bewegend, de\u00dfhalb wird er auch als laufender Gott gedacht und die R\u00f6mer stellten ihn unpassend den Hermes der Griechen, den G\u00f6tterboten, gleich. Er verfolgt, sagt die Mythe, mit den Sonnenstrahlen die Finsterni\u00df und f\u00e4hrt jede Nacht in einem Schiffe \u00fcber das Meer der Unterwelt. Bei dem Mahle in Valh\u00f6ll i\u00dft er nicht von dem geschlachteten Eber, der Waffenherrliche lebt nur vom Wein, den ihm zwei Jungfrauen, Rista und Mista, in goldenen Pokalen reichen. Zwei Raben, Hunin und Munin, die t\u00e4glich \u00fcber die Erde hinfliegen, sitzen auf seiner Schulter und erz\u00e4hlen ihm die erfahrenen Neuigkeiten. Zwei W\u00f6lfe sind seine Hunde. Im Kampfe gebraucht er den nie fehlenden Speer. Wodan hatte ein Ro\u00df, Sleipnir, von aschgrauer Farbe und mit acht F\u00fc\u00dfen, auf welchem er einst in die Unterwelt, zu dem Grabe einer Weissagerin ritt und dort, nachdem er Todtenlieder gesungen und Runenst\u00e4be hingelegt hatte, Aufschl\u00fcsse \u00fcber die Zukunft erhielt. Die j\u00fcngere Edda sagt von Odin: &#8222;Er hat Himmel und Erde und Luft, und was sie enthalten, geschaffen. Das gr\u00f6\u00dfte aber ist, da\u00df er den Menschen geschaffen hat und ihm eine Seele gegeben, die immer leben wird und nie vergehen, wenn auch der Leib zu Erde verweset oder zu Asche verbrannt wird.&#8220; Auf einer Orkadeninsel ist ein schwarzer Odinsstein mit einem Loche, in welches die abergl\u00e4ubischen Bewohner bei feierlichen Gel\u00fcbden ihre H\u00e4nde stecken; man nennt das Odinsversprechen. Die Insel Helgoland hat wahrscheinlich von Odin, der auch Helgi (der Heilige) genannt wurde, den Namen erhalten. Das Sternbild des gro\u00dfen B\u00e4ren hie\u00df fr\u00fcher Wodanswagen und die Milchstra\u00dfe Wodansstra\u00dfe. Im Rathaus &#8211; Archiv von Goslar findet sich noch eine Anrufung Wodans zum Schutze gegen den m\u00e4chtigen Kaiser Karl in altdeutscher Sprache, welche \u00fcbersetzt so lautet: &#8222;Heiliger gro\u00dfer Wodan, hilf uns und unserm Fahnherrn Wittekind, auch den Unterfeldherrn gegen den abscheulichen Karl, den Todtschl\u00e4ger. Ich gebe dir auch einen Auerochsen und zwei Schafe und den Raub. Ich schlachte dir alle Gefangenen auf deinem heiligen Harzberge.&#8220; Nach alten Chroniken und Sagen soll Odin ein K\u00f6nig gewesen sein, der im grauen Alterthum vom Kaukasus her\u00fcber kam, im n\u00f6rdlichen Europa ein Reich gr\u00fcndete und mit Kraft und Weisheit regierte.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Die Asinnen Freya und Frigg<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-5325\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Freja.jpg\" alt=\"\" width=\"147\" height=\"300\" \/>wurden urspr\u00fcnglich wohl nur als eine Person gedacht, doch bedeutet Freya Frau oder Herrin, dagegen Frigg die Liebe. Sp\u00e4ter fand eine g\u00e4nzliche Trennung dieser beiden mythologischen Personen statt. Freya war die Lebensmutter, die Erde, wie Rhea der Griechen. Sie f\u00e4hrt auf einem Wagen, den Katzen ziehen; in die Schlacht aber mit einem goldborstigen Eber. Der winterliche Reifriese hatte dem Donnerer Thor seinen Gewitterhammer entwandt und wollte ihn nur unter der Bedingung zur\u00fcck geben, da\u00df er die Freya zur Gemahlin bek\u00e4me. Freya aber ha\u00dfte den Riesen und Thor \u00fcberlistete denselben, entri\u00df ihm den Hammer und erschlug ihn. Da war die G\u00f6ttin vor seinen Verfolgungen sicher. Diese Mythe stellt uns den Gegensatz der Jahreszeiten dar. Wenn der Winter entweicht und Gewitter die Luft durchziehen, so gr\u00fcnt und bl\u00fcht von Neuem die Erde. Der Blumenschmuck der Fluren wird mit dem gl\u00e4nzenden Halsband der Naturmutter bezeichnet. Als Herrin der Unterwelt und Todteng\u00f6ttin erhielt Freya die H\u00e4lfte der gefallenen Krieger und hatte die Kraft zu zaubern. Au\u00dferdem erz\u00e4hlt uns die Mythologie, da\u00df sie die Geliebte des Odin gewesen sei und auch mit anderen Asen und Zwergen fortw\u00e4hrend Liebesverh\u00e4ltnisse gehabt habe, was die dauernde Fortzeugung in der Natur sinnbildlich darstellt. Die Erde, die Alles n\u00e4hrt und hervorbringt und alles Vergehende wieder in ihren Schoo\u00df aufnimmt, wurde von den Germanen unter mehreren Namen als G\u00f6ttin verehrt, und besonders in sofern sie bebaut war und den Menschen Wohnpl\u00e4tze darbot, J\u00f6dh (Herka, Hertha) genannt.