{"id":6986,"date":"2019-01-27T11:32:26","date_gmt":"2019-01-27T10:32:26","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=6986"},"modified":"2019-01-27T11:32:26","modified_gmt":"2019-01-27T10:32:26","slug":"geschnuerte-schnabelstiefel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=6986","title":{"rendered":"Geschn\u00fcrte Schnabelstiefel"},"content":{"rendered":"<h1>Geschn\u00fcrte Schnabelstiefel<\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6911\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/bild4.jpg\" alt=\"\" width=\"322\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/bild4.jpg 322w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/bild4-300x277.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 322px) 100vw, 322px\" \/> Stiefel m\u00f6gen wohl in der heutigen Zeit zu eleganten Vorzeige- und Prestigeobjekten der Fu\u00dfbekleidung verkommen sein- f\u00fcr unsere Ahnen waren sie der festeste und robusteste Schutz gegen allerlei Unbill, der gleich die Beine bis zum Knie vor Dornen, Schlangenbissen, N\u00e4sse, K\u00e4lte und dergleichen mehr bewahrte. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Deshalb mu\u00df ein Stiefel etwas aushalten k\u00f6nnen. Kilometerlange Fu\u00dfm\u00e4rsche unter widrigsten Bedingungen, bei Wind und Wetter, bei Regen und Schnee, waren an der Tagesordnung. \u00dcberhaupt lebten unsere Vorfahren etwas rauher, naturverbundener, unbequemer &#8211; und k\u00fcrzer.<br \/>\nDie Spanne eines Menschenlebens darf man im Mittelalter wohl kaum \u00fcber 35 Jahre ansetzen. Unter den uns\u00e4glichen Strapazen und M\u00fchen war man allerdings mit 40 auch schon vergreist. Wer die wahnsinnige Investition t\u00e4tigte, sich ein Paar Stiefel anfertigen zu lassen, tat dies nur einmal in seinem Leben. Daf\u00fcr hielt das Schuhwerk aber auch so lange&#8230;<br \/>\nUm nun aber solch widerstandsf\u00e4hige F\u00fc\u00dflinge herzustellen, ben\u00f6tigt man dickes Leder, festen Zwirn, z\u00e4he Nadeln und vor allem ebensolche H\u00e4nde! Gest\u00e4hlt zum Beispiel durch gute \u00dcbungen wie G\u00fcrteltaschen, K\u00f6cher, Geldbeutel&#8230;! Leicht kann es einem Unvorsichtigem passieren, nach einem t\u00e4glichen Pensum von 4 Stunden solcher Arbeit eine Sehnenscheidenentz\u00fcndung davonzutragen. Das ist kein Witz, das ist sehr langwierig und schmerzhaft.<br \/>\nDie Vorarbeit ist fast die selbe wie f\u00fcr Schnabelschuhe. Man mu\u00df sich Schnitte anfertigen. Wie das geht, wurde bereits beschrieben. Es ist nicht sehr anstrengend, weil man haupts\u00e4chlich Kopfarbeit leistet. Der Schuh mu\u00df quasi vor dem geistigen Auge entstehen. Hinterher braucht man nur noch alle St\u00fccke so zusammenflicken, da\u00df es genauso aussieht, wie man es sich vorgestellt hat. Ganz einfach.<br \/>\nStiefel sollten nicht allzu lange Schn\u00e4bel bekommen, das schr\u00e4nkt sie in ihrer Pratikabilit\u00e4t sehr ein. Bis zur halben Fu\u00dfl\u00e4nge ist eine Spitze aber doch zu vertreten. Um die Sache nicht komplizierter zu machen, schlage ich vor, die Spitze wie ebenfalls schon beschrieben dem Spann entlang zu teilen. Aber ich will da niemand Vorschriften machen&#8230; Das Kappenteil geht nahtlos in den Schaft \u00fcber, der das Bein ruhig bis \u00fcber das Knie umh\u00fcllen darf. Als kleine Raffinesse kann man dann n\u00e4mlich diesen &#8222;\u00dcberstand&#8220; als Stulp nach unten schlagen. Eine Sache des pers\u00f6nlichen Geschmacks ist auch die Ausbildung des \u00fcbrigen Schaftes. Da ich meine eigenen Stiefel wirklich im Feld trage, das hei\u00dft mit Kettenpanzer und sonstiger Kledage, war es mir ein inniges Anliegen, sicheren Tritt zu haben. Aus diesem Grund zeigen meine Stiefel an der Wadenseite, wo eigentlich nur eine Naht zu sehen w\u00e4re, Schn\u00fcrung. (Bild \r\n\t<a class=\"paoc-popup-click paoc-popup-cust-6988 paoc-popup-simple_link paoc-popup-link\" href=\"javascript:void(0);\">Stiefelferse<\/a>\r\n\r\n)<br \/>\nAm Schienbein dagegen nicht einmal eine einzige Naht. Ich habe also den Schaft aus einem eizigen gro\u00dfen St\u00fcck Leder geschnitten &#8211; weil ich es einmal hatte. (\r\n\t<a class=\"paoc-popup-click paoc-popup-cust-6990 paoc-popup-simple_link paoc-popup-link\" href=\"javascript:void(0);\">siehe auch Skizze 1<\/a>\r\n\r\n)<br \/>\nDas St\u00fcck, das die Schn\u00fcrung nach der Innenseite zu dicht macht, ist so breit wie der halbe Umfang der Wade und verj\u00fcngt sich naturgem\u00e4\u00df zur Ferse hin, sonst wird der Stiefel unten zu weit.