{"id":7206,"date":"2019-02-23T17:01:55","date_gmt":"2019-02-23T16:01:55","guid":{"rendered":"http:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=7206"},"modified":"2020-10-30T15:10:26","modified_gmt":"2020-10-30T14:10:26","slug":"die-geschichte-des-faerbens","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=7206","title":{"rendered":"Die Geschichte des F\u00e4rbens"},"content":{"rendered":"<h1>Die Geschichte des F\u00e4rbens<\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits in der Steinzeit benutzten die Menschen Farben, wie H\u00f6hlenmalereien im S\u00fcdwesten Europas bezeugen &#8211; eisenoxidhaltige Erde f\u00fcr gelbrot bis braunrot, Kalk &amp; Gips f\u00fcr wei\u00df und Kohle f\u00fcr schwarz. Diese Farben waren zwar von gro\u00dfer Lichtechtheit, doch Feuchtigkeit und mechanische Beanspruchung widerstanden sie nicht. Durch antike Schriftsteller haben wir davon Kenntnis, da\u00df germanische und keltische V\u00f6lker sich vor Schlachten am ganzen K\u00f6rper bunt bemalten. Besonders die Kelten sind f\u00fcr ihre blauen K\u00f6rpert\u00e4ttowierungen bekannt. Doch das F\u00e4rben mit Pflanzen- &amp; Tierextrakten war die einzige M\u00f6glichkeit, Stoffe dauerhaft zu f\u00e4rben. Und so gingen unsere Vorfahren dazu \u00fcber, ihre Kleidung bunt zu f\u00e4rben, vor allem rot und blau waren sehr beliebt. Als die R\u00f6mer, deren vornehmste Farbe Wei\u00df war, den nordischen V\u00f6lkern begegneten, waren sie begeistert von deren bunt gestreiften und karierten Kleidung und ahmten sie nach. Sie waren es die die nordische Mode &#8222;Salonf\u00e4hig&#8220; machten und legten damit den Grundstein f\u00fcr die mittelalterliche Farbenpracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Vorfahren f\u00e4rbten mit den Pflanzen, die ihnen die Natur ihrer Heimat daf\u00fcr gab:<br \/>\nBraun: Eichen- &amp; Birkenrinde<br \/>\nGelb: Birkenbl\u00e4tter, Ginster &amp; Schilf<br \/>\nRot: Blutwurz, Labkraut- &amp; Waldmeisterwurzel<br \/>\nBlau: Waid<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7207\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"272\" \/> Die R\u00f6mer erweiterten die Farbstoffauswahl um Walnu\u00df f\u00fcr Braun, Wau f\u00fcr Gelb, Krapp f\u00fcr Rot. Damals wurden noch alle Stoffe und Gew\u00e4nder in Heimarbeit von der Hausfrau hergestellt und auch das F\u00e4rben war Hausarbeit. Mit der Entwicklung der St\u00e4dte bildeten sich Z\u00fcnfte heraus und so wurde auch bald das F\u00e4rben von Wolle und Stoffen ein Berufszweig. Jedoch war den F\u00e4rbern eine eigene Zunft bis Ende des Mittelalters verwehrt. Sie standen in direkten Abh\u00e4ngigkeit zu den Z\u00fcnften der Tuchh\u00e4ndler und Wollweber, die ihnen strenge Vorschriften auferlegten, um das Verf\u00e4lschen der Farben zu verhindern, und hohe Tarife abverlangten. Gef\u00e4rbt wurde in besonderen F\u00e4rbeh\u00e4usern, die den Tuchmachern geh\u00f6rten und es durfte nur eine bestimmte Menge Tuch oder Wolle am Tag gef\u00e4rbt werden, das danach von den Innungsmeistern gepr\u00fcft wurde. Wurde gegen die Vorschriften versto\u00dfen, durfte das Tuch verbrannt werden und F\u00e4rber &amp; Auftraggeber mu\u00dften hohe Geldbu\u00dfen zahlen. Wenn der arme F\u00e4rber wie meist nicht zahlen konnte, wurde ihm die Hand abgeschlagen. Solche Umst\u00e4nde riefen nat\u00fcrlich allerlei Aufst\u00e4nde und Revolten hervor. So auch im 14. Jh. in der wichtigsten Tuchmachermetropole der Alten Welt: Florenz. Hier hatten sich zuvor die F\u00e4rber bereits in einer religi\u00f6sen Bruderschaft des Onofrio, welcher der Schutzheilige aller F\u00e4rber war, vereinigten und riefen 1371 zum Aufstand auf. Dieser F\u00e4rberstreik dauerte ganze 8 Jahre und endete mit der Gr\u00fcndung 3 neuer Z\u00fcnfte, eine von ihnen war die F\u00e4rberzunft. Soviel Gl\u00fcck hatten