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Frigg<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">war die G\u00f6ttin der Liebe und Odins Gemahlin. Ihre Dienerin ist Fulla (die F\u00fclle). In Schweden nannte man das Sternbild des Orion Friggenrock, d.h. Rocken der Frigg. Das sogenannte Knabenkraut war ihr geheiligt, weil man daraus einen Saft gewann, der Liebe erweckte. &#8211; Eine andere Geliebte Wodans war Rindr, die im Westen den Bali gebar.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Thor<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-5326\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Thor.jpg\" alt=\"\" width=\"311\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Thor.jpg 311w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Thor-300x193.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 311px) 100vw, 311px\" \/>(Donar), der m\u00e4chtige Beherrscher des Donners, hatte am Himmelsgew\u00f6lbe seine Wohnung und fuhr auf den Wolken in einem von zwei B\u00f6cken gezogenen Wagen, die H\u00e4nde mit eisernen Handschuhen bekleidet und einen G\u00fcrtel um den Leib gebunden. Seine Mutter war die Erde. In Upsal stand ein Tempel mit dem Bilde Thors. Er hielt ein Scepter in der Hand gleich dem olympischen Jupiter. Die Gemahlin des Donnerers war Sif (Freundin), welcher der boshafte Loki die sch\u00f6nen Haare abschnitt, aber von dem z\u00fcrnenden Gemahl bedroht, durch seine Zwerge einen neuen Haarschmuck verfertigen lie\u00df. Man hat sie abgebildet gefunden mit blumenbekr\u00e4nztem Haar, einen goldenen Apfel in der einen, eine Traube in der anderen Hand. Einst k\u00e4mpfte Thor mit dem Riesen Hrungnir. Unter Donnern und Blitzen nahete der Gott und schleuderte den gewaltigen Hammer nach dem Haupte des Gegners. Dieser aber warf ihm gleichzeitig einen Schleifstein an den Kopf, da\u00df ein St\u00fcck desselben im Sch\u00e4del stecken blieb. Zu einem Festgelag holte Thor einen Kessel herbei von 1 Raste (Meile) Tiefe, in dem man einen Trank f\u00fcr die G\u00e4ste brauen wollte. Mit dem Riesen Ymir fuhr er in einem Schiffe auf das Meer und k\u00e4mpfte gegen die furchtbare Midgardsschlange. So verrichtete der starke Thor Thaten, die an die Arbeiten des Herkules erinnern. Den Hammer des Donnerers schmiedeten die Zwerge im Innern der Erde. Bei den heidnischen V\u00f6lkern Skandinaviens wurde dieses Ger\u00e4th fast ebenso heilig gehalten, als bei den Christen das Kreuz. Auf ihren Grabsteinen fand man h\u00e4ufig einen doppelten Hammer abgebildet. In den Tempeln der Isl\u00e4nder und Lappl\u00e4nder hingen h\u00f6lzerne und eherne H\u00e4mmer. Mit denselben wurden Ehen eingesegnet. Die eckigen Steine, welche man f\u00fcr Thors Donnerkeile hielt, haben zu vielfachem Aberglauben Anla\u00df gegeben, ebenso der Sperberbaum, welcher dem Donnerer geweiht war. An ihn als Herd- und Feuergott erinnert auch der Gebrauch, da\u00df man dem Ofen das beichtet, was man keinem Menschen verraten darf.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Tyr<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5327\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Tyr.jpg\" alt=\"\" width=\"146\" height=\"200\" \/>(Ziu, Saxnot) war auch ein Gott des Himmels und zugleich der eigentliche Kriegf\u00fchrer. Er hatte nur eine Hand, da ihm der Wolf Fenrir, der den Asen gef\u00e4hrlich zu werden drohte, die andere (bis an das darnach genannte Wolfsgelenk) abbi\u00df. Tyrs Vater soll der Riese Hymir gewesen sein, und seine Gro\u00dfmutter 900 K\u00f6pfe gehabt haben.