{"id":6728,"date":"2019-01-13T12:30:25","date_gmt":"2019-01-13T11:30:25","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=6728"},"modified":"2019-01-13T12:41:45","modified_gmt":"2019-01-13T11:41:45","slug":"der-verwunschene-schatz-in-der-burg-rabenstein","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=6728","title":{"rendered":"Der verwunschene Schatz in der Burg Rabenstein"},"content":{"rendered":"<h1>Burg Rabenstein (Chemnitz\/Sa.)<\/h1>\n<h2>Der verwunschene Schatz in der Burg Rabenstein<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor langen Jahren, als die Burgruine Rabenstein noch ein fester Rittersitz war, geh\u00f6rte sie einmal einem Herrn von Carlowitz. Der war sehr klein und bucklig. Aber reich war er. Bis nach B\u00f6hmen hinein gab es kaum einen Reicheren. Eine gro\u00dfe Anzahl D\u00f6rfer geh\u00f6rte ihm, mit all ihren Feldern, Wiesen, W\u00e4ldern und Teichen. Doch bei alle seinem Reichtume f\u00fchlte er sich tief ungl\u00fccklich. Denn alle Welt machte sich \u00fcber seine Missgestalt lustig. Wohl hatte er in jungen Jahren reiten und fechten gelernt, aber seine Bewegungen warn ungeschickt und t\u00f6lpisch geblieben, wie die eines Knaben. So oft auch die Ritter der Umgebung Turniere und sonstige Feste abhielten: er ging gar nicht mehr hin, denn immer hatte man f\u00fcr ihn nur bei\u00dfenden Spott bereit. Er unterhielt keinerlei Beziehungen mehr zu seinen Standesgenossen. Au der Burg Rabenstein gab es keine gl\u00e4nzenden Ritterfeste. Der Burgherr lebte m\u00fcrrisch und verdrossen ein einsames Dasein. Nur selten einmal sprach ein Rittersmann vor, der des Landes unkundig war. Aber kopfsch\u00fcttelnd kehrte auch er sehr bald der ungastlichen St\u00e4tte den R\u00fccken; denn das finstere verbissene Wesen des Besitzers fesselte niemanden. Und kam der Rabensteiner gar auf eine Burg in der Nachbarschaft, in der Absicht, um die Hand des Burgfr\u00e4uleins anzuhalten und sie zur Schlossherrin von Rabenstein zu machen: wie h\u00f6hnisch wurde er da heimgeschickt! &#8211;<br \/>\nNicht einmal seine eigenen Knechte und M\u00e4gde achteten ihn. Sie ahmten seinen Gang und seine Wutausbr\u00fcche nach und missachteten seine Befehle, wo sie nur konnten. Selbst seine Verwandten gaben sich nicht besondere M\u00fche, ihm zu verbergen, dass sie eigentlich nur wegen seines Reichtums noch mit ihm Freundschaft hielten und seine Launen ertrugen.<br \/>\nDie Jahre vergingen. Sein Leben blieb liebeleer und einsam. Nur eine kindische Freude hatte der alternde Mann: Nachts, wenn der gro\u00dfe Gutshof und auch die Burg in tiefer Ruhe lagen, da schlich er im Vollmondscheine oder bei dem matten Lichte einer Talgkerze in den Rittersaal. Wie viele frohe Feste hatten seine Vorfahren hier abgehalten! Verwundert schauten sie jetzt von den hohen W\u00e4nden herab, aus den Bilderrahmen heraus auf ihren entarteten Spr\u00f6ssling. Gespenstische Schatten huschten hin und her. Mit wachsbleichem Antlitz und furchtverzerrten Z\u00fcgen schritt er der einen finsteren Ecke zu. Hier stand seine liebe Truhe. M\u00fchsam \u00f6ffnete er das alte Schloss, knarrend hob sich langsam der schwere Deckel, und vor ihm lag die einzige Freude seines zwecklosen Lebens, die blanken, glitzernden Goldst\u00fccke. Wie freute er sich, wenn er wieder ein paar neue Dukaten hineinlegen konnte. Hier sa\u00df er oft stundenlang, mit den knochigen Fingern in der glitzernden Masse w\u00fchlend.<br \/>\nSo auch in einer Herbstnacht. Der Wind heult in den Erkern und Ecken und Nischen der Burg und in den hohen B\u00e4umen ringsum. Der bedauernswerte Burgherr! Tags\u00fcber muss er sich \u00e4rgern \u00fcber seine Mitmenschen, und jetzt g\u00f6nnen ihm die Geister der Nacht seine einzige Freude nicht. Das Knistern und Rascheln will heute gar nicht aufh\u00f6ren, bald ists vor, bald hinter ihm. Er dreht sich um. Da &#8211; das Blut will ihm in den Adern erstarren: vor ihm steht die Stammmutter des Geschlechts. Ernst und durchdringend, wie sonst von der hohen Wand herab, blickt sie ihn an. Mit hohler Grabesstimme ruft sie ihm zu: Mache dich bereit zum Sterben! In drei Tagen schl\u00e4gt deine letzte Stunde!&#8220; &#8211; Und die Vision ist verschwunden. Die Ahnfrau blickt aus ihrem Goldrahmen herab wie immer. Zu ihren F\u00fc\u00dfen kauert, am ganzen Leibe zitternd, der letzte Spross ihres Geschlechts.<br \/>\nM\u00fchsam erhebt er sich. Langsam, zitternd schleppt er sich zu Bett, doch schlafen kann er nicht. Nach Art der Geizigen qu\u00e4lt ihn der Gedanke an sein Geld. Sterben und den ganzen Reichtum denen hinterlassen, die ihn immer nur verachtet haben? Nie und nimmer! Die verhassten Verwandten solle nur die leere Truhe vorfinden! Noch ehe der Tag graut, hat er in dem unterirdischen Gange, der von der Burg wegf\u00fchrt, ein passendes Versteck gefunden. Die letzten N\u00e4chte, die er nach dem Ausspruche der Ahnfrau noch zu leben hat, benutzt er dazu, den ganzen gl\u00e4nzenden Inhalt seiner Truhe dort zu vergraben. Ein Bannspruch vollendet sein Werk: Hier liege, du liebes Gold, bis ein anderer Carlowitz Besitzer dieser Burg ist, der ausgewachsen ist wie ich. Nur der soll den reichen Schatz entdecken und heben.<br \/>\nAm dritten Tage aber fanden die Rabensteiner Burgmannen ihren Herrn tot neben der leeren Truhe liegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Burg Rabenstein (Chemnitz\/Sa.) Der verwunschene Schatz in der Burg Rabenstein Vor langen Jahren, als die Burgruine Rabenstein noch ein fester Rittersitz war, geh\u00f6rte sie einmal einem Herrn von Carlowitz. Der war sehr klein und bucklig. Aber reich war er. Bis nach B\u00f6hmen hinein gab es kaum einen Reicheren. 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