<br \/>\n\r\n\t<a class=\"paoc-popup-click paoc-popup-cust-6992 paoc-popup-simple_link paoc-popup-link\" href=\"javascript:void(0);\">Skizze 3<\/a>\r\n\r\n Eine kleine Schwierigkeit bildet der Knotenpunkt von Schaft, Fersenteil und Sohle. Das l\u00e4\u00dft sich mit Strichen zweidimensional gar \u00fcbel nachempfinden. Selbst fachliche Kompromi\u00dfl\u00f6sungen kann man da entschuldigen, Hauptsache, alles h\u00e4ngt an einem Faden! Normalerweise mu\u00df man den Schaft im Fersenbereich 3 Lederst\u00e4rken l\u00e4nger lassen, da er hier sich um sich selbst und das Fersenteil herumbiegen mu\u00df, um bis an die Sohle zu reichen. Dann bietet es sich an, Keile in der Nahtregion zu entfernen, sonst hat man hier 3 Lagen zwischen Brandsohle und Sohle Herr zu werden (nichtgerechnet die diversen Verwerfungen aufgrund des Engerwerdens):<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6987\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/stiefelspitze.jpg\" alt=\"\" width=\"393\" height=\"271\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/stiefelspitze.jpg 393w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/stiefelspitze-300x207.jpg 300w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/stiefelspitze-350x241.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 393px) 100vw, 393px\" \/> Wenn alle Teile an der Sohle h\u00e4ngen, arbeitet man sich zuerst an den N\u00e4hten zwischen Fersenteil und Schaft nach oben, dann verbindet man das Schaftteil mit linkem und rechtem Spitzenteil und erst zuletzt schlie\u00dft man die Naht \u00fcber dem Spann, die die beiden letzteren miteinander in Ber\u00fchrung bringt. Um diese exponiert liegende Naht zu sch\u00fctzen, gibt es die M\u00f6glichkeit, dar\u00fcber beim Schlie\u00dfen einen Lederstreifen zu legen (\r\n\t<a class=\"paoc-popup-click paoc-popup-cust-6994 paoc-popup-simple_link paoc-popup-link\" href=\"javascript:void(0);\">Skizze 2<\/a>\r\n\r\n), wie ich das wenigstens teilweise tat. (Bild Stiefelspitze &#8211; siehe rechts)<br \/>\nNun noch die L\u00f6cher f\u00fcr die Schn\u00fcrung mit der Lochzange angebracht und \u00d6sen vernietet- fertsch.<br \/>\nWer ernsthaft erwiegt, sich im t\u00e4glichen Mittelalter mit solcherlei Lederlatschen zu bewehren, sollte eventuell daran denken, da\u00df in unseren Breiten Temperaturen im Negativbereich nicht un\u00fcblich sind und deshalb gegebenen Falles Platz f\u00fcr ein Paar dicke Schafwollsocken lassen. Beim n\u00e4chsten Kreuzzug seid ihr dann auch im Vorteil, weil, was gegen K\u00e4lte gut ist, auch gegen Hitze sch\u00fctzt! Nicht umsonst beh\u00e4ngen sich die Sarazenen mit schwarzen T\u00fcchern!<br \/>\nDoch, wie sagt schon eine alte Ritterregel?<br \/>\nEin Ritter, der den Weg nicht kennt,<br \/>\nkommt niemals in den Orient.<br \/>\nAuch nicht mit den besten Stiefeln&#8230;.<br \/>\nIn diesem Sinne, Euer<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Loke Klingsor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschn\u00fcrte Schnabelstiefel Stiefel m\u00f6gen wohl in der heutigen Zeit zu eleganten Vorzeige- und Prestigeobjekten der Fu\u00dfbekleidung verkommen sein- f\u00fcr unsere Ahnen waren sie der festeste und robusteste Schutz gegen allerlei Unbill, der gleich die Beine bis zum Knie vor Dornen, Schlangenbissen, N\u00e4sse, K\u00e4lte und dergleichen mehr bewahrte. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. 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