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Freyr<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Fro), der Sohn des Nj\u00f6rdhr und einer Riesin, sah von seinem erhabenen Sitze die Gerda, die Tochter eines Riesen, und sandte seinen Diener Skirnir hin, um dieselbe zu werben. Dieser ritt, mit einem Schwerte bewaffnet, durch das Feuer, das die Wohnung der Jungfrau umgab, und an den wilden Hunden vorbei, die an dem Zaune festgebunden waren. Aber Gerda verschm\u00e4hte den Antrag des Skirnir trotz des Ringes und der goldenen \u00c4pfel, die er ihr als Geschenk darbot. Da drohte der Abgesandte mit dem Zorne der Asen und schrecklichen Zaubermitteln, und Gerda reichte ihm Meth dar als Zeichen ihrer Einwilligung. Nach neun Tagen traf sie mit Freyr in einem Haine zusammen und wurde seine Gemahlin. Freyr war der Erreger der Fruchtbarkeit, der Besch\u00fctzer der Schifffahrt und verursachte einst einen Sturm, in dem das Schiff eines Christenpredigers unterging. Als Gott der Liebe hei\u00dft er Frigg. &#8211; Eine andere Mythe erz\u00e4hlt, da\u00df Freyr ein m\u00e4chtiger K\u00f6nig von Schweden gewesen sei, den man nach seinem Tode, von seinen Unterthanen tief betrauert, in einem pr\u00e4chtigen Grabh\u00fcgel beisetzte und ihm noch drei Jahre lang die Abgaben durch die drei Fenster des H\u00fcgels in Gold-, Silber- und Kupfer-M\u00fcnzen entrichtete. Sp\u00e4ter verehrte man sein h\u00f6lzernes Bild. Der Stier war ihm heilig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein listiger, boshafter Gott, der sowohl die Asen als die Menschen neckte und qu\u00e4lte, war<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Loki.<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er bewohnte auch die Unterwelt, das Todtenreich, und zeugte mit einer Riesin drei Kinder: den furchtbaren Wolf Fenrir, die Midgardschlange, die, von Odin ins Meer geworfen, so sehr wuchs, da\u00df sie alle L\u00e4nder der Erde umzingelte, und die Hel. Diese, halb blau, halb schwarz, und von dem Gehirn und Mark der Menschen sich n\u00e4hrend, wurde in die tiefste Behausung der Unterwelt gewiesen. Hunger, Krankheit und andere \u00dcbel sind in ihrer N\u00e4he. Ihre Wohnung hie\u00df sp\u00e4ter H\u00f6lle. Der Vater des Loki, der Riese Farbauti, f\u00fchrte die Gestorbenen \u00fcber das Wasser der Unterwelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch Sch\u00f6nheit und G\u00fcte hoch erhaben und geliebt von den \u00fcbrigen Asen war<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Baldr,<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-5328\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Baldr.jpg\" alt=\"\" width=\"259\" height=\"200\" \/>dessen Gemahlin Nanna hie\u00df. Als dieser einst von Lebensgefahr tr\u00e4umte, mu\u00dften alle Dinger, alle Thiere, Gew\u00e4chse, Elemente, Krankheiten etc. schw\u00f6ren, den Baldr nicht zu verletzen. Bei einem Feste nun warfen die G\u00f6tter zur Belustigung mit Steinen nach dem Unverletzlichen und schlugen ihn mit ihren Schwertern. Der heimt\u00fcckische Loki aber hatte erfahren, da\u00df die Mistel nicht den Eid geschworen. Er holte einen Mistelzweig und gab denselben dem blinden H\u00f6dr in die Hand, der ihn so heftig nach dem Baldr warf, da\u00df dieser entseelt zur Erde st\u00fcrzte. Alle G\u00f6tter erschracken und trauerten und Loki floh vor dem Zorne Odins in eine Wildnis. Die Leiche legte man auf ein Schiff und verbrannte sie. Auch die Gemahlin Nanna, die sich zu Tode gegr\u00e4mt hatte, und Baldr&#8217;s Ro\u00df \u00fcbergab man den Flammen. Loki war in ein Wasser gesprungen und hatte sich in einen Lachs verwandelt, wurde aber von den entz\u00fcrnten Asen mit einem Netze gefangen. Diese banden ihn in einer H\u00f6hle fest und tr\u00e4ufelten ihm Gift ins Gesicht, wodurch sein K\u00f6rper in schmerzhafte Zuckungen gerieth, so da\u00df die ganze Erde zu beben anfing. Den H\u00f6dr t\u00f6dtete Bali, der Sohn Odins, der in Weidengeb\u00fcschen und d\u00fcrrem Grase wohnte. Der Mistelzweig wurde von den alten Galliern sehr heilig gehalten und als Heilmittel gegen alle Gifte gebraucht. Baldr besa\u00df einen goldenen Ring, von dem in jeder neunten Nacht acht gleich schwere Ringe tr\u00e4ufelten. Man z\u00fcndete diesem Gotte Feuer an, aus denen sp\u00e4ter die Johannis-Feuer entstanden sein sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der Br\u00fccke, die in die Unterwelt f\u00fchrt (Bifr\u00f6st), wachte<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Heimdallr.