aber nicht alle. In Deutschland gab es erst ab dem 16. Jh. eigene F\u00e4rberz\u00fcnfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im allgemeinen werden 3 verschiedene Arten von F\u00e4rbern unterschieden:<br \/>\n&#8211; die Schwarzf\u00e4rber oder auch Schlichtf\u00e4rber f\u00e4rbten Schwarz und alle einfachen Farben<br \/>\n&#8211; die Sch\u00f6nf\u00e4rber f\u00e4rbten feinere Waren in edleren Farben<br \/>\n&#8211; die Seidenf\u00e4rber gab es nur an Orten, wo Seidenzucht &amp; -weberei bl\u00fchte. Sie hatten nie eine Zunft, sondern waren &#8222;freie K\u00fcnstler&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7208\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/2.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"160\" \/> Die Farbenpracht der Kleider war Zeichen der Macht seines Tr\u00e4gers und so dauerte es auch nicht lange, da\u00df es die ersten Kleidervorschriften gab. So war es zwar Karl der Gro\u00dfe, der in seiner Landg\u00fcterverordnung um 800 festlegte, da\u00df Waid und Krapp angebaut und die Kermesschildlaus, die das Scharlachrot lieferte, gez\u00fcchtet werden solle. Doch durch seine christliche Neigung zu einfacher Kleidung genehmigte er dem einfachen trotzdem buntbekleideten Volk nur 6 Ellen graues oder braunes grobes Leinengewebe, das sind 3,60 m. Diese Regelung hat sich bis heute in der Arbeitskleidung gehalten. Sonst war die Kleidung des fr\u00e4nkischen Adels fast schreiend bunt. Ein M\u00f6nch von St.Gallen beschreibt die Karolingerkleidung mit roten Hosen \u00fcber die scharlachrote Wickelbinden gebunden sind, dazu ein grauer oder blauer Mantel, der \u00fcber einem gelben oder gr\u00fcnen Rock getragen wird. Auf dem Kopf trug man noch eine bunte Kappe. Erst durch den Einflu\u00df des orientalischen Christentums wird die Kleidung einfacher und geometrischer. Ab dem 12. Jh., nach den ersten Kreuzz\u00fcgen, konnten sich die nun reichgewordenen Kaufleute die farbenfrohe Kleidung des Adels leisten, was der Adel wieder mit strengen Kleidervorschriften verhindern wollte. So waren einige Farben ausschlie\u00dflich dem Adel vorbehalten, wie Gr\u00fcn, das eine teure Mischfarbe war. So auch Indigoblau, Goldgelb und Scharlachrot. Schwarz war dem niederen Klerus &amp; den Magistern vorbehalten. Das Waidblau und das Krapprot war die Festfarbe f\u00fcr B\u00fcrger &amp; Bauern. Blassgelb hingegen war die Schandfarbe f\u00fcr Juden &amp; Prostituierte. Puppur wurde nur vom Hochadel und dem hohen Klerus getragen, da er der teuerste Farbstoff war. Er wird aus dem Dr\u00fcsensekret verschiedener Purpurschnecken gewonnen, wof\u00fcr man f\u00fcr 1g Purpur 8000 &#8211; 10000 Schnecken ben\u00f6tigt. Die T\u00fcrken beendeten die Purpurherstellung in Europa als sie 1453 Konstantinopel eroberten und dabei die Purpurwerkst\u00e4tten zerst\u00f6rten. Der zweite tierische Farbstoff ist das Scharlachrot. Es stammt von den Kermesschildl\u00e4usen, die zum Johannistag von Leibeigenen von den Pflanzen gesammelt wurden und deren Farbe daher auch Johannisblut genannt wurde. Doch Verbote und Kleidervorschriften hielten das Volk nicht davon ab immer prunkvollere Gew\u00e4nder zu tragen. So begann der Adel damit seine Wappenfarben zu tragen und sich sein Wappentier aufzusticken. So entstand die Mi-partie-Mode, die den K\u00f6rper in 2 oder sogar 4 verschiedene Farbstreifen einteilte. Doch B\u00fcrger und sogar die Bauern ahmten selbst das nach. Importierte Farben wurden nur sehr selten benutzt, weil sie sehr teuer waren. Das \u00e4nderte sich nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien &amp; Amerika. \u00dcber sie kamen neue st\u00e4rkere Farbstoffe nach Europa, wie Brasilholz, Sandelholz, Safran, Saflor, Lackmus und Indigo. Im 16.Jh. wurde der Indigo als &#8222;sch\u00e4dliche und betr\u00fcgliche fressende Teufelsfarbe&#8220; teilweise verboten, weil man um den Waidanbau in Sachsen und Th\u00fcringen f\u00fcrchtete. Doch schon 1610 wurde in Hamburg das Verbot wieder aufgehoben, was den Niedergang des Waidanbaus zur Folge hatte. Krapp blieb der wichtigste rote Farbstoff von der Antike bis ins 19.Jh. Von da an begann der Siegeszug der Teerfarben und der chemischen Farben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7209\" src=\"http:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/3.