<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hatte ein Schwert und ein Horn, dessen Ton alle Welten durchdrang. Das Gras auf der Erde und die Wolle auf den Schafen h\u00f6rte er wachsen. Sein Ro\u00df hei\u00dft Gulltoppr (Goldzopf). In manchen Mythen wird auch der Regenbogen als Br\u00fccke bezeichnet, welche den Himmel mit der Erde verbindet und auf der ein Feuer brennt (die rothe Farbe des Bogens), damit die Riesen nicht den Himmel ersteigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Gott der Jagd, als trefflicher Bogensch\u00fctze und Stelzenl\u00e4ufer wird<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Ulle<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">genannt. Er war sehr angesehen unter den Asen und hatte einen Ring, bei dem man heilige Eide schwur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weisheit und Erkenntnis besa\u00df<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Mimir,<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">der an der Esche Yggdrasil wohnte, unter deren Wurzeln die Weisheitsquelle, Mimirbrunnen, hervorsprudelte. T\u00e4glich trank er von dem begeisternden Wasser und konnte de\u00dfhalb G\u00f6ttern und Menschen weissagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott der Dichtung und Beredsamkeit ist<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Bragi.<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Gemahlin, Iduna, hatte auch die Gabe der Weissagung und sa\u00df, in einer Wolfsh\u00fclle eingeschlossen, trauernd in der Unterwelt. Sie bewahrte in einer B\u00fcchse die Aepfel auf, von denen die G\u00f6tter a\u00dfen, wenn sie alt wurden, und sich dadurch wieder verj\u00fcngten.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Gefion,<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">eine unverm\u00e4hlte Jungfrau, ist die G\u00f6ttin der M\u00e4dchen, besonders derer, die als Jungfrauen sterben. Sie soll von einem K\u00f6nig aus Schweden so viel Land zum Geschenk bekommen haben, als sie mit vier Ochsen w\u00e4hrend eines Tages und einer Nacht umpfl\u00fcgen konnte. Die wilden Stiere rissen ein gro\u00dfes St\u00fcck Land los und zogen dasselbe westw\u00e4rts ins Meer. Daraus entstand die Insel Seeland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Huo\u00df war die G\u00f6ttin der Sch\u00f6nheit, War die Besch\u00fctzerin ehelicher Treue, und Gua die Botin der G\u00f6tterk\u00f6nigin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dfer diesen h\u00f6hern Gottheiten hat die deutsche Mythologie, reichlicher noch als die griechische, eine Menge untergeordneter Wesen, die bald gut, bald b\u00f6se erscheinen und meistens die in der Natur waltenden Kr\u00e4fte personificiren. Dahin geh\u00f6ren die Alfen (Elfen), von denen einige Lichtalfen, andere Dunkelalfen genannte werden. Sie wohnen in Alfheimr und hatten einen K\u00f6nig und eine K\u00f6nigin. (Erlk\u00f6nig = Elfenk\u00f6nig in der Goethe&#8217;schen Ballade.) Diese Elfen schweiften nachts in Schaaren umher und tanzten auf dem Rasen. In den Ringeln, die man h\u00e4ufig auf dem Grase sieht, glaubte man ihre Spuren zu erblicken. &#8211; Zwerge wohnten im Innern der Berge. Ihnen geh\u00f6rten die Metalle und kostbaren Steine, aus denen sie die kunstvollsten Arbeiten schmiedeten. Ivaldr ist ihr Vater. Um einen verborgenen Schatz zu heben, opferte der sp\u00e4tere Aberglaube an der Stelle, wo derselbe liegen sollte, einen schwarzen Bock oder ein schwarzes Huhn. Die Isl\u00e4nder nennen das Echo Dwergmaal (Zwergsprache). &#8211; Wanen waren sehr weise Geister. &#8211; Die feindlichen Gewalten der Unterwelt, welche der bewohnten Erde allabendlich das Licht und allj\u00e4hrlich den Sommer raubten, stellte man als Riesen dar. Solche waren die Reifriesen (Hrimthursen), die den Winter brachten. Der Riese Hrungnir hatte einen steinernen Kopf und ein steinernes Herz; eine Riesin, die Mutter des Hymir, 900 K\u00f6pfe. Ymir und Beli waren wegen ihrer lauten Stimme ber\u00fcchtigt. Den Riesen Thiassi erschlug Thor und warf seine Augen an den Himmel, wo sie fortan als Sterne gl\u00e4nzten. Am \u00e4u\u00dfersten Norden sa\u00df der Riese Hrefvelgr, der durch das Wehen seiner Fl\u00fcgel den Wind und die St\u00fcrme verursachte, im brennenden S\u00fcden Surtr, mit dem feurigen Schwerte die Grenzen von Muspelheim bewachend. &#8211; Andere weibliche Unterweltsgeister, die man durch Opfer verehrte, waren die Disen. &#8211; Oefters erscheinen Jungfrauen in Gestalt eines Schwanes, und wer sich dieses Thieres bem\u00e4chtigt, der hat die Jungfrau in seiner Gewalt; das sind die Schwanjungfrauen. &#8211; In dunkeln N\u00e4chten ritten h\u00e4ufig die Tr\u00f6llweiber umher, Gestalten aus dem Todtenreiche, die auf einem Wolfe sa\u00dfen und Schlangen statt der Z\u00fcgel in den H\u00e4nden hielten. Der Wolf war bei den Alten das Sinnbild des Verschlingens, des Todes, und selbst die Sonnen- und Mondfinsternisse sollten daher r\u00fchren, da\u00df ein solches Thier diese Himmelsk\u00f6rper zu verschlingen suchte. &#8211; Wichte, Wichtelm\u00e4nnchen und Holden sind ebenfalls gute und b\u00f6se Geister.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber nicht allein bei den Gegenw\u00e4rtigen, bei dem, was sich t\u00e4glich und j\u00e4hrlich den Sinnen darbot, blieb der Gedanke stehen, er flog auch zur\u00fcck in die dunkle Vergangenheit und vorw\u00e4rts in die noch dunklere Zukunft und suchte das Werden aller Dinge und ihr Ende zu erkl\u00e4ren. Deshalb finden wir auch in der nordischen Mythologie Erz\u00e4hlungen von der Erschaffung der Welt und ihrem dereinstigen Ende. Anfangs, sagt die Mythe, war Nichts da, kein Sand, kein Meer, keine Erde, kein Himmel, sondern nur ein offener Raum, Ginnungagap. Da entstand Niflheim,d.i. Nebelheim, in dessen Mitte ein Brunnen war, Hvergelmir, aus dem mehre Str\u00f6me sich ergossen. Im S\u00fcden darauf bildete sich das brennende, leuchtende Muspelheim. Als die Eismassen aus dem kalten Niflheim und der warme Hauch von Muspelheim zusammen kamen, rannen Tropfen nieder und aus diesen Tropfen entstand der Riese Ymir. Er wurde der Vater der Hrimthursen, der gewaltigen Reif- oder Winter-Riesen. Ferner entstand aus dem tropfenden Reif eine Kuh, Audhumbla, aus deren Euter vier Milchstr\u00f6me flossen, die den Ymir n\u00e4hren sollten. Die Kuh n\u00e4hrte sich dadurch, da\u00df sie an einem salzigen Steine leckte. Da kamen am ersten Tage Menschenhaare aus dem Steine, am zweiten ein Haupt, am dritten der ganze Mensch. Dieser hie\u00df Buri (Geborner), war gro\u00df von K\u00f6rper und stark an Kraft und zeugte einen Sohn, B\u00f6rr (mit wem, wei\u00df man nicht). B\u00f6rr heirathete Besla, die Tochter eines Riesen, die ihm drei S\u00f6hne gebar: Odin, Wili und We. Die S\u00f6hne B\u00f6rrs t\u00f6dteten nun den Riesen Ymir und schufen aus seinem K\u00f6rper die Welt. Wir begegnen hier einem Bilde, so k\u00fchn, da\u00df ihm das des Herkules, der die Felsen von Gibraltar aufrichtete und das der Titanen, die Berge aufeinander th\u00fcrmten, um den Himmel zu ersteigen, kaum an die Seite gestellt werden darf. Aus Ymirs Wunden flo\u00df so viel Blut, da\u00df darin alle Riesen mit Ausnahme eines einzigen ertranken. Von seinem Fleische machten die drei Br\u00fcder die Erde, von den Knochen die Berge, von den Z\u00e4hnen die Felsen und Klippen. Aus seinem Blute wurden das Meer und die Gew\u00e4sser, aus seinem Sch\u00e4del der Himmel, den vier Zwerge trugen: Austri, Westri, Nordhri, Sudhri (Ost, West, Nord, S\u00fcd). Feuerfunken, die von Muspelheim her\u00fcberflogen, setzten sich an das Himmelsgew\u00f6lbe, das waren die Sterne, von denen einige bestimmte Stelle behielten, andere auf bestimmten Bahnen sich bewegen konnten. Das Hirn warfen sie in die H\u00f6he und daraus bildeten sich Wolken. Aus seinen Augenbrauen bauten sie eine Schutzmauer gegen die am Meere wohnenden Riesen. Der von diesem Walle umschlossene Raum hie\u00df Midgardr (Mittestadt) und wurde zum Wohnort der Menschen bestimmt. Als nun B\u00f6rrs S\u00f6hne einst am Meere wandelten, fanden sie zwei Baumst\u00e4mme, aus denen sie die Menschen schufen, den Mann Ask und die Frau Embla. Der erste gab diesen Gesch\u00f6pfen Seele und Leben, der zweite Vernunft und Bewegung, der dritte Antlitz, Sprache und Sinne. (Nach Tacitus war Tuisko, der aus der Erde geborne Gott und sein Sohn Mann der Stammvater der Germanen.) Endlich wurde Asgardr gebaut mit seinen Wohnungen f\u00fcr die Asen und ihre Familien; Gladsheim, auswendig und innwendig von Golde gezimmert, und Wingolf, die Wohnung der Frauen. Aus der Unterwelt herauf wuchs die gewaltige Esche Yggdrasil, deren Aeste bis in den Himmel reichten und deren eine Wurzel bei den Asen, die andere bei den Riesen, die dritte in Niflheim war. Unter diesem Baume pflegten die G\u00f6tter Gericht zu halten; auch flo\u00df hier die Weisheitsquelle des Mimir und der Born des Geschickes, Urid. Der Baum ist den Alten ein Sinnbild der Zeit, des Lebens; daher auch die Verehrung der B\u00e4ume bei den Germanen und andern V\u00f6lkern. Der ungeheure Baum Yggdrasil stellt bildlich das ganze Weltleben dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5329\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Fenrir.jpg\" alt=\"\" width=\"337\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Fenrir.jpg 337w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Fenrir-300x178.