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"249\" srcset=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/3.jpg 250w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/3-150x150.jpg 150w, https:\/\/shop.mittgard.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/3-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>Normalerweise wird das gesponnene Garn gef\u00e4rbt und nicht das fertige Tuch. Eine intensive Farbe erzielt man nicht, indem man die Wolle lange im F\u00e4rbebad liegen l\u00e4\u00dft, sondern indem man sie mehrfach mit derselben Farbe \u00fcberf\u00e4rbt. Das Farbergebnis h\u00e4ngt von vielen oft unw\u00e4gbaren Faktoren ab, so z.B. der Wasserh\u00e4rte und dem Mineralstoffgehalt. Das gleiche F\u00e4rbekraut kann bei verschiedenen Wasserh\u00e4rten v\u00f6llig unterschiedliche Farbs\u00e4ttigungen ergeben. Das wichtigste beim F\u00e4rben ist die Beize. Sie ist die chemische Br\u00fccke zwischen Farbstoff und Faser. Mit Naturfarben k\u00f6nnen aber auch nur Naturstoffe gef\u00e4rbt werden, wie Wolle &amp; Leinen. Die Stoffe d\u00fcrfen keine chemischen Anteile enthalten, die die Farbe nicht annehmen, das Ergebnis w\u00e4re sonst fleckig. Als Beize wurde fr\u00fcher Essig und Ammoniak in Form von Urin verwendet, heute benutzt man Chrom, Eisen, Zinn, Weinstein und Alaun, besonders oft letztere beiden. Die Beize beeinflu\u00dft die F\u00e4rbung: Chrom intensiviert die Farben, Eisen hingegen l\u00e4\u00dft sie matter erscheinen.<br \/>\nDas Beizen geht folgenderma\u00dfen vonstatten: 120g Alaun und 30g Weinstein werden in etwas hei\u00dfem Wasser aufgel\u00f6st, dem man 16 Liter m\u00f6glichst weiches Wasser hinzugibt. Dem wird etwa ein Pfund gewaschene zu einem lockeren Strang gebundene Wolle zugegeben, die aber noch Wollfett enthalten sollte, um die Farbe besser anzunehmen. Das F\u00e4rbegut wird 1 Stunde in der Beize gekocht und anschlie\u00dfend sanft ausgedr\u00fcckt. Falls die Wolle sich klebrig anf\u00fchlt, war zuviel Alaun in der Beize und sie sollte noch etwas mit Wasser verd\u00fcnnt werden. F\u00fcr das eigentliche F\u00e4rben braucht man einen gro\u00dfen Kessel oder emaillierten Topf, die sogenannte K\u00fcpe. Darin wird die F\u00e4rbedroge ausgekocht und nach deren Abk\u00fchlen gibt man das F\u00e4rbegut hinzu. Das l\u00e4\u00dft man wieder eine halbe bis eine ganze Stunde kochen. Wenn die Wolle abgek\u00fchlt ist, nimmt man sie heraus und sp\u00fclt sie mit kaltem Wasser ab. Damit die Farbe noch besser h\u00e4lt, kann man nach dem F\u00e4rben nochmals beizen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Rezepturen und Anleitungen zum F\u00e4rben findet Ihr unter <a href=\"https:\/\/shop.mittgard.de\/?page_id=7212\">&#8222;Anleitung zum F\u00e4rben mit Pflanzen&#8220;<\/a>.<br \/>\nNun viel Erfolg beim Ausprobieren w\u00fcnscht Euch die Ines!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte des F\u00e4rbens Bereits in der Steinzeit benutzten die Menschen Farben, wie H\u00f6hlenmalereien im S\u00fcdwesten Europas bezeugen &#8211; eisenoxidhaltige Erde f\u00fcr gelbrot bis braunrot, Kalk &amp; Gips f\u00fcr wei\u00df und Kohle f\u00fcr schwarz. Diese Farben waren zwar von gro\u00dfer Lichtechtheit, doch Feuchtigkeit und mechanische Beanspruchung widerstanden sie nicht. 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