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 337px) 100vw, 337px\" \/>W\u00e4hrend wir bei den Griechen und R\u00f6mern wohl Mythen \u00fcber die Erschaffung der Welt und die allm\u00e4lige Ausbildung der Erde, aber nicht \u00fcber das Ende alles Gewordenen antreffen, erfand der ernstere Geist der nordischen V\u00f6lker auch eine Erz\u00e4hlung von dem Weltende, der G\u00f6tterd\u00e4mmerung, Ragnarokr. Wenn das Ende der Welt naht, sagt die Mythologie, dann werden drei strenge Winter auf einander folgen, wo der Schnee von allen Himmelsgegenden niederf\u00e4llt. Dann wird ein gro\u00dfer Kampf unter den Menschen entbrennen; der Bruder mordet den Bruder, der Sohn den Vater; Schwerter klingen und Schilde klirren; schwere S\u00fcnden und schwere Strafen kommen unter die Menschen. Ein gro\u00dfer Wolf verschlingt die Sonne, ein anderer den Mond. Die Sterne verl\u00f6schen. W\u00e4lder st\u00fcrzen, Felsen spalten sich und das Meer tritt aus den Ufern. Der furchtbare Wolf Fenrir sperrt seinen Rachen auf, um die Erde zu verschlingen, und die schreckliche Midgardschlange bespritzt mit ihrem giftigen Hauche den Himmel und die Gew\u00e4sser. Von S\u00fcden dann kommen Muspels S\u00f6hne, denen Feuer vorausgeht; auch Loki naht mit den Hrimthursen. Die Esche Yggdrasil zittert und die Br\u00fccke Bifr\u00f6st bricht zusammen. Das Horn des Heimdallr ert\u00f6nt gewaltig und ruft die G\u00f6tter zur Versammlung. Diese r\u00fccken nun zum Kampfe hinaus mit Helm, Panzer und Lanze. Thor t\u00f6dtet die Schlange, f\u00e4llt aber nieder, von ihrem Gifte getroffen. Den Odin verschlingt der Wolf. Diesem rei\u00dft Widharr den Rachen auseinander, indem er sich mit dem aus lauter St\u00fccken bestehenden Todtenschuh auf seinen Unterkiefer stemmt. Loki und Heimdallr vernichten sich gegenseitig. Der Riese Surtr gie\u00dft sein Feuer aus und die ganze Welt vergeht in Flammen. &#8211; Aber aus dem verw\u00fcsteten Weltall taucht eine neue Welt auf, sch\u00f6ner als die vorige, in welcher die \u00fcbrig gebliebenen G\u00f6tter wohnen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-5330\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Hel.jpg\" alt=\"\" width=\"144\" height=\"300\" \/>Die Schicksale der Menschen lenken die Nornen, drei Jungfrauen, die Gutes und B\u00f6ses \u00fcber die Erdbewohner verh\u00e4ngen. Sie fliegen \u00fcber St\u00e4dte und L\u00e4nder hin, das Menschengeschlecht erhaltend, und bestimmen schon dem Kinde in der Wiege sein Loos. Nach dem Tode, sagt die nordische Mythologie, kommen die Menschen in die Unterwelt. Ueber dem Schlachtfelde, wo die Helden mit einander k\u00e4mpfen, schwben die Walkyrien, wei\u00dfe Jungfrauen, welche die gefallenen Helden mit einem Kusse erwecken und nach Walhalla f\u00fchren. Besonders geehrt werden die Einzelk\u00e4mpfer, Einheriar. Sie sitzen an Odins Tafel, essen von dem Fleische des Ebers und trinken den Meth, der aus dem Euter der Ziege Heidrun flie\u00dft. Die aber eien ruhmlosen Todt sterben auf dem Krankenbette, kommen in die Wohnung der Hel. &#8211; Sp\u00e4ter wurden die Todten zu einem ganzen Volke gedichtet und Nibelungen genannt, die das Nibelungenland bewohnten. Eine Insel im atlantischen Ocean hie\u00df die Todteninsel. Schiffer, welche am Ufer dieses Meeres wohnten, f\u00fchrten Nachts die Seelen der Gestorbenen dahin. Wenn es an ihren Th\u00fcren klopfte, gingen sie schweigend zum Strande und fanden dort Nachen bereit, die sie ins Meer ruderten. Sie f\u00fchlten das Gewicht der Eingestiegenen, h\u00f6rten auch die Sprache derer, die sie am Ufer der Insel empfingen, sahen aber Niemand. Die Leichen angesehener M\u00e4nner verbrannte man mit bestimmtem Holze; auch Pferd und Waffen des Gestorbenen wurden mit ins Feuer geworfen und ein Grabh\u00fcgel von Rasen errichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die alten Deutschen verehrten ihre G\u00f6tter in heiligen Hainen und auf Bergen. &#8222;Sie meinen,&#8220; sagt Tacitus, &#8222;es sei nicht der Gr\u00f6\u00dfe der G\u00f6tter gem\u00e4\u00df, sie innerhalb W\u00e4nden einzusperren, noch nach Menschengestalt zu bilden.&#8220; Doch finden wir auch Nachrichten von Tempeln und G\u00f6tterbildern, namentlich aus dem Norden. In den Hainen wurden wei\u00dfe Rosse gehalten, von aller Arbeit unber\u00fchrt, die bei gro\u00dfen Festen den heiligen Wagen mit dem G\u00f6tterbilde zogen. Priester und K\u00f6nig begleiteten sie dann und suchten aus ihrem Wiehern und Schnauben die Zukunft zu prophezeihen. Auch der Flug der V\u00f6gel wurde gedeutet. Priester und Priesterinnen waren von gro\u00dfem Einflu\u00df und Ansehen. Sie zogen, heilige Zeichen tragend, dem Heer voran in die Schlacht, st\u00fcrzten sich w\u00fcthend unter die K\u00e4mpfenden, schleppten die Gefangenen fort, schlachteten sie und weissagten aus ihrem Blute. Die Priesterinnen der Cimbern, erz\u00e4hlt Strabo, waren grauhaarig, wei\u00df gekleidet, gingen baarfu\u00df und trugen einen ehernen G\u00fcrtel und ein Schwert. Ihre Ausspr\u00fcche waren entscheidend. So wich z.B. Ariovist einst dem C\u00e4sar aus, weil die Frauen sagten, die Germanen w\u00fcrden vor dem Neumonde nicht siegen. &#8211; Thiere, die als religi\u00f6se Sinnbilder dienten, sind: Adler, Rabe, Wolf, Ro\u00df, Kuh, Schlange. Auf Runensteinen findet man h\u00e4ufig die Schlange abgebildet. &#8211; Auch Quellen und B\u00e4ume verehrte man. Bonifacius lie\u00df die heilige Eiche der Hessen umhauen und Karl der Gro\u00dfe die Irmens\u00e4ule der Sachsen (wahrscheinlich auch ein Baumstamm) zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Reste aus der heidnischen Vorzeit haben sich zum Theil bis auf unsere Tage erhalten. &#8222;Der bekehrte christ verwarf und verabscheute die g\u00f6tter der heiden, in seinem herzen blieben aber noch vorstellungen und gewohnheiten haften, die ohne offenen bezug auf die alte lehre der neuen nicht unmittelbar zu widerstreben schienen.&#8220; (J. Grimm) &#8211; Einige Namen erinnern noch an die alten G\u00f6tternamen. So die Tagnamen: Dinstag an Tyr, Donnerstag an den Donnerer Thor, Freitag an Freya. Der Gudensberg in Hessen erhielt seinen Namen von Wodan, denn ehemals hie\u00df er Wudensberg; der Donnersberg in der Pfalz von Thor. Das Wort Ostern kommt von Ostera, welches eine G\u00f6ttin des Fr\u00fchlings bezeichnet. Der in Niederdeutschland \u00fcbliche Gebrauch, da\u00df am ersten Ostertage auf den H\u00f6hen Feuer angez\u00fcndet werden, r\u00fchrt ebenfalls aus der Heidenzeit. In Oberdeutschland sind die Johannisfeuer gebr\u00e4uchlich. An die Dankopfer f\u00fcr den Segen der Ernte erinnert die Martinsgans. Nach K. Schwenk soll auch das Liedchen: &#8222;H\u00e4nschen sa\u00df im Schornstein und flickte seine Schuh,&#8220; heidnischen Ursprungs sein, indem H\u00e4nschen der in den Teufel verwandelte Vidharr ist, welcher mit den ausgesuchten Lederst\u00fccken seinen Todtenschuh flickt. &#8211; Von schrecklichen Folgen waren manche Ueberbleibsel des Heidenthums, die sich in dem Aberglauben des Volkes geltend machten. Mit bangem Grauen h\u00f6rte man in dunklen N\u00e4chten die wilde Jagd durch die Luft ziehen, in Schweden Odins Jagd, in Norwegen Asenfahrt, in England Arthurs Jagd genannt, und wahrscheinlich von Seev\u00f6geln herr\u00fchrend, die im Herbste nach S\u00fcden fliegen. Aehnlich ist der Zug der Frau Holle (Holde), die auch, wenn es schneien soll, ihr Bett sch\u00fcttelt und oft als wei\u00dfe Frau an Seen und Brunnen erblickt worden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beengung des Athems w\u00e4hrend des Schlafes bei manchen Menschen (Alp, Nachtmar) schrieb man einem b\u00f6sen Geiste zu, der in Gestalt einer Katze sich auf die Brust des Schlafenden legte. &#8211; Mit einer W\u00fcnschelruthe suchte man in der Erde verborgene Sch\u00e4tze aufzusp\u00fcren. &#8211; Kobolde, Klopf- und Rumpelgeister setzten die Hausbewohner oft in Furcht und Schrecken. Und welches Unheil entstand nicht aus dem Glauben an Zauberei und Hexen! Wie viele schuldlose Menschen wurden nicht an verschiedenen Orten Deutschlands, namentlich im 16. Und 17. Jahrhundert, als Zauberer und Hexen verbrannt und mu\u00dften, nachdem man durch die Folter ihnen Gest\u00e4ndnisse abgepre\u00dft und durch das sogenannte Hexenbad ihre Schuld bewiesen hatte, ihr oft harmloses Leben einem traurigen Wahne opfern. Die in manchen Archiven erhaltenen Acten der Hexenprozesse und die noch hier und da aufbewahrten Folterwerkzeuge beweisen das hinl\u00e4nglich. Die Zauberei, die nach der Meinung des Volkes h\u00f6here geheime Kr\u00e4fte sch\u00e4dlich wirken lie\u00df, wurde als unchristlich, als heidnisch und teuflisch angesehen und von den Handhabern christlicher Gerechtigkeit mit Feuer und Schwert verfolgt. Pl\u00f6tzliche Krankheitsf\u00e4lle, Viehsterben u.s.w. schreib man dem Einflusse eines Zauberers zu und glaubte diesen gew\u00f6hnlich in einem Menschen gefunden zu haben, der sich durch irgend eine Sonderbarkeit von andern unterschied. Von den Hexen w\u00e4hnte man, da\u00df sie sich an gewissen Abenden versammelten und in einem Kessel ihre Zaubermittel bereiten, da\u00df sie in bestimmten N\u00e4chten, auf Besen reitend, Fahrten nach einem Versammlungsorte anstellten und auf einem Berge oder unter einem Galgen ihre T\u00e4nze auff\u00fchrten. Bekannt ist die Hexenfahrt nach dem Brocken in der Walpurgisnacht. &#8211; Einige Kr\u00e4uter, Kuckuksblume, Kerbel u.s.w., wurden als Zauberkr\u00e4uter bezeichnet. Beifu\u00df und Johanniskraut sch\u00fctzten vor der Macht des Teufels und dem Einflusse der Hexen. Dem Zeichen des Kreuzes wichen diese aus und das L\u00e4uten der Glocken st\u00f6rte ihre Ges\u00e4nge und Versammlungen. Noch jetzt gibt es Leute, die Krankheiten, Warzen etc. durch Besprechen vertreiben wollen, namentlich Fieberkranke durch einen Hollunderzweig heilen, den sie in die Erde pflanzen; oder Jemanden an einer Stelle festbannen mit der Zauberformel: &#8222;Hier stand so fest, als der Baum h\u00e4lt seine Aest, als der Nagel an der Wand, durch Jesum Marien Sohn; da\u00df du weder schreitest noch reitest und kein Gewehr ergreifest. In des H\u00f6chsten Namen sollst du stehen!&#8220; Das Blut unschuldiger Kinder soll den Aussatz, und das von Hingerichteten die fallende Sucht heilen. Das Erscheinen einer Eule und das Heulen eines Hundes soll einen Todesfall prophezeihen. Kommt ein Fremder in die Stube, sagt der Aberglaube, so soll er sich setzen, damit er den Kindern die Ruhe nicht nehme. Von 13 Personen am Tische mu\u00df bald eine sterben. Wem die Ohren klingen, der wird belogen. St\u00f6rche und Schwalben bringen Gl\u00fcck ins Haus. Begegnet einem fr\u00fch Morgens eine alte Frau, das bedeutet Ungl\u00fcck. Junge Menschen bedeuten Gl\u00fcck u.s.w. Hoffentlich werden durch den jetzigen Schulunterricht bald auch die letzten Reste des Aberglaubens getilgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die gewaltige Bewegung der V\u00f6lkerwanderung aufgeh\u00f6rt hatte, als christliche Sendboten Deutschland durchzogen und Kaiser Karl mit dem Schwerte das Bekehrungswerk vollendete, da schwand allm\u00e4lig das offene Heidenthum. Und wo h\u00e4tte der Same, den der Welterl\u00f6ser ausstreute, einen fruchtbareren Boden finden k\u00f6nnen, als in dem tiefen Gem\u00fcthe der Germanen! Das \u00e4lteste Schriftwerk unserer Sprache ist eine Uebersetzung der Evangelien von dem gothischen Bischof Ulphilas. Mit dem Christenthum wuchs auch die Bildung. Die heiligen Haine waren gesunken, die G\u00f6tzenalt\u00e4re zerst\u00f6rt, und in den St\u00e4dten und D\u00f6rfern erhoben sich Kirchen, in deren feierlichen Hallen ein m\u00e4chtiges Halleluja ert\u00f6nte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Walhalla &#8211; Mythologie der alten Deutschen von A. Winter, Langensalza 1866 &nbsp; Zu der Zeit, als an den Ufern des Jordans das Licht zu d\u00e4mmern begann, welches bald den ganzen Erdkreis erleuchten sollte, deckte die L\u00e4nder, in denen sp\u00e4ter das Christenthum seine sch\u00f6nsten Bl\u00fcten entfaltete, noch die tr\u00fcbe Nacht des Heidenthums. 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